Verlangen nach Musik und Gebirge - Kronauer, Brigitte

Brigitte Kronauer 

Verlangen nach Musik und Gebirge

Roman. Ausgezeichnet mit dem Bremer Literaturpreis 2005

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Verlangen nach Musik und Gebirge

"Ein hochartistischer, ganz und gar europäischer Künstlerroman auf der (Gebirgs-)Höhe der Zeit." Ina Hartwig in der "Frankfurter Rundschau"


Produktinformation

  • Verlag: Dtv; Klett-Cotta
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 425 S.
  • Seitenzahl: 432
  • dtv Taschenbücher Bd.13511
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 121mm x 24mm
  • Gewicht: 354g
  • ISBN-13: 9783423135115
  • ISBN-10: 3423135115
  • Best.Nr.: 20837809
"Eine Literatur, deren Formulierungskunst in der deutschsprachigen Literatur nichts Vergleichbares hat." (NZZ)<br/><br/>"Poetisch, göttlich, zart - man könnte Hymnen anstimmen auf Kronauers Sprache und Stil"(Financial Times Deutschland)<br/><br/>"... Brigitte Kronauer hat einen hochartistischen, ganz und gar europäischen Künstlerroman auf der (Gebirgs-)Höhe der Zeit geschrieben."(Frankfurter Rundschau)<br/><br/>"Verlangen nach Musik und Gebirge" bietet eine extreme, eine extrem schöne Leseerfahrung. ..." (ARD)<br/><br/>"... In einer mal jubilierenden, mal scharfzüngig-mokanten Prosa werden die Topoi der Anziehung spielerisch durchdekliniert. Ein Buch über die Macht der Verführung, im Leben wie in der Kunst - und eine Herzklopfen verursachende Lektüre." (Focus)

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
In einer kleinen, bunt zusammengewürfelten Urlaubsgruppe in Oostende geht es turbulent zu. Roy begehrt Sonia und tut alles, um sich dem Ziel seiner Begierde zu nähern. Mit dem Geschick des Älteren macht sich der Antwerpener Parfümerie-Händler Willaert an Sonias Freund Maurizio heran. Beobachterin des ganzen Treibens ist Frau Fesch. Sie verkürzt sich das sehnsuchtsvolle Warten auf den Geliebten mit genauester Beschreibung des handelnden Personals. Frau Fesch ist wie ihre Schöpferin Kronauer verliebt in die Sprache. Wirklichkeit entsteht für beide, sobald sie in Worte gebannt ist und dadurch erst Form angenommen hat. Das ist nicht einfach für Frau Fesch. Ist sie müde, zieht sie sich zurück, nur um dann umso neugieriger hinter ihren Schützlingen herzusein, ja, manchmal gar zwischen ihnen zu intigrieren. Kronauer gibt ihrer Protagonistin erst zum Showdown zwischen den Liebenden etwas Luft: Sie lässt Frau Fesch die Ereignisse rückblickend und damit auf zwei Zeitebenen gleichzeitig erzählen. Wie Brigitte Kronauer die Themen Liebe und Sehnsucht mit dem Meer sowie der Kolonialgeschichte Belgiens verknüpft, wie es ihr gelingt, dabei noch spielend und nebenbei Joseph Conrads Erzählung "Ein Lächeln des Glücks" zu integrieren: Das macht "Verlangen nach Musik und Gebirge" zu einem vielschichtigen, tiefgehenden und erfüllenden Roman. (jw)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.10.2004

