Leseprobe zu "90 Tage auf Bewährung" von Kim Fisher
Warum, wieso, weshalb Ich war nackt. Er noch nicht ganz. Und wenn mein Hund (Ella, damals zwölf Wochen alt, ein Mopsmädchen) ihn vier Wochen zuvor nicht angepinkelt hätte, hätten wir beide mehr an. Ich definitiv! Zumindest Pyjama, Bademantel, Socken und eine Maske im Gesicht. Ich läge wahrscheinlich mit Würstchen aus dem Glas auf der Couch, und mit einer Freundin am Handy würde ich stumpf eine so genannte Romantikkomödie auf Sat1 verfolgen. Immer das Gleiche: Blonde Hauptdarstellerin, leicht verhuscht, ungerechterweise vor riesigen Problemen stehend. Gegelter Held, verantwortlich für den ganzen Mist, löst all diese Probleme, gewinnt dadurch ihre Liebe. Nach anderthalb Stunden wäre mein Ausflug in die große Gefühlswelt der Liebe hart und unbarmherzig beendet worden. Der erlösende Kuss, Happyend und - Werbung: Zahnpasta oder Nudelgerichte für die ganze Familie.
Warum eigentlich hören diese Filme immer dann auf, wenn es erst wirklich interessant wird? Es gibt Ratgeber über den Frust der Single-Frauen, und es gibt traumhafte Liebesgeschichten. Aber es gibt kein Buch über die Zeit, in der die Liebe laufen lernt.
Genau jetzt hätte ich so eine Anleitung aber wirklich gut gebrauchen können. So als eine Art "how to do" - wie stelle ich mich in den ersten Tagen als plötzlich neues Mitglied einer Beziehung an? Wie gebe ich mich möglichst natürlich? Ohne Verklemmung, Verkrampfung, Verspannung? Die ersten drei Monate einer neuen Beziehung sind für viele Frauen die schönsten Momente. Aber für eine nervöse Frau wie mich sind diese Monate die stressigste Zeit ihres Lebens!
Es war schon immer so. Schon in der Schule. Meine Mutter fragte sich stets besorgt, was für ein Mann-Frau-Bild mir meine Eltern vorgelebt haben müssen, dass ich kurz vor einem Date lieber auf'm Klo geblieben wäre, als mich mit Michael Z. an der Bushaltestelle gegenüber von C&A zu treffen. Ich konnte tagelang nichts essen, weil ich einfach keine Zeit dafür hatte. Schließlich musste ich überlegen, was ich anziehen sollte. Und machen wir uns nichts vor, in den Achtzigern sah man einfach scheiße aus. Als Pubertierende schon mal sowieso. Stulpen über Röhrenjeans, Pullover Größe XXL und gebatikte Tücher eng um den Hals gewürgt. Wo blieb da eigentlich die zarte, aufkeimende Sinnlichkeit auf dem Weg vom Mädchen zur Frau? Bei mir blieb sie in der Dauerwelle oder in meinen Blechohrringen stecken, die als Stoppschild in meinen entzündeten Ohrläppchen hingen. Kein H&M, kein Mango, keine Zara. Stattdessen Jean Pascal, Witboy und C&A. Genau.
Auf gar keinen Fall durfte ich jetzt an Michael Z. denken. Hier ging es nicht um den ersten Kuss mit Zahnspange, in der noch Teile vom Negerkussbrötchen hingen, hier ging es um die erste Nacht. Um meine Zukunft. Und um die von Ella. Wird er es sein, der ihr morgens das trockene, langweilige Futter mit den Worten "Danke, du Pissflitsche, für damals" in den Blechnapf wirft?
Werde ich ihm jemals anvertrauen, wie wenig authentisch ich war? Wie raffiniert ich an den Dingen und Situationen geschraubt habe, die ihm dann so wahnsinnig natürlich erscheinen sollten? Wenn ich allein an die Vorbereitungen in meiner Wohnung vor seiner ersten Nacht bei mir denke ^ Wie bereiten Sie sich vor? Gehören Sie zu den lässigen Frauen, die jetzt über mich lachen, weil sie jederzeit überraschend Besuch bekommen können? Deren Wohnung immer die jeweils richtige Atmosphäre ausstrahlt? Lichtstimmung, Wahl der Musik, Fülle des Kühlschranks, alles unter Kontrolle? Klopapier, frische Handtücher, richtige Temperatur für die richtigen Getränke? Alles im Griff?
Ehrlich gesagt, gehöre ich da wohl eher zu den verhuschten blonden Protagonistinnen einer Romantikkomödie. Verwirrt und bereit für jede peinliche Situation.
1. Monat Die erste Nacht Ich war perfekt getarnt. Die Jacke saß, die Hose hatte ein Vermögen gekostet, na ja, und die Unterwäsche. Aber so weit waren wir nicht. Noch nicht. Ich hoffte, er würde mich nicht gleich ausziehen. Das Bild war einfach zu perfekt. Ich trug sogar sündhaft teure, halterlose Strümpfe.
