1936-1941 - Woolf, Virginia

Virginia Woolf 

1936-1941

Herausgeber: Reichert, Klaus, Dtsch. v. Claudia Wenner
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1936-1941

»Kaum jemand wird das Schreiben so sehr als Folter empfinden wie ich«, ist im Juni 1936 vermerkt. Und im Februar 1939, mitten in der Atmosphäre wachsender Kriegsgefahr: »Ein Tag des Glücks« über die Arbeit an dem Roman Between the Acts. Schreiben war Bedrohung und Rettung zugleich für Virginia Woolf. Es führte sie bis zur äußersten Erschöpfung und Verzweiflung, an den Rand des Lebens - und es war ihre Flucht aus der Realität. In den Vorkriegs- und Kriegsjahren, die dieses Tagebuch umfaßt, hat Virginia Woolf eine ungeheure Arbeitsleistung vollbracht. Der Roman The Years wurde beendet und überarbeitet. Riesige Mengen Material hat sie durchgesehen, um die Biographie ihres verstorbenen Freundes, des Malers und Kunstwissenschaftlers Roger Fry zu schreiben. Und fast prophetisch setzte sie sich mit der Frage auseinander, wie Frauen dazu beitragen können, Kriege zu verhindern. Ihr leidenschaftlicher politisch-feministischer Essay Three Guineas erschien ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Ihr Tagebuch nutzt Virginia Woolf zur Erholung vom disziplinierten Schreiben; mit ihrem Sinn für groteske Situationen beobachtet sie den Alltag, sie beschreibt Menschen und Gesellschaften, Landschaften und Reisen, genießt die geliebten Klatschgeschichten. Es scheint, als sei sie in diesen schwierigen Jahren dem Leben besonders zugewandt. Zugleich aber läßt sie Gedanken an das Alter und den Tod, »der eine ungeheure Erfahrung ist«, näher an die Oberfläche kommen. Besorgt und engagiert kommentiert sie fast täglich die politischen Ereignisse und die bevorstehende Katastrophe in Europa. Die Bedrohung und schließlich der Krieg dringen immer stärker in ihr Leben ein. Nahrungsmittel werden knapp, ihre Londoner Wohnung ist nach einem Luftangriff verwüstet. Jede Nacht donnern deutsche Bombenflugzeuge mit Kurs auf London über ihr Haus in Südengland. Eine deutsche Invasion steht bevor. Tapfer kämpft Virginia Woolf gegen die aufsteigende Depression und versucht sich beim Schreiben aufzumuntern. Aber in ihrer Erschöpfung während der letzten Arbeiten an dem Roman Between the Acts kann sie der Verdunkelung ihres Gemüts nicht mehr standhalten. Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 als Tochter des Biographen und Literaten Sir Leslie Stephen in London geboren. Zusammen mit ihrem Mann, dem Kritiker Leonard Woolf, gründete sie 1917 den Verlag >The Hogarth Press<. Ihre Romane, die zur Weltliteratur gehören, stellen sie als Schriftstellerin neben James Joyce und Marcel Proust. Zugleich war sie eine der lebendigsten Essayistinnen ihrer Zeit und hinterließ ein umfangreiches Tagebuchwerk. Virginia Woolf nahm sich am 28. März 1941 in dem Fluß Ouse bei Lewes (Sussex) das Leben. Der Herausgeber Klaus Reichert war Professor für Anglistik an der Universität Frankfurt am Main. Er arbeitet über die Renaissance, die klassische Moderne und über Übersetzungstheorie und -geschichte. Er hat u. a. Shakespeare, James Joyce und das Hohelied Salomos übersetzt. Er ist Herausgeber der deutschen James-Joyce-Ausgabe. Seit 2002 ist er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Die Übersetzerin Claudia Wenner übertrug die Tagebücher 2 und Erzählungen von Virginia Woolf ins Deutsche. 1998 erschien ihre Dissertation >Moments of Being: Zur Psychologie des Augenblicks bei Virginia Woolf<. Sie arbeitet als Literaturübersetzerin (Raymond Carver, Khushwant Singh u.a.), Kritikerin, Herausgeberin und Essayistin in Frankfurt und Pondicherry. »Lastender Winter 1941. Virginia Woolf beginnt das Jahr mit der Eintragung: >Schneidender Wind - wie eine Kreissäge<. Die Asheham Down, den Hügel, von dem sie den Blick nicht wenden kann, beschreibt sie: >rot, violett, taubenblaugrau<. In ganz ähnlichen Farben beschrieb einmal ein großer Maler den täglichen Fußweg zum Dorf. Virginia Woolf >kennt< (diese eigenwillige Formulierung wählt sie oft) einen Satz: >wirf einen letzten Blick zurück auf alles Schöne<. Die Luftangriffe überziehen die große Stadt mit einem schwarzen Film. Ich will den Buchumschlag entwerfen. Schon als ich ansetze, zerbirst der Stift in meiner Hand. Sein Bersten weist mich in eine Collage. In einer jetzt schon alten Mappe finde ich noch Blätter mit Photographien von der Handschrift der Autorin.. Ich kenne den Zug dieser Schrift, ich würde ihn immer sofort erkennen, aber ich kann die Worte nicht entziffern. Ich appliziere den zerborstenen Stift auf einen Karton. Er läuft aus und dringt färbend ein in alle Fasern.« Sarah Schumann zur Umschlaggestaltung