Ganz unten
Heimschläfer auf Höllenfahrt: Die Belletristik in diesem Herbst

Kurz und Gut steht jeden Morgen an der Ecke und erzählt. Man nennt ihn Kurz und Gut, weil er, ständig hustend und lungenkrank, nicht mehr ausreichend Luft für eine ausführliche Erzählung hat. "Also kurz und gut, sagte er dann: Viele kurze Geschichten ergeben auch eine lange, ist vielleicht auch interessanter." So rezitiert er wörtlich den Beginn von Dostojewskis "Idiot" und erzählt dann, kurz und gut, dessen Quintessenz in einem einzigen Satz. Dieser Kurz und Gut ist nur eine der unvergeßlichen Figuren in Dieter Fortes neuem Roman "Auf der anderen Seite der Welt" (S. Fischer), eine Gestalt wie ein orientalischer Geschichtenerzähler, der sich ins Nachkriegs-Düsseldorf verirrt hat. Wie alle diese Figuren ist er ein Führer in die Unterwelt. Zu Beginn des Romans reist der Erzähler, das Kind aus Fortes autobiographischer Trilogie "Das Haus auf meinen Schultern", ans Meer, in ein Lungensanatorium, eine Hadesfahrt ohne Wiederkehr. Fortes Buch ist eines der düstersten dieses Herbstes und zugleich eines der reichsten, eine postapokalyptische Version des "Zauberbergs", die die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Brigitte Kronauers neuer Roman handelt von einer zufällig im Hotel "Malibu" im belgischen Nordseebad Ostende zusammentreffenden Gruppe von Reisenden, die sich nach kürzester Zeit in allerlei Liebeshändel verstricken, erklärt ein hingerissener Lothar Müller. Er freut sich an der "maliziösen Anrichtung der Liebesunordnung", die die Autorin entfaltet, und stellt klar, dass es sich bei dem Buch zwar um "Mummenschanz", aber angesichts der existentiellen Ausnahmesituationen der Figuren keineswegs um eine "Farce" handele. Besonders gut gefällt ihm auch die Erzählerin dieses Romans, Frau Fesch, die zu seiner Freude statt des "treuherzigen Augenaufschlags", den die Ich-Erzähler in der jüngeren deutschen Gegenwartsliteratur so gerne an den Tag legen, einen "bösen Blick" und eine "scharfe Zunge" bevorzugt. Einen "gefühlsklugen Roman" hat Kronauer hier vorgelegt, lobt der eingenommene Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.10.2004

Frau Hochzart und Herr Langzahn
An diesem und am anderen Ufer: Brigitte Kronauer hat einen Liebes-, Meeres- und Belgien-Roman geschrieben, der vom platten Land und vom Verlangen nach Musik und Gebirge handelt
Der Wind, von dem sich der Schlager sein Lied erzählen lässt, weht nicht irgendwo. Er weht am Meer und ist mit der Sehnsucht im Bunde. Aber nicht nur mit der Sehnsucht, sondern auch mit dem spöttischen Lachen der Möwen, dem Zerzausen pathetischer Hoffnungen. Küsten und Strände, zumal in der Urlaubssaison, sind Risikozonen zwischen Slapstick und Selbstverlust. Der bewegliche Grenzstreifen, an dem das flüssige Element ans Festland schlägt, ist das horizontale Gegenstück zum vertikalen Abgrund, der Drohung des Gebirges. Nicht nur, weil das Meer gelegentlich einen Liebhaber in sich hineinzieht. Sondern vor allem, weil Ebbe und Flut, Leere und Horizont darauf lauern, ins Innere ihrer Betrachter einzuwandern, die Küstenlinien ihres Lebens aufzuweichen, ihre gesamte Existenz zu verflüssigen. Oder, wenn ihnen dies nicht gelingt, sie dazu zu zwingen, ihre vollendete Banalität zu offenbaren.
In ihrem neuen Roman hat Brigitte Kronauer eine …

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Eine "Literatur, deren ... Formulierungskunst in der deutschsprachigen Literatur nichts Vergleichbares hat." Andrea Köhler (NZZ, 11.9.2004) "Poetisch, göttlich, zart - man könnte Hymnen anstimmen auf Kronauers Sprache und Stil" Annette Garbrecht (Financial Times Deutschland, 14.1.2005) "... Brigitte Kronauer ... hat einen hochartistischen, ganz und gar europäischen Künstlerroman auf der (Gebirgs-)Höhe der Zeit geschrieben." Ina Hartwig (Frankfurter Rundschau, 8.12.2004) "Diese Sprache ist selber schon Erregungsprosa, Worte überrumpeln, poetisieren und dramatisieren, erzeugen dabei auch durchaus absurden Witz und analysieren dann wieder kühl ironisch." Maja Rettig (die tageszeitung, 27.11.2004) Eine "großartige deutschsprachige Autorin ... "Verlangen nach Musik und Gebirge" bietet eine extreme, eine extrem schöne Leseerfahrung. ..." (ARD, druckfrisch, mit Denis Scheck, 7.11.2004) "... In einer mal jubilierenden, mal scharfzüngig-mokanten Prosa werden die Topoi der Anziehung spielerisch durchdekliniert. Ein Buch über die Macht der Verführung, im Leben wie in der Kunst - und eine Herzklopfen verursachende Lektüre." Andrea Köhler (Focus, Literatur-Tipp, 11.10.2004) "... Ihre Sprache ist von der Gischt der Formexperimente des 20.Jahrhunderts durchtränkt. Wie Schaumkronen tanzen die Fragen über ihrer Prosa, in Klammern gesetzte Alternativen, Parenthesen und Interjektionen wirbeln die Sätze auf wie Sand. " Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, Literaturbeilage, Oktober 2004)
Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg und dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis der Darmstädter Akademie verliehen und 2011 der Jean-Paul-Preis.