Wir küssten uns. Mir brach der Schweiß aus: Allerdings nur vordergründig aus Leidenschaft. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, wie kann verdammt noch mal eine einzige blöde kleine Kerze sooo viel Licht machen? Ein bisschen weiter noch, und die Tarnung würde fallen. Ich dachte an meine Oberweite - 80 C. Ich dachte an die Erdanziehungskraft, und er fummelte an meinem BH-Verschluss. Hoffentlich kannte er diesen Mechanismus nicht so genau. Doch, tat er. Er löste den Verschluss, und ich verkrampfte mich sofort. Meine Arme schlangen sich wie in einem Fünfzigerjahrefilm, einem schlechten wohlgemerkt, um meine Oberweite, ich grinste schwachsinnig und hatte Kopfkino. Und er? Er bemerkte nichts von meiner Mühe, so zu tun, als handelte es sich in Wirklichkeit um eine 75-B-Situation.
Meine Damen, machen wir uns nichts vor: Keine Frau mit einem natürlichen C-Körbchen, das nicht silikonverstärkt ist, zieht sich gerne und einfach so das erste Mal vor einem Mann aus. Ich korrigiere. Keine, außer Ronja. Die einzige Frau in meinem Freundeskreis, die nichts mit einem BH anzufangen weiß. Sie scheint auf wundersame Weise die Gesetze der Schwerkraft besiegt zu haben, und durch einen teuflischen Pakt wachsen ihre Brüste sogar regelrecht der Sonne entgegen. Ja, es gibt sie, die One-Million-Dollar-Chance. Aber zurück zu mir.
Also, was tun? Sich gleich aufs Bett werfen, weil die Brüste im Liegen irgendwie schöner aussehen? Die Arme hochreißen, weil - also bitte, machen die im "Playboy" doch auch, wenn's schon ein bisschen hängt. Frau könnte auch das Laken vom Bett ziehen und sich kunstvoll umhüllen. Wäre sowieso besser für alles, was jetzt folgen sollte und noch ausgepackt werden musste. Ich war im Stress. Von wegen "fallen lassen" und so. Wahrscheinlich dachte er, ich hyperventilierte seinetwegen. Dabei ging's hier gerade wirklich nur um mich! Okay, der BH war gefallen, ich lebte noch, und er war auch noch da!
Jetzt die Jeans. Schlimm. Ich dachte an die Schokolade, die vielen nicht gelaufenen Joggingrunden und meine Cellulite. Kennen Sie das? In Jeans okay - und dann? Wäre ich jetzt immer noch Single, wäre es mir - mit Verlaub - scheißegal. Aber auf einmal änderte sich alles!
Und ziehen Sie mal erotisch eine Jeans aus, die eine Nummer zu klein (die dürre Verkäuferin meinte, kleiner sei knackiger!) und einfach so eng ist, dass jede Eleganz auf der Strecke bleibt. Er würde sie nicht einfach so von meinem Körper streifen können. Da bräuchte es eine andere Manneskraft: zerren, ziehen und reißen! Entwürdigend.
So, damit das Elend jetzt und hier ein Ende fand, schlüpfte ich mal eben selber raus. Ich hatte sie ja schließlich heute Morgen auch ganz alleine angezogen!
Okay, ich änderte die Taktik. Jetzt war er dran. Denn nichts ist peinlicher, als nackt vor einem angezogenen Mann zu stehen. Womit sollte ich denn jetzt anfangen? War doch nicht der erste Mann, der sich unter meinen Händen räkeln würde.
Also, der Gürtel. Natürlich. Was, bitte, war das? Wie funktionierte denn dieses Modell? Wo war die Schnalle? Ach so, keine Schnalle. Männer und Technik. Wenn beim Öffnen dieses Safes ein Fingernagel von mir durchs Schlafzimmer geflogen wäre, wäre ich übrigens weg gewesen. Wahrscheinlich ohnmächtig oder tot. (Und die drei Stunden debiles Rumsitzen bei Nageldesignerin Renate wären damit auch völlig umsonst gewesen.) Warum saß das Mistding bloß so eng? Meine Jeans war ein Kinderspiel gegen diesen Gürtel. Er merkte, dass ich nicht weiterkam, und half. Wie entsetzlich! Zum Glück rutschte seine Jeans spielend leicht - klar, haben Sie schon mal einen Mann mit Oberschenkelproblemen gesehen?
Jetzt standen wir also beide im Slip! Was die Situation nicht wirklich besser machte. Ich trug natürlich einen String-Tanga, nachdem ich mich drei Monate an dieses Strippengefühl im Hintern gewöhnen musste. Und er? Der klassische Schlüpfer. Immerhin: ohne Eingriff oder Ripp. Egal. Wir würden ihn ja eh ausziehen. Und ich wollte ihn auch gar nicht länger ansehen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: die Küsse, die Worte, seine Zärtlichkeit, seine Lippen an meinem Hals. Ein Traum! Ich wünschte, alles andere wäre unwichtig. Aber ist es leider nicht. Jedenfalls nicht in meinem Kopf und beim ersten Mal! An dieser Stelle würde ich Ihnen jetzt gerne einen Tipp geben, etwa nach dem Motto: Lassen Sie ihn erst ins Schlafzimmer, wenn Sie nackt, in sanftes Licht gehüllt, mit glänzender Creme gesalbt, mit Tüchern geschickt drapiert, daliegen. Quasi mit dem Untertitel: "Gewöhn dich bitte erst mal liegend an mich!" Im zweiten Teil könnten wir dann das Stehen im Dunkeln üben - ohne Anfassen selbstverständlich. Aber glauben Sie mir, so ist das Leben leider nicht. Ich kann Ihnen auch nicht sagen, dass das alles irgendwann, irgendwie besser würde. Meine Freundin Sabrina zum Beispiel, kesse Körbchengröße 75 A, hat ganz andere Sorgen: Plötzlich ist der Push-up weg, und nichts ist mehr so, wie es war. Da ist eher nichts mehr. Deshalb wirft sie sich auf den Bauch und lockt mit ihrem knackigen Hintern. Oder meine Freundin Kerstin: dreifache Mutter, dreimal gestillt. Der Bauch ist flach. Genau, der Busen allerdings auch! Also, was tun? Vertrauen. Wenigstens darauf, dass verliebte Männer angeblich blind sein sollen.
