Austerlitz - Sebald, W.G.

W.G. Sebald 

Austerlitz

Ausgezeichnet mit dem Bremer Literaturpreis 2002 und dem National Book Critics Circle Award; Fiction 2001

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Austerlitz

Wer ist Austerlitz? Ein rätselhafter Fremder, der immer wieder an den ungewöhnlichsten Orten auftaucht: am Bahnhof, am Handschuhmarkt, im Industriequartier ... Und jedes Mal erzählt er ein Stück mehr von seiner Lebensgeschichte, der Geschichte eines unermüdlichen Wanderers durch unsere Kultur und Architektur und der Geschichte eines Mannes, dem als Kind Heimat, Sprache und Name geraubt wurden.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 416 S.
  • Seitenzahl: 424
  • Best.Nr. des Verlages: 505/19986
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 35mm
  • Gewicht: 635g
  • ISBN-13: 9783446199866
  • ISBN-10: 3446199861
  • Best.Nr.: 09383857
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.02.2008

Europas Schrecken und Schönheit
W. G. Sebald: „Austerlitz”
Was verbirgt sich nicht alles im Namen „Austerlitz”? Ein Schlachtfeld in Mähren, auf dem Napoleon im Dezember 1805 zwei andere Kaiser besiegte. „Austerlitz” ist auch ein nach diesem Schlachtfeld benannter Pariser Bahnhof, im Westen der Stadt, hinter dem Jardin des Plantes gelegen. Und schließlich ist „Austerlitz” die Hauptfigur in W. G. Sebalds letztem Roman, der zuerst im Frühjahr 2001, ein gutes halbes Jahr vor dem Unfalltod seines Autors erschien – eines Autors, der gerade die Schwelle zum Weltruhm überschritten zu haben schien. Die Geschichte von Jacques Austerlitz ist das leichteste, das zugänglichste Werk dieses Schriftstellers, eine Wanderung rückwärts durch das Leben der Titelfigur, durch europäische Geschichtslandschaften, auf der immer wieder zwei Motive aufeinanderstoßen: die Schrecken der Geschichte und die Schönheit der Landschaften.
Jacques Austerlitz, zum Zeitpunkt des Erzählens ein rastloser Reisender kreuz und quer durch den Kontinent, gekleidet in eine Arbeitshose aus verschossener blauer Baumwolle sowie in ein „maßgeschneidertes, aber längst aus der Mode …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.03.2001

Die Wünschelrute in der Tasche eines Nibelungen
Der Kopfbahnhof der literarischen Welt heißt "Austerlitz", und darin befindet sich ein Saal der verlorenen Schritte: W. G. Sebald eröffnet einen Prozeß wider die Gegenwart / Von Thomas Steinfeld

Am Ende verläßt der Held sein Abteil im Expreßzug von Prag nach Hoek van Holland und geht durch eine deutsche Innenstadt. "Als erstes stach mir auf meiner Exkursion die große Zahl grauer, brauner und grüner Hüte in die Augen und überhaupt wie gut und zweckmäßig alles gekleidet, wie bemerkenswert solide das Schuhwerk der Nürnberger Fußgänger war." Der Held ist ob soviel Wohlstands beunruhigt, ihm fehlen auch die krummen Linien, die alte Häuser zu Dokumenten werden lassen. Schließlich ist er so entnervt, daß er unter einem Fensterbogen der "Nürnberger Nachrichten" Zuflucht sucht. Der Fensterbogen besteht aus "rötlichem Sandstein", und dem Helden wird immer "banger", während das Volk der Deutschen an ihm vorüberzieht. Da scheint das Schicksal ein Einsehen zu haben: Eine ältere Frau kommt vorbei, auf dem Kopf einen Tirolerhut mitsamt Hahnenfeder, und schenkt dem Benommenen, seines "alten …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Austerlitz" ist, wie auch die früheren Werke von W. G. Sebald, "einBuch der tausendundeinen Offenbarung", denkt Thomas Steinfeld. DieGeschichte des einsamen und schwermütigen Wanderers Jacques Austerlitz, der sich auf die Spuren seiner Vergangenheit, nach seiner Identität begibt, hat den Rezensenten schon bewegt. Ausführlich würdigt er den neuen Roman des vor allem bei angelsächsischen Lesern beliebten Autors. Nur, und das hält der Rezensent für eine Schwäche des Romans, Austerlitz ist keine literarische Figur. Sondern ein Sammelpunkt der literarischen Technik des Autors, ein Mustermann für Sebalds poetische Welt, eine Archivgestalt von überdimensionalen Ausmaßen, meint Steinfeld. Das Amalgam aus Fiktion, Dokumentation, Poesie und Tatsachenbericht, dieses "Prosabuch unbestimmter Art", schreibt dem Leser vor, wie er Geschichte zu lesen hat, kritisiert der Rezensent. Ihm drängt sicht das Bild eines "literarischen Kopfbahnhofs" auf. Einmalig findet Steinfeld allerdings die Sprache von Sebald. Er hält ihn für einen "Meister des Periodenbaus", seine Sätze erinnern ihn an eine längst vergangene Kunst, an das 19. Jahrhundert, an Adalbert Stifter. Eine Erzähltechnik, die, ist der Rezensent überzeugt, kein anderer zeitgenössischer deutscher Schriftsteller so brillant beherrscht wie W G. Sebald.

©

"Der Sebald-Sound geht ein. Wenn diese Prosamusik anhebt, entsteht im Leser augenblicklich die schöne Sicherheit, daß sie ihn über hunderte Seiten sicher tragen wird." Michael Rutschky, Frankfurter Rundschau, 21.3.01 "Man liest das Buch wie im Sog, gefesselt und fasziniert wie von einem jener bösen deutschen Märchen in denen man, wie es in den "Ausgewanderten" heißt, "einmal in Bann geschlagen, mit dem Erinnern fortfahren muss, bis einem das Herz bricht". Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung, 24./25.02.01

"Den drei überragenden Stimmen gelingt es, einen Hörkosmos zu entwerfen, in dem die kunstvoll gebauten Musikminiaturen von Cornelia Friederike Müller wie kleine Sterne auffunkeln."
W.G. Sebald, geboren 1944 in Wertach, ging nach dem Studium in die Schweiz und dann nach England. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter im Jahr 2000 mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Heinrich-Heine-Preis. W.G. Sebald starb 2001

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