Alle, alle lieben dich - O'Nan, Stewart

Stewart O'Nan 

Alle, alle lieben dich

Roman

Aus d. Engl. v. Thomas Gunkel
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Produktbeschreibung zu Alle, alle lieben dich

Es ist ihr letzter Sommer vor dem College, der beste Sommer seit der achten Klasse. Kim badet im Fluss, steigt in ihren alten Chevy und macht sich auf den Weg zum Schnellrestaurant, wo sie arbeitet. Dann verliert sich ihre Spur.Familie, Freunde, Polizei plötzlich sind alle betroffen. Kims Verschwinden rührt an den Grundfesten der mittelständischen Ordnung. Aus Menschen, die sie kannten, werden solche, die sie bloß zu kennen glaubten. Sie werden sich selbst und einander verdächtig. Und halten nach Kräften an dem fest, was ihnen zu entgleiten droht: Kim oder die Erinnerung an sie, die kleinstädtische Ruhe - und die eigenen Geheimnisse.Mit feinem Gespür für die abgründigen Schattierungen des Alltäglichen zeichnet Stewart O Nan das Psychogramm einer Kleinstadt im Ausnahmezustand. Ein hochliterarischer Thriller - unaufdringlich anrührend und von nachgerade beklemmender Präzision.

Produktinformation


  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 410 S.
  • Seitenzahl: 410
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 34mm
  • Gewicht: 514g
  • ISBN-13: 9783498050382
  • ISBN-10: 3498050389
  • Best.Nr.: 23844748

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Jürgen Brocan hat sich von Stewart O'Nans neuem Roman völlig aufsaugen lassen. So realitätsnah und intensiv findet der Rezensent das Szenario, so präzise und scharfsichtig die Beschreibung des amerikanischen Alltags, dass er das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Erzählt wird in "Alle, alle lieben dich" (diesen deutschen Titel findet Brocan allerdings etwas melodramatisch) die Geschichte eines Verschwindens: Die junge Kim Larsen scheint sich eines schönen Sommertages in Luft aufgelöst zu haben. Die Familie ist ratlos, organisiert Suchaktionen und wartet mit schwindender Hoffnung auf ein Lebenszeichen. Nicht die Gründe für Kims Verschwinden stehen bei O'Nan im Fokus des Interesses, informiert der Rezensent, sondern das, was diese Leerstelle mit denen macht, die mit der Ungewissheit leben müssen. Kims Vater zum Beispiel, der sich plötzlich nutzlos vorkommt, oder ihre Mutter, die im Gegenteil in erstaunlichem Aktivismus aufblüht. Das weiß O'Nan meisterhaft darzustellen, findet Brocan, der aber bereits bessere Roman des Autors gelesen hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.01.2009

Das Leben nach der Katastrophe
Stewart O’Nan erzählt in seinem neuen Roman „Alle, alle lieben dich” vom Verschwinden eines Mädchens
Im Kreis der Familie Larsen gibt es ein eingespieltes Ritual: „Jedes Mal, wenn sie sich auf engem Raum drängten wie in der Küche, rief der Erste, dem es auffiel: ‚Die ganze Familie in einem Zimmer.‘” Eine kleine, etwas alberne Angewohnheit, die ab dem Juli 2005 aus dem Leben der Larsens getilgt ist, wie sich überhaupt dieses Leben schlagartig verändert – Kim, die achtzehnjährige Tochter, verschwindet an einem heißen Sommertag spurlos. Gerade war sie noch mit ihren Freundinnen am Fluss baden, hat sich in ihr Auto gesetzt, um zur Arbeit zu fahren, einer Aushilfstätigkeit an der Tankstelle. Dann verliert sich ihre Spur. Es sollte der beste Sommer ihres Lebens werden, „der Sommer, von dem sie seit der achten Klasse geträumt hatten.”
Bereits in seinem im Jahr 2005 erschienenen fabelhaften Roman „Abschied von Chautauqua” zieht sich das Motiv eines an einer Tankstelle verschwundenen Mädchens bedrohlich über die brüchige Idylle einer Sommerfrische. Nun hat O’Nan aus diesem Stoff einen ganzen Roman …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.02.2009

Und sie erwachten in einem Albtraum

Stewart O'Nan erzählt in seinem ergreifenden neuen Roman "Alle, alle lieben dich" von einem Weiterleben ohne Tochter, Schwester und Freundin.

