Reclams Sachlexikon des Buches

Reclams Sachlexikon des Buches

Hrsg. v. Ursula Rautenberg
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Reclams Sachlexikon des Buches

Ein "Sachlexikon" des Buches, dem es zwar vorrangig um präzise Begriffsdefinitionen nach dem gegenwärtigen Sachstand gehen muss, kann dennoch nicht auf die lange und facettenreiche Geschichte des Buches verzichten.

Historisches Wissen wird hier nicht um seiner selbst willen archiviert, sondern zeigt lebendige Traditionen auf, die zu tieferem Verständnis beitragen. Daher greifen die zentralen Artikel (auch typographisch herausgehoben, indem der Zweispaltensatz zugunsten der gesamten Satzbreite aufgehoben wurde) weit in die geschichtliche Dimension aus. Dem steht gleichgewichtig ein breiter "moderner" Teil zur Seite.

Ziel der Konzeption war von Beginn an, der gegenwärtigen Entwicklung, sei es in der Drucktechnologie oder bei digitalen Speichern und digitalem Vertrieb, so weit wie möglich Rechnung getragen, auch wenn gerade hier die Gefahr besteht, dass der engere Buchbereich überschritten wird.
Die thematische Breite umfasst das Medium Buch in seinen herstellerischen, wirtschaftlichen kulturellen Bezügen. Herstellungstechniken und Handel, Markt und Marketing, Recht und Zensur sind genauso zu berücksichtigen wie Layout und Lesen, Schreiben und Drucken oder die Buchaussstattung und Buchillustration.

Ob es in den knapp 600 Seiten des vorliegenden Buchs mit gut 1600 Artikeln auch nur annähernd gelungen ist, das Historische mit dem Modernen, Technikgeschichte mit Wirtschaft und Kultur zu versöhnen: Autoren und Herausgeberin können dies nur hoffen. Geboten werden überwiegend knappe Artikel zur ersten Orientierung, wobei die Literaturangaben bei vielen, aber längst nicht allen, Artikeln zur weiterführenden Lektüre anregen sollen.

In einem "Sachlexikon" bleiben eigene Lemmata zu Personen, Firmen und Institutionen ausklammert, wobei diese aber doch innerhalb der historisch ausgreifenden Artikel berücksichtigt werden. Eine weitere Einschränkung betrifft die weitgehende Konzentration auch den deutschen Raum; aber nicht alles, was wünschenswert ist, ist machbar, und gerade Buchhandel schlägt nicht selten den nationalen Sonderweg ein. Ziel der Autoren und des Verlages war es von Anfang an, ein handliches, preiswertes, aber dennoch mit "Wissen randvolles" und - nicht zuletzt da, wo es die Sache gebietet - bebildertes Nachschlagewerk zu schaffen. Mit mehrbändigen Standardwerken kann dieses Unternehmen nicht konkurrieren und gerechterweise auch nicht verglichen werden; es ersetzt auch nicht die größeren und kleineren Speziallexika.

Ob der Versuch gelungen ist, darüber entscheidet unsere Zielgruppe: ein nach wie vor am längst nicht toten Medium des Buches interessiertes allgemeines Publikum oder die, die sich im Buchhandel und im Studium als Lehrende, Lernende oder als Praktiker ein kleines Buch zum Buch für den Schreibtisch wünschen.



Produktinformation

  • Verlag: RECLAM, DITZINGEN
  • 2003
  • 2., verb. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 590 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 591
  • Best.Nr. des Verlages: 10542
  • Deutsch
  • Abmessung: 160mm x 106mm x 40mm
  • Gewicht: 375g
  • ISBN-13: 9783150105429
  • ISBN-10: 3150105420
  • Best.Nr.: 11191367
literaturtest.de

Ein Buch übers Buch

Reclam legt mit diesem beinahe 600 Seiten starken Band ein Buch über das Buch vor. 1.600 Artikel, die von ausgewiesenen Experten verfasst wurden, bieten einen Überblick über die wichtigsten Begriffe der Buchproduktion (Herstellung, Layout, Druck...), des Bücherverkaufens (Markt und Marketing), der Rezeption (Lesen und Buchkultur) - das Ganze natürlich von den Anfängen bis heute. Neben "Polyurethan-Klebstoff" und "Rotationsdruck" finden sich viele kulturgeschichtliche Einträge, die das Buch auch für einen breiteren Leserkreis interessant machen; vor allem natürlich für passionierte Leser, die in der Regel nicht Buchwissenschaft studiert haben.

