Leg dich, Zigeuner - Repplinger, Roger

Roger Repplinger 

Leg dich, Zigeuner

Die Geschichte von Johann Trollmann und Tull Harder

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Leg dich, Zigeuner

»Leg dich, Zigeuner, oder wir holen dich!«, brüllen die Zuschauer, wenn Johann Trollmann in den frühen Dreißigerjahren boxt. Und sie holen ihn tatsächlich ins KZ Neuengamme. Einer der SS-Männer dort ist der ehemalige Fußballnationalspieler Tull Harder. In dem Lager sterben bis Kriegsende 55.000 Menschen, unter ihnen auch Trollmann, der 1944 ermordetwird.

"Leg dich, Zigeuner, oder wir holen dich!", brüllen die Zuschauer, wenn Johann Trollmann in den frühen Dreißigerjahren boxt. Und sie holen ihn tatsächlich ins KZ Neuengamme. Einer der SS-Männer dort ist der ehemalige Fußballnationalspieler Tull Harder. In dem Lager sterben bis Kriegsende 55.000 Menschen, unter ihnen auch Trollmann, der 1944 ermordet wird.


Produktinformation

  • Verlag: Piper
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 400 S. 16 Fototaf.
  • Seitenzahl: 396
  • Serie Piper Bd.30054
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 30mm
  • Gewicht: 354g
  • ISBN-13: 9783492300544
  • ISBN-10: 3492300545
  • Best.Nr.: 34524128

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Dieses Buch gibt Christian Zaschke Rätsel auf. Wie ist es möglich, eine derart gut recherchierte und fesselnd geschriebene Doppelbiografie mit einem so zweifelhaften Auftakt zu versehen? Der Hund liegt für Zaschke da begraben, wo Roger Repplinger dem Fußballer Tull Harder und dem Boxer Johann Trollmann allzu nahe kommt. Dass Allwissenheit im dokumentarischen Erzählen nichts verloren hat, dass ein Biograf nicht die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten in inneren Monologen darstellen darf, ist für Zaschke ausgemacht. Dementsprechend bringen ihn solche Passsagen ins Schleudern. Wenn Repplinger jedoch im Verlauf des Textes zunehmend seinem historischen Wissen vertraut und die beiden im Konzentrationslager endenden Lebenslinien aufeinander zubiegt, wird für Zaschke das Grauen der Geschichte greifbar. Das versöhnt ihn mit dem Buch.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.05.2008

Der Schläger und der Tänzer
Roger Repplingers Doppelbiographie über Otto „Tull” Harder, Fußballer, Nazi, KZ-Aufseher, und Johann Trollmann, Boxer, Sinto, KZ-Häftling
Otto Harder, Tull genannt, entdeckt zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Fußball für sich. Er stammt aus etwas besserem Hause, in dem der neumodische Fußball abgelehnt wird, und deshalb wird er vom Vater geschlagen, wann immer dieser entdeckt, dass der Sohn gespielt hat.
Johann Trollmann, Rukeli genannt, entdeckt in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Boxen für sich, und er entwickelt einen eigenen Stil; viele Zuschauer sehen eher einen Tänzer als einen Schläger vor sich.
Was Roger Repplinger in seiner Doppelbiographie „Leg dich, Zigeuner” wirklich brillant bewerkstelligt, ist, wie er diese beiden Biographien durch die Zeit und aufeinander zu bewegt. Harder nimmt am Ersten Weltkrieg teil, er gewinnt mit dem Hamburger SV die deutsche Fußball-Meisterschaft 1923 und 1928, er trinkt, er säuft, er ignoriert seine Magengeschwüre, er ist nicht ganz dumm und nicht ganz schlau und wird zum Nazi und KZ-Aufseher. Trollmann ist jünger, er wird in Hannover allmählich zu einem …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.05.2008

Unheimliche Begegnung zweier Aufsteiger
Boxer Trollmann und Fußballer Harder im Doppelporträt

Es ist der finsterste Ort der Geschichte, an dem sich diese beiden Lebenslinien für einen Augenblick berühren. Kein Wort haben sie füreinander bei dieser flüchtigen Begegnung im Konzentrationslager Neuengamme, irgendwann im Kriegswinter 1942/43: Otto Harder, der mit dem Hamburger SV in den zwanziger Jahren zweimal die deutsche Fußball-Meisterschaft gewann, und Johann Trollmann, einer der populärsten Boxer in der Weimarer Republik. Zwei echte Sportgrößen ihrer Zeit, weit mehr als regionale Größen, doch die Vergangenheit ist ohne Bedeutung an diesem Ort, an dem der Nationalsozialismus in seinem Rassenwahn die Rollen auf so grausame Art verteilt hat: Für den Sinto Trollmann, in Neuengamme ist er als Häftling nur Nummer 9841, könnte jedes falsche Wort zu einem SS-Mann wie Harder das letzte sein. "Das war auch mal ein großer Sportler", sagt ein Wachposten zum Häftling Trollmann, als er ihn an Harder vorbeiführt. "Tull Harder, Stürmer beim HSV. Schon mal von ihm gehört?" Trollmann sieht nur Harders glimmende Kippe und schüttelt den …

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Roger Repplinger, geboren 1958 in Stuttgart, hat in Tübingen studiert und im Fach Soziologie promoviert.  Er arbeitet in Hamburg als freier Autor u.a. für »Die Zeit«, »spiegel-online«, das »Kicker Sport-magazin« sowie die »Rheinpfalz« und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

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