Von Alexander Müller

Eigentlich wollte Kim Larsen nur weg aus Kingsville, Ohio. Sie freute sich darauf, nach diesem Sommer aufs College zu gehen, wo sie ein anderer, unabhängiger Menschen werden wollte, der nichts mehr mit der beklemmenden Kleinstadt des Mittleren Westens zu tun hat. Doch dann verschwindet die Achtzehnjährige spurlos, und ihr zunächst ungewisses Schicksal schreibt ihren Namen umso tiefer in die Heimat ein. Die erhoffte Veränderung einer Einzelnen, die nun fehlt, erzwingt die ungewollte Veränderung aller, die sie vermissen: ihrer Familie, ihrer Freunde, letztlich der ganzen Gemeinde, die sich an der Suche nach Kim in unterschiedlichster Form beteiligt.

Mehr als zehn Jahre habe ihn die Idee zu diesem Roman beschäftigt, sagte Stewart O'Nan vor wenigen Tagen bei der Vorstellung von "Alle, alle lieben dich" im Münchner Amerika-Haus. Anlässlich eines authentischen Falls, der sich im Bundesstaat Minnesota ereignet hatte, habe er darüber …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein junges Mädchen verschwindet spurlos - eben noch war sie mit ihren Freunden beim Baden, ein paar Stunden später schon wird sie vermisst. So beginnt "Alle, alle lieben dich", und was auf den nächsten 400 Seiten folgt, ist die Chronologie einer verzweifelten Suche. Statt sich auf die Ermittlungsarbeiten der Polizei zu stürzen oder dem vermissten Mädchen Kim durch die Qualen einer Entführung zu folgen, konzentriert sich Stewart O'Nan in seinem Roman voll und ganz auf die Zurückgebliebenen. Während Kims Mutter Fran sich mit jedem weiteren Tag des Wartens und Suchens zu einer Expertin im Eintreiben von Spendengeldern und dem Umgang mit der Presse entwickelt, zieht sich Vater Ed immer mehr zurück; Kims jüngere Schwester Lindsay handelt derweil mit sich selbst Versprechen aus, was sie alles tun wird, wenn die große Schwester wieder zurückkommt. Als allwissender Erzähler nimmt O'Nan abwechselnd die Blickwinkel aller beteiligten Personen ein und zeigt die vielfältigen Gefühle und Reaktionen, die das Verschwinden einer Tochter, einer Freundin, einer Schwester auslösen kann. Spannend im Sinne eines Krimis ist das nicht - eher quälend und zäh. Doch genau das ist das Grandiose an "Alle, alle lieben dich": Die Geschichte trifft, sie nagt an den Emotionen des Lesers. Und während man in einer Sekunde Kims Mutter für ihren betroffenen Blick in die Fernsehkameras tierisch doof findet, fragt man sich in der nächsten: Wie würde ich eigentlich reagieren? (jul)
Stewart O'Nan wurde 1961 in Pittsburgh geboren und wuchs in Boston auf. Er arbeitete als Flugzeugingenieur und studierte in Cornwell Literaturwissenschaft. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Conneticut. Für sein Esrtlingsroman "Engel im Schnee" erhielt er 1993 den William-Faulkner-Preis.

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Kundenbewertungen zu "Alle, alle lieben dich" von "Stewart O'Nan"

Durchschnittliche Kundenbewertung 3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** gut
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von R.E.R. am 09.08.2010 ***** gut
Der wohl aufsehenerregendste Fall eines verschwundenen Kindes in den letzten Jahren war jener der Familie McCann, deren damals 4jährige Tochter Madeleine im Sommer 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal verschwand. In Deutschland werden derzeit rund fünftausend Menschen vermisst, darunter etwa eintausendeinhundert Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Auch Kim ist siebzehn, als sie im Buch “alle, alle lieben dich” von Stewart O’Nan verschwindet.

Kim und ihre Freunde verbringen ihren letzten Sommer zu Hause. Ab Herbst werden alle zum Studium aufs College gehen. Die heißen Tage des Juli verbringen Sie gemeinsam zwischen Ferienjob und Freizeit. Eines Nachmittages bricht Kim vom Strand auf, um zu ihrer Arbeit an der Tankstelle zu fahren. Dort kommt sie nicht an. Erst am nächsten Tag bemerken die Eltern ihr Verschwinden und melden sie als Vermisst. Weil zunächst nichts auf eine Straftat hinweist, machen sich die Eltern mit Freiwilligen, Freunden und Nachbarn allein auf die Suche in der Umgebung. Ohne Ergebnis. Erst als Kims Freunde ein Geheimnis lüften und Kims Auto weitab von ihrem Wohnort gefunden wird, beginnt auch die Polizei an ein Verbrechen zu glauben.