Heine und die Zensurlücke

Abweichend von der gestrengen Norm eines reinen Sachlexikons bietet der Band auch Abbildungen. Und so findet sich zum Thema "Zensurlücke" eine Seite aus Heinrich Heines Reisebildern, auf der gerade noch drei Worte vor dem Urteil des Zensors Bestand hatten. So ist das Buch immer auch "Opfer" von Intoleranz und politischer Demagogie gewesen. Und natürlich hat sie ebendiese auch transportiert. So lässt sich mit Reclams Sachlexikon des Buches eine jederzeit spannende Zeitreise unternehmen.

Weit verzweigt

Am Ende wichtiger Stichworteinträge folgen weiterführende Literaturangaben, Schwerpunktthemen sind einspaltig gesetzt. Innerhalb der Einträge gibt es grafisch gekennzeichnete Verweise auf andere relevante Stichworte - leider ein paar zu viel, so dass man manchmal den Überblick verliert. Reclams Sachlexikon des Buches ist insgesamt eine schöne und kompetente Referenz an (und für) das Buch.
(Carsten Hansen)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.05.2003

Forever young
Auskunft über ein altes Medium: Reclams „Sachlexikon des Buches”
Höchst willkommen und nützlich ist, wo viel von „neuen” Medien die Rede ist, das Wissen über die „alten” Medien. Das gedruckte Buch war einmal eines der fulminantesten neuen Medien der Weltgeschichte und lässt sich nun gelassen als altes Medium titulieren. Reclams jüngst erschienenes „Sachlexikon des Buches” versammelt und erläutert in 1600 Einträgen Begriffe, die um das Buch herum und für das Buch selbst relevant sind. Durch das Begriffsraster wird die Geschichte des Mediums greifbar, von den handschriftlich auf Papyrus und Pergament verfassten und vervielfältigten Büchern über den Buchdruck bis hin zu aktuellen Erscheinungen wie „Layout” und „Digitale Medienproduktion”.
Dazu gehören die Vertriebsformen, die vielfältigen und oft verschlungenen Wege zu den Rezipienten. Das Buch erscheint als Instrument zugleich der synchronen wie der diachronen Kommunikation. Im Einklang mit einem Lieblingsmotiv der jüngeren Kulturwissenschaften („kulturelles Gedächtnis”) liegt auf seiner Funktion als Ersatzgedächtnis ein besonderer Akzent.
Durchaus …

