Aggressives Verhalten - Petermann, Franz; Döpfner, Manfred; Schmidt, Martin H.

Franz Petermann Manfred Döpfner Martin H. Schmidt 

Aggressives Verhalten

Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher

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Aggressives Verhalten

Der Ratgeber informiert über die Erscheinungsformen, Ursachen und die Behandlungsmöglichkeiten aggressiv- dissozialen Verhaltens. Es werden u.a. hilfreiche Prinzipien vorgestellt, die eingesetzt werden können,wenn Regeln nicht befolgt werden. Dargestellt wird zudem, wie Aufforderungen gestellt werden können, damit diese auch wirkungsvoll sind. Der Ratgeber zeigt weiterhin auf, in welchen Fällen es ratsam ist, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und gibt Jugendlichen Tipps, wie sie selbst ihr aggressives Verhalten in den Griff bekommen können.

Der Ratgeber bietet eine knappe Übersicht über die Erscheinungsformen, die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten aggressiv-dissozialen Verhaltens. Eltern, Erzieher und Lehrer erhalten konkrete Hinweise zum Umgang mit der Problematik in Familie und Schule.
So werden u.a. hilfreiche Prinzipien vorgestellt, die eingesetzt werden können, wenn Regeln nicht befolgt werden. Dargestellt wird zudem, wie Aufforderungen gestellt werden können, damit diese auch wirkungsvoll sind. Der Ratgeber zeigt weiterhin auf, in welchen Fällen es ratsam ist, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und gibt Kindern und Jugendlichen Tipps, wie sie selbst ihr aggressives Verhalten in den Griff bekommen können.


Produktinformation

  • Verlag: Hogrefe-Verlag
  • 2008
  • 2., aktualis. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 39 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 39
  • Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie Bd.3
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 149mm x 10mm
  • Gewicht: 75g
  • ISBN-13: 9783801721879
  • ISBN-10: 3801721876
  • Best.Nr.: 23891844
Prof. Dr. Franz Petermann ist Leiter des Zentrums für Rehabilitationsforschung an der Universität Bremen.

Leseprobe zu "Aggressives Verhalten"

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Leseprobe zu "Aggressives Verhalten"

5 Wie verläuft die weitere Entwicklung? (S. 14)
Einige aggressive Kinder zeigen häufig bereits im ersten Lebensjahr ein schwieriges Temperament, das heißt sie weisen Ein- und Durchschlafprobleme und/oder Verdauungsprobleme auf, häufig waren sie auch Schreibabies. Prinzipiell muss man anmerken, dass frühe Auffälligkeiten zu einem ungünstigen Verlauf beitragen. Allerdings kann man durch ein angemessenes Elternverhalten die Kinder gezielt fördern, sodass schon früh einer ungünstigen Entwicklung gegengesteuert werden kann. So sind die möglichen Risiken, die Schreibabies aufweisen, noch kein Hinweis, dass solche Kinder zwangsläufig, aggressive Auffälligkeiten zeigen. Klinische Kinderpsychologen und Kinderpsychiater haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von Studien durchgeführt, mit denen man die Entwicklung aggressiver Kinder beschreiben kann. Folgende Entwicklungsschritte lassen sich unterscheiden:

• Im Kindergartenalter fallen diese Kinder durch extreme Wutanfälle auf, sie beachten vereinbarte Grenzsetzungen, Regeln und Anweisungen nicht. Die Eltern sind häufig sehr stark durch das Problemverhalten ihres Kindes belastet, was von den Eltern ein hohes Ausmaß an Geduld abverlangt. Meist treten diese Verhaltensprobleme zuerst in der Familie auf und später auch im Kindergarten oder anderen Situationen. Bei manchen Kindern vermindern sich die oppositionellen und aggressiven Verhaltensprobleme noch im Verlaufe des Kindergartenalters.

• Bei anderen Kindern nehmen die Verhaltensprobleme durch die Einschulung und die damit verbundenen Belastungen deutlich zu. Das aggressive Verhalten differenziert sich stärker aus, das heißt in immer mehr Bereichen (Freunde, Familie, Schule) treten Probleme zu Tage. Vielfach schöpfen die Kinder aus dem negativen Verhalten (z.B. Erpressungsstrategien) kurzfristige Bestätigung und freuen sich zum Beispiel daran, über andere Macht auszuüben. Die oft schnell einsetzenden schulischen Leistungsprobleme verstärken die Verhaltensproblematik.

• Bei manchen Kindern verstärkt sich im Jugendalter das aggressiv-dissoziale Verhalten, hauptsächlich in Form von Schuleschwänzen, ausgeprägtem Lügen und Stehlen. Bei vielen Kindern, die über Jahre die Schule als negativ erlebt haben, tritt eine extreme Abneigung gegen alles auf, was mit schulischer Leistung zu tun hat.

• Im jungen Erwachsenenalter (mit etwa 21 Jahren) bilden sich bei ungefähr 80% aller Betroffenen die aggressiv-dissozialen Verhaltensweisen zurück. Diese Gruppe setzt sich vor allem aus den Betroffenen zusammen, die im späten Kindes- und Jugendalter – quasi vorübergehend – aggressives Verhalten entwickelt haben. Solche Kinder haben nämlich bis zu dem Zeitpunkt, zu dem sie aggressives Verhalten zeigen, über viele Jahre positives Verhalten herausgebildet, auf das sie dann erfolgreich im jungen Erwachsenenalter zurückgreifen können. Der unmittelbare Grund, auf das „alte", positive Verhalten zurückzukommen, erfolgt in der Regel durch die soziale Einbindung der Betroffenen. Das junge Erwachsenenalter hält nämlich neue, wichtige Aufgaben bereit, zum Beispiel Aufbau und Pflege einer Partnerschaft, berufliche Ausbildung und Tätigkeit. Durch solche neuen Aufgaben und „sozialen Anreize" normalisiert sich offensichtlich das Sozialverhalten auf „natürliche Weise". Die restlichen 20 % der Betroffenen zeigen besonders stabiles und schwer änderbares aggressiv-dissoziales Verhalten.

6 Was sind die Ursachen?
Die Ursachen aggressiven Verhaltens liegen sowohl im Erziehungsverhalten der Eltern und/oder anderer wichtiger Bezugspersonen als auch in den sich über Jahre herausgebildeten Defiziten des Kindes. Aber auch grundlegende Temperamentsmerkmale, mit denen Kinder schon geboren werden, scheinen bei manchen Kindern eine wichtige Rolle zu spielen. Die Tatsache, dass viele Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) später auch aggressives und aggressiv-dissoziales Verhalten entwickeln, weist darauf hin, dass auch biologische Merkmale eine Rolle spielen können.