15 Jahre lang, von 1910 bis 1924 hat Erich Mühsam, der berühmteste
deutsche Anarchist sein Leben festgehalten ausführlich, stilistisch
pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber und niemals
langweilig. Was diese Tagebücher so fesselnd macht, ist der wache
Blick des Weltveränderers. Mühsam wollte Anarchie praktisch
ausprobieren. Anarchie hieß für ihn: Leben ohne moralische
Scheuklappen, ohne Rücksicht auf Konventionen und er bewies, dass
es geht. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt
die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt:
Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der
bayerischen Justiz trifft ihn hart.
Mühsam Tagebuch ist ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken
gilt, es erscheint in 15 Bänden und zugleich als Online-Edition.
Die gewissenhaft edierten Textbände werden im Netz unter begleitet
von einem Anmerkungsapparat mit kommentiertem Namenregister,
Sacherklärungen, ergänzenden Materialien, Suchfunktionen so
entsteht eine historisch kritische Ausgabe!
Erich Mühsam 1878-1934 war einer der markantesten und literarisch fruchtbarsten Vertreter des deutschen Anarchismus. Seine Anschauungen verschmolzen Postulate anarchistischer Theoretiker mit Elementen des bürgerlichen Individualismus zu einem theoretisch kaum reflektierten Gefühlsanarchismus, der vor allem vom Autoritätshaß und durch tief empfundene Verbundenheit mit den sozial Benachteiligten belebt wurde.
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