Weiter lesen

"In gut 1600 Artikeln sind darin alle Aspekte des Buchwesens verständlich und so umfassend wie auf knapp 600 Seiten möglich erläutert. ... Kaum ein Wirtschaftszweig hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine so stürmische Entwicklung erlebt wie die Buchbranche. Bereiche wie Satz und Druck haben sich durch die Computerisierung komplett gewandelt, elektronisches Publizieren und Internet stellten vor allem Fachverlage vor eine völlig neue Situation bei Herstellung und Vertrieb. Daher ist ein Lexikon überfällig, das seinem Gegenstand unter herstellerischen, technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten gerecht werden soll. ... Daneben erläutert 'Reclams Sachlexikon des Buches' das buchhändlerische Einmaleins ('Hochdruck', 'Deckungsbeitragsrechnung', 'Partie'). Die Redaktion hat den Spagat glänzend bewältigt. Überhaupt ist das Werk spürbar um Ausgewogenheit zwischen kulturhistorischen Artikeln einerseits und den herstellerisch-technischen andererseits bemüht. ... Wer mit Büchern, Druck und Papier zu tun hat, sollte dieses konkurrenzlos gute und umfassende Lexikon besitzen. Es ersetzt keine Spezialliteratur über Druck, Mediengeschichte, Bibliothekswesen oder Marketing, doch es enthält, kurz und knapp, das gesammelte Wissen rund ums Buch." -- Stuttgarter Zeitung "Handlich, im klassischen Reclam-Format, dick wie die bewährten Konzert- und Kunstführer, ansprechend modern, aber dezent in der Gestaltung, trotz der kleinen Schrift angenehm zu lesen, ein gutes, getöntes Papier: schon im Äußerlichen setzt dieses Buch Maßstäbe. "Auch der Name der Herausgeberin, der Erlanger Buchwissenschaftlerin Ursula Rautenberg, sowie die von ihr herangezogenen Mitarbeiter sprechen für Solidität. ... "Es beeindruckt, wie es dem Team um Ursula Rautenberg gelingt, das Neue einzubeziehen, ohne die 'alte' Buchwelt und ihre Begrifflichkeit dabei zu opfern. Diese Ausgewogenheit von Gutenberg- und Mac-Welt ist gerade deshalb so wertvoll, weil diejenigen, die mehr in der alten Welt aufgewachsen sind, konzise Stichwortdefinitionen erhalten und umgekehrt. ... "Sehr benutzerfreundlich sind zahlreiche Stichwortverweise und ein gut gegliedertes Literaturverzeichnis sowie kurze Literaturhinweise bei wichtigeren Stichwörtern. Fazit: Hier liegt ein praxisnahes, griffiges Sachlexikon vor, das seinen Namen verdient und das den hohen Anspruch der Marke Reclam in höchstem Maße erfüllt. Dieses Buch gehört in die Hand von jedermann, der sich privat oder beruflich mit dem Buch befasst - seien es Sortimenter, Verlagsmitarbeiter, Lehrlinge, Journalisten, Bibliothekare oder auch Studierende vieler Fachrichtungen. Ein Glückwunsch an alle Beteiligten!" -- Wulf D. v. Lucius im 'Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel' "Was ist ein Buch? Vor allem wohl die Einheit aus gebundenem Papier, Rücken, Pappe vorne, Pappe hinten. Wer Glück hat, findet ein Lesebändchen. Was aber dahinter steht, damit all dies zusammenkommt und auch bleibt, zeigt Reclams handliches 'Sachlexikon des Buches'. Die Geschichte jenes 'Buch' benannten Interfaces erlebt man hier in schönster Anschauung. Aber auch die materiellen, juristischen und handwerklichen Seiten des geliebten Mediums werden mit großer Liebe zum Detail entdeckt. Ein beglückendes Vademekum, nicht nur für alle, die wissen wollen, was eine 'Halbunziale' ist: Zwischen 'à condition' und 'Zwitterdruck' ist auch für den gemeinen Bücherwurm fürstlich gedeckt." -- Rheinischer Merkur "Kompetent und verständlich wird in rund 1600 Artikeln Grundlagenwissen vorgestellt. Ein ideales Nachschlagewerk für alle, die mehr über das Buch in Geschichte, Gegenwart und Zukunft wissen wollen." -- eurocity "Das Lexikon verdient einen Vorzugsplatz im hoffentlich gut gefüllten Regal." -- Westfälische Rundschau "Höchst willkommen und nützlich ist, wo so viel von den 'neuen' Medien die Rede ist, das Wissen über die 'alten' Medien. Das gedruckte Buch war einmal eines der fulminantesten neuen Medien der Weltgeschichte und lässt sich nun gelassen als altes Medium titulieren. Reclams jüngst erschienenes 'Sachlexikon des Buches' versammelt und erläutert in 1600 Einträgen Begriffe, die um das Buch herum und für das Buch selbst relevant sind. Durch das Begriffsraster wird die Geschichte des Mediums greifbar, von den handschriftlich auf Papyrus und Pergament verfassten und vervielfältigten Büchern über den Buchdruck bis hin zu aktuellen Erscheinungen wie 'Layout' und 'Digitale Medienproduktion'." -- Süddeutsche Zeitung "Das handliche 'Sachlexikon des Buches' ... wirbt mit kompaktem Wissen und einer Fülle von einschlägigen Informationen aus Entstehung und Fortschritt, Produktion und Handel für das traditionelle Leitmedium, das fast zwei Jahrtausende lang unser Denken bestimmt und gelenkt hat: als gespeichertes Gedächtnis, als geistiges Zeughaus, als Ort der Gelehrsamkeit und Tummelplatz der Phantasie. In gut 1600 Artikeln und zahlreichen Illustrationen vermittelt der Band das Grundlagenwissen zu allen Aspekten von Geschichte und Gegenwart des Buches und berücksichtigt dabei auch jüngste Entwicklungen, die