1954-1969 - Foucault, Michel

Michel Foucault 

1954-1969

Hrsg. v. Daniel Defert u. Francois Ewald u. a.
Buch mit Leinen-Einband
 
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1954-1969

Die vierbändige Ausgabe der Schriften - Dits et Ecrits - umfaßt, in vollständig neuer Übersetzung, sämtliche zu Lebzeiten Michel Foucaults publizierten Aufsätze, Interviews, Vorworte und Reden. Dieser Teil seines Werkes, der hier zu entdecken ist und spannende, überraschende Funde bereithält, steht in Einfluß und philosophischer Bedeutung gleichberechtigt neben seinen Büchern. Die vollständige und genau dokumentierte Ausgabe der Schriften leistet ein Doppeltes: Zum einen versammelt sie Vorarbeiten und erste Entwürfe der publizierten Werke, zum anderen zeigt sie in eindrucksvoller Weise Foucaults Versuch, die historisch-philosophischen Analysen seiner umfangreichen Werke in pointierter Form für eine Diagnose der Gegenwart fruchtbar zu machen. Die hier versammelten Texte zeigen, wie philosophisches Denken als aktuelles und zugleich politisches Denken ernst zu nehmen und die Philosophie als gesellschaftliches Engagement neu zu verorten ist. Der erste Band der Schriften umfaßt sämtliche k leineren Schriften aus dem Zeitraum von 1954 bis 1969, die im Umkreis von Foucaults frühen epistemologischen Arbeiten, der umfassenden Analyse der Geschichte des Wahnsinns und der epochalen und wirkmächtigen diskursanalytischen "Studie Die Ordnung der Dinge" entstanden sind.


Produktinformation

  • Schriften, Dits et Ecrits, 4 Bde., Ln
  • Bd.1
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 1075 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 1075
  • Best.Nr. des Verlages: 58310
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 146mm x 62mm
  • Gewicht: 1236g
  • ISBN-13: 9783518583104
  • ISBN-10: 3518583107
  • Best.Nr.: 09837703
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.12.2001

Der auszog, das Fürchten zu lernen
Nichts für Historiker in kurzen Hosen: Foucaults gesammelte Schriften und Sätze
Wie nähert man sich einem Klassiker? Und wie vermißt man die Seitenwege eines Denkabenteuer, wie verbindet man Fäden, die sich lose um das zentrale Textgewebe winden? Zwei Wege der Auseinandersetzung mit dem „Frühwerk” bieten sich auf den ersten Blick an. Andächtig und zart die Denkbewegungen nachzuzeichnen, wie es einem Klassiker gebührt, ist der eine. Wenn nun aber das fragliche Unternehmen den Namen Foucault trägt, dann führt sich dieser Vorschlag selbst ad absurdum, sofern nicht völlig verkannt wird, mit welchen Explosivstoffen der Leser hantiert.
Als nächstes kommt das Ahnen, Aufspüren, Antizipieren des Späteren. Verführen die gesammelten zahlreichen kleineren Texte aus den Jahren 1954 bis 1969 nicht gerade dazu? Hier scheint die „Archäologie des Wissens” durchzublitzen, dort „Überwachen und Strafen”. Der Kenner braucht die Teile nur noch zusammenzusetzen, und vor ihm entfaltet sich ein lineares philosophisch-historisches Denken. Spätestens dann setzt das Unwohlsein ein. Haben wir es nicht mit den Schriften und …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2001

Wenn ihr den wilden Gesellen fragt
Das ist Foucaults verwegene Jagd: Der erste Band seiner "Schriften" / Von Andreas Platthaus

Sein Werk liest sich wie ein Roman, als Titel könnte er tragen: "Mein Leben als Kurier der Geschichte auf der Pony-Express-Route". Auf letzterer galoppierten ehedem rastlose Reiter, sprangen von einem Pferd auf das andere; wenn es unter ihnen zusammenbrach, liefen sie zu Fuß zur nächsten Relaisstation, wichtig war nur eines: Die Post mußte durchkommen. Dennoch waren sie mehr als Postboten, sie waren Ritter des Wilden Westens. So arbeitete auch Michel Foucault, nur hieß es bei ihm: Die Geschichte muß durchkommen. Dennoch war er mehr als Historiker, er war Streiter für das wilde Wissen.

Häufig wechselte er die Pferde: Vom bewährten Zugtier Phänomenologie ließ er sich für das Reiten begeistern, die alte Mähre Anthropologie zwang er noch einmal ins Geschirr, dann zähmte er einen Wildfang namens Strukturalismus, schwang sich aufs publizistische Schlachtroß, um Studentenrevolte und politischer Gefangenenbewegung voranzupreschen, ließ sich gemeinsam mit Sartre, dessen Philosophie er jahrelang bekämpft hatte, im …

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"Es ist dem Suhrkamp Verlag hoch anzurechnen, sich der Wahrung der Integrität der französischen Ausgabe verschrieben zu haben, auch wenn dies einen enormen Übersetzungsaufwand bedeutet, zumal ja die seit drei Jahren erscheinenden Vorlesungen am Collège de France mit einem nur geringen zeitlichen Abstand auch auf Deutsch dort erscheinen." Frankfurter Rundschau