Schreiben war Rettung und Bedrohung zugleich für Virginia Woolf, es war ihre Flucht aus der Realität und es führte sie in die äußerste Erschöpfung, an den Rand des Lebens. In den Tagebüchern aus ihren letzten Jahren ist dies besonders deutlich wahrzunehmen. Zwei Romane und eine Biographie entstehen in dieser Zeit, sowie der große Essay »Drei Guineen«, ein leidenschaftlicher Aufruf, Kriege zu verhindern. Engagiert und besorgt kommentiert sie täglich die weltpolitische Entwicklung und schließlich den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ihre Londoner Wohnung wird verwüstet; im Landhaus in Südengland droht die Gefahr einer deutschen Invasion. Während der letzten Arbeiten an dem Roman »Zwischen den Akten« kann sie der Verdunkelung ihres Gemüts nicht mehr standhalten.


Produktinformation

  • Tagebücher, 5 Bde.
  • Bd.5
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 600 S.
  • Seitenzahl: 592
  • Gesammelte Werke
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 150mm x 34mm
  • Gewicht: 919g
  • ISBN-13: 9783100925664
  • ISBN-10: 3100925661
  • Best.Nr.: 23270102

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Weg der "spitze Übermut", die karikaturistische Figurenzeichnung, das Amüsement bei der Lektüre. Burkhard Müller entgeht nicht die Veränderung zum Ende hin, die diesen fünften und letzten Band der Tagebücher Virginia Woolfs prägt. Das Wissen um dieses Ende macht den Rezensenten "beklommen", und er sucht und findet Indizien dafür allenthalben: Das Verhältnis zu den Dienstboten ändert sich, der Ton wird humaner, die Depression hinterlässt Spuren im Text. So sehr Müller auch die Traurigkeit und Ermattung Woolfs aus diesen Texten herauslesen kann, so sehr hat ihn die Lektüre beglückt - als vom Herausgeber Klaus Reichert gewissenhaft kommentierte, von Claudia Wenner sorgfältig übersetzte Edition.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.12.2008

Dankesbrief für einen Nachttopf
Vom Übermut zur Depression: Der letzte Band von Virginia Woolfs Tagebüchern
Nun ist also auch der fünfte und letzte Band der Tagebücher von Virginia Woolf erschienen, der die Jahre von 1936 bis 1941 umfasst, von Claudia Wenner übersetzt und von Klaus Reichert herausgegeben, beides mit großer Sorgfalt. Man nimmt das Buch beklommen zur Hand, weiß man doch, wie es ausgehen wird.
Vergleicht man den Band mit seinem unmittelbaren Vorgänger, so fällt auf, wie sehr eine Bewegung der Kontraktion stattgefunden hat. Noch immer zwar defilieren hier ungezählte Namen von Gästen zu Tee und Dinner vorüber, und selbst der gewissenhafte Kommentar, der sie einem alle erklärt, löst die Verwirrung der Vielzahl nicht gänzlich auf. Aber es beginnt hier etwas zu fehlen, was die Lektüre von Woolfs Tagebüchern zuvor zu einem so amüsanten, gelegentlich auch penetranten Erlebnis gemacht hatte: ihr spitzer Übermut, der Wille zur karikaturistischen Figurengestaltung, aus denen sich das Porträt einer ganzen Epoche und Klasse ergeben hatte.
Nur noch selten begegnet man der maliziösen Tiermetapher, für die die frühere Virginia Woolf …

