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Abschied vom Spiegelbild
Produktinformation
- Verlag: C.H.Beck
- 2000
- ISBN-13: 9783406465758
- ISBN-10: 3406465757
- Best.Nr.: 08903843
18.10.2001
Wie rund war meine Trauer
Elend der Kindheit: Wilfried Ohms findet keine
Sprache
Wenn einer der Indikatoren für gute Literatur das Geheimnis ist,
das den Leser lockt, zurückweist und durch das listige Wechselbad
von Verführung und Frustration eisern bei der Stange hält, dann ist
Wilfried Ohms Erzählung schlechte Literatur. "Abschied vom
Spiegelbild" ist auf ernüchternde Weise geheimnislos. Ein
Zwillingspaar wächst unter bedrückenden Umständen auf. Die
Atmosphäre, die das Elternhaus imprägniert, ist ebenso dumpf wie
ehrgeizig, die erzieherischen Maßnahmen, mit denen die Kinder
geformt werden, gewalttätig und lieblos, das traute Heim ein wüster
Kampfplatz. Die Eltern suchen nur einen Vorwand für eigene
Aggressionsabfuhr. In ihren Augen sind die Sprößlinge lästige
Monsterchen, deren Willen rechtzeitig durch rigide Vorkehrungen
zurechtgebogen werden muß.
Die dunkle Kindheit aus lauter Versagungen, Elend und
Machtmißbrauch holt einen der Zwillinge ein. Er steuert
unaufhaltsam auf eine Sackgasse zu. Beruflich scheitert er, in
seinen Beziehungen wiederholt er traumwandlerisch die erlebten
destruktiven Mechanismen. Verkommen und …
08.02.2001
Die Geschichte ist ein Drama. Der Erzähler erfährt vom Selbstmord
des Zwillingsbruders und versucht, den Tod des alter ego mit der
linearen Auflistung von bitteren Erinnerungen an eine gemeinsame
Kindheit und Jugend zu bewältigen, berichtet Samuel Moser. Ohne
Pathos und vor allem ohne die sonst oft benutzten Elemente der
Sitcom-Komödien über lustige Verwechslungen verleiht der Autor dem
Zwillings-Motiv eine neue Dimension, findet der Rezensent. Die
Qualität der Erzählung liege vor allem darin, dass sie emotionslos
sei. Die monotone Erzählweise sei bedrückend und lähmend. Anstatt
des erleichternden Gefühls einer gelungenen Trauerarbeit stelle
sich ein kaltes Brennen ein. Konsequent beschreibe Ohm den Prozess
der Selbstzerstörung bis zum Suizid. Dabei habe sich jedoch eine
Schwäche eingeschlichen, so Moser. Die Schilderung des Erzählers
und Überlebenden sei zu stark vom verlorenen Bruder besetzt, die
Trennung zwischen Erzähler und Figur nicht deutlich und
differenziert genug gelungen.
© Perlentaucher Medien GmbH
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