Wer aufgrund dieser Zusammenfassung “alle, alle lieben dich” für einen Krimi mit Thrillereffekt hält, wird enttäuscht werden. Stewart O’Nan beschreibt die Situation einer Familie aus der ein Kind vermisst wird. Sachlich und nüchtern, detailliert was die Suche nach der Tochter betrifft, oberflächlicher in Bezug auf die Psyche der Charaktere.

Die Erzählperspektive wird zwischen den Eltern Fran und Ed, der Schwester Lindsay und den Freunden Nina, J.P. und Elise gewechselt. Analytisch und distanziert beschreibt O’Nan die Vorgehensweise der Beteiligten. Die Mutter versucht den Fall einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und hofft so auf Mithilfe aus der Bevölkerung. Der Vater stellt Suchtrupps zusammen und durchkämmt die Gegend. Die Schwester zieht sich mehr und mehr zurück in dem Schuldgefühl noch “da“ zu sein. Die Freunde haben ein schlechtes Gewissen und drücken sich um die Wahrheit. Distanziert und emotionslos beobachtet O’Nan das Geschehen. Man hat das Gefühl eher eine Dokumentation, als einen Roman zu lesen.

Allerdings hat der Autor ein Gespür für die Banalität des Alltages. Für die Erkenntnis, dass das Leben für alle anderen längst wieder zur Normalität zurückgekehrt ist, während für die Familie und die Freunde nichts geblieben ist, wie es war. Diese simple Wahrheit, ohne Pathos oder Tragik niedergeschrieben, ist das Besondere dieses Romans. Besonders der Satz “Das richtige Leben spielte sich im innern ab” scheint mir dafür stellvertretend. Von außen ist nicht sichtbar, was der Verlust eines Kindes für die Angehörigen bedeutet. Auch für O’Nan nicht. Aus dem was er erfunden hat, lässt sich jedoch ein gewisser Teil erahnen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 410 S.
  • Seitenzahl: 410
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 34mm
  • Gewicht: 514g
  • ISBN-13: 9783498050382
  • ISBN-10: 3498050389
  • Best.Nr.: 23844748

Leseprobe zu "Alle, alle lieben dich"

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Es ist ihr letzter Sommer vor dem College, der beste Sommer seit der achten Klasse. Kim badet im Fluss, steigt in ihren alten Chevy und macht sich auf den Weg zum Schnellrestaurant, wo sie arbeitet. Dann verliert sich ihre Spur.Familie, Freunde, Polizei plötzlich sind alle betroffen. Kims Verschwinden rührt an den Grundfesten der mittelständischen Ordnung. Aus Menschen, die sie kannten, werden solche, die sie bloß zu kennen glaubten. Sie werden sich selbst und einander verdächtig. Und halten nach Kräften an dem fest, was ihnen zu entgleiten droht: Kim oder die Erinnerung an sie, die kleinstädtische Ruhe - und die eigenen Geheimnisse.Mit feinem Gespür für die abgründigen Schattierungen des Alltäglichen zeichnet Stewart O Nan das Psychogramm einer Kleinstadt im Ausnahmezustand. Ein hochliterarischer Thriller - unaufdringlich anrührend und von nachgerade beklemmender Präzision.

07.02.2009

Und sie erwachten in einem Albtraum

Stewart O'Nan erzählt in seinem ergreifenden neuen Roman "Alle, alle lieben dich" von einem Weiterleben ohne Tochter, Schwester und Freundin.

Von Alexander Müller

Eigentlich wollte Kim Larsen nur weg aus Kingsville, Ohio. Sie freute sich darauf, nach diesem Sommer aufs College zu gehen, wo sie ein anderer, unabhängiger Menschen werden wollte, der nichts mehr mit der beklemmenden Kleinstadt des Mittleren Westens zu tun hat. Doch dann verschwindet die Achtzehnjährige spurlos, und ihr zunächst ungewisses Schicksal schreibt ihren Namen umso tiefer in die Heimat ein. Die erhoffte Veränderung einer Einzelnen, die nun fehlt, erzwingt die ungewollte Veränderung aller, die sie vermissen: ihrer Familie, ihrer Freunde, letztlich der ganzen Gemeinde, die sich an der Suche nach Kim in unterschiedlichster Form beteiligt.

