Erinnerungen 1990-1994 - Kohl, Helmut

Helmut Kohl 

Erinnerungen 1990-1994

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Erinnerungen 1990-1994

Vom Jubel der Wiedervereinigung und der Weichenstellung für das geeinte Europa bis zum Abschied vom Amt, der noch lange kein Abschied von der Politik war: Im dritten und letzten Band seiner Erinnerungen zieht Helmut Kohl die Bilanz einer großen Kanzlerschaft und seines politischen Lebens. Als Architekt der deutschen Einheit wie des großen Friedenswerks eines einigen Europa hat Helmut Kohl Geschichte geschrieben. Mit 16 Jahren Amtszeit war er der am längsten amtierende Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Aber neben großen Triumphen gab es auch bittere Erfahrungen. Sehr persönlich, zugleich mit dem wachen Blick des Historikers erzählt der Kanzler der Einheit von diesen Jahren, in denen mehr als einmal die Egoismen einzelner die Wiedervereinigung gefährdeten und manche deutsche Politiker aus West und Ost alles daranzusetzen schienen, den Weg zur Einheit zu blockieren. Kämpferisch wie eh und je schildert Helmut Kohl, wie es trotz aller Widerstände gelang, das Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands zu gestalten und das Erreichte auch außenpolitisch zu sichern. Von Risiken und Chancen berichtet er, von politischen Weggefährten und Widersachern, von Einsichten und Erfahrungen in schwieriger Zeit - und nennt die Dinge immer beim Namen.

»Als wir uns auf den Weg zur Einheit machten, war es wie vor der Durchquerung eines Hochmoors: Wir standen knietief im Wasser, Nebel behinderte die Sicht, und wir wussten nur, dass es irgendwo einen festen Pfad geben musste. Schritt für Schritt tasteten wir uns vor und kamen schließlich wohlbehalten auf der anderen Seite an. Ohne Gottes Hilfe hätten wir es wohl nicht geschafft.« Helmut Kohl

Es war eine Zeitenwende, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte: Mit dem Fall der Mauer brach zugleich die Nachkriegsordnung zusammen, und etwas Neues trat hervor. Aber wie dieses Neue gestalten, wenn die Koordinaten der nationalen wie der internationalen Politik fortwährend neu bestimmt werden mussten?

Zeitweise gewannen die Ereignisse eine solche Dynamik, dass sie kaum zu steuern waren: Immer deutlicher zeichnete sich die desolate wirtschaftliche Lage der DDR ab; jeden Tag machten sich Tausende auf den Weg nach Westen, in die Bundesrepublik. Starke Beharrungskräfte widersetzten sich in der Sowjetunion Gorbatschows Reformpolitik; wie gefährdet seine Position war, erwies sich in dem Putschversuch vom August 1991, als die Welt für einige Tage den Atem anhielt. Mit den ethnischen Konflikten im auseinanderbrechenden Jugoslawien kehrte nach über fünfundvierzig Jahren der Krieg nach Europa zurück – auf einen Kontinent, den die Erfahrung zweier Weltkriege so sehr gezeichnet hat, dass Deutschlands unmittelbare Nachbarn in Ost und West, Polen und Frankreich, einem erstarkenden wiedervereinigten Deutschland mit nur schwer auszuräumendem Misstrauen begegneten.

Aber nicht nur international gab es zum Teil massive Vorbehalte, mitunter setzten sogar deutsche Politiker alles daran, den Weg zur Einheit zu blockieren. Heftig umstritten war insbesondere die Einbindung Gesamtdeutschlands in die Nato, mit der die Einheit abgesichert werden sollte.

In den Jahren nach 1990 kam es darauf an, die innere Einheit Deutschlands voranzutreiben. Im Mittelpunkt standen dabei das Finanzierungsprogramm Aufbau Ost und der Solidarpakt. Zugleich ging es darum, die Europäische Einigung zu vertiefen. Dazu gehörten die Vollendung des Europäischen Binnenmarktes und die Vorbereitung der Wirtschafts- und Währungsunion, die im Vertrag von Maastricht beschlossen wurde.

In den Erinnerungen 1990 – 1994 über das Herzstück seiner Regierungszeit, erzählt Helmut Kohl von den Jahren des Umbruchs, in denen sich das Schicksal Deutschlands und Europas entschied. Gerade in den Erschütterungen dieser Zeit erweist es sich, welche Bedeutung der Persönlichkeit in der Politik zukommt: Nur dank eigener Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit, dank des in vielen Jahren erworbenen Vertrauens und intensiv gepflegter Kontakte war es ihm immer wieder möglich, kritische Situationen zu meistern und das Projekt der deutschen Einheit sicher zu vollenden.