das gedruckte Wort zumindest teilweise zu verdrängen drohen. Da spannt sich dann vom 'Bücherfluch' bis zum modernen 'Printing on Demand', vom alten Bücherfass bis zum heutigen Internethandel, vom Papyrus bis zum hochtechnischen 'eBook' ein faszinierender Bogen. Ein lesenswertes Bücherbuch!" -- Badische Neueste Nachrichten "Das Blättern ist ein Vergnügen, schon weil man erfährt, was man alles nicht weiß und dass hinter dem vertrauten Alltagsgegenstand Buch eine ganze, nein, mehrere Wissenschaften stecken." -- Tages-Anzeiger "Ein Brevier, finden wir im Umweg über den Eintrag 'Stundenbuch' in" -- Reclams Sachlexikon des Buches, regelt die täglichen Gebete für geistliche Personen. Was anderes wäre solch ein Taschenlexikon für uns Buchgeistliche? Ein wundertätiges Buch, fürwahr! Liegt herrlich in der Hand. 'Handbuch' gibt es darin natürlich auch. Überhaupt fast alles zwischen Hurenkind und Schusterjunge, Datenkompression, True Type Fond und Zahlungsziel." -- Freitag "Was auf knapp 600 Seiten durch präzise Begriffsdefinitionen und sachlich-knappe Artikel zu erfahren ist, ist erstaunlich: Herstellerische und wirtschaftliche Aspekte, rechtliche, technische, kulturelle und historische Bezüge werden gleichermaßen berücksichtigt. ... Es versteht sich von selbst, dass die neueste Drucktechnologie, die digitale Textspeicherung und das Internet den gebührenden Platz erhalten haben. In einem editorischen Kraftakt konnten auch noch die nicht unwesentlichen Änderungen auf dem Gebiet des Urheber- und Verlagsrechts, die 2002 erfolgt sind, mit einbezogen werden." -- BuB - Forum für Bibliothek und Information "Knappe und kompetente Erläuterungen, die nicht nur für Fachleute bestimmt sind." -- Buchkultur, Wien "Ein Nachschlagewerk, in dem man sich lesend verlieren kann, da es zu vielen Themen, die einem eigentlich geläufig erscheinen, Interessantes und Neues zu sagen hat. So ist mit Bücherwurm gemeinhin ein leidenschaftlicher Leser gemeint, aber es gibt ihn tatsächlich, den gefräßigen Schädling, über den das Lexikon Erstaunliches zu berichten weiß. Für Buchliebhaber eine wahre Fundgrube." -- Heilbronner Stimme "Die Herausgeberin beschreibt dieses" -- Sachlexikon des Buches als 'ein Wagnis', aber das Ergebnis straft alle Bedenken Lügen. Erstmals liegt ein handliches, preiswertes und zudem schön gestaltetes Nachschlagewerk mit zahlreichen Abbildungen und Skizzen zu dem großen Sachbereich Buch vor, das in diesem Format seinesgleichen sucht. ... Die Artikel - mal kurz und knapp, mal ausführlicher - haben einen hohen Informationswert und sind präzise mit großer Sachkenntnis geschrieben. ... Entstanden ist ein Nachschlagewerk, das in jede Handbibliothek gehört." -- Deutsche Bücher - Forum für Literatur "Prädikat: unbedingt lesen und auf den Schreibtisch stellen." -- www.schulleitung.de "Dieses kompakte Buch übers Buch ist vorbehaltlos zu empfehlen." -- Stiftung Lesen "Nachschlagewerke gibt es wie Sand am Meer, aber das 'Sachlexikon des Buches' ist etwas Besonderes: Auf knapp 600 Seiten beleuchtet es den Mikrokosmos Buch, und zwar für ein möglichst breites Publikum. Dieses ambitionierte Projekt unter der Federführung der Erlanger Buchwissenschaftlerin Ursula Rautenberg ist gelungen. ... Geglückt ist der schwierige Spagat zwischen Alt und Neu: Das Lexikon trägt sowohl dem traditionellen Buchverständnis als auch dem aktuellen technologischen Wandel Rechnung. Entsprechend ausgiebig widmet es sich auch modernen Herstellungstechniken, veränderten Praktiken im Buchhandel und digitalen Publikationsmöglichkeiten. Äußerlich besticht der Band durch das handliche Format und die übersichtliche, gut lesbare Typografie." -- Märkische Allgemeine "Nachschlagewerke gibt es wie Sand am Meer, aber das 'Sachlexikon des Buches' ist etwas Besonderes: Auf knapp 600 Seiten beleuchtet es den Mikrokosmos Buch, und zwar für ein möglichst breites Publikum. Dieses ambitionierte Projekt unter der Federführung der Erlanger Buchwissenschaftlerin Ursula Rautenberg ist gelungen. ... Für ein Plus an Information sorgen die zahlreichen Querverweise zwischen einzelnen Stichwörtern und viele Internethinweise. Äußerst hilfreich sind ebenfalls die Angaben zu weiterführender Literatur bei etlichen Artikeln sowie die gut erläuterten Abbildungen und Übersichten. "Geglückt ist der schwierige Spagat zwischen Alt und Neu: Das Lexikon trägt sowohl dem traditionellen Buchverständnis als auch dem aktuellen technologischen Wandel Rechnung. Dennoch ist der Band verständlich geschrieben - ohne abschreckendes Fachchinesisch." -- Neue Osnabrücker Zeitung
Ursula Rautenberg ist Professorin für Buchwissenschaft und leitet den Studiengang Buchwissenschaft (M.A. und Promotion) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Buch- und Typographiegeschichte, besonders der Frühdruckzeit, aber auch auf der Medientheorie des Buches (z.B. Buch. Grundlagen der Medienkommunikation 2001). Sie ist Ordentliches Mitglied der Historischen Kommission des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und gibt das "Archiv für Geschichte des Buchwesens" im Auftrag der Historischen Kommissionheraus.

