Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens - Schreiber-Barsch, Silke

Silke Schreiber-Barsch 

Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens

Vergleichende Fallstudien europäischer Praxis. Diss.

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Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens

Im Mittelpunkt der Dissertation steht das theoretische wie praktische Spannungsfeld des bildungswissenschaftlichen Gegenstandes Lebenslanges Lernen. Schwerpunkt bilden dabei Learning Communities als regionale Lernnetzwerke im europäischen Raum. Learning Communities vereinen die Prinzipien Region, Netzwerk und Lebenslanges Lernen. Sie sind zentrales Resultat der Entwicklung von Bildungsprogrammatik hin zum Support neuer Lerninfrastrukturen. Ihre internationale Vielfalt galt es sowohl für den Diskurs anschlussfähig zu strukturieren als auch empirisch weiter zu analysieren. Drei Einzelfallanalysen in Norwegen, England und Deutschland präsentieren die Facettenbreite der Learning Communities, aus denen sich vier Grundvarianten ableiten lassen. Die Analysen basieren auf leitfadengestützten Experteninterviews, einer Fragebogenerhebung unter den Netzwerkmitgliedern sowie auf Kontextinterviews und umfassenden Recherchen vor Ort. Zudem werden sie international-vergleichend in Bezug gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, wie Idee und Verständnis des Lebenslangen Lernens in den theoretischen wie praktischen Ansätzen von Learning Communities deutlich werden und welche Konsequenzen damit verbunden sind.


Produktinformation

  • Verlag: Bertelsmann, Bielefeld
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 348 S.
  • Seitenzahl: 348
  • Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen (EBLBL) Bd.10
  • Best.Nr. des Verlages: 60.01.624
  • Deutsch
  • Abmessung: 242mm x 170mm x 24mm
  • Gewicht: 720g
  • ISBN-13: 9783763933327
  • ISBN-10: 3763933328
  • Best.Nr.: 23155600

Leseprobe zu "Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens"

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Leseprobe zu "Learning Communities als Infrastruktur..."

3 Von Programmatik zu Support neuer Praxisstrukturen – der Status quo der europäischen Debatte um Lebenslanges Lernen (S. 77-78)

Im Anschluss an die historischen Ursprünge und die erste Generation der Konzepte Lebenslangen Lernens ist nunmehr die konzeptionelle Weiterentwicklung in der zweiten bzw. dritten Generation und folglich der aktuelle europäische Diskurs um Lebenslanges Lernen zu fokussieren. In den Vordergrund rückt die Verschiebung von primär bildungsprogrammatischen Äußerungen hin zu einer fortschreitenden Promotion der Implementierung von Praxisstrukturen Lebenslangen Lernens. Hierzu sind zunächst die gesamtgesellschaftlichen Rahmenfaktoren der zweiten bzw. dritten Generation der Konzepte zu skizzieren.

3.1 Gesellschaftliche Transformationsprozesse in der Moderne

Die gegenwärtige gesellschaftliche Lage aus sozialwissenschaftlicher Sicht hinreichend zu erfassen, erscheint angesichts der empirischen Vielschichtigkeit des sozio-strukturellen Gefüges wie seiner kontroversen Interpretationskonzepte als eine komplexe Aufgabe. Stetig werden neue "Bindestrich-Gesellschaften" proklamiert:

Die Diagnosen erstrecken sich von der „Risikogesellschaft" (Beck) über die „Bürgergesellschaft" (Dahrendorf) bis zur „Mediengesellschaft" (Postman), im Bildungsdiskurs kommen die "Informations-", "Wissens-" oder auch die "Lerngesellschaft" hinzu. Wirklich durchsetzen als weithin anerkannte Diagnose konnte sich bisher keine, ihre Vielfalt spiegelt hingegen die Multiperspektivität auf soziale Veränderungsprozesse und die Schlüsselstellung einzelner Kategorien wie z.B. die des "Wissens" wider. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Intention, angesichts der veränderten Qualität der gesamtgesellschaftlichen Brüche und Wandlungsprozesse in den letzten Jahrzehnten eine Restrukturierung der theoretischen Entwürfe voranzutreiben.

