Aftershock - Verete-Zehavi, Tamar

Tamar Verete-Zehavi 

Aftershock

Die Geschichte von Jerus und Nadira

Aus d. Hebrä. v. Mirjam Pressler u. Eldad Stobezki
Broschiertes Buch
 
2 Kundenbewertungen
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Aftershock

Ein Selbstmordattentat und die FolgenJerus ist 17 und Israelin. Nadira ist 18 und Palästinenserin. Sie leben nicht weit voneinander entfernt, treffen sich aber nur einmal - in einem Supermarkt in Jerusalem, an dem Tag, als Nadira ihren Sprengstoffgürtel zündet. Die 15-jährige Ella überlebt das Attentat, anders als ihre beste Freundin Jerus. Doch kann sie auch lernen weiterzuleben?

Jerus ist 17 und Israelin. Nadira ist 18 und Palästinenserin. Sie leben nicht weit voneinander entfernt, treffen sich aber nur einmal in einem Supermarkt in Jerusalem, an dem Tag, als Nadira ihren Sprengstoffgürtel zündet. Auch die 15-jährige Ella ist dabei, als die Bombe hochgeht. Doch anders als ihre beste Freundin Jerus überlebt sie. In "Aftershock" schildert Ella, wie das Attentat sie, das einst lebenslustige Mädchen, verändert. Sie erzählt von Schuldgefühlen gegenüber Jerus, von Angst und Hass, jenen Gefühlen, die verhindern, dass sie normal weiterleben kann. Erst als sie mit Hilfe eines arabischen Freundes Kontakt zu der Familie der Attentäterin aufnimmt, beginnt Ellas Heilung. Denn Trauer, Verzweiflung und Unverständnis finden sich auf beiden Seiten. Ein Selbstmordattentat und die Folgen: authentisch, aufrüttelnd, psychologisch glaubwürdig. Beruht auf einem realen Fall, der die Weltöffentlichkeit erschüttert hat


Produktinformation

  • Verlag: Cbt
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 208 S. 183 mm
  • Seitenzahl: 208
  • cbt Taschenbücher Bd.30711
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 125mm
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783570307113
  • ISBN-10: 3570307115
  • Best.Nr.: 29523953
Es ist ein wirklich gutes Buch, ein perfektes Jugendbuch. Hoffentlich erreicht es die Schulen. Ullrich Fichtner, DER SPIEGEL

"'Afterschock' schildert dramatisch und einfühlsam die Konflikte und Sehnsüchte junger Israelis und Palästinenser." (Marc Langebeck, Moderator quergelesen)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

In einer Doppelbesprechung von zwei im Nahen Osten von heute spielenden Jugendromanen kann Reinhard Osteroth dem Buch von Tamar Verete-Zehavi zu seiner Enttäuschung nichts abgewinnen. Die israelische Autorin erzählt aus der Perspektive der jungen Israelin Ella, die bei einem palästinensischen Selbstmordattentat eine Freundin verloren hat und die selbst verletzt im Krankenhaus liegt. Schon die Übersetzung des Titels will dem Rezensenten etwas missglückt erscheinen und er findet, dass es Verete-Zehavi dann auch nicht gelingt, die "Nachbeben" der schrecklichen Tat überzeugend zu schildern. Zudem bleiben in den Augen Osteroths auch sämtliche Nebenfiguren des Romans "seltsam blass" und der junge Araber, mit dem sich Ella im Krankenhaus anfreundet, erscheint ihm als allzu bemühte Konstruktion, die die Autorin als Mittel der Verständigung inszeniert. Hinzu kommen belanglose und redundante Dialoge und so ist die Enttäuschung des Rezensenten komplett.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.03.2009

Angst, Ohnmacht, Wut
Die seelischen Wunden nach einem Selbstmordanschlag
Ein Selbstmordanschlag in Jerusalem, zwei Tote, mehrere Verletzte. Wir kennen solche Nachrichten, sind kurz erschrocken und gehen dann zur Tagesordnung über. Auch die Menschen in Israel reagieren ähnlich. Sie sind zuerst aufgewühlt, solidarisch mit den Opfern, aber nach zwei Wochen soll doch wieder Normalität einkehren. Die 14-jährige Ella kann das nicht so sehen. Sie erleidet bei dem Anschlag im Supermarkt schwere Verletzungen und ihre beste Freundin Jerus stirbt. Die Therapeutin rät ihr, alles was ihr vom Anschlag in Erinnerung ist, aufzuschreiben, das Geschehene in eine Ordnung zu bringen. Und Ella schreibt auf, wie aus dem fröhlichen, lachenden Mädchen ein böses, nervöses, verschlossenes Mädchen geworden ist. Sie beschreibt was danach kommt, das „Nachbeben”, wenn die körperlichen Wunden verheilt sind, aber die seelischen noch längst nicht. Und sie geht weiter. Sie setzt sich intensiv mit der jungen Attentäterin Nadira auseinander, fragt, wie es zu solch einem Hass kommen kann.
Vor dem Anschlag stand sie poli-
tisch links, war für Versöhnung mit den Arabern, gegen …

