Haltet euer Herz bereit - Leo, Maxim

Maxim Leo 

Haltet euer Herz bereit

Eine ostdeutsche Familiengeschichte

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Haltet euer Herz bereit

Der preisgekrönte Journalist erzählt kritisch, liebevoll und unsentimentalDie Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentriert sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften.

Die DDR als aufwühlende Familiengeschichte. Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentrierte sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: Die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften. Hier traf die Ideologie mit dem Leben zusammen. Denn die Überzeugungen waren stark und sie wurden geprägt von einer starken Persönlichkeit, Großvater Leo: Résistance-Kämpfer, Spion, Journalist und Gründervater des antifaschistischen Staates. Widerspruch war entweder zwecklos oder führte zu Zerwürfnissen. Maxims kritischer Vater Wolf, ein radikaler Künstler und Freigeist, liebt Gerhards Tochter Anne trotz ihrer Staatstreue. Und Sohn Maxim steht dazwischen und muss einsehen, dass es gegen "revolutionäre" Eltern kein jugendliches Aufbegehren geben kann. Bis es das Land, das sie aufgebaut und für das sie gekämpft hatten, plötzlich nicht mehr gab und ihr Lebenssinn im Guten wie im Schlechten verschwand. Maxim Leo erzählt anhand seiner Familie, was die DDR zusammenhielt und was sie schließlich zerstörte.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 271 S. m. Fotos u. Dok. 187 mm
  • Seitenzahl: 271
  • Heyne Bücher Nr.40807
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 119mm x 23mm
  • Gewicht: 220g
  • ISBN-13: 9783453408074
  • ISBN-10: 3453408071
  • Best.Nr.: 29518604
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.11.2010

Und am Ende vom Lied siegen doch die Bürger

Wie war der Alltag in der DDR wirklich beschaffen? Maxim Leos ostdeutsche Familienchronik gewährt einen komplexen, differenzierten Einblick.

Dieses Buch bereitet uns eine positive Enttäuschung, es bietet nämlich viel mehr und viel Besseres, als sein Titel verheißt. "Haltet euer Herz bereit" - das könnte alles Mögliche meinen, jedoch, so suggeriert uns die Wendung im ersten Moment, nur Mögliches aus dem Bereich gefühlsbeherrschter Beziehungen. Um dergleichen geht es natürlich auch, denn es wird ja von Menschen erzählt, von ihren Taten, Sehnsüchten, Erfolgen und Niederlagen, und in solchen Zusammenhängen spielen Gefühle eben eine Rolle. Aber hier tun sie es nicht in beliebigen Bindungs- oder Trennungsdramen. Der Autor Maxim Leo wollte viel mehr, und er erreicht es auch.

Näher an sein Vorhaben führt uns der Untertitel: "Eine ostdeutsche Familiengeschichte". Der Autor präsentiert sie in den Biographien seiner Ahnen und anderer Verwandter sowie im eigenen Lebenslauf. Doch auch dieser Hinweis greift noch zu kurz, denn Maxim Leo lässt sich in seinem Blick auf historische Geschehnisse nicht von …

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»Ein beeindruckendes Buch, sehr berührend und sehr klug.«

"Selten vermittelt uns jemand so stark das Gefühl zu begreifen, wie der Alltag in jener DDR wirklich beschaffen war. Man könnte sagen, dass dieses Buch erheblich dazu beiträgt, die jahrzehntelang getrennten Deutschen wieder zu vereinen." Frankfurter Allgemeine

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sabine Brandt ist begeistert. Dem Buch gelingt es ihrer Meinung nach sogar, die Deutschen wiederzuvereinen, der Mauerfall, meint sie, habe das ja nicht geschafft. Nüchterner betrachtet ist Maxim Leos Buch eine weit ausgreifende, eben nicht nur DDR-Familiengeschichte, zugleich ein Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Brandt liest über die Verfolgungen von Familienangehörigen des Autors im Dritten Reich, über sehr durchschnittliche Ansichten, über die Eltern als aufmüpfige Halbstarke und über den DDR-Alltag. Herausragend daran ist für Brandt die uneitle Haltung des Autors, die dem Leser jede Menge Identifikationsmöglichkeiten anbietet, wie sie findet.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Statt Weh- und Anklagen authentische Erinnerungen an Leben in der DDR: unkonventionell und facettenreich."
Maxim Leo wurde 1970 in Ostberlin geboren; seit 1997 ist er Reporter der "Berliner Zeitung". 2002 erhielt er den Deutsch-Französischen Journalistenpreis, 2006 wurde er mit dem Theodor Wolff-Preis ausgezeichnet. Er lebt mit Frau und zwei Kindern in Berlin. 2009 erschien im Blessing Verlag "Haltet euer Herz bereit".

