„Ich habe nie ein anderes Mädchen geküsst”: Hundert Hundertjährige
im Porträt
Mit der Würde des Alters ist es bald vorbei. Diese Behauptung ist
etwas grob, aber für sie gibt es folgende Gründe. Erstens schwindet
die besondere Würde des Alters, weil immer mehr Menschen das
Altsein miteinander gemein haben. Alt und einigermaßen beieinander,
das gibt es überall und ist nicht mehr spezieller Verehrung wert.
Zweitens gibt es immer mehr Alte, die selbst ihre Würde abgeben,
weil sie dem Junggeblieben-Imperativ der Popkultur folgen und sich
deshalb in enge Jeans quetschen oder an einer
Senioren-Topless-Disco im Seniorenstrandparadies teilnehmen.
Und drittens haben die nachwachsenden Alten keine historische Aura:
Sie haben nicht mehr an den großen Erschütterungen des 20.
Jahrhunderts teilgenommen. Sie sind nicht mehr Zeitzeugen, die viel
durchgemacht haben, sondern Kinder des Friedens und des Wohlstands:
Der Jahrgang 1945 erreicht in diesem Jahr das Rentenalter von
fünfundsechzig.
Bevor aber die medizinische und demographische Entwicklung es dahin
bringen, dass hundert Jahre alt zu sein nichts Auffälliges mehr
ist, erzählt jetzt der Bildband „100 …