Alles Land - Lendle, Jo

Jo Lendle 

Alles Land

Roman

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Alles Land

Ein fesselnder Abenteuerroman über den letzten großen Helden der Polarforschung.

Alfred Wegener ist ein Getriebener. 1930 bricht er auf, um der Menschheit zu zeigen, dass es möglich ist, am einsamsten Punkt der Erde, im grönländischen Inlandeis, zu überwintern. Aber es gibt Schwierigkeiten - er schafft es nicht mehr zurück zur Küste.

Von Wegeners eisigem Grab aus blickt Jo Lendle zurück auf das Leben dieses letzten großen Helden der Polarforschung und verharrt überall dort, wo sich Geschichten darin finden: wie Wegener unfreiwillig einen Rekord aufstellt, indem er 52 Stunden mit einem Heißluftballon in der Luft bleibt, oder wie er von der versammelten Wissenschaftsgemeinde für seine verwegene Theorie der Kontinentaldrift ausgelacht wird, für die er erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod Anerkennung findet. Alfred Wegener verschrieb sein Leben der Forschung, war voll der Faszination für Abwegiges, aber auch ein Zweifler mit einer großen Sehnsucht nach Einsamkeit. Ein Leben wie ein Abenteuerroman - den Jo Lendle jetzt erzählt.



Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 376 S.
  • Seitenzahl: 376
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 139mm x 38mm
  • Gewicht: 545g
  • ISBN-13: 9783421045256
  • ISBN-10: 3421045259
  • Best.Nr.: 33333564

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr angeregt berichtet Tilman Spreckelsen von der Lektüre dieser Romanbiografie über den Entdecker der "Kontinentaldrift", Alfred Wegener. So instruktiv er die Lektüre schildert, es ist doch ein Roman, der niemals prätendiert, ein authentisches Bild des Forschers zu liefern, versichert der Rezensent, dem ganz besonders gefallen hat, wie Lendle die Bewegung der Kontinentaldrift auch auf andere Verhältnisse überträgt - etwa die Liebe Wegeners zu seiner Frau - ohne sie zu auffälligen Metapher werden zu lassen.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Ein großartiges Buch. Ein wunderbarer Roman über Alfred Wegener - ein Sonderling, aber auch ein genialer Mensch." -- Wolfgang Herles, ZDF<br/><br/>"Ich habe das Buch fasziniert gelesen. Grönland im Winter. Diese Dunkelheit, diese Kälte. Auch diese ewige Todesnähe. Man spürt den eisigen Wind, man spürt die Gefahr und man spürt diese Einsamkeit, der er sich ausgesetzt hat. Sehr spannend und schön zu lesen." -- Antje Deistler, WDR 2, Bücher<br/><br/>"Jo Lendle erweist sich einmal mehr als gewandter Reiseführer, indem er eine Persönlichkeit aus der Naturwissenschaftsgeschichte birgt und sie poetisch fruchtbar macht. Dabei erfindet er auf wundersame Weise eine Figur, die Einsamkeit in ihren topografischen und psychologischen Extremen erlebt, die sich von der Welt trennt um sie in ihrem Innersten zu erklären. Eine poetische Biografie, so originär und wunderbar zu studieren wie eine Eisblume." -- Katrin Schumacher, DeutschlandRadio

»Jo Lendle erweist sich einmal mehr als gewandter Reiseführer, indem er eine Persönlichkeit aus der Naturwissenschaftsgeschichte birgt und sie poetisch fruchtbar macht. Dabei erfindet er auf wundersame Weise eine Figur, die Einsamkeit in ihren topografischen und psychologischen Extremen erlebt, die sich von der Welt trennt um sie in ihrem Innersten zu erklären. Eine poetische Biografie, so originär und wunderbar zu studieren wie eine Eisblume.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.12.2011

Warten auf eine neue Eiszeit

In den Romanen von Jo Lendle und Ilija Trojanow finden Männer ihr Glück im ewigen Eis - einmal zur Freude der Leser, einmal nicht.

Dass einer, der reist, davon auch zu erzählen hat, ist sprichwörtlich verbürgt. Dass sich aber, je leichter inzwischen noch die entlegensten Ziele zu erreichen sind, das Erzählen umso weniger auf das bloße Schildern des Ziels zurückziehen kann, ist ebenso evident. Und so ist die Erfahrung aus zweihundert Jahren Reisepublizistik die einer fortgesetzten Entzauberung: Wer heute noch das Lesepublikum durch einen dürren Bericht über seine Reise zu den Nilquellen fesseln kann, ist ein Genie. Und wenn inzwischen beim Nacherzählen historischer Entdeckungsfahrten gewöhnlich ein wesentlicher Punkt in der Darstellung all dessen liegt, was damals schwerer war, das Ertragen extremer Witterung, die mangelnde Kommunikation mit der Außenwelt, die Unsicherheit über die Rückkehr, dann verliert gleichzeitig die schiere Landschaft einen Teil ihrer Faszination. Nach Legionen von Bildbänden meinen wir sie zu kennen. Auch wenn die abgelegensten Orte der Erde, die Polkappen, gegenwärtig einem Wandel …