Leseprobe zu "Haltet euer Herz bereit" von Maxim Leo

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Leseprobe zu "Haltet euer Herz bereit" von Maxim Leo

"20. Begleiter (S. 173-174)

Im Mai 1978 kann Anne nicht mehr. Sie verlässt die Zeitungsredaktion. An der Humboldt-Universität bewirbt sie sich um eine Stelle als Doktorandin. Die historische Forschung erscheint ihr wie ein geschützter Bereich. Heute sagt sie, es sei eine Flucht aus der Realität gewesen. Ihr Arbeitsthema ist die Geschichte der spanischen Gewerkschaftsbewegung. Sie hat sich das Thema nicht ausgesucht, aber es scheint ihr unverfänglich genug zu sein. Sie will keinen Ärger mehr haben.

Anne arbeitet in der Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus. Irgendwann bestellt sie dort ein Buch, von dem die Bibliothekarin sagt, es sei nur mit einer Sondergenehmigung auszuleihen. Anne erfährt, dass es eine ganze Abteilung in der Bibliothek gibt, in der Werke stehen, die in der DDR verboten sind. Die Professorin, die Anne betreut, besorgt die Genehmigung, und an einem Winternachmittag des Jahres 1979 darf Anne zum ersten Mal den »Giftraum« betreten, in dem die gefährlichen Bücher katalogisiert sind.

Zu ihrer Überraschung stammen die verbotenen Werke nicht etwa von bürgerlichen Historikern, sondern ausnahmslos von linken Abweichlern. Die gesamte trotzkistische Literatur ist hier versammelt, dazu die Werke der von der Partei als »Euro-Kommunisten«, als »Versöhnler« und »Revisionisten« verschrienen Theoretiker der Arbeiterbewegung. Es sind die Bücher, vor denen die Partei am meisten Angst hat, die sie am vehementesten bekämpft. Diese geheime Bibliothek ist eine Art Grabkammer der Verräter.

Wer einmal Zugang zum »Giftraum« hat, der darf dort bestellen, was er will. Es wird nicht überprüft, ob die ausgeliehenen Schriften im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Projekt stehen, an dem der Besteller arbeitet. Anne ordert, was sie kriegen kann. Bücher von Renegaten, von Abtrünnigen, von denen sie bis dahin nur die Namen kannte, liegen plötzlich vor ihr auf dem Tisch. Und weil sie mit ihrer Doktorarbeit sowieso viel zu schnell vorankommt, wie ihre Kollegen finden, nutzt sie die Zeit, um sich mit dem verbotenen Wissen vollzustopfen. Sie liest Trotzki, Bucharin und Solschenizyn.

Ein ganzer Kosmos an Ideen und Gedanken öffnet sich ihr. Sie findet Fragen, die sie sich selbst schon oft gestellt hat, und Antworten, die ihr die Sprache verschlagen, weil sie so anders sind als die, mit denen sie groß geworden ist. Sie begreift, dass die Gewissheiten und Glaubenssätze, mit denen sie es bis dahin zu tun hatte, nur eine mögliche Interpretation des Marxismus-Leninismus sind. Dass es unendlich verschiedene Möglichkeiten gibt, den Sozialismus zu denken. Die verfemten Theoretiker, die ihre Gedanken oft mit dem Leben bezahlen mussten, erscheinen ihr viel ehrlicher und mutiger als die Ideologen des real existierenden Sozialismus.

Bei ihnen ist der Sozialismus nicht die Diktatur einer Partei, sondern die traumhafte Vision einer neuen Gesellschaft, in der Freiheit und Sozialismus kein Widerspruch sind. Mit jedem Buch, das sie liest, wächst ihre Überzeugung, dass die DDR den Sozialismus eigentlich verhindert, dass sie ihn verrät und pervertiert. Für Anne ist das erleichternd und belastend zugleich, weil sie nun zwar weiß, dass sie an die richtige Sache glaubt, aber leider im falschen Land lebt. Anne weiß, dass es auch in ihrer Familie einen Verfemten gibt, einen, den die offizielle Geschichtsschreibung der DDR als »rechten Verräter« brandmarkt."

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