Leseprobe zu "Reclams Sachlexikon des Buches"

BESTSELLER, Buch, das sich rascher und in höherer Zahl verkauft als andere. Dies kann das Ergebnis eines systematischen und finanziell aufwändig betriebenen Marketing sein, erstmals bei Hildegard Knefs Roman Der geschenkte Gaul (Molden 1970) mit gleichzeitiger oder zeitversetzter multimedialer Verwertung (Presse, Fernsehen, Film, Schallplatte etc.), die sich wiederum positiv auf den weiteren Verlauf auswirkt. Dazu dienen auch zum Erscheinungstermin veröffentlichte Rezensionen in allen wichtigen Zeitungen, v.a. der Tagespresse. Aktuelle Ereignisse wie Preisverleihungen, z.B. der Literaturnobelpreis an Thomas Mann 1929 für die Buddenbrooks, lenken das erneute Interesse der Käufer auf einen Autor und sein Werk ebenso wie polit., z.B. bei Salman Rushdies Die satanischen Verse die Todesandrohung wegen Blasphemie (1989). Reine "Selbstläufer" als Reaktion auf eine gesellschaftliche Strömung finden sich in den B.-Listen dagegen selten. Der US-amer. Begriff bürgerte sich in den 1920er Jahren in Dtld. ein, auch als Werbung für Bücher und Entfaltung von Marketingmaßnahmen.

