Frühstück mit Kängurus - Bryson, Bill

Bill Bryson 

Frühstück mit Kängurus

Australische Abenteuer

Übersetzer: Ruschmeier, Sigrid
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Frühstück mit Kängurus

Was ist das für ein Land, in dem sich fliegende Füchse tummeln und Schweinefußnasenbeutler einst ihr Unwesen trieben? In seinem ebenso amüsanten wie informativen Streifzug durch ein unbekanntes Australien erzählt Bill Bryson von den historischen Hintergründen der Entdeckung dieses faszinierenden Kontinents - und hält den Leser mit seinem scharfen Blick für alles Skurrile und Ungewöhnliche in Atem.

"Absolutes Muss vor jeder Australienreise. Das Buch steckt voller witziger Anekdoten kombiniert mit historischem Hintergrund und vielen Tipps zum Reisen." - Frau im Spiegel

Die Frage nach dem amtierenden australischen Premierminister oder den aktuellen politischen Ereignissen in und um Canberra werden die meisten von uns ebenso unbeantwortet lassen müssen, wie wir nur geringe Kenntnis von australischen Essgewohnheiten oder den kulturellen Angelegenheiten des Landes haben. Eine Erklärung dafür, dass dieser riesige Kontinent in unserem öffentlichen Bewusstsein eine nur geringe Rolle spielt, dürfte darin liegen, dass Australien kaum durch große Schlagzeilen Furore macht: Es räubert nicht munter die Weltmeere leer, verkauft keine Waffen an schlimme Despoten und baut nicht in frechen Mengen Kokain an: Australien ist friedlich, stabil und gut. Doch was hat es wirklich für eine Bewandnis mit diesem Kontinent, der als der trockenste, flachste, heißeste, unfruchtbarste und klimatisch aggressivste aller bewohnten Kontinente gilt - und dabei eine unerhörte Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren aufweist? Was ist das für ein Land, in dem die Sternbilder auf de m Kopf stehen, in dem sich fliegende Füchse tummeln und Fische, die auf Bäume klettern? Um das herauszufinden, hat sich Bill Bryson auf den Weg gemacht - zunächst mit der legendären Indian-Pacific-Eisenbahn von Sydney nach Perth, und weiter zu den großen Städten Canberra, Adelaide, Melbourne und Darwin.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2002
  • 21. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: o.J.. 411 S.
  • Seitenzahl: 416
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45379
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 32mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783442453795
  • ISBN-10: 3442453798
  • Best.Nr.: 10799880
"Absolutes Muss vor jeder Australienreise. Das Buch steckt voller witziger Anekdoten kombiniert mit historischem Hintergrund und vielen Tipps zum Reisen." -- Frau im Spiegel

"Absolutes Muss vor jeder Australienreise. Das Buch steckt voller witziger Anekdoten kombiniert mit historischem Hintergrund und vielen Tipps zum Reisen."
Bill Bryson wurde 1951 in Des Moines, Iowa, geboren. 1977 zog er nach Großbritannien und schrieb dort mehrere Jahre u. a. für die "Times" und den "Independent". Mit seinem Englandbuch "Reif für die Insel" gelang Bryson der Durchbruch, und heute ist er in England der erfolgreichste Sachbuchautor der Gegenwart. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt, stürmen stets die internationalen Bestsellerlisten. 1996 kehrte Bill Bryson mit seiner Familie in die USA zurück, wo es ihn jedoch nicht lange hielt. Er war erneut "Reif für die Insel", wo er heute wieder lebt.

Leseprobe zu "Frühstück mit Kängurus" von Bill Bryson

I

Auf dem Flug nach Australien fiel mir wieder nicht ein, wie der Premierminister heißt. Ich seufzte. Das passiert mir immer - ich will mir den Namen merken, vergesse ihn (meist mehr oder weniger prompt) und fühle mich dann schrecklich schuldig. Denn ich finde, dass ihn wenigstens ein Mensch außerhalb Australiens kennen sollte.