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Tamar Verete-Zehavi, geboren 1957, ist Hochschulprofessorin für Pädagogik und leitet unter anderem Gesprächsgruppen zwischen Juden und Arabern. „Aftershock“ ist ihr drittes Buch. Für ihr Debüt, das auf Arabisch und Hebräisch erschien, erhielt sie den Martha-Preis zur Förderung von Toleranz in Jerusalem.

Leseprobe zu "Aftershock"

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Leseprobe zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi

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Leseprobe zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi

Der 1. AUGUST war wie ein Blatt Papier, das genau in der Mitte gefaltet wurde, und in diesem Jahr war der Knick besonders scharf, wie ein Knick, den man mit dem Fingernagel wieder und wieder verstärkt hat. Im Juli, als alle die großen Ferien genossen, war ich allein zu Hause geblieben. Die meisten Stunden des Tages hatte ich im Bett gelegen. Wie eine Schlange, die eine große Ratte verdaut, die sie mit Haut und Haar verschlungen hat, versuchte ich zu verdauen, wie ich von einem fröhlichen, lachenden Mädchen zu einem bösen, nervösen und verschlossenen Mädchen geworden war.

Aber am 1. August veränderte sich etwas. Plötzlich gelang es mir, über das zu schreiben, was mir seit dem Terroranschlag widerfahren war, ich konnte die Splitter meiner Geschichte zusammenfügen, die Tausende von Wörtern, die Hunderte von Satzfetzen, und am Ende der Ferien war alles niedergeschrieben.

Erstes Kapitel

Am Freitagmittag um halb drei, als ich gerade meine Fahrradkette reparierte, rief meine Mutter durch das Küchenfenster: "Ella, meine Süße, lauf schnell zum Supermarkt und hol für Oma Quark, Milch und eine Challa für den Schabbat. Sie hat vergessen einzukaufen und der Supermarkt macht bald zu."

"Mama", jammerte ich, "ich habe mich mit Jerus verabredet, damit sie mir afrikanische Zöpfchen macht. Im Supermarkt ist es jetzt rappelvoll, ich müsste stundenlang in der Schlange warten, dann schafft Jerus es nicht, mir bis zur Party die Zöpfe zu flechten."

Natürlich war diese Erklärung überflüssig, den Wünschen meiner Oma widersetzt man sich nicht, sie bittet nur um Hilfe, wenn es unbedingt sein muss. Also rief ich Jerus an und sagte, ich würde später kommen, und ich schlug ihr vor, dass wir uns um zwei am Supermarkt treffen. "So verlieren wir keine Zeit, und du schaffst es noch mit meinen Zöpfen, bevor der Schabbat beginnt. Schließlich weiß ich ja, dass man am Schabbat keine Zöpfe flechten darf. Siehst du, ich habe von dir etwas über die Religion gelernt." Jerus lachte und war mit meinem Vorschlag einverstanden. Die Wahrheit war, dass ich mich mit ihr am Supermarkt verabredete, weil ich mich schämte, allein zu ihr hinaufzugehen in ihre Wohnung, die ist normalerweise voll mit Onkeln und Tanten. Wir verabredeten uns immer irgendwo außerhalb und gingen gemeinsam hinauf. Jerus begrüßte dann jeden Gast persönlich, und ich begrüßte sie alle zusammen und hatte es eilig, in Jerus' Zimmer zu verschwinden.

Also sagte ich zu meiner Mutter: "Ich fahre vom Supermarkt aus gleich zu Jerus und komme zum Abendessen zurück. Danach darfst du mich zur Party fahren. Mach dir keine Sorgen, ich stelle die Einkaufstüte bei Jerus in den Kühlschrank." So plante ich den Verlauf des Freitagnachmittags mit meiner berühmten Effizienz.