Mehr als zehn Jahre habe ihn die Idee zu diesem Roman beschäftigt, sagte Stewart O'Nan vor wenigen Tagen bei der Vorstellung von "Alle, alle lieben dich" im Münchner Amerika-Haus. Anlässlich eines authentischen Falls, der sich im Bundesstaat Minnesota ereignet hatte, habe er darüber …

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21.01.2009

Das Leben nach der Katastrophe
Stewart O’Nan erzählt in seinem neuen Roman „Alle, alle lieben dich” vom Verschwinden eines Mädchens
Im Kreis der Familie Larsen gibt es ein eingespieltes Ritual: „Jedes Mal, wenn sie sich auf engem Raum drängten wie in der Küche, rief der Erste, dem es auffiel: ‚Die ganze Familie in einem Zimmer.‘” Eine kleine, etwas alberne Angewohnheit, die ab dem Juli 2005 aus dem Leben der Larsens getilgt ist, wie sich überhaupt dieses Leben schlagartig verändert – Kim, die achtzehnjährige Tochter, verschwindet an einem heißen Sommertag spurlos. Gerade war sie noch mit ihren Freundinnen am Fluss baden, hat sich in ihr Auto gesetzt, um zur Arbeit zu fahren, einer Aushilfstätigkeit an der Tankstelle. Dann verliert sich ihre Spur. Es sollte der beste Sommer ihres Lebens werden, „der Sommer, von dem sie seit der achten Klasse geträumt hatten.”
Bereits in seinem im Jahr 2005 erschienenen fabelhaften Roman „Abschied von Chautauqua” zieht sich das Motiv eines an einer Tankstelle verschwundenen Mädchens bedrohlich über die brüchige Idylle einer Sommerfrische. Nun hat O’Nan aus diesem Stoff einen ganzen …

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Kundenbewertungen zu "Alle, alle lieben dich" von "Stewart O'Nan"

Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertung):
3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
gut
Bewertung von R.E.R. am 09.08.2010
*****
gut
Der wohl aufsehenerregendste Fall eines verschwundenen Kindes in den letzten Jahren war jener der Familie McCann, deren damals 4jährige Tochter Madeleine im Sommer 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal verschwand. In Deutschland werden derzeit rund fünftausend Menschen vermisst, darunter etwa eintausendeinhundert Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Auch Kim ist siebzehn, als sie im Buch “alle, alle lieben dich” von Stewart O’Nan verschwindet.

Kim und ihre Freunde verbringen ihren letzten Sommer zu Hause. Ab Herbst werden alle zum Studium aufs College gehen. Die heißen Tage des Juli verbringen Sie gemeinsam zwischen Ferienjob und Freizeit. Eines Nachmittages bricht Kim vom Strand auf, um zu ihrer Arbeit an der Tankstelle zu fahren. Dort kommt sie nicht an. Erst am nächsten Tag bemerken die Eltern ihr Verschwinden und melden sie als Vermisst. Weil zunächst nichts auf eine Straftat hinweist, machen sich die Eltern mit Freiwilligen, Freunden und Nachbarn allein auf die Suche in der Umgebung. Ohne Ergebnis. Erst als Kims Freunde ein Geheimnis lüften und Kims Auto weitab von ihrem Wohnort gefunden wird, beginnt auch die Polizei an ein Verbrechen zu glauben.

Wer aufgrund dieser Zusammenfassung “alle, alle lieben dich” für einen Krimi mit Thrillereffekt hält, wird enttäuscht werden. Stewart O’Nan beschreibt die Situation einer Familie aus der ein Kind vermisst wird. Sachlich und nüchtern, detailliert was die Suche nach der Tochter betrifft, oberflächlicher in Bezug auf die Psyche der Charaktere.

Die Erzählperspektive wird zwischen den Eltern Fran und Ed, der Schwester Lindsay und den Freunden Nina, J.P. und Elise gewechselt. Analytisch und distanziert beschreibt O’Nan die Vorgehensweise der Beteiligten. Die Mutter versucht den Fall einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und hofft so auf Mithilfe aus der Bevölkerung. Der Vater stellt Suchtrupps zusammen und durchkämmt die Gegend. Die Schwester zieht sich mehr und mehr zurück in dem Schuldgefühl noch “da“ zu sein. Die Freunde haben ein schlechtes Gewissen und drücken sich um die Wahrheit. Distanziert und emotionslos beobachtet O’Nan das Geschehen. Man hat das Gefühl eher eine Dokumentation, als einen Roman zu lesen.