Es ist aber auch schwer, sich einigermaßen über das Land auf dem Laufenden zu halten. Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal von London aus dorthin flog, vertrieb ich mir die vielen Stunden mit der Lektüre einer Geschichte der australischen Politik des zwanzigsten Jahrhunderts und stieß auf die erstaunliche Tatsache, dass der Premierminister Harold Holt im Jahre 1967 an einem Strand in Victoria entlangspazierte, in die Brandung hechtete und verschwand. Von dem armen Mann ward nie wieder etwas gesehen. Ich fand das doppelt erstaunlich - erstens, weil Australien einfach so einen Premierminister verlor (also, wo gibt's denn so was?), und zweitens, weil es mir nie zu Ohren gekommen war.

Was nur einmal mehr beweist, wie schmählich wenig Beachtung wir unseren Brüdern und Schwestern am anderen Ende der Welt - down under - schenken. Doch das hat seine Gründe: Australien ist sehr weit weg und großenteils unbewohnt. Sein Anteil an der Weltbevölkerung ist verschwindend gering: nur neunzehn Millionen Menschen leben dort - um mehr als diese Zahl wächst ja China schon jedes Jahr. Und mit einer Wirtschaftskraft, die in etwa dem us-Bundesstaat Illinois entspricht, spielt es im weltweiten Vergleich auch nur eine Nebenrolle. Es schickt uns zwar ab und zu nützliche Dinge - Opale, Merinowolle, Errol Flynn und Bumerangs -, doch nichts, das wir unbedingt zum Leben bräuchten. Der wichtigste Grund dafür, dass es ständig übersehen wird, scheint mir jedoch darin zu liegen, dass es sich nie daneben benimmt. Die politischen Verhältnisse sind stabil, die Leute friedlich und gut. Australien kennt keine Staatsstreiche, überfischt nicht rücksichtslos die Weltmeere, verkauft keine Waffen an fiese Despoten, baut nicht in frechen Mengen Koka an oder führt sich in nassforscher oder sonst wie ungebührlicher Weise auf.

Doch selbst all dessen eingedenk, ist unsere Ignoranz gegenüber dem, was dort passiert, schwer zu erklären. Wie Sie sich denken können, ist sie vor allem in den Vereinigten Staaten verbreitet. Kurz bevor ich zu meiner Reise aufbrach, ging ich in die Stadtbücherei meines Heimatorts Hanover, New Hampshire, und schaute Australien im New York Times Index nach. Ich wollte sehen, wie viel Aufmerksamkeit es in den letzten Jahren in meinem Heimatland erregt hatte. Nur weil der Band von 1997 aufgeschlagen auf dem Tisch lag, begann ich mit diesem Jahr. Über das ganze Spektrum möglicher Interessensgebiete verteilt - Politik, Sport, Reise, die anstehenden Olympischen Spiele in Sydney, Essen und Trinken, die schönen Künste, Nachrufe und dergleichen -, hatte die New York Times 1997 zwanzig Artikel gebracht, die sich überwiegend oder ausschließlich mit australischen Angelegenheiten beschäftigten. Nur zum Vergleich: Im selben Zeitraum gab es einhundertundzwanzig Beiträge über Peru, etwa einhundertundfünfzig über Albanien und Kambodscha, jeweils mehr als dreihundert über Nord- und Südkorea und weit über fünfhundert über Israel. Alles in allem war Australien gleichauf mit Weißrussland und Burundi. Mehr zu lesen gab es selbst über Themen wie Freiluftballons und deren Fahrer, die Scientology-Kirche, Hunde (ausgenommen Hundeschlitten-Fahren) und über Pamela Harriman, die Ex-Botschafterin und Partylöwin, deren Ableben im Februar 1997 offenbar eine Katastrophe darstellte, die zweiundzwanzigmal in der Times erwähnt werden musste. Grob gesagt, war Australien den Amerikanern 1997 unwesentlich wichtiger als Bananen, aber bei weitem nicht so wichtig wie Speiseeis.

Und dabei war 1997 sogar noch ein gutes Jahr für Nachrichten aus dem fünften Kontinent. 1996 war er Thema in gerade einmal neun Berichten und 1998 nur in sechs. Anderswo auf dem Globus schreibt man vielleicht häufiger über ihn - aber das liest doch keiner! (Bitte alle melden, die erstens den derzeitigen australischen Premierminister nennen können und zweitens wissen, in welchem Bundesstaat Melbourne liegt, oder überhaupt eine Frage zu Australien beantworten können, die nichts mit Cricket, Rugby oder Mel Gibson zu tun hat.) Die Australier hassen es, dass die Welt sie so wenig beachtet, und das kann ich gut verstehen. Denn es ist ein Land, in dem interessante Dinge passieren. Am laufenden Band!