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als Reiter eines theoretischen Pony-Express' bezeichnet Andreas Platthaus im Eingang seiner umfangreichen Besprechung des ersten Bandes der seit 1994 vierbändig und französisch vorhandenen "Schriften" Michel Foucault; als Theoretiker der in fliegender Eile die Pferde wechselt, von der Phänomenologie zum Strukturalismus, vom politischen Engagement zur Kritik der Biopolitik. Und doch blieb er, in all seinen Unternehmungen, so Platthaus, ein "Streiter für das wilde Wissen". In diesem ersten Band mit sämtlich neu - und gut, sagt Platthaus - übersetzten, zumeist bekannten und zuvor schon verstreut veröffentlichten Texten Foucaults kann man den Philosophen aus der ungewohnten Perspektive des "Vor- und Hinterlands" der großen frühen Bücher kennen lernen. Zum zentralen Motiv seiner durch Themen und Texte eilenden Besprechung macht Platthaus die Rolle des Menschen in der Theorie Foucaults. Früh stellt der Philosoph die Frage "Wie funktioniert er?", später gibt es, in "Die Ordnung der Dinge" die Rede von seiner Abschaffung. Die Frage steht aber auch in den Studien zu "Überwachen und Strafen" im Zentrum, wenn der Käfig den Menschen zum bloßen Objekt macht. Die Einblicke ins …

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"Wem Wahnsinn und Gesellschaft oder Überwachen und Strafen zu dickleibig und zu gelehrt sind, der lese nun in den Schriften doch zwei, drei Interviews mit Foucault, um zu verstehen, um was es ihm ging. Foucault - und das ist überraschend und erfrischend zugleich - geizt nicht mit einfachen Worten und einprägsamen Aussagen." Süddeutsche Zeitung

»Es ist dem Suhrkamp Verlag hoch anzurechnen, sich der Wahrung der Integrität der französischen Ausgabe verschrieben zu haben, auch wenn dies einen enormen Übersetzungsaufwand bedeutet, zumal ja die seit drei Jahren erscheinenden Vorlesungen am Collège de France mit einem nur geringen zeitlichen Abstand auch auf Deutsch dort erscheinen.«
Paul-Michel Foucault, geb. 15. Okt. 1926 in Poitiers, gest. am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion; studierte Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille; 1955 Lektor an der Universität Uppsala (Schweden). Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. Nach einer Gastprofessur in Tunis (1965-68) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-70). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein politisches Engagement auf sich aufmerksam. 1975-82 unternahm er Reisen nach Berkeley, Japan, Iran und Polen.

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:
Einleitung
Zeittafel

1954
Einführung (in: Binswanger, L., Traum und Existenz)

1957
Die Psychologie von 1850 bis 1950 / Die wissenschaftliche Forschung und die Psychologie

1961
Vorwort (in: Foucault, M., Folie et Déraison. Histoire de la folie à l age classique, Paris 1961) / Der Wahnsinn existiert nur in einer Gesellschaft (Gespräch mit J.-P. Weber) / Alexandre Koyré: Die astronomische Revolution, Kopernikus, Kepler, Borelli

1962
Einführung (in: Rousseau, J.-J., Rousseau juge de Jean-Jacques, Paris 1962) / Das "Nein" des Vaters / Der Zyklus der Frösche / Sagen und Sehen bei Raymond Roussel / Ein so grausames Wissen

1963
Wächter über die Nacht der Menschen / Vorrede zur Überschreitung / Die Sprache, unendlich / Lauern auf den anbrechenden Tag / Das Wasser und der Wahnsinn / Distanz, Aspekt, Ursprung / Ein "nouveau roman" des Schreckens / Geschichtlicher Abriss / Nachwort (zu Flaubert, G., Die Versuchung des Heiligen Antonius) / Die Prosa des Aktaion / Diskussion über den Roman (mit G. Amy, J.-L. Baudry, M.-J. Durry, J. P. Faye, M. de Gandillac, C. Ollier, M. Pleynet, E. Sanguineti, P. Sollers, J. Thibaudeau und J. Tortel) / Diskussion über die Dichtung (mit J,-L. Baudry, M.-J. Durry, J. P. Faye, M. Pleynet, E. Sanguineti, P. Sollers und J. Tortel) / Die Sprache des Raumes / Der Wahnsinn, Abwesenheit eines Werkes / Warum gibt man das Werk von Raymond Roussel wieder heraus? Ein Vorläufer unserer modernen Literatur / Die Wörter bluten / J.-P. Richards Mallarmé / Die Verpflichtung zu schreiben / Philosophie und Psychologie) (Gespräch mit A. Badiou / Philosophie und Wahrheit (Gespräch mit A. Badiou, G. Canguilhem, D. Dreyfus, J. Hyppolite, P. Ric ur) / Die Hoffräulein

1966
Die Prosa der Welt / Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge (Gespräch mit R.

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