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Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 in London geboren und wuchs im großbürgerlichen Milieu des viktorianischen England auf. Der Tod ihrer Mutter 1895 und ihrer älteren Schwester führte zu einer schweren psychischen Krise, deren Schatten sie nie mehr loslassen sollten. 1912 heiratete sie Leonard Woolf. Zusammen gründeten sie 1917 den Verlag The Hogarth Press. Bereits in jungen Jahren bildete sie gemeinsam mit ihrem Bruder den Mittelpunkt der intellektuellen "Bloomsbury Group". Ihr Haus war eines der Zentren der Künstler und Literaten der Bloomsbury Group. Ihre Romane zählen zu den Meilensteinen moderner Literatur. Zugleich war sie eine der einflußreichsten Essayistinnen ihrer Zeit. Aus Furcht, geistig zu umnachten, nahm sie sich am 28. März 1941 nach einem Bombenangriff das Leben.

Leseprobe zu "1936-1941"

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Leseprobe zu "1936-1941" von Virginia Woolf

"Kaum jemand wird das Schreiben so sehr als Folter empfinden wie ich«, ist im Juni 1936 vermerkt. Und im Februar 1939, mitten in der Atmosphäre wachsender Kriegsgefahr: »Ein Tag des Glücks« über die Arbeit an dem Roman Between the Acts. Schreiben war Bedrohung und Rettung zugleich für Virginia Woolf. Es führte sie bis zur äußersten Erschöpfung und Verzweiflung, an den Rand des Lebens und es war ihre Flucht aus der Realität.
In den Vorkriegs- und Kriegsjahren, die dieses Tagebuch umfaßt, hat Virginia Woolf eine ungeheure Arbeitsleistung vollbracht. Der Roman The Years wurde beendet und überarbeitet. Riesige Mengen Material hat sie durchgesehen, um die Biographie ihres verstorbenen Freundes, des Malers und Kunstwissenschaftlers Roger Fry zu schreiben. Und fast prophetisch setzte sie sich mit der Frage auseinander, wie Frauen dazu beitragen können, Kriege zu verhindern. Ihr leidenschaftlicher politisch-feministischer Essay Three Guineas erschien ein Jahr vor dem Ausbruch des ZweitenWeltkrieges.
Ihr Tagebuch nutzt Virginia Woolf zur Erholung vom disziplinierten Schreiben; mit ihrem Sinn für groteske Situationen beobachtet sie den Alltag, sie beschreibt Menschen und Gesellschaften, Landschaften und Reisen, genießt die geliebten Klatschgeschichten. Es scheint, als sei sie in diesen schwierigen Jahren dem Leben besonders zugewandt. Zugleich aber läßt sie Gedanken an das Alter und den Tod, »der eine ungeheure Erfahrung ist«, näher an die Oberfläche kommen. Besorgt und engagiert kommentiert sie fast täglich die politischen Ereignisse und die bevorstehende Katastrophe in Europa. Die Bedrohung und schließlich der Krieg dringen immer stärker in ihr Leben ein. Nahrungsmittel werden knapp, ihre Londoner Wohnung ist nach einem Luftangriff verwüstet. Jede Nacht donnern deutsche Bombenflugzeuge mit Kurs auf London über ihr Haus in Südengland. Eine deutsche Invasion steht bevor. Tapfer kämpft Virginia Woolf gegen die aufsteigende Depression und versucht sich beim Schreiben aufzumuntern. Aber in ihrer Erschöpfung während der letzten Arbeiten an dem Roman Between the Acts kann sie der Verdunkelung ihres Gemüts nicht mehr standhalten.

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