William Letourneur, *1898 ¿ ¿1973, Lederfacharbeiter. Er arbeitete
in einer Gerberei in Maromme, einem Vorort der französischen
Hafenstadt Rouen in der Normandie. Nach dem Einmarsch deutscher
Truppen (5/40) und der damit verbundenen zunehmenden Repressalien
durch die Nazis, schloss er sich der kommunistischen
Widerstandsgruppe ¿Front National¿ an. Von einem Nachbarn
denunziert, geriet er in die Mühlen der Gestapo, wurde eingesperrt
und über das Sammellager Compiègne (5/43) zunächst nach Weimar
(6/43) ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Mit der
Wiederinbetriebnahme (2/44) des Lagers ¿DAW Lindenstrasse¿ in
Lublin, im sogenannten Generalgouvernement, wurde er zur Auffüllung
der Sollstärke aus Buchenwald abgezogen. Als die Rote Armee Lublin
erreichte (7/44), ging seine Odyssee nach Auschwitz ins Stammlager,
das zur ebenfalls zu den DAW gehörte. Vom Tag seiner Verhaftung bis
zur Evakuation aus Lublin, nutzte er jede Gelegenheit heimlich und
offiziell Briefe an seine Frau Hélène zu senden. Sie enthalten von
Bastelanleitungen, um in Hilfspaketen heimliche Nachrichten
unterzubringen bis Hilferufe nach dem Nötigsten. Doch kamen die
Gegenstände auch an? Und konnte er diese tatsächlich für sich
nutzen? Briefe in dieser Fülle und über einen solch langen Zeitraum
sind eine historische Rarität. Offiziell durften Briefe zwar
geschrieben werden, wurden aber zensiert und gelegentlich
willkürlich vernichtet. Anhand dieser Briefe und Dokumenten,
Zeitzeugen und Erinnerungen werden die Geschehnisse rekonstruiert.
Personenkarten erklären, wer die Akteure waren. Kalenderblätter
zeichnen die historischen Geschehnisse auf. Historische Fotos
bestätigen die Dokumente und Aussagen. Zeichnungen von den
französischen Häftlingen Auguste Favier und Pierre Mania geben auf
bedrückende Weise das alltägliche Leben im Konzentrationslage
wider. Witze aus der Zeit vermitteln den Zeitgeist und waren ein
Teil des Widerstands. 3D-Darstellungen der Lager versuchen das zu
rekonstruieren, was heute nicht mehr existiert. Doch welchen Zweck
hatten Konzentrationslager? Wie waren sie organisiert? Was verbirg
sich hinter der Abkürzung DAW?
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