Ich setzte den Fahrradhelm auf den Kopf, steckte mein Handy in die große Jeanstasche, wickelte mir ein Sweatshirt um die Hüften und machte mich in einem kurzen T-Shirt, das mein türkisfarbenes Piercing an meinem noch weißen Bauch betonte, auf den Weg zum Supermarkt und tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich Jerus und mir etwas Leckeres zur Belohnung kaufen würde.

Ich hörte meine Mutter hinter mir lachen. "Rothelmchen", rief sie mir nach, "bleib schön auf dem Weg und sprich nicht mit dem bösen Wolf."

Ich winkte ihr von der Kreuzung aus zu und rief: "Und was ist, wenn ich Lust habe, mit bösen Wölfen zu sprechen?"

Wenn mein Vater nach Belgien fährt, auf Geschäftsreise, sind sie und ich die besten Freundinnen. Abends, wenn meine kleine Schwester Ja'eli schon schläft, trinken wir zusammen Kräutertee und erzählen uns, was wir tagsüber erlebt haben. Meine Mutter lässt mich an ihren Problemen bei der Arbeit teilhaben, ich höre zu und gebe ihr manchmal Ratschläge. Sie sagt immer, meine Ratschläge seien gut. Wir erzählen uns gegenseitig die letzten witzigen Wortschöpfungen von Ja'eli, danach schauen wir uns die Nachrichten im Fernsehen an und beschimpfen jeden, mit dessen Meinung wir nicht einverstanden sind. Manchmal schlafen wir sogar auf dem Sofa ein. Wer von uns später als Erste aufwacht, schleppt die andere in das große Bett, und dort schlafen wir dann beide, bis Ja'eli uns morgens um sechs Uhr weckt und über unsere zerknitterten Kleider lacht. Wir machen ihr zwischen uns Platz und dösen noch zehn Minuten. Aber wenn mein Vater zu Haus ist, bin ich wieder die große Tochter, die ihr eigenes Leben führt.

Ich fuhr sehr schnell Richtung Supermarkt, und als ich an der Ampel stand, war es plötzlich ganz still, eine Stille, wie man sie manchmal an belebten Straßen wahrnimmt. Dann unterbrachen das Krächzen eines Raben, das Schreien eines Babys und die Alarmanlage eines Autos die Stille. In einem Film würden diese schrillen Töne Unheil ankündigen, aber meine Stimmung war ausgezeichnet. Ich dachte nicht an Katastrophen, ich war mir sicher, dass heute Abend, auf der Party, zwischen Etan und mir etwas passieren würde, vielleicht würde er endlich mein Freund.

Neben dem Eingang des Supermarkts standen viele Eimer mit Blumensträußen für den Schabbat. Statt wie Rotkäppchen für die Großmutter im Wald einen Blumenstrauß zu pflücken, guckte ich mir einen Strauß mit Blumen aus, die wie Spiegeleier aussahen - gelbe Staubblätter und weiße Blütenblätter -, und beschloss, ihn später für sie zu kaufen, falls ich noch Geld übrig hätte und der Strauß dann noch da sein sollte.

Es war Viertel vor zwei. Ich kettete das Fahrrad an einen Pfosten und fragte den Wachmann, ob er ein Auge darauf haben könne. Er lächelte und nickte. Er war Äthiopier, also bat ich ihn, einem äthiopischen Mädchen in meinem Alter, groß, schlank und schön, Bescheid zu sagen, dass Ella gleich komme. Ich fügte noch hinzu, sie würde bestimmt eine Bluse oder einen Rock in Hellblau tragen. In letzter Zeit trug Jerus sehr oft hellblaue Sachen, und mit Recht. Gegen ihre dunkle Haut hob sich Hellblau ab wie ein großes Schmuckstück. Er lächelte zustimmend und fragte: "Wie heißt deine Freundin?" Ich antwortete: "Jerus", und er sagte: "Meine Schwester heißt auch Jerus."