Wir Frauen reden ja niemals über Sex. Nur wenn wir uns in Rudeln treffen. Dann geht's tatsächlich auch des Öfteren verbal heiß her, und ich kenne einige Männer, die gerne mal dabei wären. Sie können sich also vorstellen, dass ich die erste Nacht, Tage bevor sie überhaupt stattfinden sollte, exakt, bis ins kleinste Detail mit meinen Freundinnen durchgesprochen hatte.
"Ich finde das erste Mal schon sehr anstrengend, weil du nicht weißt, ob du die Sau rauslassen kannst. Nicht dass er denkt, du bist die Superschlampe und ziehst 'ne Show ab. Oder dass du ihn verschreckst, denn Männer lieben es, die erfahrenen Liebhaber zu spielen, und wehe, sie spüren, dass du mehr Erfahrung hast. Das könnte unter Umständen zu Erklärungsbedarf führen, was wiederum unangenehm werden könnte." Dieser Vortrag kam von Sabrina, und ich wurde für ein weiteres Thema sensibilisiert, über das ich mir jetzt auch noch Gedanken machen musste! Oje...
"Du musst erstmal die Katholikin raushängen lassen - und Du warst es selbstverständlich schon immer!!!! Selbst wenn Du definitiv Atheistin bist", ergänzte die scheue Ronja. Upps, sie auch? Warum hatten sich mir diese Gedanken bislang nicht erschlossen? Weil es jetzt nicht um irgendeinen, sondern DEN einen ging. Und ich wollte einfach gut vorbereitet sein. Und meine Freundinnen waren noch lange nicht am Ende mit ihrem Liebeslatein:
"In der ersten Nacht gibt's Blümchensex, aber er muss spüren, dass du definitiv noch mehr drauf hast." Aha! Oder: "Richte dich darauf ein, dass der erste Sex nie entspannend sein kann wegen der Reiz- und Sinnesüberflutung! Ist doch logisch: Wir checken ja selber ab, wie er aussieht, riecht, schmeckt und sich anfühlt." Hm.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine Freundinnen dachten, ich gehe jungfräulich in diese mir so wichtige Nacht. Nein, doch nicht ganz. Aber sieben Jahre als Single-Frau verschieben da schon mitunter die Wahrnehmungen.
Selbstverständlich hatten sie auch noch für das Danach unterschiedliche Tipps: Abschminken zum Beispiel. Einig waren sie sich darin, dass frau grundsätzlich auf zu viel Makeup verzichten sollte - welcher Mann knutscht schon gerne einen Chemiebaukasten. Natürlich hoffte ich insgeheim darauf, dass ich bereits durch seine liebevollen, leidenschaftlichen und atemberaubenden Küsse so gut wie abgeschminkt wäre. Und der Rest, zum Beispiel wasserfeste Wimperntusche, sollte bitte schön auch draufbleiben. Schließlich sollte er mich ja auch am nächsten Morgen wiedererkennen!
Zum Glück habe ich wenigstens die meisten der sicher gut gemeinten Tipps im Eifer des Gefechts in dieser einen Nacht, der ersten, einfach vergessen.
Trotzdem möchte ich sie gern mal für Sie zusammenstellen:
Natürlich übertreiben wir Frauen immer bei den ersten Malen, aber betrachten Sie die Vorbereitungen einfach als Ritual oder als Chance, die Nerven zu beruhigen und Ihren Puls irgendwo unter 100 einzupendeln. Also: Sind Beine, Achseln und Bikinizone rasiert? (Übrigens scheint es modern zu sein, dass sich auch immer mehr Männer GANZ rasieren. Also seien Sie auch darauf vorbereitet und nicht so sehr erschrocken, wenn er total nackt, ohne ein einziges Schamhaar, vor Ihnen steht! Und zeigen Sie ja nicht mit dem Finger entsetzt darauf, während sie sich den Mund zuhalten. Das verwirrt ihn auch!) Rasieren Sie sich nicht direkt eine Stunde vor dem Date - denken Sie an eventuelle Entzündungen.
Sowieso gilt: Auf keinen Fall jetzt etwas Neues ausprobieren! Wenn's schief geht, kann's keiner reparieren. Also, keine neuen Cremes, keine neuen Masken, schon gar nicht am selben Tag zum Friseur! Zu den Vorbereitungen gehört außerdem das Überprüfen des Zustandes der Finger- und Fußnägel, das Salben des Körpers mit einem nicht zu aufdringlichen Duft, ein natürliches bis verführerisches Makeup (ohne Theaterschminke zu verwenden, die im Zweifel sofort auf sein Hemd schmiert oder Sie einfach nur zehn Jahre älter macht!) Und verzichten Sie bitte auf Intimspray - das brennt, bei wem und wo auch immer!
