Weiter als die Fremde - Papula, Dagmar

Dagmar Papula 

Weiter als die Fremde

Der Roman über ein ungewöhnliches Leben für das Theater Shakespeares

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Weiter als die Fremde

Zwei nicht mehr ganz so junge Abenteuerlustige lassen sich von ihrem selbst gegründeten Theater beurlauben. Das Fernweh treibt sie nach London. Dort spielt Arthur den »Shylock« in Shakespeares neuem Globe Theater. Ihre Rolle wird es plötzlich, entwurzelt und überflüssig geworden in einer von Fremden übersättigten Gesellschaft, ausschließlich ihn zu bewundern. Das unfreiwillige Frauenschattendasein verursacht Turbulenzen. Aber das Glück kehrt zurück, als beide nach Toronto weiterziehen. »Where are you coming from«, wird hier gefragt und sie werden willkommen geheißen mit der Aufforderung, nicht ihre Wurzeln zu vergessen. Selbst in der Eiswüste hoch oben am Hudson Bay bei den CreeIndianern erfahren sie bei minus 48 Grad, was es heißt, beschützt zu sein. Nach anderthalb Jahren Abwesenheit freut sich Arthur auf seine Heimat. Sie aber ahnt, dass ihr Versprechen, wiederzukehren, leichtfertig war. Die Rückkehr kommt einem Desaster gleich. Das einst so vertraute Theater spuckt sie aus wie etwas, das nicht mehr kompatibel sein darf. Aber manchmal, wenn alles zusammenkracht, ist erst die Chance gegeben, dass sich eine unbekannte, anderer Zukunft ergibt, die zunächst sich vorzustellen noch nicht möglich war.


Produktinformation

  • Verlag: Kellner
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 175 S. m. Fotos.
  • Seitenzahl: 175
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm x 171mm x 20mm
  • Gewicht: 545g
  • ISBN-13: 9783927155961
  • ISBN-10: 3927155969
  • Best.Nr.: 23802857

Leseprobe zu "Weiter als die Fremde"

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Leseprobe zu "Weiter als die Fremde" von Dagmar Papula

SIEBEN TAGE IN ATTAWAPISKAT (S. 103-105)

Die Reise in den Norden Ontarios begann frühmorgens im Februar. Es war, wie angekündigt, kein Schneesturm gekommen. Der Taxifahrer, ein Inder, fuhr Dich und Arthur über leere Straßen zum Flughafen außerhalb Torontos. Er fragte: »Where are you coming from?«, und wollte wissen, wohin die Reise geht.

Gereizt wie Du warst, die Aufregung hatte Dich nicht schlafen lassen, bemerktest Du knapp, ja unfreundlich:

»Hudson Bay.«

»Schneesturm ist da, kein Durchkommen.«

»Wissen wir«, blocktest Du ab. Arthur gab Dir mit den Augen ein Zeichen, nicht so schroff zu sein.

»Unsere Freunde riefen uns gestern an...«, vermittelte er, »...ihr Flieger konnte in Timmins nicht starten. Sie mussten dort übernachten.«

Während Ihr dann schweigend durch die Industrielandschaft fuhrt, auch dieser Taxifahrer hielt sich an keine Geschwindigkeitsbegrenzung, ging Dir die Sorge nicht aus dem Kopf, ob Liz und Professor heute mit uns nach Attawapiskat fliegen können? Als Ihr das Gepäck im Flughafen am Schalter durchgecheckt hattet, erfuhrt Ihr, die Maschine nach Attawapiskat sei überbucht und Eure Freunde hätten keine Chance.

Auch Eure eigene Reise verzögerte sich aufgrund miserabler Wetterverhältnisse. Das Flugzeug musste enteist werden. Ihr saßt angeschnallt im Flieger auf dem Rollfeld und wartetet in der Endlosschlange des Großstadtflughafens, bis das Lösungsmittel auf das Flugzeug niederprasselte und die Fenster verschmierte.

»Verhunzte Aussicht. Da können wir den Flug vergessen«, stöhntest Du, lehntest Dich an Arthur und schliefst sofort ein. Erst bei der Landung in Timmins erwachtest Du wieder. Ein kleiner Flughafen, auf dessen Rollfeld Schnee lag. An den Rändern stapelte sich Eis.

Zu Fuß erreichten Du und Arthur die nahe Halle. Liz und Professor warteten dort entnervt. Sie würden, das war nun klar, nicht mit ihren Gästen fliegen können. Blöd sei das, sie wollten ja alles vorbereiten. Das sei ja der Grund gewesen, einen Tag vor Euch zu fliegen. Aber Liz würde gleich in Attawapiskat anrufen, dass eine ihrer Schwestern uns wenigstens abhole und uns zum Haus ihres Bruders brächte.

»Seid ihr so nett«, bat Professor, »...und nehmt die Taschen mit Frischfleisch und Gemüse mit? Sonst verkommt das ja. Verdammte Creebec-Air, mit dieser Fluggesellschaft geht immer alles schief.«

Bepackt mit zwei großen Taschen verabschiedetet Ihr Euch von den beiden und legtet das Gepäck selbst in den Laderaum des kleinen, alten Flugzeugs. Eure eigenen Koffer standen auf einem Wagen davor, zusammen mit anderen Koffern, bereit, eingeladen zu werden.

Arthur ließ Dich zuerst einsteigen und Du blicktest um Dich und erstauntest: Das Flugzeug für 16 Personen hatte nur zwölf Passagiere an Bord. Deine Frage, warum Eure Freunde nicht mitfliegen dürften, winkte die Stewardess genervt ab:

»Zu viel Gewicht«, und schon zog sie die Treppe hoch.

Da rief eine junge, weißhäutige Passagierin, die aus dem Fenster guckte:

»Mein Gepäck steht noch draußen!«

»Kann ich nun auch nicht mehr ändern«, konterte die Stewardess in einem schnippischen Ton und würdigte sie keines Blicks, verriegelte die Tür, drehte demonstrativ den Fahrgästen den Rücken zu und setzte sich in das Führerhaus. Sie war Co-Pilotin.

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