Kundenbewertungen zu "Aftershock" von "Tamar Verete-Zehavi"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** sehr gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(2)
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Bewertung von Steffi aus Baiersbronn am 25.05.2011 ***** sehr gut
"Aftershock" wurde von Tamar Verete-Zehavi geschrieben (von Mirjam Pressler vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt) und ist als Erstauflage 2010 im cbt-Verlag erschienen. In dem Buch geht es um die 15-jährige Israelin Ella, die miterleben muss, wie eine Palistinänserin in einem israelischen Supermarkt ihren Sprengstoffgürtel zündet - anders als ihre beste Freundin Jerus überlebt sie. Ella verändert sich nach diesem Attentat gewaltig. Das einst lebenslustige Mädchen wird nachdenklich, introvertiert und traurig, und muss lernen, mit dem Tod ihrer Freundin umzugehen.
"Aftershock" ist ein Buch, bei dem einem richtig bewusst wird, welche Auswirkungen die Zustände in Israel auf die Menschen dort haben. Tamar Verete-Zehavi hat sehr glaubwürdig und psychologisch nahegehend erzählt, was dem Buch einen besonderen Akzent verleiht. Außerdem konnte ich mich beim Lesen des Buches total in Ella hineinversetzen und sie verstehen. Zusätzlich bekommt man mit diesem Buch noch einen Einblick in das israelische Leben, die Traditionen und Übligkeiten dort. Das einzigste, was mir bei "Aftershock" gefehlt hat, war die Spannung. Aber sonst muss ich sagen: Ein wirklich tolles Buch.

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Bewertung von Lulu-Johnson aus Halle am 14.05.2010 ***** sehr gut
Ein Selbstmordattentat und die Folgen - authentisch, aufrüttelnd, psychologisch glaubwürdig von Tamar Verete-Zehavi.
Zwei jugendliche Mädchen haben ein Treffen vorm Supermarkt vereinbart. Die eine kauft noch schnell ein, die andere wartet draußen auf sie. Ehe die beiden Mädchen sich sehen können, explodiert eine Bombe. Das Mädchen draußen stirbt, das Mädchen drinnen überlebt. Wir befinden uns in Jerusalem, ca. 2005.

Berichtet wird die 4-monatige und wahre Geschichte von der Ich-Erzählerin, der knapp fünfzehnjährigen Ella, dem Mädchen, das überlebt hat. Sehr detailliert beschreibt die Autorin Ellas seelischen Zustand und seine Entwicklung. Ängste, Verwirrung und vor allem die Trauer um Jerus, die etwas ältere beste Freundin. Wut, Panikattacken, zeitweise Orientierungslosigkeit, Lustlosig- und Antriebslosigkeit.
Noch im Krankenhaus lernt Ella einen jungen Palästinenser kennen, Maher. Durch diesen Kontakt kommt sie gedanklich dem Selbstmordattentäter auf die Spur. Zu ihrem nicht geringen Schrecken erfährt sie, dass der Täter eine Täterin war, eine 18-Jährige. Ella verbeißt sich immer stärker in das Wirken und Denken von Nadira, so hieß das Mädchen.
Dies bringt sie schließlich dazu, mit der Familie Nadiras Kontakt aufzunehmen...

Parallel zu dieser Geschichte wird die Geschichte der Freundschaft zwischen Ella und Jerus erzählt. Das ist die schwerwiegende zweite Thematik in diesem Roman, es wird vom Leben der ÄthioperInnen in Israel berichtet. Ellas Rückschau auf Jerus beschreibt sie als sehr lebendige, moderne, junge Frau, die zielstrebig ihre Träume und Wünsche zu verwirklichen versuchte. Teilweise überschattet es die eigenen Ansichten von Ella. Weniger lebendig werden die Nebencharaktere wie Maher und Etan, Ellas Freund, dargestellt.
Jedoch fehlt der Geschichte die eigene Ausdrucksweise, in die Dialoge mischen sich zu häufig auftretende Belanglosigkeiten und Wiederholungen. Alle drei, Ella, Maher und Etan, geraten in große Gefahr, Spielfiguren zu werden, die nur noch Positionen wiedergeben.
Ab hier gibt die Autorin meiner Meinung nach den LeserInnen auch viel zu viel vor. Es wird viel behauptet, aber nicht dargestellt, es gibt keinen Raum mehr für eigene Eindrücke und Schlussfolgerungen.

Als Roman nicht sehr gut gelungen, ist Aftershock(schauriger Titel!) dennoch ein Buch geworden, das man empfehlen kann. In ihm findet man nicht nur viele Gedanken über die Konflikte in Israel, sondern auch eine Menge Informationen über den schwierigen Alltag. Aftershock schildert dramatisch und einfühlsam die Konflikte und Sehnsüchte junger Israelis und Palästinenser.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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