Bester Beweis dafür ist eine der Geschichten, die es 1997 in die New York Times schaffte, wenn auch unter die Rubrik "Vermischtes". Im Januar ebendieses Jahres, schreibt der Times-Reporter, untersuchten Wissenschaftler ernsthaft, ob das mysteriöse Erdgrummeln im äußersten australischen Outback vier Jahre zuvor tatsächlich die Explosion einer Atombombe gewesen war, die Mitglieder der japanischen Weltuntergangssekte Aum Shinrikyo gezündet hatten. Um dreiundzwanzig Uhr drei (Ortszeit) des achtundzwanzigsten Mai 1993 zuckten und kritzelten nämlich in der gesamten Pazifikregion die Nadeln der Seismografen los, nachdem es in der Nähe des Ortes Banjawarn Station in der Großen Victoriawüste in Westaustralien offenbar heftig gebebt hatte. Ein paar Fernfahrer und Prospektoren, das heißt, Leute, die Öl und sonstige Bodenschätze suchen, im Grunde die einzigen Menschen, die sich in dieser einsamen Weite aufhalten, berichteten, dass sie plötzlich einen Blitz am Himmel gesehen und das Donnern einer mächtigen, doch sehr entfernten Detonation gehört beziehungsweise gespürt hätten. Einem war in seinem Zelt eine Dose Bier vom Tisch gehupft.

Man fand keine eindeutige Ursache. Die seismografischen Aufzeichnungen hatten ein anderes Profil als die eines Erdbebens oder einer Explosion in einem Bergwerk, wobei die Druckwelle ohnehin einhundertundsiebzigmal stärker war als die der heftigsten Bergwerksexplosion, die je in Westaustralien registriert wurde. Die Aufzeichnungen passten eher zu einem großen Meteoriteneinschlag, doch der hätte einen Krater von mehreren hundert Metern Durchmesser schlagen müssen, und einen solchen Krater fand man nicht. Letztendlich zerbrachen sich die Wissenschaftler ein, zwei Tage lang den Kopf und legten das Ganze dann als unerklärliche Kuriosität ad acta. So was passierte eben von Zeit zu Zeit.

1995 allerdings erlangte die Aum-Sekte jäh traurige Berühmtheit, als sie in der Tokioter U-Bahn in großzügigen Mengen das Nervengas Sarin versprühte und zwölf Menschen starben. Bei den nachfolgenden Ermittlungen fand man heraus, dass die Sekte über beträchtlichen Landbesitz verfügte, unter anderem auch über ein Fünfhunderttausend-Morgen-Wüsten-Areal in Westaustralien unweit der Stelle, an der sich das mysteriöse Beben zugetragen hatte. Die Behörden entdeckten dort ein ungewöhnlich gut ausgestattetes Speziallabor sowie den Beweis, dass die Sektenmitglieder Uran gefördert hatten. Unabhängig davon wurde bekannt, dass die Sekte zwei Atomwissenschaftler aus der früheren Sowjetunion in ihre Reihen rekrutiert hatte. Da das erklärte Ziel der Gruppe die Zerstörung der Welt ist, hat es den Anschein, als sei der Zwischenfall in der Wüste eine Trockenübung dafür gewesen, Tokio in die Luft zu jagen.

Sie verstehen natürlich, worauf ich hinaus will. Australien ist ein Land, das Premierminister verliert und so riesig und dünn besiedelt ist, dass ein Trupp enthusiastischer Laien in der Wüste die erste Nichtregierungsatombombe der Welt zünden kann und fast vier Jahre vergehen, bis es jemand merkt. Klar, dieses Land musste ich kennen lernen!

Aber weil wir so wenig über es wissen, sind vielleicht ein paar Vorbemerkungen angebracht.

Australien ist das sechstgrößte Land der Erde und die größte Insel. Es ist die einzige Insel, die auch ein Kontinent ist, und der einzige Kontinent, der auch ein Land ist. Es ist der erste und der letzte Kontinent, der vom Meer aus erobert wurde. Es ist die einzige Nation, die als Gefängnis angefangen hat.