Leseprobe zu "Verlangen nach Musik und Gebirge" von Brigitte Kronauer

Abteil

Durch und durch rechtwinklig gebaut, der junge Mann, zu allem Übel auch noch rücksichtslos mitteilsam: "Außer Mut und schnellem Geist zu reagieren im Moment von irgendeiner Schwierigkeit..."

Was?

Aber da, ein Weg, der sich um ein rabenschwarzes Waldstück biegt. Da werden wohl Messer gewetzt, Felder, wo es graugrün wächst, weht und sich wellt. Schauplätze, die Färbung und Fäden von früher aufnehmen. Man gerät deshalb nicht aus dem Häuschen.

"... mußt du auch eine einwandfreie technische Vorbereitung haben, die das Wissen umfaßt um die Normen der Sicherheitsbestimmungen für jede einzelne Darbietung und einen unerschöpflichen Wunsch, zu erobern und zu besiegen die eigenen Unschlüssigkeiten."

Unglückswurm!

Da, aufgetaucht und vorübergekreiselt, aus den gekachelten Ställen bäuerlicher Viehhaltung herausgebläht das Reich der Rinder, schönäugige Riesenköpfe, träumerisch kauend über der Gräserwildnis. Badewannen in der Wiesenmitte, Hügel, bedeckt mit Autoreifen. Ein Gemütszustand auf dem Acker in Gestalt einer Katze. Der Zug rast viril davon. Es will nichts besagen, will nichts sagen. Nach Oostende geht die Fahrt. Das könnte man nicht nur bequemer, sondern auch schneller haben.

Man will aber nicht.

"Auf diese Art den Gemeinplatz widerlegend, der die Stuntleute als Verzweifelte sieht, auf der Suche nach adrenalinischen Erregungen, immer schärfer disponiert, das Leben für eine Handvoll Dollars zu verkaufen."

Junger Mensch, finanziert das Runzelmenschlein neben dir deinen Sprachunterricht? Sehr junger Mann, willst du deiner Großmutter beweisen, daß sich die Investition gelohnt hat? Die Großmutter legt ihm begütigend eine gebrechliche Hand aufs Knie. Er merkt nichts.

"Jamie hat sich sofort über unsere physische Ähnlichkeit amüsiert. Sie hat sich nie davon getroffen gefühlt, nicht einmal als Kinder ihr Autogramm von mir verlangten, wie es beim set von 'True lies' passiert ist. Als wir die Szene drehen mußten, in der Jamie von einer Brücke auf die Limousine fliegt, bereitete ich mich vor, indem ich mein Mantra der Selbstüberzeugung - oder besser Selbstüberwindung? - rezitierte, um eine perfekte Ruhe und Sicherheit zu erlangen. Es geschah mir, daß ich nach unten sah, in den Fluß, wo das Rettungsschiff war mit den Sauerstoffgeräten und einem Arzt, bereit für den Notfall und ich fühlte, wie ein tröstliches Sicherheitsgefühl in mich eindrang. Aber ich wußte noch nicht..."

Man fragt das Großmütterchen, ob sie einen Enkel möchte, der nicht nur tolpatschig Artikel aus italienischen Illustrierten übersetzt, sondern einen, der selbst auch Stuntman wird. Controfigura, nicht wahr, so heißt es doch? Nur, um ihr neckisch sich gruselndes, "Ahaha!" zu hören.

"An diesem Abend schickte sie mir eine Flasche Champagner ins Zimmer, einen Glückwunsch und das Foto, das sie geschossen hatte während meiner Rettung mit dem Helikopter. Ihre Worte zitterten vor Stolz wie die einer Schwester oder Mamma. Dies hier ist für mich die Art des Gefühls, für die sich auch die Mühe lohnt, weil du dich geschätzt fühlst für das, was du wirklich bist."

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