Die Klamotten sind sexy, aber auch durchaus bequem und schnüren garantiert nicht ein, die Unterwäsche ist appetitlich aber nicht zu aufreizend (das kann dann später folgen!). Es muss alles in allem irgendwie lässig und authentisch wirken!
Denken Sie daran, Sie setzen heute Maßstäbe: Wenn Sie nicht der Stiletto- und Push-up-Typ sind, verzichten Sie einfach drauf. Oder wollen Sie sich die nächsten Jahre permanent verbiegen, weil Sie ihm immer irgendetwas vormachen, was Sie gar nicht sind?
Wenn Sie vorhaben, die Nacht bei sich ausklingen zu lassen, achten Sie auf Folgendes: O-Saft, Wasser und Champagner im Kühlschrank, Dreckwäsche weggesperrt, Bett frisch bezogen, genügend Klopapier (wie peinlich, wenn er auf'm Klo ist und brüllt: Wo ist denn hier das Klopapier?), frische Handtücher griffbereit, Kerzenbeleuchtung. Achten Sie darauf, dass die Kerzen schon mal kurz angebrannt waren, das wirkt natürlich und selbstverständlich, als würden Sie jeden Abend bei Kerzenlicht sitzen. Sonst denkt er noch, diesen albernen Zirkus veranstalten Sie nur für ihn! Für Nichtraucherinnen: Es wäre schön, wenn Sie die Streichhölzer nicht erst fünf Stunden suchen müssen!
Legen Sie vorher schon Ihre Lieblings-CDs in Griffnähe und bitte überprüfen Sie vorher deren technischen Zustand. Nichts nervt mehr als eine hängende CD. Bitte, bitte, bitte nicht die Kuschelrock einlegen. Das können Sie doch besser! Beim zweiten Date, gleich in Ihrer Wohnung, achten Sie darauf, dass die CD schon mindestens mitten im dritten Lied läuft. (Wenn er klingelt, drücke ich auf den dritten Titel und spule dann schnell noch 20 Sekunden vor. Ich bin so cool - denkt er - und so behämmert - weiß ich!) Wenn Sie ins Restaurant gehen, wählen Sie leichte, nicht blähende oder stinkende Speisen. Am besten, Sie essen Ahnliches wie er, wegen der gleichen Zutaten, Kräuter, Gewürze und späteren Ausdünstungen! Ich weiß, das alles klingt nicht romantisch, aber die Vorbereitungen müssen einfach stimmen, und dann kann die Romantik auch kommen. Nur eben etwas später! Ich suche ja nach dem Essen immer nervös nach einem Kaugummi, um stets die komplette Frische anbieten zu können. Nun ist Kaugummi an solchen Abenden aber nicht unbedingt die erste Wahl, denn es könnte sich ja jeden Augenblick ein Kuss ergeben. Also greifen Sie lieber zu Pfefferminzbonbons!
Schalten Sie Ihr Handy aus und genießen Sie diesen ersten Abend zu zweit. Nichts ist nervender, respektloser und peinlicher als der ständige Kontakt zur Außenwelt, der alle Beteiligten immer wieder aus dem eigenen Romantikprogramm wirft.
Und jetzt: toi, toi, toi!
Übrigens: Nachdem die Klamotten geflogen waren und wir endlich lagen (eine Position, in der ich wieder ausatmen konnte!), klappte es dann auch bei uns. Und meine Panik fiel Stück für Stück, wie zuvor die Textilien, von meinem Körper.
Der erste Morgen Zunächst, nur um's klar zu stellen: Ich war glücklich, hatte aber schlecht geschlafen. Bin ca. 32 Mal neben ihm aufgewacht (ich habe mitgezählt), von einer Kniescheibe begraben, frierend, ohne Decke und von seinem Atem wachgehalten.
Um 5.16 Uhr ging's nicht mehr, ich hielt es nicht mehr aus, meine Blase stand kurz vor einer Explosion! Und dieses Bild mochte ich mir jetzt wirklich nicht vorstellen. Etwa zwei Stunden später, mit um 13 Zentimeter gewachsenem Blasenumfang und Verkrampfungen am ganzen Körper, schälte ich mich nun doch Millimeter für Millimeter aus seinen Armen. Bloß kein Geräusch machen! Und Geräusche gibt's so viele. Quietschende Matratzen, raschelnde Bettdecken, knarrende Dielen, brustschwache Türen, lebensbedrohliches Stolpern über sinnlos verstreute Hosen, BH und Schuhe. Das alles nur, weil ich ihn doch nicht wecken wollte. Jedenfalls nicht in der ersten Nacht. Später würde ich ihn sogar mutwillig wachrütteln, damit er teilnehmen konnte an meinen Träumen, mich vor Mücken rettete oder einfach nur wach war, wenn ich auch wach bin. Sei jetzt wach! Mir ist langweilig.
Einmal Klo und zurück! Die ganze Aktion dauerte 17 Minuten, um am Ende festzustellen, der neue Traummann hatte sich nicht einen Millimeter bewegt. Er ratzte immer noch gemütlich im Tiefschlaf vor sich hin.