Es ist die Heimat des größten lebenden Wesens auf Erden, des Great Barrier Reef, und des berühmtesten und eindrucksvollsten Monolithen, des Ayers Rock oder Uluru, um den nun offiziellen, respektvolleren Aborigine-Namen zu benutzen. Es gibt dort mehr Lebewesen, die einen umbringen können, als irgendwo sonst. Die zehn giftigsten Schlangen leben alle in Australien. Fünf seiner tierischen Bewohner - die Trichterspinne, die Würfelqualle, die Blauringkrake, der Steinfisch und eine bestimmte Zeckenart - sind tödlich für den Menschen. In diesem Land können selbst die flauschigsten Raupen Sie mit einem giftigen Kniepen außer Gefecht setzen, und Muscheln pieksen hier nicht nur, sondern attackieren Sie manchmal sogar. Heben Sie an einem Strand in Queensland zufällig eine harmlose Kegelschnecke auf, wie das unschuldige Touristen ja gern tun, dann werden Sie erleben, dass der kleine Racker darin nicht nur erstaunlich fix und unwirsch reagiert, sondern auch überaus giftig ist. Wenn Sie aber nicht plötzlich und unerwartet zu Tode gestochen oder gespießt werden, werden Sie vielleicht von Haien oder Krokodilen gefressen, von tückischen Meeresströmungen hilflos zappelnd in den Ozean hinausgetragen, oder Sie taumeln mutterseelenallein im brütend heißen Outback in einen kläglichen Tod. Ein hartes Land.

Und alt. Seit sechzig Millionen Jahren, seit Bildung der Great Dividing Range hat sich Australien geologisch praktisch nicht verändert und konnte dadurch viele der ältesten Dinge bewahren, die man je auf Erden fand, die urältesten Felsen und Fossilien, die frühesten Tierspuren und Flussbetten, ja, die ersten schwachen Zeichen des Lebens selbst. Und zu einem unbestimmten Zeitpunkt in Australiens unendlich langer Vergangenheit - vielleicht vor fünfundvierzigtausend, vielleicht vor sechzigtausend Jahren, aber ganz gewiss, bevor es moderne menschliche Wesen in Nord- und Südamerika oder Europa gab - drang heimlich, still und leise ein zutiefst rätselhaftes Volk ein, die Aborigines. Sie weisen keine eindeutige rassische oder sprachliche Verwandtschaft mit den Völkern im umliegenden asiatischen Raum auf, und eigentlich ist ihre Anwesenheit auf dem Kontinent nur dann plausibel, wenn man annimmt, dass sie mindestens dreißigtausend Jahre vor allen anderen Menschen hochseetüchtige Schiffe ersannen, bauten, sich auf einen Exodus begaben und dann fast alles, was sie gelernt hatten, vergaßen oder sich nicht mehr dafür interessierten, ja sich überhaupt kaum noch mit dem offenen Meer einließen.

Diese Leistung ist so einzigartig und außergewöhnlich, so schwer zu erklären, dass die meisten Geschichtsbücher sie mit ein, zwei Absätzen abtun und dann gleich zur zweiten, besser dokumentierten Invasion übergehen, die 1770 mit der Ankunft Captain James Cooks und seiner tapferen kleinen Jolle, der hms Endeavour, in der Botany Bay begann. Macht nichts, dass Captain Cook Australien nicht entdeckt hat und zur Zeit seines Besuchs nicht mal Kapitän war. Die meisten Leute, auch die meisten Australier, glauben, dass mit ihm alles anfängt.

Die Welt, die diese ersten Engländer vorfanden, war berühmt dafür, dass alles verkehrt herum war - statt Winter war in Australien Sommer, die Sternbilder standen auf dem Kopf. Es war einfach völlig anders als irgendetwas, das sie vorher schon einmal gesehen hatten, selbst in den benachbarten Breiten des Pazifik. Die Lebewesen schienen sich entwickelt zu haben, als hätten sie die Gebrauchsanleitung nicht gelesen. Das typischste von ihnen rannte, hoppelte oder galoppierte nicht, sondern sprang durch die Landschaft wie ein Gummiball. Die seltsamsten Geschöpfe tummelten sich dort: Fische, die auf Bäume kletterten, fliegende Füchse (in Wirklichkeit sehr große Fledermäuse) und derart umfängliche Krustentiere, dass ein erwachsener Mann in die Schalen kriechen konnte.

