Anatomie des Faschismus - Paxton, Robert O.

Robert O. Paxton 

Anatomie des Faschismus

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Anatomie des Faschismus

Der Faschismus war eine der bedeutendsten politischen Kräfte des 20. Jahrhunderts und Quelle millionenfachen Unglücks. Das Geheimnis seiner Attraktivität erscheint angesichts der Horrorbilanz, die er hinterlassen hat, immer noch rätselhaft. Robert O. Paxton trägt zu einem neuen Verständnis des Phänomens bei. In einer vergleichenden Studie analysiert er, wie der Faschismus in den verschiedenen europäischen Ländern in Aktion trat, unter welchen Bedingungen er mächtig werden konnte und welche Gefahr noch heute von ihm ausgeht. In einer Zeit massiver sozialer und sicherheitspolitischer Herausforderungen neigen demokratische Gesellschaften dazu, bürgerliche Freiheiten zu beschneiden und nach rechts zu rücken. Das war in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so, das kennzeichnet aber auch die Politik dieser Tage, sei es in Italien, den Niederlanden oder den USA. Paxton macht kenntlich, an welchen Punkten die zivilisatorischen Grenzen überschritten werden.
Diepolitische Verführungskraft des Faschismus ist nach wie vor vorhanden. Um so dringlicher ist es, seine Funktionsweise zu verstehen.
Faschisten rücken immer dann näher an die Macht, wenn die konservativen Kräfte der Gesellschaft beginnen, sich ihre Techniken auszuleihen.


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 447 S.
  • Seitenzahl: 447
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 640g
  • ISBN-13: 9783421059130
  • ISBN-10: 3421059136
  • Best.Nr.: 20751998
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.05.2006

Äußerste Radikalisierung
Robert O. Paxton vereinnahmt auch die NSDAP und formuliert eine transnationale Faschismustheorie

Nach wie vor wird der Begriff Faschismus zu geschichtspolitischer Meuchelei, zur Ersetzung von Argumenten durch Tabus verwendet. Zugleich bleibt Faschismus Testgebiet für mögliche Gefährdung und Selbstgefährdung unserer Demokratie. All dies stimuliert wissenschaftlichen Ehrgeiz dazu, ein komplexes Phänomen zum System zu verrahmen, das 1919/1921 von Italien aus als neue Doktrin von der Nation in Waffen seinen Ausgang nahm. Im Zeichen der altrömischen Magistratsgewalt, dem fascio dei littori, sollte das ganze Volk zum einigen, hierarchisch disziplinierten Kampfbund sakralisiert werden. Eifersüchtig gehegte Nachahmungen oder Vergabelungen von Faschismus zählte man fortan weltweit. Noch heute will man Populisten, manches Tun des amerikanischen Präsidenten oder die Globalisierung als Imperialfaschismus unter ein gemeinsames Begriffsdach zwängen. Seine Tragkraft wird jetzt von Robert Paxton überprüft.

Damit der generische Faschismus nicht entschwindet, geht Paxton pragmatisch vor, indem er "einen frischen Blick" wirft …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Micha Brumlik leuchtet Robert O. Paxtons "Anatomie des Faschismus" voll und ganz ein. Er fühlt sich "gründlich informiert", kann jetzt auch aktuelle europäische Ausformungen des Faschismus besser verstehen und geht mit der Fünfphasentheorie Paxtons völlig konform, nach der die Entwicklung eines faschistischen Systems sowohl geistesgeschichtliche, soziologische und politische Züge hat. Der "ebenso anregende wie besonnene" Stil gefällt, die "vorzügliche" Übersetzung von Dietmar Zimmer überzeugt. Und mit der Bibliografie, die dem Buch zu einem "hohen Gebrauchswert" verhilft, habe ein Student der Sozialwissenschaften für Jahre ausgesorgt. Eines stört Brumlik aber gewaltig. Dass Paxton nicht versucht, den radikalen Islamismus mit Hilfe seiner Theorie auf seine faschistischen Elemente zu untersuchen. Nach Brumlik jedenfalls sei der Iran unter Ahmadinedschad bereits in der vierten Phase und damit vorletzten Phase angelangt: "Der Faschismus ist an der Macht."

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.05.2006

Schillernder Kampfbegriff
Der Begriff ist schillernd wie seine Interpretation widersprüchlich. Für die Kommunisten war die Sache klar: Der Faschismus sei die Ausgeburt des krisenhaften Kapitalismus, der sich gezwungen sehe, seine Ziele wegen des ständig steigenden Rohstoffbedarfs und der erforderlichen Arbeitermassen mit Gewalt und Krieg durchzusetzen. Für andere waren die Faschisten lediglich eine wahnsinnige Verbrecherbande. In Brechts Gangster Arturo Ui sind beide Theorien in einer Person vereinigt.
Robert O. Paxton hält sich nicht lange mit solchen simplen Erklärungsversuchen auf. In seiner 2004 geschriebenen, jetzt auf Deutsch erschienenen „Anatomie des Faschismus” (DVA, München 2006. 448 Seiten, 24,90 Euro) analysiert der emeritierte amerikanische Geschichtsprofessor kühl wie ein Insektenforscher. Sein spannend zu lesendes Buch lässt sich auch nicht von den Eigeninterpretationen der Faschisten (und Nazis) beeindrucken, sondern beurteilt das Wesen der Diktaturen allein nach ihren Taten und ihren historischen Bedingtheiten. Aber, ohne den Kampfbegriff zu sehr zu strapazieren, sieht er auch heute noch die Gefahr einer Wiedergeburt nicht als völlig überwunden an - selbst in den USA nicht.
hsm
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"Mit seiner meisterhaften Studie hat Robert O. Paxton das nahezu Unmögliche geschafft: Er bringt frischen Wind in oftmals abgestandene Debatten und neue Einsichten zu dem bereits so ausgiebig erforschten Phänomen des Faschismus." Ian Kershaw
Robert O. Paxton, geboren 1932, ist emeritierter Professor für Geschichte an der Columbia University, New York. Er hat zahlreiche Bücher über Europa und insbesondere Frankreich im 20. Jahrhundert veröffentlicht und wurde für seine Studien über Vichy-Frankreich mehrfach ausgezeichnet. Im Frühjahr 2006 ist er Gast an der American Academy in Berlin.

Leseprobe zu "Anatomie des Faschismus"

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