Agent 6 - Smith, Tom R.

Tom R. Smith 

Agent 6

Aus d. Engl. v. Eva Kemper
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Agent 6

Für sein Land würde Leo Demidow alles tun. Für seine Familie würde er sterben. Die Suche nach dem, der sie zerstört hat, hält ihn am Leben. Und nur ein Mann kennt die Wahrheit: Agent 6!

Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.


Produktinformation

  • Verlag: Manhattan
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 538 S. 220 mm
  • Seitenzahl: 540
  • Leo Demidow Bd.3
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 148mm x 47mm
  • Gewicht: 734g
  • ISBN-13: 9783442546770
  • ISBN-10: 344254677X
  • Best.Nr.: 33334782
"ein spannender Spionagethriller aus der Zeit des Kalten Krieges" -- Peter Twiehaus, ZDF Morgennmagazin<br/><br/>"Mit viel Gespür für Dramaturgie schildert Smith, wie Demidow geografisch, politisch und menschlich Grenzen überschreitet." -- dpa<br/><br/>"Ein wahrlich fesselnder Thriller für trübe Herbsttage." -- ARD-Buffet

"Mit seinem Thriller deckt der Autor die Lügen der offiziellen Geschichtsschreibung auf." Feridun Zaimoglu, BRIGITTE

"Mit viel Gespür für Dramaturgie schildert Smith, wie Demidow geografisch, politisch und menschlich Grenzen überschreitet."

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Tom Rob Smiths Thriller "Agent 6" darf man getrost als episch bezeichnen. Er erstreckt sich über 30 Jahre und mehrere Kontinente. Leo Demidow, bereits Hauptfigur von Smiths Debüt "Kind 44" und "Kolyma", macht sich auf die Suche nach dem wahren Mörder seiner geliebten Frau Raisa. Dabei beginnt der von Smith gespannte Handlungsbogen noch bevor Leo Raisa 1950 kennenlernt und endet 1981 nach einer Odyssee, die Leo von Moskau über den Krieg in Afghanistan nach New York führt - denn dort wurde Raisa getötet, nach einem Freundschaftskonzert in den 1960ern. Die Reise seiner Frau und seiner Töchter auf dem Höhepunkt des kalten Krieges war Leo von Anfang an suspekt gewesen, aber nach seinem Ausscheiden aus dem KGB fehlte ihm der Einfluss, etwas dagegen zu unternehmen. Mehr noch als ein Thriller ist Smiths dritter Roman eine minutiöse Betrachtung des Überwachungsstaats der UdSSR, des Mißtrauens, das dieser gesät hat und der erpresserischen Macht, die der KGB auch ein halbes Leben später noch auf Leo Demidow auszuüben weiß. Der schwedisch-britische Autor vollbringt das Kunststück, die Spannung auch über die Wahnsinnslänge von fast zehn Stunden aufrechtzuerhalten. Die Motivation Demidows für seine Besessenheit fällt angesichts der unabwendbaren, dramatischen Folgen aber etwas zu dürftig aus. (kab)

"Dietmar Bär liest diesen neuen Roman, der wegen seiner historischen Einfühlungskraft mindestens so stark ist wie die Story, rau und kühl wie die Welt, die er beschreibt." (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)<br/><br/>"Tatort-Kommissar Dietmar Bär gibt dem verzweifelten Russen auf seiner Odyssee eine starke Stimme." (Neue Presse)

"Ein wahrlich fesselnder Thriller für trübe Herbsttage."
Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien. In den letzten Jahren arbeitete Tom Rob Smith als Drehbuchautor.

Leseprobe zu "Agent 6" von Tom R. Smith

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Leseprobe zu "Agent 6" von Tom R. Smith

Sowjetisch-finnische Grenze Sowjetischer Grenzposten 760 Kilometer nordwestlich von Moskau 240 Kilometer nordöstlich von Helsinki Neujahrstag 1973 (S. 216-217)

Der Rucksack gehörte einem Mann, der angeschossen wurde, als er die Grenze nach Finnland überqueren wollte. Obwohl ein strenger Winter herrschte und der Schnee hüfthoch in den Wäldern lag, hatte der Mann die gefährliche Grenzüberquerung versucht, vielleicht in der Hoffnung, bei diesem Wetter und der nahezu beständigen Dunkelheit könnte er einfacher unentdeckt bleiben. Jedes Eindringen in dieses scharf kontrollierte Gebiet, ob aus Zufall oder Absicht, galt als Versuch, in den Westen überzulaufen, als Landesverrat. Die Soldaten, von denen viele auf Skiern patrouillierten, hatten die Anweisung, gezielt zu schießen.