Kurz und gut, ein solches Land gab es auf der Welt nicht noch einmal. Gibt es immer noch nicht. Achtzig Prozent aller Tiere und Pflanzen in Australien existieren nur dort. Ja mehr noch, sie existieren in einer Vielzahl, die zu den harschen Lebensbedingungen gar nicht zu passen scheint. Australien ist der trockenste, flachste, heißeste, ausgedörrteste, unfruchtbarste, klimatisch aggressivste aller bewohnten Kontinente. Nur die Antarktis ist lebensfeindlicher. Das Land ist geologisch so inaktiv, dass, genau genommen, der Erdboden selbst ein Fossil ist. Und dennoch wimmelt er von Leben in unzähligen Formen. Schon allein bei den Insekten haben die Forscher keinen blassen Schimmer, ob die Gesamtzahl der Arten einhunderttausend oder mehr als das Doppelte beträgt. Ein Drittel davon ist der Wissenschaft bisher vollkommen unbekannt. Bei Spinnen sogar bis zu achtzig Prozent.

Ich erwähne Insekten insbesondere deshalb, weil ich eine Geschichte über ein Krabbeltier namens Nothomyrmecia macrops erzählen will, die, wenn auch ein wenig indirekt, hervorragend zeigt, was für ein außergewöhnliches Land Australien ist.

Als im Jahre 1931 ein paar Amateurnaturforscher auf der Halbinsel Cape Arid an der Südküste in der struppigen Einöde herumwühlten, fanden sie ein Insekt, das noch nie jemand gesehen hatte. Es erinnerte vage an eine Ameise, war aber ungewöhnlich blassgelb und hatte seltsam starrende, eindeutig beunruhigende Augen. Sie nahmen ein paar Exemplare mit, die auf dem Schreibtisch eines Experten im National Museum of Victoria in Melbourne landeten und sofort als Nothomyrmecia identifiziert wurden. Das verursachte große Aufregung, weil ein solches Lebewesen nach menschlichem Ermessen seit einhundert Millionen Jahren gar nicht mehr existierte. Es war eine Ur-Ameise, ein lebendiges Relikt aus der Zeit, als sich die Ameisen aus den Wespen entwickelten. In der Insektenkunde war der Fund so fantastisch, als hätte man auf einer abgelegenen Grassteppe eine äsende Triceratops-Herde entdeckt.

Man organisierte sofort eine Expedition, doch trotz penibelster Suche fand man die Kolonie auf Cape Arid nicht wieder. Auch weitere Erkundungen verliefen erfolglos. Als fast ein halbes Jahrhundert später ruchbar wurde, dass ein us-amerikanisches Forscherteam eine erneute Suche nach der Ameise plante, und zwar garantiert mit all dem High Tech-Schnickschnack, dem gegenüber die Australier amateurhaft und schlecht organisiert ausgesehen hätten, bestellte die Regierung ein paar Wissenschaftler in Canberra, die den Amerikanern mit einem letzten Versuch zuvorkommen sollten, die Ameisen lebendig zu finden. Ein Konvoi machte sich quer übers Land auf den Weg.

Als sie am zweiten Tag durch die Wüste in Südaustralien fuhren, fing ein Fahrzeug an zu stottern und zu qualmen, und sie mussten in Poochera, einem einsamen Halt an der Straße, eine unvorhergesehene Übernachtung einschieben. Abends ging ein Mitglied des Suchtrupps, Bob Taylor, hinaus, um ein bisschen frische Luft zu schnappen, und leuchtete ohne besonderen Grund mit dem Strahl seiner Taschenlampe den Boden ab. Sie können sich seine Überraschung vorstellen, als er sah, wie über einen Eukalyptusbaumstumpf eine propere Marschkolonne ebender Nothomyrmecia krabbelte.

Bedenken Sie, wie die Chancen dafür standen. Taylor und seine Kollegen waren achthundert Meilen von der Stelle entfernt, wo sie suchen wollten. Auf den fast drei Millionen Quadratmeilen Wüste, aus denen Australien besteht, hatte ein Mann gerade eines der seltensten, am meisten gesuchten Insekten der Erde gefunden und erkannt - ein Insekt, das nur einmal, und zwar ein halbes Jahrhundert zuvor, lebend gesichtet worden war. Und das alles nur, weil zufällig an der Stelle ein Auto einen Motorschaden gehabt hatte. Die Nothomyrmecia ist im Übrigen bis zum heutigen Tage nicht mehr an dem ursprünglichen Fundort entdeckt worden.

