Kosmopolitismus und Demokratie - Benhabib, Seyla

Seyla Benhabib 

Kosmopolitismus und Demokratie

Eine Debatte. Ausgezeichnet mit dem Ernst-Bloch-Preis 2009

Herausgeber: Post, Robert
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Kosmopolitismus und Demokratie

In ihrem Beitrag zur renommierten Vorlesungsreihe der Tanner Lectures beschäftigt sich Seyla Benhabib mit der Spannung zwischen universellen Menschenrechten und dem jeweils nur beschränkt gültigen Gesetz demokratischer Staaten. Mit Blick auf legale und illegale Immigranten, die in Staaten leben, von deren Gemeinwesen sie jedoch häufig ausgeschlossen sind, fragt sie, ob diese nicht eigentlich durch Menschenrechtsprinzipien geschützt sein müssten, die über der Gesetzgebung einzelner Staaten stünden. Die Versöhnung beider Prinzipien bestehe darin, so Benhabib, universelle Normen nach und nach in die Gesetzgebung von Demokratien einfließen zu lassen. Eine universelle Geltung solch kosmopolitischer Normen jenseits demokratischer Rechtssysteme im Sinne eines Weltstaatsmodells sei hingegen nicht denkbar. Ergänzt und kritisch diskutiert werden ihre Thesen von Bonnie Honig, Jeremy Waldron und Will Kymlicka.

Theorie und Gesellschaft

In ihrem Beitrag zur renommierten Vorlesungsreihe der Tanner Lectures beschäftigt sich Seyla Benhabib mit der Spannung zwischen universellen Menschenrechten und dem jeweils nur beschränkt gültigen Gesetz demokratischer Staaten. Mit Blick auf legale und illegale Immigranten, die in Staaten leben, von deren Gemeinwesen sie jedoch häufig ausgeschlossen sind, fragt sie, ob diese nicht eigentlich durch Menschenrechtsprinzipien geschützt sein müssten, die über der Gesetzgebung einzelner Staaten stünden. Die Versöhnung beider Prinzipien bestehe darin, so Benhabib, universelle Normen nach und nach in die Gesetzgebung von Demokratien einfließen zu lassen. Eine universelle Geltung solch kosmopolitischer Normen jenseits demokratischer Rechtssysteme im Sinne eines Weltstaatsmodells sei hingegen nicht denkbar. Ergänzt und kritisch diskutiert werden ihre Thesen von Bonnie Honig, Jeremy Waldron und Will Kymlicka.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 230 S.
  • Seitenzahl: 192
  • Theorie und Gesellschaft Bd.66
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 17mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783593386409
  • ISBN-10: 3593386402
  • Best.Nr.: 23334569

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Den Konflikt zwischen globalen Gerechtigkeitsnormen und dem demokratischen Selbstverständnis einzelner Völker und Staaten findet Nikolaus German einer Studie wert. Aufmerksam folgt der Rezensent der Autorin Seyla Benhabib zu den philosophischen Grundlagen kosmopolitischer Normen bei Jaspers, Arendt, Habermas und vor allem bei Kant. Wenn sich die Politikwissenschaftlerin Benhabib beim Versuch, die verschiedenen Standards und Normen zu vereinen, theoretisch auf Kant bezieht, scheint German jedoch nicht überzeugt. Kants scharfe analytische Begriffstrennung betreffend die verschiedenen Bürgerrechte vermisst er bei der normativ verfahrenden Autorin.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.04.2009

