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Kindbettfieber
Roman
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
- 2007
- Ausstattung/Bilder: 2007. 333 S.
- Seitenzahl: 333
- Fischer Taschenbücher Bd.16797
- Deutsch
- Abmessung: 190mm x 126mm x 20mm
- Gewicht: 252g
- ISBN-13: 9783596167975
- ISBN-10: 3596167973
- Best.Nr.: 20852003
Leseprobe zu "Kindbettfieber"
Produktbeschreibung zu "Kindbettfieber"
Kurzbeschreibung
"Sabine Schiffner schickt uns mit "Kindbettfieber" direkt in die Köpfe ihrer Figuren: Sie lehrt sie uns, das zwanzigste Jahrhundert zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken. Wir geraten in Tuchfühlung mit vier Frauengenerationen, von der Urgroßmutter, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Wochenbett liegt, bis zur Urenkelin, die Anfang der achtziger Jahre zwischen Ostermarsch und Westernhagen-Konzert unverhofft auf die Geschichte ihrer Vorfahrinnen stößt. Es ist, als würden die fieberhaften Anfälle bis an den Rand des Wahns ebenso wie die fiebrigen Träume von den Müttern auf die Töchter übertragen. Denn während die Großväter, Väter und Söhne frühmorgens das Haus verlassen, um über den Deichweg in den Sumpf zu verschwinden, oder auf Dienstreisen gehen, oder für immer in die Fremde ziehen, bleiben die Frauen zurück in Bremen, der wachsenden, Erinnerungsspur um Erinnerungsspur auslöschenden Stadt. Umweht von Seeluft und Kolonialwarendüften, zwischen Sombreros, Papageien und exotischen Pflanzen horchen Sabine Schiffners Romanheldinnen auf ferne Musik, um jene Fremde abzuwehren, die sich in ihnen ausbreiten will."
Beschreibung
Leseprobe zu "Kindbettfieber" von Sabine Schiffner
1911
Sonnabend
Am Vorabend zum Ostersonntag wird im Dom die Osternacht gefeiert,
Punkt zehn vor elf beginnt die Brema als erste der Glocken mit dem
Geläut zum späten Gottesdienst.
Sie müssen früh ins Bett gehen, hat Doktor Bonus letzte Woche
gesagt, damit Sie genug Kraft haben. Nachdem sie sich also kurz
nach Sonnenuntergang ins eheliche Schlafzimmer begeben und dort
ausgekleidet hat, setzt Hinrike sich im Nachthemd hin auf die Kante
ihres Ehebettes. Leise singt sie das Lied aus Humperdincks Oper.
Abends will ich schlafen gehn. Vierzehn Englein bei mir stehn. Weil
eine Schläfrigkeit sich nicht einstellen will, öffnet sie die
Schublade des kleinen Nachtschränkchens auf ihrer Schlafseite und
nimmt die Zigarrenkiste heraus, in der sie ihre Fotografien
aufbewahrt. Zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken. Der
Deckel lässt sich ganz leicht hochheben. Zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken. Manche Fotografien haben den Geruch des
Tabaks angenommen, der ihr jetzt in die Nase steigt. Vertraut ist
der, gibt eine Ahnung von fremden Ländern, von den großen
Windjammern im Freihafen, wo die Frachten aus Übersee und dem
Orient gelöscht werden. …
20.01.2006
Die Tragödie der Geburt
Erbfluch: Sabine Schiffners Roman einer Bremer
Bürgerfamilie
Im Jahre 1891 bricht der Apotheker und passionierte Fotograf
Heinrich Abken Freudenthal mit seiner Balgenkamera in die
Wesermarsch auf. "Morgenstimmung an der Vogelinsel",
schreibt er später in Sütterlin auf die Rückseite der Aufnahme, die
an jenem kalten und klaren Tag im März entstanden ist und sich
seitdem im Besitz der Familie befindet. Auch seine Ururenkelin
Sigune Vorinsfeld hat die vergilbte Fotografie schon in den Händen
gehalten. Um so erstaunter ist sie, als sie am Ostersamstag 1981
auf einem Bremer Flohmarkt in einem aus Mexiko stammenden Nachlaß
auf einen weiteren Abzug stößt. "Ich habe den ganzen ollen
Plunder von meiner Großmutter", erklärt ihr der Verkäufer, und
Sigune Vorinsfeld, die gerade achtzehn Jahre alt geworden ist,
ahnt, daß sie sich einem dunklen Punkt der Vergangenheit ihrer
Familie nähert.
Die Frage, wie eine Fotografie, die vor fast hundert Jahren
entstanden ist, nach Amerika und dann wieder zurück nach
Deutschland gekommen ist, bildet den Ausgangspunkt von Sabine
Schiffners weit ausholendem Debütroman …
18.10.2005
Ach, Agnes, ach, Patagonien!