Individualisierung und Pluralisierung

Die sog. Moderne ist von einem Ensemble soziostruktureller, kultureller und individuell-kollektiver Veränderungen geprägt, das unter Vorbereitung von Entwicklungslinien aus Mittelalter und Renaissance in der Epoche der Aufklärung diese konstituierte bzw. dort ihren Ausgangspunkt fand und sich seit dem 20. Jahrhundert stetig beschleunigt fortgesetzt hat. So homogen dieser Prozess als Gesamtbild wirkt, so heterogen stellt sich sein Verlauf über die Jahrhunderte hinweg im Detail dar. Nicht Linearität, sondern Ambivalenz, regional divergente Intensität und Geschwindigkeit, Überlagerung einzelner Komponenten und unvollendeter Zustand sowie die Integration von z.T. nur spezifischen Bevölkerungsgruppen in die Dynamik charakterisieren ihn. Somit ist "Modernisierung" kein präzise abgrenzbares Phänomen, wenngleich ihm seine Verortung als Kategorie westlicher Industriegesellschaften immanent ist. Hier interessieren zwei Merkmale des Prozesses: Individualisierung und Pluralisierung.

Empirisch-historisch und ideengeschichtlich wird mit Individualisierung die Abkehr von der überkommenen Wahrnehmung des Einzelnen als v.a. Mitglied gesellschaftlich definierter Gruppen- bzw. Funktionszusammenhänge hin zu einer mehr individualisierten Betrachtung bzw. Behandlung beschrieben. Erste Anfänge finden sich in Mittelalter und Renaissance, die sich mit der Aufklärung weiter ausformten. Der Bruch zu früheren Gesellschaftsordnungen besteht aus der Herauslösung des Einzelnen aus traditionellen Formen sozialer Einbindung, im Rahmen dessen z.B. Aspekte von Identität durch die soziale Position qua Geburt, durch Vorgaben der Religionen oder auch der Herrschenden bestimmt worden waren. Zugleich impliziert die Herauslösung das Angebot neuer Formen sozialer Einbindung wie z.B. anhand der Nation, einer „imagined political community" (Anderson 1991). Diese soziale Wieder-/ Einbindung erfolgt nahezu eigenständig und in zeitlicher Begrenzung durch das Individuum selbst.

In enger Wechselwirkung steht die Pluralisierung der Lebenswelten. Mit der Auflösung der Ständeordnung und fortschreitender Industrialisierung fand eine funktionale Differenzierung der Gesellschaft in einzelne Teilbereiche wie Wirtschaft, Politik usw. statt, die sich dem Einzelnen ohne ständische Regulierung öffneten.

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt: Einleitung
Spannungsfelder Lebenslangen Lernens und Forschungsanliegen
1 Vorklärungen zur Analyse bildungsprogrammatischer Konzepte Lebenslangen Lernens
1.1 Slogan - Metapher - Begriff
1.2 Inhaltsdimensionen Lebenslangen Lernens und bildungsprogrammatische Konzepte
1.3 Kriterien konzeptioneller Differenzierung
2 Historische Ursprünge und die erste Generation der Konzepte des Lebenslangen Lernens
2.1 Zu historischen Ursprüngen
2.1.1 Grundzüge der Diskussion und Verweismodi
2.1.2 Legitimationsformel des Wandels und Zuerkennung von Lernfähigkeit
2.1.3 Resümee
2.2 Die erste Generation der Konzepte des Lebenslangen Lernens
2.2.1 Die Vorphase - Rekonstituierung und Auftakt
2.2.2 Die erste Generation der Konzepte - 1970 bis 1975
2.2.3 Die Zwischenphase -"a period of oblivion"2.3 Fazit - historische Ursprünge und die erste Generation der Konzepte
3 Von Programmatik zu Support neuer Praxisstrukturen - der Status quo der europäischen Debatte um
Lebenslanges Lernen
3.1 Gesellschaftliche Transformationsprozesse in der Moderne
3.2 Der Bildungsbereich als Katalysator wie konstitutives Segment
3.3 Zum Status quo der europäischen Debatte um Lebenslanges Lernen
3.3.1 Die zweite Generation der Konzepte - 1990 bis 1999
3.3.2 Die dritte Generation der Konzepte - 2000 bis ?
3.4 Von Programmatik zu Support neuer Praxisstrukturen - eine Zwischenbilanz
4 Neue Lerninfrastrukturen: Umsetzung Lebenslangen Lernens in Gestalt von Learning Communities