Allerdings hat der Autor ein Gespür für die Banalität des Alltages. Für die Erkenntnis, dass das Leben für alle anderen längst wieder zur Normalität zurückgekehrt ist, während für die Familie und die Freunde nichts geblieben ist, wie es war. Diese simple Wahrheit, ohne Pathos oder Tragik niedergeschrieben, ist das Besondere dieses Romans. Besonders der Satz “Das richtige Leben spielte sich im innern ab” scheint mir dafür stellvertretend. Von außen ist nicht sichtbar, was der Verlust eines Kindes für die Angehörigen bedeutet. Auch für O’Nan nicht. Aus dem was er erfunden hat, lässt sich jedoch ein gewisser Teil erahnen.
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

18.03.2009

Jürgen Brocan hat sich von Stewart O'Nans neuem Roman völlig aufsaugen lassen. So realitätsnah und intensiv findet der Rezensent das Szenario, so präzise und scharfsichtig die Beschreibung des amerikanischen Alltags, dass er das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Erzählt wird in "Alle, alle lieben dich" (diesen deutschen Titel findet Brocan allerdings etwas melodramatisch) die Geschichte eines Verschwindens: Die junge Kim Larsen scheint sich eines schönen Sommertages in Luft aufgelöst zu haben. Die Familie ist ratlos, organisiert Suchaktionen und wartet mit schwindender Hoffnung auf ein Lebenszeichen. Nicht die Gründe für Kims Verschwinden stehen bei O'Nan im Fokus des Interesses, informiert der Rezensent, sondern das, was diese Leerstelle mit denen macht, die mit der Ungewissheit leben müssen. Kims Vater zum Beispiel, der sich plötzlich nutzlos vorkommt, oder ihre Mutter, die im Gegenteil in erstaunlichem Aktivismus aufblüht. Das weiß O'Nan meisterhaft darzustellen, findet Brocan, der aber bereits bessere Roman des Autors gelesen hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag

Ein junges Mädchen verschwindet spurlos - eben noch war sie mit ihren Freunden beim Baden, ein paar Stunden später schon wird sie vermisst. So beginnt "Alle, alle lieben dich", und was auf den nächsten 400 Seiten folgt, ist die Chronologie einer verzweifelten Suche. Statt sich auf die Ermittlungsarbeiten der Polizei zu stürzen oder dem vermissten Mädchen Kim durch die Qualen einer Entführung zu folgen, konzentriert sich Stewart O'Nan in seinem Roman voll und ganz auf die Zurückgebliebenen. Während Kims Mutter Fran sich mit jedem weiteren Tag des Wartens und Suchens zu einer Expertin im Eintreiben von Spendengeldern und dem Umgang mit der Presse entwickelt, zieht sich Vater Ed immer mehr zurück; Kims jüngere Schwester Lindsay handelt derweil mit sich selbst Versprechen aus, was sie alles tun wird, wenn die große Schwester wieder zurückkommt. Als allwissender Erzähler nimmt O'Nan abwechselnd die Blickwinkel aller beteiligten Personen ein und zeigt die vielfältigen Gefühle und Reaktionen, die das Verschwinden einer Tochter, einer Freundin, einer Schwester auslösen kann. Spannend im Sinne eines Krimis ist das nicht - eher quälend und zäh. Doch genau das ist das Grandiose an "Alle, alle lieben dich": Die Geschichte trifft, sie nagt an den Emotionen des Lesers. Und während man in einer Sekunde Kims Mutter für ihren betroffenen Blick in die Fernsehkameras tierisch doof findet, fragt man sich in der nächsten: Wie würde ich eigentlich reagieren? (jul)

Autorenporträt zu "Stewart O'Nan"

Stewart O'Nan wurde 1961 in Pittsburgh geboren und wuchs in Boston auf. Er arbeitete als Flugzeugingenieur und studierte in Cornwell Literaturwissenschaft. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Conneticut. Für sein Esrtlingsroman "Engel im Schnee" erhielt er 1993 den William-Faulkner-Preis.

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