Leseprobe zu "90 Tage auf Bewährung" von Kim Fisher
Warum, wieso, weshalb Ich war nackt. Er noch nicht ganz. Und wenn mein Hund (Ella, damals zwölf Wochen alt, ein Mopsmädchen) ihn vier Wochen zuvor nicht angepinkelt hätte, hätten wir beide mehr an. Ich definitiv! Zumindest Pyjama, Bademantel, Socken und eine Maske im Gesicht. Ich läge wahrscheinlich mit Würstchen aus dem Glas auf der Couch, und mit einer Freundin am Handy würde ich stumpf eine so genannte Romantikkomödie auf Sat1 verfolgen. Immer das Gleiche: Blonde Hauptdarstellerin, leicht verhuscht, ungerechterweise vor riesigen Problemen stehend. Gegelter Held, verantwortlich für den ganzen Mist, löst all diese Probleme, gewinnt dadurch ihre Liebe. Nach anderthalb Stunden wäre mein Ausflug in die große Gefühlswelt der Liebe hart und unbarmherzig beendet worden. Der erlösende Kuss, Happyend und - Werbung: Zahnpasta oder Nudelgerichte für die ganze Familie.
Warum eigentlich hören diese Filme immer dann auf, wenn es erst wirklich interessant wird? Es gibt Ratgeber über den Frust der Single-Frauen, und es gibt traumhafte Liebesgeschichten. Aber es gibt kein Buch über die Zeit, in der die Liebe laufen lernt.
Genau jetzt hätte ich so eine Anleitung aber wirklich gut gebrauchen können. So als eine Art "how to do" - wie stelle ich mich in den ersten Tagen als plötzlich neues Mitglied einer Beziehung an? Wie gebe ich mich möglichst natürlich? Ohne Verklemmung, Verkrampfung, Verspannung? Die ersten drei Monate einer neuen Beziehung sind für viele Frauen die schönsten Momente. Aber für eine nervöse Frau wie mich sind diese Monate die stressigste Zeit ihres Lebens!
Es war schon immer so. Schon in der Schule. Meine Mutter fragte sich stets besorgt, was für ein Mann-Frau-Bild mir meine Eltern vorgelebt haben müssen, dass ich kurz vor einem Date lieber auf'm Klo geblieben wäre, als mich mit Michael Z. an der Bushaltestelle gegenüber von C&A zu treffen. Ich konnte tagelang nichts essen, weil ich einfach keine Zeit dafür hatte. Schließlich musste ich überlegen, was ich anziehen sollte. Und machen wir uns nichts vor, in den Achtzigern sah man einfach scheiße aus. Als Pubertierende schon mal sowieso. Stulpen über Röhrenjeans, Pullover Größe XXL und gebatikte Tücher eng um den Hals gewürgt. Wo blieb da eigentlich die zarte, aufkeimende Sinnlichkeit auf dem Weg vom Mädchen zur Frau? Bei mir blieb sie in der Dauerwelle oder in meinen Blechohrringen stecken, die als Stoppschild in meinen entzündeten Ohrläppchen hingen. Kein H&M, kein Mango, keine Zara. Stattdessen Jean Pascal, Witboy und C&A. Genau.
Auf gar keinen Fall durfte ich jetzt an Michael Z. denken. Hier ging es nicht um den ersten Kuss mit Zahnspange, in der noch Teile vom Negerkussbrötchen hingen, hier ging es um die erste Nacht. Um meine Zukunft. Und um die von Ella. Wird er es sein, der ihr morgens das trockene, langweilige Futter mit den Worten "Danke, du Pissflitsche, für damals" in den Blechnapf wirft?
Werde ich ihm jemals anvertrauen, wie wenig authentisch ich war? Wie raffiniert ich an den Dingen und Situationen geschraubt habe, die ihm dann so wahnsinnig natürlich erscheinen sollten? Wenn ich allein an die Vorbereitungen in meiner Wohnung vor seiner ersten Nacht bei mir denke ^ Wie bereiten Sie sich vor? Gehören Sie zu den lässigen Frauen, die jetzt über mich lachen, weil sie jederzeit überraschend Besuch bekommen können? Deren Wohnung immer die jeweils richtige Atmosphäre ausstrahlt? Lichtstimmung, Wahl der Musik, Fülle des Kühlschranks, alles unter Kontrolle? Klopapier, frische Handtücher, richtige Temperatur für die richtigen Getränke? Alles im Griff?
Ehrlich gesagt, gehöre ich da wohl eher zu den verhuschten blonden Protagonistinnen einer Romantikkomödie. Verwirrt und bereit für jede peinliche Situation.
1. Monat Die erste Nacht Ich war perfekt getarnt. Die Jacke saß, die Hose hatte ein Vermögen gekostet, na ja, und die Unterwäsche. Aber so weit waren wir nicht. Noch nicht. Ich hoffte, er würde mich nicht gleich ausziehen. Das Bild war einfach zu perfekt. Ich trug sogar sündhaft teure, halterlose Strümpfe.