Von sitzengelassenen Dienstmägden, durchdrehenden Vätern und liebenden Ururenkeln: In ihrem Romandebüt erzählt Sabine Schiffner von einer Bremer Familie im 20. Jahrhundert
Von Hans-Peter Kunisch
Bei manchen Büchern, vor allem weniger guten, gilt es als Sünde, den Schluss zu verraten. Das müssen keine Kriminalromane sein. Wichtiger ist, dass sie von der Auflösung eines Rätsels leben: Kriegt sie ihn, oder etwa nicht, begeht er Selbstmord oder lässt er es bleiben? Bei anderen Büchern interessiert der Weg, das Wissen vom Ausgang macht auf den Rest gespannt. So etwas ist Sabine Schiffner jetzt gelungen. „Kindbettfieber”, das Erzähldebüt der 1965 geborenen Bremerin, ist ein Familienroman über vier Generationen, der mit einer Abtreibung endet.
Doch geht es diesem Roman nicht um klassische Sozialkritik. Die jungen Mütter, die hier, über das zwanzigste Jahrhundert verteilt, monologisieren dürfen, aber meistens lieber Tänzerin oder Sängerin geworden wären, werden fast alle als wohlhabend dargestellt. Die Familie, der sie angehören, hat sich aus der Verbindung alteingesessener Bremer Bürger immer wieder …
18.10.2005
Hans-Peter Kunisch stellt Sabine Schiffners Roman
"Kindbettfieber" ein Einerseits-Andererseits-Attest aus.
Das Buch, das den Jürgen-Ponto-Preis erhalten hat, findet seine
uneingeschränkte Zustimmung nicht. Der Rezensent hat Passagen
"unfreiwilliger Komik" entdeckt, auch gerät in den
Monologen, aus denen das Werk um eine Bremer Familie besteht,
manchmal doch das Klischee in bedenkliche Nähe zum Text, meint er.
Das gelte vor allem, wenn es in dem Vier-Generationen-Roman um die
düsterste Epoche deutscher Geschichte geht. Dem steht allerdings
eine "dichte Sinnlichkeit" gegenüber, die Kunisch preist,
und ein "erstaunlicher epischer Atem". Dank dieser
Qualitäten vermag es Schiffner doch noch, sowohl die Lebensstränge
der Protagonisten miteinander zu verbinden als auch, alles in
allem, das Plazet des Rezensenten zu erringen.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
"Sabine Schiffner schickt uns mit "Kindbettfieber" direkt in die Köpfe ihrer Figuren: So lehrt sie uns, das zwanzigste Jahrhundert zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken. Wir geraten in Tuchfühlung mit vier Frauengenerationen, von der Urgroßmutter, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Wochenbett liegt, bis zur Urenkelin, die Anfang der achtziger Jahre zwischen Ostermarsch und Westernhagen-Konzert unverhofft auf die Geschichte ihrer Vorfahrinnen stößt. Es ist, als würden die fieberhaften Anfälle bis an den Rand des Wahns ebenso wie die fiebrigen Träume von den Müttern auf die Töchter übertragen. Denn während die Großväter, Väter und Söhne frühmorgens das Haus verlassen, um über den Deichweg in den Sumpf zu verschwinden, oder auf Dienstreisen gehen, oder für immer in die Fremde ziehen, bleiben die Frauen zurück in Bremen, der wachsenden, Erinnerungsspur um Erinnerungsspur auslöschenden Stadt. Umweht von Seeluft und Kolonialwarendüften, zwischen Sombreros, Papageien und exotischen Pflanzen horchen Sabine Schiffners Romanheldinnen auf ferne Musik, um jene Fremde abzuwehren, die sich in ihnen ausbreiten will." (Marcel Beyer)
Rezension
"Sabine Schiffner schickt uns mit "Kindbettfieber" direkt in die Köpfe ihrer Figuren: So lehrt sie uns, das zwanzigste Jahrhundert zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken. Wir geraten in Tuchfühlung mit vier Frauengenerationen, von der Urgroßmutter, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Wochenbett liegt, bis zur Urenkelin, die Anfang der achtziger Jahre zwischen Ostermarsch und Westernhagen-Konzert unverhofft auf die Geschichte ihrer Vorfahrinnen stößt. Es ist, als würden die fieberhaften Anfälle bis an den Rand des Wahns ebenso wie die fiebrigen Träume von den Müttern auf die Töchter übertragen. Denn während die Großväter, Väter und Söhne frühmorgens das Haus verlassen, um über den Deichweg in den Sumpf zu verschwinden, oder auf Dienstreisen gehen, oder für immer in die Fremde ziehen, bleiben die Frauen zurück in Bremen, der wachsenden, Erinnerungsspur um Erinnerungsspur auslöschenden Stadt. Umweht von Seeluft und Kolonialwarendüften, zwischen Sombreros, Papageien und
Autorenporträt zu "Sabine Schiffner"
Sabine Schiffner, geboren 1965 in Bremen, Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik in Köln, lebt und arbeitet in Köln und Bremen. Sie veröffentlichte Gedichte und Hörspiele.
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