Schrittweise zur Demokratie
Die Menschenrechte müssen weltweit verbindlich werden
Spätestens seit der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen 1948 ist eine Entwicklung zu weltweiten Gerechtigkeitsnormen in Gang gekommen, deren Geltungsanspruch in einem Spannungs- oder auch Konfliktverhältnis steht zum demokratischen Selbstbestimmungsrecht der Völker und Staaten. Darauf macht die Politikwissenschaftlerin Seyla Benhabib in einem Buch aufmerksam, das aus ihren „Tanner Lectures” von 2004 in Berkeley hervorgegangen ist und auch kritisch kommentierende Beiträge des Rechtswissenschaftlers Jeremy Waldron, der Politologin Bonnie Honig und des Politikphilosophen Will Kymlicka enthält.
Benhabib zeigt die philosophischen Grundlagen kosmopolitischer Normen bei Karl Jaspers, Hannah Arendt und Jürgen Habermas auf, vor allem aber bei Immanuel Kant. Der Königsberger Philosoph entwickelte in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden” (1795) und an anderer Stelle Überlegungen zu einer friedlichen weltbürgerlichen Ordnung, die nicht nur für Jeremy Waldron zu den „nützlichsten philosophischen Quellen für diese schwierigen Fragen” gehören. …

Weiter lesen

29.01.2009, Die Zeit Drinnen. Draußen "Seyla Benhabib ist ein weiblicher Habermas der politischen Philosophie."
Seyla Benhabib ist Professorin für politische Philosophie an der Yale University.

Leseprobe zu "Kosmopolitismus und Demokratie" von Seyla Benhabib

Demokratische Iterationen: Das Lokale, das Nationale, das Globale

Seyla Benhabib

In der politischen Entwicklung menschlicher Gemeinwesen sind wir an einem Punkt, an dem das unitarische Modell der (Staats-)Bürgerschaft, das den Aufenthalt in einem spezifischen Territorium mit der Unterwerfung unter eine gemeinsame, bürokratische Regierung bündelt, die ein Volk repräsentiert, wahrgenommen als ein mehr oder weniger zusammenhängendes Ganzes, an ein Ende kommt. Heute sind wir mit dem Desaggregieren von Bürgerschaft konfrontiert. Damit sind institutionelle Entwicklungen gemeint, die drei konstitutive Dimensionen der (Staats )Bürgerschaft voneinander lösen, nämlich die Dimension kollektiver Identität, die der Vorrechte politischer Zugehörigkeit sowie die des Anspruchs auf soziale Rechte und Leistungen. Immer mehr Menschen aus vielen Teilen der Erde, von Nordamerika bis Europa, von Südasien bis Lateinamerika, leben in Gastländern, ohne deren kollektive Identität zu teilen, und genießen dort als Gastarbeiter oder als dauerhaft dort lebende Einwohner bestimmte Rechte und Leistungen. Der Anspruch auf soziale Rechte, nach Thomas H. Marshall die höchste Stufe der Staatsbürgerschaft, wird so von den Dimensionen geteilter kollektiver Identität und politischer Zugehörigkeit losgelöst.

Wenn ich im Folgenden mehrere Fälle aus aktuellen europäischen Debatten untersuche, in denen es um die Rechte von Ausländern und Immigranten geht, möchte ich Prozesse demokratischer Iteration am Werk zeigen. Demokratische Iteration bezeichnet komplexe Arten der Vermittlung der Willens- und Meinungsbildung demokratischer Mehrheiten mit kosmopolitischen Normen. Zum Schluss werde ich zu den ontologischen Problemstellungen zurückkehren, die ich im vorangegangenen Beitrag skizziert habe.

Inhaltsangabe

Inhalt

Danksagung

Einleitung
Robert Post

Kosmopolitismus und Demokratie

Die philosophischen Grundlagen kosmopolitischer Normen
Seyla Benhabib

Demokratische Iterationen: Das Lokale, das Nationale, das Globale
Seyla Benhabib

Kommentare

Kosmopolitische Normen
Jeremy Waldron

Kosmopolitismus und Demokratie? Recht und Politik im neuen Europa
Bonnie Honig

Liberale Nationalstaatlichkeit und kosmopolitische Gerechtigkeit
Will Kymlicka

Replik

Gastfreundschaft, Souveränität und demokratische Iterationen
Seyla Benhabib

Anmerkungen

Literatur
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