Adolf H. - Schmitt, Eric-Emmanuel

Eric-Emmanuel Schmitt 

Adolf H.

Zwei Leben

Aus d. Französ. v. Laabs, Klaus
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Adolf H.

»Was wäre geschehen, wenn die Kunstakademie Adolf Hitler aufgenommen hätte?«

8. Oktober 1908: »Adolf Hitler durchgefallen.« Ein einzelner Satz steht am Anfang der Katastrophe, die ein Jahrhundert erschüttert hat. Was aber, wenn der Zwanzigjährige tatsächlich Maler geworden wäre? Ohne Scheuklappen wirft Eric-Emmanuel Schmitt die verstörende Frage nach den Bedingungen auf, die einen Menschen zu dem machen, was er ist. Parallel zu der Geschichte des Diktators Adolf Hitler erzählt er eine Lebensgeschichte im Konjunktiv: die Biographie des Kunstmalers Adolf H.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 509 S.
  • Seitenzahl: 512
  • Fischer Taschenbücher Bd.18457
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 126mm x 32mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783596184576
  • ISBN-10: 3596184576
  • Best.Nr.: 26369875
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.05.2008

Der menschliche Hitler

Eric-Emmanuel Schmitts Romanphantasie: Der Diktator hätte ein anderer werden können, wäre er nur von der Kunstakademie angenommen worden. Und wir hätten umgekehrt Hitler werden können.

Im Jahr 1909 erhielt Sigmund Freud einen Blumenstrauß als Dank für die erfolgreiche Behandlung eines Patienten, der sich zuvor nicht getraut hatte, mit Frauen zu schlafen. Dem Wiener Psychoanalytiker genügte eine Handvoll Sitzungen, um hinter dem Erinnerungspanzer dieses Zwanzigjährigen einen Komplex aufzuspüren, der es in sich hatte: Immer wieder war dessen Mutter vom Vater verprügelt worden, und als zunächst der Vater starb und später auch noch die Mutter, entwickelte der junge Mann gleich doppelte Schuldgefühle - ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Und ein traumhafter Erfolg für Freud, denn später sollte sich der Patient zum fulminanten Liebhaber und großen Künstler entwickeln. Sein Name war Adolf Hitler.

Man möchte sich die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts so erträumen, wie Eric-Emmanuel Schmitt es getan hat. Es genügt nur ein Wort, und schon wird unsere Seele gesund. Das Wort heißt "bestanden", und es fällt am 8. …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Eric-Emmanuel Schmitts Versuch, sich einen "alternativen" Hitler auszumalen, hält Rezensent Thomas Laux für katastrophal gescheitert. Die immer wieder auch von Historikern aufgeworfene Frage, was gewesen wäre, wenn Hitler 1908 die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Wien bestanden hätte, scheint ihm zwar faszinierend. Schmitts Umsetzung dieser Frage in einen Roman über Hitler als Künstler hat ihn indes nicht überzeugt. Er hebt hervor, dass der Autor neben den erfundenen Hitler den historischen gestellt hat und beide alternierend zu Wort kommen lässt. Als Leser sperrt er sich einfach angesichts der Monströsität des historischen Hitlers gegen die Vorstellung eines positiven - zumal wenn diese alternative Version so extrem klischeehaft daherkommt wie in diesem Roman. So erscheine Schmitts Künstler-Hitler nicht nur als Ausländerfreund und Anti-Antisemit, er lege sich auch bei Dr. Freud auf die Coach, arbeite in Paris, wo er Charlie Chaplin begegne, und gehe schließlich als Kunst-Professor nach Berlin. Auf Laux wirkt das alles schlicht "bis ins Übermaß konstruiert, verkitscht und verschwurbelt". Schmitt hätte dieses Buch besser bleiben lassen sollen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Eric-Emmanuel Schmitt, geboren 1960, studierte Musik und Philosophie in Lyon und Paris (Ecole normale superieur 1980 - 85) und schloss mit 26 Jahren eine Dissertation über "Diderot und die Metaphysik" ab. Er unterrichtete drei Jahre in Cherbourg und an der Universität Chambery. Seit 1991 wurden acht Theaterstücke von ihm aufgeführt. Der Autor bekennt sich nach Jahren des Agnostizismus inzwischen als Christ. Sein Stück "Hotel des deux mondes" wurde 1999 am Theatre Marigny uraufgeführt.

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