Ich bin sicher, Sie wissen wieder ganz genau, worauf ich hinaus will. Dieses Land ist gleichzeitig atemberaubend leer und voll gepackt mit Zeugs. Interessantem Zeugs, uraltem Zeugs, Zeugs, das man nicht auf Anhieb versteht. Zeugs, das man sogar noch finden muss.

Glauben Sie mir, es ist ein interessantes Land.

II

Jedes Mal, wenn man von Nordamerika nach Australien fliegt und die internationale Datumsgrenze überquert, kriegt man einen Tag abgezwackt - ohne dass einen auch nur irgendjemand fragt, wie man das findet. Ich verließ Los Angeles am dritten Januar und kam vierzehn Stunden später am fünften Januar in Sydney an. Für mich hatte es keinen vierten Januar gegeben. Absolut keinen. Wo genau er sich hin verkrümelt hatte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich offenbar für einen Zeitraum von vierundzwanzig Stunden in der Weltgeschichte nicht existiert hatte.

Kundenbewertungen zu "Frühstück mit Kängurus" von "Bill Bryson"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 2.5 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen **** gut)
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Bewertung von sabatayn76 am 15.11.2010 ***** gut
'Kein Essen oder Treibstoff auf den nächsten 862 Kilometern'

Inhalt:
Bill Bryson hat Australien bereist und erzählt dem Leser detailliert von seiner Tour - er berichtet beispielsweise von giftigen Tieren und seltenen Pflanzen, von Goldsuchern und Aborigines, von Wolkenkratzern und dem Outback.

Mein Eindruck:
Einerseits möchte man bei und nach der Lektüre gleich seine Koffer packen, denn Bryson berichtet voller Faszination von Australien, andererseits will man am liebsten zu Hause bleiben, denn laut Bryson riskiert man in Australien beinahe ununterbrochen sein Leben. Bisweilen sind seine Schilderungen sehr lehrreich und spannend, dann verliert er sich wieder in endlosen und zähen Kleinigkeiten. Manchmal habe ich lachen müssen ob seiner sonderbaren Erlebnisse und der Art, wie er sich ausdrückt, dann fand ich ihn wieder zu albern, zu arrogant, zu unverschämt und zu bemüht witzig.

Mein Resümee:
Ein Buch mit Passagen, die sich wirklich lohnen, aber auch mit solchen, die sich der Autor hätte sparen können. Seine apokalyptischen Schilderungen, die dem Leser das Gefühl vermitteln, direkt nach der Landung einer Horde giftiger Tiere ausgesetzt zu werden, ist übertrieben und völlig unrealistisch. Wer eine Reise nach Australien plant, sollte dies bedenken und sich nicht verrückt machen lassen.

Insgesamt bietet 'Frühstück mit Kängurus' eine (meist) informative Einführung in die australische Geschichte, Kultur, Flora und Fauna.

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Bewertung von Helga aus Worms am 07.06.2010 ***** schlecht
Gäääähn, tödlich langweilig war es, schwer beim Lesen bei der Sache zu bleiben (meine Gedanken waren wenig kooperativ, die wollten immer woanders hin) und nicht einzuschlafen.

Als unterhaltsamer Roman ist dieses Buch gänzlich ungeeignet. Viel zu viele unnütze Informationen über australische Premierminister, Eroberer und Geschichte. Als Reiseführer aber auch, denn dazu bietet es viel zu wenige Informationen, die man als Tourist brauchen kann. Zudem enthält es offensichtlich viele falsche Aussagen, wie man im Internet Beschreibungen Australienreisender entnehmen kann, die das Buch mit Australien verglichen haben.

