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| Bewertung von Lettersalad am 18.01.2012 | |
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Jef, seine Schwester Renée und Nesthäkchen Remi wachsen im belgischen Hasselt während des Zweiten Weltkriegs auf. Angst, Hunger und Bombenalarm gehören längst zum Alltag dazu, doch alle drei haben einen Weg gefunden, das Leben erträglicher zu machen: Musik. In der örtlichen Kneipe gestatten die Deutschen ihnen sogar, bis weit über die Ausgangssperre hinaus zu spielen. Eines Tages stößt Ward zu ihnen, ein begnadeter Saxophonist. Er und Jef freunden sich schnell an, der kleine Remi blickt zu Ward auf, wie zu einem großen Helden und Renée verliebt sich in den charmanten Ward, der ihre Gefühle sogar erwidert. Doch es ist Krieg und Belgien steht zwischen allen Fronten. Die Gefahr durch die deutschen Besatzer, darunter auch einige aus der "Schwarzen Garde" lauert an allen Ecken. Doch laut des neuen Priesters im Dorf geht die Gefahr für die Flamen nicht nur von den Deutschen aus; die kommunistischen und ungläubigen Russen sind auf dem Weg nach Belgien und wollen das Land und den christlichen Glauben vernichten. Hitler und Belgien haben in dieser Hinsicht doch einen gemeinsamen Feind, oder nicht? Von dieser fanatischen Idee lassen sich viele junge Schüler aus Flandern, darunter auch Ward und Jef schnell begeistern, denn schließlich will in solchen Zeiten doch jeder ein Held werden und für das Vaterland kämpfen. Ward tritt der "Schwarzen Garde" bei und zieht als deutscher Soldat 1944 an die Ostfront. In eine Schlacht, die doch eigentlich schon längst verloren ist. Dabei weiß Ward sehr wohl, was ihm blüht, wenn er nach Hause zurückkehren wird. Für die Belgier ist er kein Held, kein Soldat, kein Kämpfer für die Freiheit, sondern lediglich ein Kollaborateur, ein Nazi. Und denen gnade Gott. Die Geschichte wird aus der Sicht von allen vier Personen erzählt. Die Erzähler wechseln sogar innerhalb eines Kapitels, ohne dass der Leser zu Beginn drauf hingewiesen wird. Ich fand das etwas mühselig, da man im ersten Abschnitt nicht immer direkt herauslesen konnte, wer denn nun erzählt. Noch schwieriger wird es dann, als auch noch die Zeitebene kontinuierlich wechselt. Es wird aus der Vergangenheit erzählt, aus der Nachkriegszeit, als auch aus der fernen Zukunft (Ende der 60er Jahre.) Letzteres führt mich dabei gleich zum nächsten kleinen Kritikpunkt. Der Prolog ist ein Ausschnitt aus der Zukunft und spielt auf einer Beerdigung. Dem Leser ist somit über das gesamte Buch hinweg klar, dass ein Charakter am Ende sterben wird und das auf eine ziemlich unrühmliche Weise. Die Familie redet nicht direkt abwertend über die Person, aber doch sehr kühl und distanziert. Mir war sofort klar, dass diese Person, die leider auch noch namentlich erwähnt wird, im Verlauf des Buches in Ungnade fallen wird. Warum machen Autoren so etwas nur? Durch diesen Umstand wollte einfach nicht so recht Spannung aufkommen, da man zumindest immer eine sehr genaue Ahnung hatte, wie die Geschichte ausgehen wird. Dabei ist die Story wirklich außergewöhnlich, erzählt den Krieg einmal aus einer ganz anderen Perspektive und ich mochte besonders die Figuren Ward und Remi sehr, sehr gerne. Die Umstände während und nach dem Krieg werden sehr authentisch dargestellt und vermittelt. Das Orchester kann man im eigenen Ohr fast spielen hören und man zittert automatisch mit, wenn es an der Tür klopft, aus lauter Angst, es könnten deutsche Soldaten sein. Das Buch vermittelt, das nicht immer strikt in Gut und Böse unterteilt werden kann und das besonders in solchen Zeiten, eines zum anderen werden kann. Ein Buch übers Fehler machen, Angst haben und damit Weiterleben müssen. Denjenigen, die sich für das Buch interessieren, möchte ich allerdings raten, den Prolog erst am Ende zu lesen, damit er euch und dem Aufbau der Spannung während des Lesens nicht ständig im Weg steht und euch schlussendlich womöglich noch ein Bein stellt. |
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