Im Konzentrationslager Buchenwald waren Menschen aus fast allen
europäischen Nationen inhaftiert. Um das eigene Überleben im Lager
sichern zu können, mussten neue soziale Praktiken erlernt werden,
die über die jeweils unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen und
Prägungen vor der Haftzeit hinausgingen. In dieser
Zwangsgemeinschaft war nationenübergreifende Solidarität eher
selten. Dennoch hatten viele Inhaftierte Ideen davon, was Europa
ist und wie es mal aussehen könnte. Solche Ideen wurden ins Lager
mitgebracht, entstanden dort und wurden heftig debattiert. Für
andere wiederum bekam Europa erst nach dem Lager eine Relevanz, als
ein aus der Angst resultierendes Konstrukt, dass sich die
Geschichte so oder ähnlich wiederholen könne.Welche Erfahrungen,
Vorstellungen, Hoffnungen oder Sehnsüchte haben oder hatten die
Menschen von Europa, die in Buchenwald ¿ sei es für Tage, sei es
für Jahre ¿ inhaftiert waren? Inwiefern verändern sie sich über die
Zeit, werden aufgrund anderer Erfahrungen brüchig und
desillusioniert oder visionär und mythisch? Interessante und zum
Teil verblüffende Antworten darauf wurden in Frankreich gefunden,
geht doch ein Weg von Buchenwald nach Europa über Frankreich. Die
Franzosen waren nicht nur zahlenmäßig eine bedeutende Gruppe in
Buchenwald, sie spielten auch im lagerinternen Widerstand eine
gewichtige Rolle. Noch heute gibt es in Frankreich einen gut
organisierten Verband ehemaliger Häftlinge: engagierte Menschen,
die Auskunft geben.
Ronald Hirte ist Historiker und Archäologe. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er in der Gedenkstätte Buchenwald. Er war Veranstalter der Audiokunst- und örspielfestivals ¿raste¿ und ¿audiofunken¿ und Kurator der Ausstellung ¿The Social Collector¿. U.a. veröffentlichte er ¿Offene Befunde. Zeitgeschichtliche Archäologie und Erinnerungskultur¿. Hannah Röttele ist Kulturwissenschaftlerin. Sie hat nach ihrem Studium in Nîmes gearbeitet und dort für einen Verein den deutsch-französischen Jugendaustausch organisiert. Seit 2010 ist sie pädagogische Mitarbeiterin der Gedenkstätte. Fritz v. Klinggräff ist Literaturwissenschaftler und Journalist. Seit acht Jahren leitet er die Pressestelle der Stadt Weimar. Zuvor war er Zeitungsredakteur (die taz); Mitbegründer und Chefredakteur des Weimarer Radios Lotte. Nebenberuflich arbeitet er als freier Autor.
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