Biologie der Angst - Hüther, Gerald

Gerald Hüther 

Biologie der Angst

Wie aus Streß Gefühle werden

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Biologie der Angst

Ohne Stress könnten wir die kreatürliche Angst nicht überwinden. Wir könnten nicht einmal denken, fühlen, lieben, die Welt begreifen.

Nichts fürchten wir so sehr wie unsere ureigenen Ängste. Und doch sind es gerade unsere Ängste in all ihren Schattierungen, die unsere geistige und emotionale Entwicklung in Bewegung bringen. Angst und immer wieder nur Angst bewirkt im Menschen einen Stress-Reaktions-Prozess, der die Voraussetzungen schafft für die Lebensgestaltung auf geistiger, emotionaler und körperlicher Ebene.

Gerald Hüther führt die neuesten Erkenntnisse über die biologische Funktion der Stressreaktionen im Gehirn zu überraschenden Einsichten über die Herausbildung emotionaler Grundmuster wie Vertrauen, Glaube, Liebe, Abhängigkeit, Hass und Aggression. Die neuronalen Verschaltungsmuster, die der Mensch in der frühkindlichen Entwicklung erlernt und in seinem Hirn gleichsam gebahnt hat, schaffen sein Verlangen, geliebt und anerkannt zu werden, und befähigen ihn erst dazu, etwas anderes als sich selbst lieben zu können.

Die Psychologie und die Tiefenpsychologie haben aus eigenen Beobachtungen Theoriegebäude aufgetürmt und damit diagnostiziert und therapiert. Dieses Buch gibt ihnen eine neurologische Untermauerung. Es ist geschrieben in einer leicht lesbaren Sprache, es erklärt in eingängigen Beispielen, weil es über Fachgrenzen hinweg verstanden werden will. Es gibt jedem, Fachleuten wie Laien, einen neuen Horizont im Verständnis menschlicher Entwicklung. Hochkompliziertes wird sinnfällig, Vages wird konkret und Naturwissenschaft versöhnt sich mit unseren alten Vorstellungen von der Seele.


Produktinformation

  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • 2011
  • 10. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 130 S.
  • Seitenzahl: 130
  • Sammlung Vandenhoeck
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 126mm x 12mm
  • Gewicht: 173g
  • ISBN-13: 9783525014394
  • ISBN-10: 3525014392
  • Best.Nr.: 07131057
Dipl.-Psych. B. Kuck, www.ppfi.de »Freud wäre mit der Arbeit von Hüther sicher zufrieden, da es den Anschein hat, als wären wir der physiologischen Basis menschlichen Erlebens näher gekommen.« STERN, Gesund leben »[...] Erkenntnisgewinn garantiert.«
Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther, geb. 1951, ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Zuvor, am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, hat er sich mit Hirnentwicklungsstörungen und mit der langfristigen Modulation monoaminerger Systeme beschäftigt; als Heisenbergstipendiat hat er ein Labor für neurobiologische Grundlagenforschung aufgebaut.

Leseprobe zu "Biologie der Angst"

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Leseprobe zu "Biologie der Angst" von Gerald Hüther

Sackgassen (S. 33-34)

Wer kennt nicht dieses sonderbare Gefühl, das sich immer dann einstellt, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Wir spüren es, wenn wir eine schwere Prüfung zu bestehen haben, wenn uns der Chef mit Entlassung droht, wenn ein liebgewonnener Mensch uns verläßt oder mit unerfüllbaren Wünschen und Erwartungen an uns herantritt. Es ist ein Gefühl, das aus dem Bauch zu kommen scheint und sich bis in die Haarwurzeln ausbreitet. Wenn es ausgelöst wird, fängt unser Herz an zu rasen und der Pulsschlag pocht in unseren Ohren. Wir bekommen feuchte Hände, müssen aufs Klo, fühlen uns schlecht, ohnmächtig, alleingelassen und hilflos. Das ist die Angst, die wir als dieses sonderbare Sammelsurium von angstbegleitenden Reaktionen erleben. Wir fühlen, daß etwas in uns plötzlich in Gang gesetzt wird und unseren ganzen Körper überflutet, ohne daß wir uns dagegen wehren können. Zunächst nehmen wir etwas wahr, was wir eigentlich nicht erwartet hatten. Als nächstes stellen wir fest, daß das, was da unerwarteterweise passiert ist, bedrohliche Ausmaße anzunehmen scheint. Jetzt beginnen die Alarmglocken in unserem Gehirn zu läuten. Wir fangen an, verzweifelt nach einer Lösung zu suchen, eine irgendwo zwischen unseren Milliarden von Nervenzellen angelegte Ver schaltung für eine Verhaltensstrategie zu aktivieren, die uns geeignet scheint, die Bedrohung irgendwie abzuwenden, das Problem zu lösen, die Situation zu bereinigen. Falls wir so etwas finden, werden die Alarmglocken schon etwas leiser. Wir machen das, was uns in dieser Situation als richtig erscheint.Wenn sich herausstellt, daß das genau das Richtige war, hören die Alarmglocken auf zu dröhnen. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Schwein gehabt! Das, was wir da erlebt haben, war eine kontrollierbare Streßreaktion. Sie beginnt immer damit, daß eine Information ganz oben in unserem Gehirn, wo alle Fäden zusammenlaufen, in der Hirnrinde, ankommt, die in dieser Situation, zu diesem Zeitpunkt oder in dieser Weise nicht erwartet wurde. Die eingehende Information stört die dort in der üblichen Routine ablaufenden Prozesse ganz genauso wie ein Fremder, der plötzlich in die laufende Unterrichtsstunde hereinstürmt, der Lehrerin eine Ohrfeige gibt und wortlos wieder verschwindet.

Im Nu ist die ganze Klasse in Aufregung, die Lehrerin geht zum Direktor und wie ein Lauffeuer breitet sich die Information in der gesamten Schule aus. Im Gehirn führt die oben entstandene Aufregung dazu, daß auch tiefer gelegene Nervenzellen von der sich ausbreitenden Erregung mit erfaßt werden. Sie erreicht so auch eine Gruppe von Nervenzellen mit sehr langen, vielfach verzweigten Fortsätzen, die ihrerseits wieder hinauf in alle höher gelegenen Hirnregionen reichen und die dort ablaufenden Prozesse beeinflussen. Wenn diese Zellen mit ihrem Gestrüpp von Fortsätzen zu feuern anfangen, wird das gesamte Gehirn sozusagen wachgerüttelt – höchste Alarmstufe. In Sekundenbruchteilen werden alle gespeicherten Informationen abgesucht, gleichzeitig wird über Nervenfortsätze, die in alle Regionen des Körpers ziehen, ebenfalls Alarm geschlagen.

Kundenbewertungen zu "Biologie der Angst" von "Gerald Hüther"

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 11.10.2011 ***** sehr gut
Ich kann das Werk nur empfehlen. Es gibt dem Leser einen völlig neuen Blickwinkel, auf Dinge, die
er bisher mit Sicherheit noch nicht reflektiert hat.

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