Wir küssten uns. Mir brach der Schweiß aus: Allerdings nur vordergründig aus Leidenschaft. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, wie kann verdammt noch mal eine einzige blöde kleine Kerze sooo viel Licht machen? Ein bisschen weiter noch, und die Tarnung würde fallen. Ich dachte an meine Oberweite - 80 C. Ich dachte an die Erdanziehungskraft, und er fummelte an meinem BH-Verschluss. Hoffentlich kannte er diesen Mechanismus nicht so genau. Doch, tat er. Er löste den Verschluss, und ich verkrampfte mich sofort. Meine Arme schlangen sich wie in einem Fünfzigerjahrefilm, einem schlechten wohlgemerkt, um meine Oberweite, ich grinste schwachsinnig und hatte Kopfkino. Und er? Er bemerkte nichts von meiner Mühe, so zu tun, als handelte es sich in Wirklichkeit um eine 75-B-Situation.
Meine Damen, machen wir uns nichts vor: Keine Frau mit einem natürlichen C-Körbchen, das nicht silikonverstärkt ist, zieht sich gerne und einfach so das erste Mal vor einem Mann aus. Ich korrigiere. Keine, außer Ronja. Die einzige Frau in meinem Freundeskreis, die nichts mit einem BH anzufangen weiß. Sie scheint auf wundersame Weise die Gesetze der Schwerkraft besiegt zu haben, und durch einen teuflischen Pakt wachsen ihre Brüste sogar regelrecht der Sonne entgegen. Ja, es gibt sie, die One-Million-Dollar-Chance. Aber zurück zu mir.
Also, was tun? Sich gleich aufs Bett werfen, weil die Brüste im Liegen irgendwie schöner aussehen? Die Arme hochreißen, weil - also bitte, machen die im "Playboy" doch auch, wenn's schon ein bisschen hängt. Frau könnte auch das Laken vom Bett ziehen und sich kunstvoll umhüllen. Wäre sowieso besser für alles, was jetzt folgen sollte und noch ausgepackt werden musste. Ich war im Stress. Von wegen "fallen lassen" und so. Wahrscheinlich dachte er, ich hyperventilierte seinetwegen. Dabei ging's hier gerade wirklich nur um mich! Okay, der BH war gefallen, ich lebte noch, und er war auch noch da!
Jetzt die Jeans. Schlimm. Ich dachte an die Schokolade, die vielen nicht gelaufenen Joggingrunden und meine Cellulite. Kennen Sie das? In Jeans okay - und dann? Wäre ich jetzt immer noch Single, wäre es mir - mit Verlaub - scheißegal. Aber auf einmal änderte sich alles!
Und ziehen Sie mal erotisch eine Jeans aus, die eine Nummer zu klein (die dürre Verkäuferin meinte, kleiner sei knackiger!) und einfach so eng ist, dass jede Eleganz auf der Strecke bleibt. Er würde sie nicht einfach so von meinem Körper streifen können. Da bräuchte es eine andere Manneskraft: zerren, ziehen und reißen! Entwürdigend.
So, damit das Elend jetzt und hier ein Ende fand, schlüpfte ich mal eben selber raus. Ich hatte sie ja schließlich heute Morgen auch ganz alleine angezogen!
Okay, ich änderte die Taktik. Jetzt war er dran. Denn nichts ist peinlicher, als nackt vor einem angezogenen Mann zu stehen. Womit sollte ich denn jetzt anfangen? War doch nicht der erste Mann, der sich unter meinen Händen räkeln würde.
Also, der Gürtel. Natürlich. Was, bitte, war das? Wie funktionierte denn dieses Modell? Wo war die Schnalle? Ach so, keine Schnalle. Männer und Technik. Wenn beim Öffnen dieses Safes ein Fingernagel von mir durchs Schlafzimmer geflogen wäre, wäre ich übrigens weg gewesen. Wahrscheinlich ohnmächtig oder tot. (Und die drei Stunden debiles Rumsitzen bei Nageldesignerin Renate wären damit auch völlig umsonst gewesen.) Warum saß das Mistding bloß so eng? Meine Jeans war ein Kinderspiel gegen diesen Gürtel. Er merkte, dass ich nicht weiterkam, und half. Wie entsetzlich! Zum Glück rutschte seine Jeans spielend leicht - klar, haben Sie schon mal einen Mann mit Oberschenkelproblemen gesehen?
Jetzt standen wir also beide im Slip! Was die Situation nicht wirklich besser machte. Ich trug natürlich einen String-Tanga, nachdem ich mich drei Monate an dieses Strippengefühl im Hintern gewöhnen musste. Und er? Der klassische Schlüpfer. Immerhin: ohne Eingriff oder Ripp. Egal. Wir würden ihn ja eh ausziehen. Und ich wollte ihn auch gar nicht länger ansehen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: die Küsse, die Worte, seine Zärtlichkeit, seine Lippen an meinem Hals. Ein Traum! Ich wünschte, alles andere wäre unwichtig. Aber ist es leider nicht. Jedenfalls nicht in meinem Kopf und beim ersten Mal! An dieser Stelle würde ich Ihnen jetzt gerne einen Tipp geben, etwa nach dem Motto: Lassen Sie ihn erst ins Schlafzimmer, wenn Sie nackt, in sanftes Licht gehüllt, mit glänzender Creme gesalbt, mit Tüchern geschickt drapiert, daliegen. Quasi mit dem Untertitel: "Gewöhn dich bitte erst mal liegend an mich!" Im zweiten Teil könnten wir dann das Stehen im Dunkeln üben - ohne Anfassen selbstverständlich. Aber glauben Sie mir, so ist das Leben leider nicht. Ich kann Ihnen auch nicht sagen, dass das alles irgendwann, irgendwie besser würde. Meine Freundin Sabrina zum Beispiel, kesse Körbchengröße 75 A, hat ganz andere Sorgen: Plötzlich ist der Push-up weg, und nichts ist mehr so, wie es war. Da ist eher nichts mehr. Deshalb wirft sie sich auf den Bauch und lockt mit ihrem knackigen Hintern. Oder meine Freundin Kerstin: dreifache Mutter, dreimal gestillt. Der Bauch ist flach. Genau, der Busen allerdings auch! Also, was tun? Vertrauen. Wenigstens darauf, dass verliebte Männer angeblich blind sein sollen.
