Antwort aus der Stille - Frisch, Max

Max Frisch 

Antwort aus der Stille

Eine Erzählung aus den Bergen. Nachw. v. Peter von Matt

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Antwort aus der Stille

Max Frisch debutierte 1934 mit dem Roman Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt. Drei Jahre später publizierte er, ebenfalls in der Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart / Berlin), die "Erzählung aus den Bergen" mit dem Titel Antwort aus der Stille.

In der Ausgabe seiner Gesammelten Werke, veranstaltet anläßlich des 60. Geburtstags, erscheint diese Erzählung auf Wunsch des Autors nicht.

Mehr als 70 Jahre später ist dieses Frühwerk nun zum ersten Mal wieder zugänglich. Bereits hier wird das in Frischs Oeuvre dominante Motto der biographischen Identität - das in dieser Lebensphase des Autors auch eine autobiographische Dimension besitzt - zum Thema: Gibt es eine Selbstverwirklichung außerhalb der künstlerischen Existenz? Oder in den Worten der Antwort aus der Stille: War man nur ein zu verachtender "gewöhnlicher Bürger", wenn man auf das Wagnis des Außerordentlich verzichtet?Wenn Max Frisch das kurz nach Erscheinen von Antwort aus der Stille abgelegte Gelübde, nie wieder etwas zu schreiben, bricht - dann ist die Erklärung der Entscheidung für den Beruf des Schriftstellers in dieser Erzählung zu finden: Sie bildet somit das zentrale Movens seines gesamten Schaffens.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 171 S.
  • Seitenzahl: 171
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 127mm x 16mm
  • Gewicht: 269g
  • ISBN-13: 9783518421284
  • ISBN-10: 351842128X
  • Best.Nr.: 26391186
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.12.2009

Küsse in der Gipfelhütte
Fingerübung, missglückt: Max Frischs frühe Erzählung "Antwort aus der Stille"

Natürlich geht der Neuauflage eines Werkes, das der Autor selbst nicht mehr gedruckt sehen wollte, eine Güterabwägung voraus. Max Frisch hatte "Antwort aus der Stille", seine Erzählung aus den Bergen (erstmals publiziert 1937), gegenüber Hans Mayer, dem Herausgeber der "Gesammelten Werke", als missglückt bezeichnet und eigenhändig von der Ausgabe ausgeschlossen. Soll der Wille des Schriftstellers akzeptiert werden, der einen Hang zur zwanghaften Kontrolle seines OEuvres hatte und Missratenes jeweils lustvoll verbrannte? Oder ist die literarische Substanz so augenfällig, dass sich die Übertretung des Autorengebotes geradezu aufdrängt?

Der Germanist und Stiftungsratspräsident der Zürcher Max-Frisch-Stiftung, Peter von Matt, hat sich für die zweite Variante entschieden und die Erzählung in einer eigenständigen Publikation neu herausgebracht. Das ist, angesichts der Schwäche dieses frühen Textes - Frisch schrieb das "Jugendwerk" mit fünfundzwanzig Jahren -, mit Sicherheit eine unglückliche Entscheidung. Frisch selbst hatte …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.11.2009

Der Gipfelstürmer als Massenmensch
Zur Wiederveröffentlichung von Max Frischs Bergerzählung „Antwort aus der Stille” aus dem Jahr 1937
Im Herbst 1937, er war 26 Jahre alt, veranstaltete Max Frisch ein großes Autodafé. Rückblickend hat er beschrieben, wie er seine Manuskripte und Tagebücher zusammenschnürte und verbrannte: „Ich mußte zweimal in den Wald hinaufgehen, so viele Bündel gab es, und es war, ich erinnere mich, ein regnerischer Tag, wo das Feuer immer wieder in der Nässe erstickte, ich brauchte eine ganze Schachtel Streichhölzer, bis ich mit dem Gefühl der Erleichterung, auch der Leere weitergehen konnte.”
Durch die Manuskriptverbrennung ließ sich nicht aus der Welt schaffen, was Frisch bis dahin bereits publiziert hatte: den Romanerstling „Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt” (1934), die Aufsätze und Rezensionen in Zeitungen und Zeitschriften. Und nahezu parallel zur Manuskriptverbrennung war der zweite größere Prosatext des jungen Autors erschienen, wie sein Vorgänger bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart, mithin in einem Verlag im Deutschen Reich, der regimekritischer Neigungen unverdächtig war: …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Max Frisch hielt seine Erzählung "Antwort aus der Stille", erstmals 1937 veröffentlicht, für misslungen, und Pia  Reinacher muss ihm da uneingeschränkt Recht geben. Denn die Geschichte um einen Dreißigjährigen in tiefer Identitätskrise, der in den Bergen in Lebensgefahr gerät und als ein Geläuterter zurückkehrt, strotzt nur so vor Kitsch, Sentimentalität und Pathos, urteilt die Rezensentin. Zwar müsse man einem Autor vom Rang Frischs ein misslungenes Jugendwerk nicht weiter übelnehmen, aber dem Herausgeber Peter von Matt will Reinacher Vorwürfe nicht ersparen. Denn sie findet, dass gerade möglichen Frisch-Erstlesern damit ein falsches Bild vom Schweizer Schriftsteller vermittelt wird. Als Teil einer Gesamtausgabe oder im Kontext anderer Arbeiten aus der Zeit hätte dieses frühe Werk die notwendige Relativierung erfahren, als eigenständige Publikation aber präsentiert sich die Erzählung als unglückliche Etüde eines "Nachwuchsdichters", so die Rezensentin unfroh.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Was die Erzählung ... zum Erscheinen bringt, ist der existenzielle Bodensatz des Schriftstellers Frisch: eine erbitterte Suche nach Lebensmöglichkeiten, ohne sich anzubiedern an ein vorgefasstes System, eine Sehnsucht nach Anfang, aber auch Angst, in die Tiefe zu stürzen. Vielleicht hat man am meisten von diesem Text, wenn man das, was zur eigenen Frisch-Sozialisation gehört, vergisst und sich dem Strudel eines eben beginnenden Schriftstellerlebens überlässt."
Ingeborg Gleichauf Badische Zeitung
Max Frisch, 15. Mai 1911- 4. April 1991, studierte Germanistik an der Universität Zürich (1930-34) und Architektur an der ETH Zürich (1936-40). Ab 1931 arbeitete er als Journalist, später als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Auslandsreisen führten ihn u.a. 1951/52 für einen längeren Aufenthalt in die USA. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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