Produktinformation

  • Verlag: Droemer/Knaur
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 783 S. m. Fotos, 8 farb. Fototaf.
  • Seitenzahl: 784
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 135mm x 45mm
  • Gewicht: 1062g
  • ISBN-13: 9783426274088
  • ISBN-10: 3426274086
  • Best.Nr.: 22806074

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ein reines Vergnügen waren die Erinnerungen des Altkanzlers Helmut Kohl für den Rezensenten Christian Kind nicht, was dieser vor allem Kohls "peniblen Protokollstil" und seiner erschöpfenden Ausführlichkeit ankreidet. Inhaltlich kann er sich nicht zu einer Einschätzung der Lektüre durchringen und belässt es bei der Wiedergabe. So erfahren wir, dass Kohl noch einmal deutlich macht, unter welchem Zeitdruck er die Wiedervereinigung durchsetzen musste, unter welchem Druck er sich fühlte, Tatsachen zu schaffen, "auch auf die Gefahr hin, Fehler zu begehen". Den Informationen des Rezensenten entnehmen wir zudem, dass Kohl durchaus einräumt, Fehler gemacht zu haben, und dass er Margaret Thatcher den Widerstand gegen die Wiedervereinigung durchaus übel genommen hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.12.2007

Der Unbeirrbare vertraute auf Gottes Hilfe
Helmut Kohls dritter Memoirenband über die Jahre 1990 bis 1994 erhellt viele Facetten seines Innenlebens

"Wenn man den politischen Charakter Kohls in einem Wort zusammenfassen müsste, würde man ihn den Unbeirrbaren nennen." So hat der SPD-Politiker Peter Glotz im September 1993 den damaligen Bundeskanzler charakterisiert. Unnötig zu sagen, dass er alsdann über dieses dicke Lob mit großem Schöpflöffel jede Menge Spott und Kritik drübergoss. Schließlich stand die Bundestagswahl 1994 bevor, und die Zustimmung zu Kohl sank wieder einmal in den Keller. Aber das Stichwort "der Unbeirrbare" erfasste doch einen Wesenskern. Und die Charakteristik trifft auch auf den Memoirenschreiber Helmut Kohl zu, der jetzt seine Erinnerungen an die Jahre 1990 bis 1994 vorlegt. Man mag zu ihm stehen, wie man will. Dass er in den drei Jahren von 2004 bis 2007 drei mächtige Memoirenbände veröffentlicht hat, ist eine Parforcetour, die ihm so schnell keiner nachmacht. Wir wissen nun, wie "der Unbeirrbare" seinen eigenen Lebensbogen von 1930 bis 1994 sieht und verstanden sehen möchte.

Ein gutes Drittel der …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.11.2007

Hetzer, Neider, Miesmacher
Im dritten Band seiner Memoiren rechnet Altkanzler Helmut Kohl mit seinen politischen Freunden und Feinden ab
Gaius Julius Cäsar kam bei der Beschreibung seines Krieges in Gallien mit einem Wortschatz von rund 1300 Wörtern aus, was dafür spricht, dass er diese Erinnerungen selbst verfasste. Auch die Zarin Katharina, Friedrich II. und Bismarck schrieben ihre autobiographischen Texte selbst. Heutzutage hat sich das grundlegend gewandelt. Die meisten Politiker reden auf ein Diktaphon und lassen sich von einem Ghostwriter befragen, der dann in ihrem Namen etwas zu Papier bringt. Das gilt für George Bush Senior, Bill Clinton, Gerhard Schröder und viele andere. Staatsmänner verfassen ihre Autobiographien in der Regel nicht mehr selbst.
Der dritte Band der Memoiren Helmut Kohls dürfte von wenigstens zwei Autoren geschrieben sein. Man sieht es schon an der Sprache: Im ersten Teil, der sich mit der deutschen Einigung befasst, wird unentwegt irgendetwas „zum Ausdruck” gebracht. Im zweiten Teil, der die Regierungsjahre 1990 bis 1994 insgesamt behandelt, kommt dieses Synonym für „sagen” nicht vor. Die Autoren haben die Ergebnis- …

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Helmut Kohl war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, von 1973 bis 1998 Parteivorsitzender der CDU, von 1982 bis 1998 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Nach der friedlichen Revolution der DDR 1989 setzte er sich mit seiner ganzen politischen Kraft für die Wiedervereinigung Deutschlands ein, die am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde. Das besondere Interesse des 'Ehrenbürgers Europas' galt dem Ausbau der Europäischen Gemeinschaft zu einer politischen Union mit gemeinsamer Währung. Bis zur Bundestagswahl 2002 hat er seinen Wahlkreis als Abgeordneter im Deutschen Bundestag vertreten.

Kundenbewertungen zu "Erinnerungen 1990-1994" von "Helmut Kohl"

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Bewertung von M. Robel aus Berlin am 16.11.2007 ***** ausgezeichnet
Wie bereits die ersten Bände seiner 'Erinnerungen' ist auch dieser Band von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend. Helmut Kohl beschreibt in flüssigem Stil seine Sicht der für ihn und seine Kanzlerschaft entscheidenden Jahre 1990 bis 1994. Viele persönliche Begegnungen werden hier lebendig geschildert. Natürlich wäre Helmut Kohl nicht Helmut Kohl, würde er nicht teilweise auch sehr deutliche Worte zu einzelnen politischen Freunden und Gegnern finden. "Helmut Kohl Erinnerungen" ist für mich eines der spannendsten Bücher der Saison.

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