Wir Frauen reden ja niemals über Sex. Nur wenn wir uns in Rudeln treffen. Dann geht's tatsächlich auch des Öfteren verbal heiß her, und ich kenne einige Männer, die gerne mal dabei wären. Sie können sich also vorstellen, dass ich die erste Nacht, Tage bevor sie überhaupt stattfinden sollte, exakt, bis ins kleinste Detail mit meinen Freundinnen durchgesprochen hatte.
"Ich finde das erste Mal schon sehr anstrengend, weil du nicht weißt, ob du die Sau rauslassen kannst. Nicht dass er denkt, du bist die Superschlampe und ziehst 'ne Show ab. Oder dass du ihn verschreckst, denn Männer lieben es, die erfahrenen Liebhaber zu spielen, und wehe, sie spüren, dass du mehr Erfahrung hast. Das könnte unter Umständen zu Erklärungsbedarf führen, was wiederum unangenehm werden könnte." Dieser Vortrag kam von Sabrina, und ich wurde für ein weiteres Thema sensibilisiert, über das ich mir jetzt auch noch Gedanken machen musste! Oje...
"Du musst erstmal die Katholikin raushängen lassen - und Du warst es selbstverständlich schon immer!!!! Selbst wenn Du definitiv Atheistin bist", ergänzte die scheue Ronja. Upps, sie auch? Warum hatten sich mir diese Gedanken bislang nicht erschlossen? Weil es jetzt nicht um irgendeinen, sondern DEN einen ging. Und ich wollte einfach gut vorbereitet sein. Und meine Freundinnen waren noch lange nicht am Ende mit ihrem Liebeslatein:
"In der ersten Nacht gibt's Blümchensex, aber er muss spüren, dass du definitiv noch mehr drauf hast." Aha! Oder: "Richte dich darauf ein, dass der erste Sex nie entspannend sein kann wegen der Reiz- und Sinnesüberflutung! Ist doch logisch: Wir checken ja selber ab, wie er aussieht, riecht, schmeckt und sich anfühlt." Hm.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine Freundinnen dachten, ich gehe jungfräulich in diese mir so wichtige Nacht. Nein, doch nicht ganz. Aber sieben Jahre als Single-Frau verschieben da schon mitunter die Wahrnehmungen.
Selbstverständlich hatten sie auch noch für das Danach unterschiedliche Tipps: Abschminken zum Beispiel. Einig waren sie sich darin, dass frau grundsätzlich auf zu viel Makeup verzichten sollte - welcher Mann knutscht schon gerne einen Chemiebaukasten. Natürlich hoffte ich insgeheim darauf, dass ich bereits durch seine liebevollen, leidenschaftlichen und atemberaubenden Küsse so gut wie abgeschminkt wäre. Und der Rest, zum Beispiel wasserfeste Wimperntusche, sollte bitte schön auch draufbleiben. Schließlich sollte er mich ja auch am nächsten Morgen wiedererkennen!
Zum Glück habe ich wenigstens die meisten der sicher gut gemeinten Tipps im Eifer des Gefechts in dieser einen Nacht, der ersten, einfach vergessen.
Trotzdem möchte ich sie gern mal für Sie zusammenstellen:
Natürlich übertreiben wir Frauen immer bei den ersten Malen, aber betrachten Sie die Vorbereitungen einfach als Ritual oder als Chance, die Nerven zu beruhigen und Ihren Puls irgendwo unter 100 einzupendeln. Also: Sind Beine, Achseln und Bikinizone rasiert? (Übrigens scheint es modern zu sein, dass sich auch immer mehr Männer GANZ rasieren. Also seien Sie auch darauf vorbereitet und nicht so sehr erschrocken, wenn er total nackt, ohne ein einziges Schamhaar, vor Ihnen steht! Und zeigen Sie ja nicht mit dem Finger entsetzt darauf, während sie sich den Mund zuhalten. Das verwirrt ihn auch!) Rasieren Sie sich nicht direkt eine Stunde vor dem Date - denken Sie an eventuelle Entzündungen.
Sowieso gilt: Auf keinen Fall jetzt etwas Neues ausprobieren! Wenn's schief geht, kann's keiner reparieren. Also, keine neuen Cremes, keine neuen Masken, schon gar nicht am selben Tag zum Friseur! Zu den Vorbereitungen gehört außerdem das Überprüfen des Zustandes der Finger- und Fußnägel, das Salben des Körpers mit einem nicht zu aufdringlichen Duft, ein natürliches bis verführerisches Makeup (ohne Theaterschminke zu verwenden, die im Zweifel sofort auf sein Hemd schmiert oder Sie einfach nur zehn Jahre älter macht!) Und verzichten Sie bitte auf Intimspray - das brennt, bei wem und wo auch immer!