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"Der Wissenschaftsroman überzeugt besonders in den Abschnitten, die die verschiedenen Expeditionen Wegeners schildern. Man meint, den Wind, die Kälte, den Schnee und die grenzenlose Einsamkeit im ewigen Eis zu spüren." Ruhr Nachrichten, 05.09.2011

»Jo Lendle erweist sich einmal mehr als gewandter Reiseführer, indem er eine Persönlichkeit aus der Naturwissenschaftsgeschichte birgt und sie poetisch fruchtbar macht. Dabei erfindet er auf wundersame Weise eine Figur, die Einsamkeit in ihren topografischen und psychologischen Extremen erlebt, die sich von der Welt trennt um sie in ihrem Innersten zu erklären. Eine poetische Biografie, so originär und wunderbar zu studieren wie eine Eisblume.«
Jo Lendle wurde 1968 in Osnabrück geboren. Er war Herausgeber der Literaturzeitschrift Edit und als Dozent und Gastprofessor an den Universitäten München, Leipzig und Hildesheim tätig. Jo Lendle lebt heute in Köln.

Leseprobe zu "Alles Land" von Jo Lendle

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Leseprobe zu "Alles Land" von Jo Lendle

"Die äußere Hörbarkeitsgrenze (S. 252-253)

Es war früher Morgen, als Georgi sie weckte. Ein unwirklicher, zauberhafter Lichtschein drang durch die Decke. Wegener zog sich die leidlich getrockneten Kleidungsstücke an: die Tuchhose, das gebügelte Unterhemd, die Hundefellhose, seine dicken, ausgestopften Pelzstiefel, das Skihemd, die blaue Weste. Nach einem Frühstück aus Haifischstücken in Brotsuppe versorgte Wegener noch einmal Loewes Wunden. Über Nacht waren einige kleinere Knochenteile herausgeeitert.

Da sie kein weiteres Verbandsmaterial hatten, zupfte er mit der Pinzette die Splitter aus der Gaze und verwendete den Rest erneut. Die Wolljacke, darüber den Anorak aus Hundefell, seine wollene Windjacke, den Kopfschützer, dazu die Pulswärmer, seine Mütze, die Pelzhandschuhe. Georgi sah ihn an. Ob er sich ausreichend erholt fühle für die lange Reise. Wegener winkte ab. Je früher sie hinauskämen, desto mehr Zeit blieb ihnen, bevor es endgültig dunkel wurde. Außerdem fühle er sich stark wie selten zuvor, er könnte Bäume ausreißen. Georgi lächelte: »Das lässt sich hier draußen schwerlich beweisen.«

Wieder die steile Treppe. Wie der Überdruss in Wegener hochstieg, als er ins Freie trat, hinaus in Sturm, Schnee, Licht und Kälte, in Leere, Frost und Lebensfeindschaft. All das begrüßte ihn mit einer trostlosen, unveränderlichen Maßlosigkeit, der er ohnmächtig gegenüberstand. Ein auf beiden Seiten bewegter Abschied, die Umarmungen vielleicht noch einen Moment länger als bei der Begrüßung. Georgi schien von ihrem kleinen Disput über die Ausrüstung der Station tatsächlich keinen Gram zurückbehalten zu haben. Und auch Wegeners eigener Ärger war verzogen. Worüber sollte er sich ärgern?

Sosehr man daheim am Schreibtisch bei der Vorbereitung hoffte, alles im Voraus berechnen zu können – kein Reisender in diesen Gebieten hatte einen Anspruch darauf, verschont zu bleiben: von Fehlern, von Missgeschick, von der Unwägbarkeit, in der sie alle lebten. Wegener spürte, dass ihr Abschied für Georgi und Sorge härter war als für sie selbst. Immerhin konnten sie nun etwas unternehmen, sie konnten sich retten. Georgi sah aus, als müsste er sich nach ihrem Verschwinden erst einmal auf den Abort zurückziehen, um seine Fassung wiederzufinden.

Vor dem Aufbruch schlachteten sie die drei schlechtesten Hunde. Einer wurde an die verbleibenden Tiere verfüttert, zwei blieben dort, als Fleischreserve für den Winter. Die Skier unterbinden. Die Stöcke greifen. Hinausgehen. Die Augen zu Schlitzen schließen und einen Fuß vor den anderen setzen. Wegener lief hinter dem Hundeschlitten her, stolperte über Windfurchen. Innerhalb von Minuten hatte er Rasmus aus den Augen verloren, auch wenn er wahrscheinlich direkt neben ihm lief."

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