Es würde weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, wenn es einem Verräter gelingen sollte, zu entwischen und im Ausland Asyl zu beantragen, um den Feinden geheime Informationen über die Sowjetunion zu liefern. Für Eli Romm, der für dieses Gebiet zuständig war, hieß das, dass man ihn vor ein Strafgericht zitieren und ihm vorwerfen würde, er hätte seine Pflicht vernachlässigt oder, noch schlimmer, bewusst einen Sabotageakt gestattet. Er würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine Arbeit und vielleicht sogar seine Freiheit verlieren. Eli untersuchte den Inhalt des Rucksacks, den der Mann bei sich trug. Er enthielt Vorräte: Wasser, Brot und gepökeltes Fleisch. Dazu dunkle Kleidung zum Wechseln, eine dicke Wolldecke, mehrere Schachteln Streichhölzer, Verbandszeug, ein scharfes Jagdmesser und eine Blechtasse – klassische Utensilien für draußen und eher uninteressant.

Eli drehte den Rucksack um, mit der Öffnung nach unten. Es fiel nichts weiter heraus. Er tastete das Futter ab und fuhr mit dem Finger über die Nähte, weil er sicher war, dass der Rucksack noch weitere Beweise enthielt. Er hatte recht. Eine Stelle im Stoff war dicker, dort war eine Tasche versteckt. Er durchtrennte den Stoff, riss den Flicken ab und entdeckte darunter mehrere flache Goldmünzen, eingewickelt in Plastik. Sie sollten fraglos als Zahlungsmittel dienen, wenn der Mann erst die Grenze überquert hatte. Das Gold bewies, dass er ernsthaft vorgehabt hatte überzulaufen und umfangreiche Vorbereitungen für seine Flucht getroffen hatte.

Für einen normalen Bürger war es beinahe unmöglich, sich Gold zu beschaffen; daraus ließ sich schließen, dass ein anderes Land beteiligt und der Mann ein professioneller Spion war. In dem Geheimfach steckte mehr als nur Gold. Romm fand dort auch zwei Fotos. Er hätte geheimes Material erwartet und war überrascht, als sie sich für den Geheimdienst als wertlos erwiesen. Die Fotos zeigten zwei Frauen Ende zwanzig, beide an ihrem Hochzeitstag. Außerdem fand Romm Papiere. Er war noch verwunderter, als er sie auseinanderfaltete und vor sich eine Reihe sorgsam geglätteter, verblasster Ausschnitte aus sowjetischen Zeitungen sah, in denen es um den Mord an Jesse Austin ging, einem früher berühmten kommunistischen Sänger, der in New York von seiner Geliebten erschossen worden war, einer Frau namens Raisa Demidowa.

Der Mord lag schon einige Jahre zurück, die Artikel stammten von 1965. Zu den Ausschnitten gab es umfangreiche handschriftliche Notizen, in kleiner Schrift säuberlich festgehalten, und eine Liste mit Namen; Menschen, mit denen dieser Mann sprechen wollte. Den Aufzeichnungen zufolge lautete sein Ziel New York, die USA – der Hauptfeind. Das scheinbare Motiv wirkte so sonderbar, dass Eli sich fragte, ob die Papiere eine Art Code enthielten. Er musste die Sache direkt den höchsten Behörden in Moskau melden.

Kundenbewertungen zu "Agent 6" von "Tom R. Smith"

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Bewertung von Karthause am 09.10.2011 ***** gut
„Agent 6“ ist nach „Kind 44“ und „Kolyma“ bereits der dritte Roman um Leo Demidow. Wieder stehen er und seine Entwicklung im Mittelpunkt des Geschehens und der Zuordnung zum Genre des Thrillers kann ich nur bedingt zustimmen. Das ist aber eine Nebensächlichkeit. Betrachte ich den Roman rückblickend, kann ich sagen, dass es Tom Rob Smith gut gelungen ist, die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste, neben dem KGB spielen auch die CIA und das pakistanische Pendant ISI eine Rolle, darzustellen. Für mich, die ich nur über literarische Geheimdiensterfahrungen verfüge, stellten sich diese Sachverhalte so dar, als hätte es sie in der Realität so gegeben. Der gesamte Roman, egal ob der Handlungsort die damalige Sowjetunion, die USA oder auch Afghanistan war, wirkte von Beginn an sehr düster und bedrückend auf mich. Die persönliche Entwicklung, die Leo Demidow nahm, war zwar menschlich nachvollziehbar beschrieben, manche Abschnitte wirkten aber trotzdem überzogen auf mich. „Agent 6“ lebt von und mit vielen Zeitsprüngen, Was in diesen ausgesparten Jahren geschah, weiß der Leser teils aus den Vorgängerromanen, teil bleiben die Geschehnisse auch im Dunkeln. Das fand ich ein wenig schade. Aber die Zeit, die der Leser den Protagonisten durch die verschiedenen Schauplätze begleitet, sind großteils spannend, actiongeladen und mitunter schon fast hollywoodlike. Besonders die letzten 100 Seiten waren so geschrieben, als hätte der Autor bereits eine Verfilmung im Hinterkopf, sozusagen ein finale grande, um dann (zu) schnell und einfach einen Schlusspunkt zu setzen.

Mein Fazit: „Agent 6“ ist ein schlüssig aufgebauter Roman, der auf den vorhergehenden Büchern aufbaut und mich trotz des etwas schwachen Endes gut lesen ließ.

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