Die Klamotten sind sexy, aber auch durchaus bequem und schnüren garantiert nicht ein, die Unterwäsche ist appetitlich aber nicht zu aufreizend (das kann dann später folgen!). Es muss alles in allem irgendwie lässig und authentisch wirken!
Denken Sie daran, Sie setzen heute Maßstäbe: Wenn Sie nicht der Stiletto- und Push-up-Typ sind, verzichten Sie einfach drauf. Oder wollen Sie sich die nächsten Jahre permanent verbiegen, weil Sie ihm immer irgendetwas vormachen, was Sie gar nicht sind?
Wenn Sie vorhaben, die Nacht bei sich ausklingen zu lassen, achten Sie auf Folgendes: O-Saft, Wasser und Champagner im Kühlschrank, Dreckwäsche weggesperrt, Bett frisch bezogen, genügend Klopapier (wie peinlich, wenn er auf'm Klo ist und brüllt: Wo ist denn hier das Klopapier?), frische Handtücher griffbereit, Kerzenbeleuchtung. Achten Sie darauf, dass die Kerzen schon mal kurz angebrannt waren, das wirkt natürlich und selbstverständlich, als würden Sie jeden Abend bei Kerzenlicht sitzen. Sonst denkt er noch, diesen albernen Zirkus veranstalten Sie nur für ihn! Für Nichtraucherinnen: Es wäre schön, wenn Sie die Streichhölzer nicht erst fünf Stunden suchen müssen!
Legen Sie vorher schon Ihre Lieblings-CDs in Griffnähe und bitte überprüfen Sie vorher deren technischen Zustand. Nichts nervt mehr als eine hängende CD. Bitte, bitte, bitte nicht die Kuschelrock einlegen. Das können Sie doch besser! Beim zweiten Date, gleich in Ihrer Wohnung, achten Sie darauf, dass die CD schon mindestens mitten im dritten Lied läuft. (Wenn er klingelt, drücke ich auf den dritten Titel und spule dann schnell noch 20 Sekunden vor. Ich bin so cool - denkt er - und so behämmert - weiß ich!) Wenn Sie ins Restaurant gehen, wählen Sie leichte, nicht blähende oder stinkende Speisen. Am besten, Sie essen Ahnliches wie er, wegen der gleichen Zutaten, Kräuter, Gewürze und späteren Ausdünstungen! Ich weiß, das alles klingt nicht romantisch, aber die Vorbereitungen müssen einfach stimmen, und dann kann die Romantik auch kommen. Nur eben etwas später! Ich suche ja nach dem Essen immer nervös nach einem Kaugummi, um stets die komplette Frische anbieten zu können. Nun ist Kaugummi an solchen Abenden aber nicht unbedingt die erste Wahl, denn es könnte sich ja jeden Augenblick ein Kuss ergeben. Also greifen Sie lieber zu Pfefferminzbonbons!
Schalten Sie Ihr Handy aus und genießen Sie diesen ersten Abend zu zweit. Nichts ist nervender, respektloser und peinlicher als der ständige Kontakt zur Außenwelt, der alle Beteiligten immer wieder aus dem eigenen Romantikprogramm wirft.
Und jetzt: toi, toi, toi!
Übrigens: Nachdem die Klamotten geflogen waren und wir endlich lagen (eine Position, in der ich wieder ausatmen konnte!), klappte es dann auch bei uns. Und meine Panik fiel Stück für Stück, wie zuvor die Textilien, von meinem Körper.
Der erste Morgen Zunächst, nur um's klar zu stellen: Ich war glücklich, hatte aber schlecht geschlafen. Bin ca. 32 Mal neben ihm aufgewacht (ich habe mitgezählt), von einer Kniescheibe begraben, frierend, ohne Decke und von seinem Atem wachgehalten.
Um 5.16 Uhr ging's nicht mehr, ich hielt es nicht mehr aus, meine Blase stand kurz vor einer Explosion! Und dieses Bild mochte ich mir jetzt wirklich nicht vorstellen. Etwa zwei Stunden später, mit um 13 Zentimeter gewachsenem Blasenumfang und Verkrampfungen am ganzen Körper, schälte ich mich nun doch Millimeter für Millimeter aus seinen Armen. Bloß kein Geräusch machen! Und Geräusche gibt's so viele. Quietschende Matratzen, raschelnde Bettdecken, knarrende Dielen, brustschwache Türen, lebensbedrohliches Stolpern über sinnlos verstreute Hosen, BH und Schuhe. Das alles nur, weil ich ihn doch nicht wecken wollte. Jedenfalls nicht in der ersten Nacht. Später würde ich ihn sogar mutwillig wachrütteln, damit er teilnehmen konnte an meinen Träumen, mich vor Mücken rettete oder einfach nur wach war, wenn ich auch wach bin. Sei jetzt wach! Mir ist langweilig.
Einmal Klo und zurück! Die ganze Aktion dauerte 17 Minuten, um am Ende festzustellen, der neue Traummann hatte sich nicht einen Millimeter bewegt. Er ratzte immer noch gemütlich im Tiefschlaf vor sich hin.