B. spielen für Publikumsverlage ohne markanten Backlistanteil (Backlist) und Longseller eine immer größere Rolle, da deren Umsatzvolumen auf kurzfristige, auflagenstarke Titel angewiesen ist. B. benötigen meist einen großen Marketing- und Akquisitionsaufwand; sie erhöhen das unternehmerische Risiko, da ihr Erfolg nicht unbedingt vorherzusagen ist. Der Begriff hat einen leicht pejorativen Beigeschmack, sofern davon ausgegangen wird, dass lit. Qualität und große Verkäuflichkeit nicht in Einklang zu bringen sind. B.-Listen werden von vielen Fach- und Publikumszeitschriften erstellt, ohne dass die Erstellungskriterien immer miteinander vergleichbar wären. Am einflussreichsten sind die wöchentlich vom Fachblatt buchreport veröffentlichten Listen: Die ersten zwanzig Hardcover-Plätze werden von Der Spiegel und die ersten zwölf Taschenbuch-Plätze von der TV-Zeitschrift Gong nachgedruckt. Erst seit Herbst 2001 basiert diese - seit ihrem Bestehen umstrittene - Liste auf Verkaufszahlen rund 250 repräsentativ ausgewählter Buchhandlungen. Die B. des Focus werden auf der Grundlage elektron. Kassendaten in rund 750 Verkaufsstellen ermittelt und seit Januar 2003 auch im Börsenblatt abgedruckt. Eine Platzierung auf B.-Listen ist für den Erfolg eines Buches oft entscheidend, da stark frequentierte Buchhandlungen auf Bahnhöfen oder Flughäfen oftmals kaum mehr als die Spitzentitel der Sellerlisten präsentieren. Um sich unter den ersten zwanzig Plätzen der Belletristik-Liste platzieren zu können, müssen i.d.R. mindestens 30000 bis 40000 Exemplare verkauft sein; im Sachbuch liegen diese Zahlen niedriger. Verkaufszahlen im mittleren oder hohen sechsstelligen Bereich sind selten. In den 1990er Jahren gelang dies z.B. Alexandra Ripleys Scarlett (Hamburg: Hoffmann und Campe, 1991; über 900000 Exemplare) oder Marianne Fredrikssons Hannas Töchter (Frankfurt a.M.: Krüger, 1997; über 600000 Exemplare). Um der Dominanz der Sellerlisten entgegenzuwirken, gab es immer wieder Versuche, Listen zu entwerfen, die Qualität zum Platzierungskriterium machten, wie die in den 1970er Jahren vom Südwest(rund)funk entwickelte "Bestenliste", die auf den Wertungen ausgewählter Literaturkritiker basiert.

Lit.: Faulstich 1983 (XII); Fischer 1999 (XII).

