Es geht nicht immer gerecht zu bei der Verteilung der
Aufmerksamkeit, die den Werken vieler Komponisten nach ihrem Tode
zuteil wird. Es sind wohl häufig nicht diejenigen Kompositionen,
die sich die Schöpfer gewünscht hätten, die jedoch als ihre
populärsten in das kollektive Gedächtnis eingehen. Bei Max Bruch
schenkt die Nachwelt seinem unverwüstlichen Violinkonzert Nr. 1
oder seiner Schottische Fantasie besondere Aufmerksamkeit. Doch
auch das dem Geigenvirtuosen Sarasate gewidmete Zweite
Violinkonzert sowie dessen Nachfolger, das Bruch Joseph Joachim
widmete, gebührt ein besonderer Platz im Oeuvre des in Köln
geborenen Tonsetzers. Die dramatische Anlage des zweiten Konzertes
ist ungewöhnlich und lässt auf ein Programm schließen, das Sarasate
vorgeschlagen hatte. Eine Szene aus den spanischen
Karlistenkriegen: Eine Frau sucht auf einem Schlachtfeld ihren
Liebsten. Das Violinkonzert Nr. 3 beginnt hingegen recht
konventionell, bietet dem Solisten jedoch durch das Themenmaterial
alle
Möglichkeiten des charakteristischen Figurenwerks. Joseph Joachim
und Bruch feierten mit der Premiere dieses überaus virtuosen Werkes
einen kapitalen Triumph und Joachim trug das ihm gewidmete Werk
regelmäßig bei Konzerten vor. Hoffentlich wird das auch in Zukunft
wieder so sein.