Zitat: „... nachdem ich einen 6-monatigen Australien Aufenthalt hinter mir hatte, war ich nur enttäuscht von dem Buch, denn fast gar nichts, was Bryson beschreibt, oder erzählt stimmt mit dem überein, was ich erlebt habe.“

Zitat: „ Dampfplauderer Bryson über die Insel, die ein Kontinent ist. Ich vermute, er hat den Wikipedia-Artikel gelesen, dito ein Buch "333 Fakten über Australien, die Sie garantiert noch nicht kannten", das ganze verwurstet und mit ein paar Schenkelklopfern versetzt - et voila: dies Buch war geboren.“

Zitat: „Allerdings darf man nicht jedes Wort für bare Münze nehmen, der Autor geht mit den Fakten faszinierend um. Einige Sachaussagen sind schlicht falsch, ...andere umwerfend ahnungslos. “

Bryson hat einen unübersehbaren Hang zu Übertreibungen. Zu vieles in seinen Erzählungen klingt einfach zu unwahrscheinlich, als dass es wahr sein könnte. Allein die Beschreibung des Service in einem Hotel in.... Darwin? Natürlich wird hier das berühmte Körnchen Wahrheit darin stecken, aber von Bryson wurde dieses derart aufgebauscht, dass es schwer fällt zu glauben, dass sich diese Begebenheit tatsächlich so abgespielt haben soll.

Nimmt man nun dieses zu den Aussagen der Rezessenten, die das Land bereist haben dazu, addiert noch seine Neurose, was die – wie er bis zum Erbrechen betont ach so giftige und gefährliche - australische Tierwelt angeht dazu, muss man sich doch fragen, was dieser Bryson für ein Wichtigtuer ist.

Sicher ist in seinen Formulierungen hier und da ein gewisser Wortwitz erkennbar, der immerhin bewirkt, dass sich die Augenlider kurzzeitig mal wieder von ¾-Schließstellung auf „halbgeschlossen“ bewegen. Dennoch ist das Buch größtenteils das Einschläferndste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Halbwegs gut lesbar wird das Ganze nur in den beiden Passagen, als Bryson seine gemeinsamen Ausflüge mit Freunden beschreibt. Hier wird aus langatmigen Landschaftsbeschreibungen und politischen Weiterbildungsversuchen direkt mal fast so etwas wie eine lesenswerte Erzählung. Das entsprechende Aha-Erlebnis bot sich mir dann auf Seite 349 als Allan keine Lust hat, Bryson auf seiner Erkundungstour durch Alice Springs zu begleiten. Und dort bestätigt mir Allan genau das: „Gut, dann treffen wir uns später und du kannst mir alles erzählen. Was du ja garantiert auch in allen quälend langweiligen Einzelheiten tun wirst.“ „Worauf du dich verlassen kannst.“ Meine Rede! Und von Bryson selbst so geschrieben! Übrigens die einzige Stelle, an der ich geschmunzelt habe!

Und es kommt wie es kommen muss: Kaum ist Bryson wieder allein unterwegs, Allan abgereist, driftet das Buch wieder in gähnend langweiliges Geschwafel ab und verharrt dort bis zum bitteren Ende nach genau 400 Seiten!

Fazit: Nicht Fisch, nicht Fleisch, witzig findet sich wohl in erster Linie der Autor selbst. Schade ums Geld! Ein Buch, das die Welt nicht braucht! Und wir grillen auch noch mit Gas – auf einem australischen Gasgrill! So taugt es nicht mal als Grillanzünder.

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Bewertung von Alex aus Nürnberg am 10.01.2006 ***** ausgezeichnet
Ich kann meinem Vorredner nicht zustimmen, ich fand das Werk äußerst amüsant und kurzweilig. Natürlich handelt es sich nicht um einen Reiseführer der herkömmlichen Art, denn Bill Bryson schreibt doch immer gerne über das Nebensächliche, aber gerade das fand ich doch sehr erfrischend.

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Bewertung von Karsten am 07.01.2003 ***** schlecht
Wer ein packendes Abenteuer auf dem 5. Kontinent
erwartet, wird herb enttäuscht. Der Autor hat nur wenig
gesehen und erlebt von dem was Australien zu bieten hat.
Mit diesen wenigen, sehr bescheidenen "Abenteuern" wird
der Leser über viele Kapitel hinweg gelangweilt.
Trotz einiger "Schmunzler", ein sehr bescheidenes Werk.
Jeder der Australien je besucht hat oder dies zu tun gedenkt,
sollte darauf verzichten sich durch die Kapitel dieses Buches
durchzuquälen.

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