OFFSETDRUCK (engl. to set off: absetzen), Flachdruckverfahren, das heute von allen Druckverfahren den größten Marktanteil hat. Der O. erfolgt als Rotationsdruck. Es können sowohl Bogen- als auch Rollenpapier verarbeitet werden. Jedes Druckwerk setzt sich aus drei Zylindern zusammen; auf den Plattenzylinder wird die flexible Druckplatte gespannt. Diese wird entsprechend dem Flachdruckprinzip zunächst gefeuchtet und dann eingefärbt. Farb- und Feuchtwerk liegen am Plattenzylinder an. Die Druckfarbe wird dann von der Druckplatte zunächst auf ein Gummituch übertragen (Gummituchzylinder) und von hier auf den Bedruckstoff abgegeben, der zwischen Gummituch- und Gegendruckzylinder hindurchläuft. Die Qualität eines O. hängt u.a. vom Farb-Wasser-Gleichgewicht (Mengenverhältnis von Druckfarbe und Wasser auf dem Gummituch) und von der Druckbeistellung ab. Da es sich beim O. um ein indirektes Druckverfahren handelt, muss die Druckplatte seitenrichtig kopiert sein. Durch das Gummituch als Zwischenträger wird zum einen die Abnutzung der Druckplatte verzögert, sodass hohe Auflagen gedruckt werden können. Zum anderen ist durch die weiche Oberfläche des Gummituchs auch bei rauen und harten Papieren eine gute Farbübertragung gewährleistet. Die große Verbreitung des O. beruht auf der universellen Anwendbarkeit dieses Verfahrens hinsichtlich der einsetzbaren Bedruckstoffe, der Auflagenhöhe und der Leistung. Die auf den O. abgestimmte Reproduktionstechnik ermöglicht eine schnelle Auftragsabwicklung. Zudem führt die Digitalisierung der Drucktechnik zu einer immer konsequenteren Einbindung der Druckmaschinen in die aufgebauten Netzwerke. In der Marktbreite betrifft diese Entwicklung v.a. den O. Offsetmaschinen werden mit bis zu zwölf Farbwerken angeboten. So können beidseitige Drucke mit jeweils vier Farben und zusätzlicher Drucklackierung in einem Druckgang hergestellt werden. Die Technik des O. wurde ca. 1904 in den USA erfunden. Die Namensgebung bezieht sich auf die Zwischenübertragung der Druckfarbe auf das Gummituch.

Lit.: Gerhardt/Imiela 1993 (VI); Kipphan 2000 (I); Teschner 1997 (VI); Walenski 2000 (VI).

WORLD WIDE WEB (W3 oder kurz: das Web), hypermediales Datenangebot im Internet, dessen Datentransfer auf dem Zusatzprotokoll Hypertext Transfer Protocol (HTTP) beruht. Wesentlicher Bestandteil des W. sind Hyperlinks, mit denen Webangebote gegenseitig aufeinander verweisen und somit ein weltumspannendes Informationsnetz erschließen. Es ist ein Netzwerk zweiter Ordnung, das zwar auf dem Internet aufbaut, von ihm aber zu unterscheiden ist. Das W. organisiert sich vollständig autonom, es gibt keine zentralen leitenden Instanzen, und auch staatlichen Autoritäten fällt es bislang schwer, regulierend oder zensierend in das W. einzugreifen. Eine gewisse Transparenz des W. wird durch Suchmaschinen gewährleistet. Deren Erschließungsprogramme, sog. Robots oder Spider, speichern den Textinhalt jeder besuchten Webpage in einer Datenbank, durchsuchen den Text nach Hyperlinks und begeben sich dann automatisch zu Seiten, auf die verwiesen wird. Auf diese Weise wird nach und nach ein Großteil des W. in den Datenbanken der Suchmaschinen registriert und steht für ein gezieltes Retrieval zur Verfügung. Idee und Name des W. stammen von Timothy Berners-Lee, der das Protokoll HTTP 1989 am CERN (Centre Européen de Recherche Nucléaire) entwickelte. Zwei Jahre später stellte er seine Software im Internet kostenlos zur Verfügung. Studenten des Massachusetts Institute of Technology veröffentlichten 1993 den ersten Web-Browser "Mosaik". Mit seiner grafischen Oberfläche, die Text, Bild und Ton auf Basis der Seitenbeschreibungssprache Hypertext Markup Language (HTML) vereinigte, gelang der Durchbruch des W. In direkter Folge führte das wachsende Informationsangebot im W. zu einer fast explosionsartigen Ausbreitung des Internet im kommerziellen und privaten Sektor.

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