Rekonstruktion und Erschließung mittelalterlicher Bibliotheken - Embach, Michael / Rapp, Andrea (Hrsg.)

Michael Embach / Andrea Rapp (Hrsg.) 

Rekonstruktion und Erschließung mittelalterlicher Bibliotheken

Neue Formen der Handschriftenpräsentation

Hrsg. v. Andrea Rapp u. Michael Embach
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Rekonstruktion und Erschließung mittelalterlicher Bibliotheken

Im April 2006 traf sich eine Gruppe international geachteter Experten aus dem Gebiet der Handschriften- und Bibliotheksforschung in Trier, um über neue Formen der Erschließung mittelalterlicher Handschriften zu diskutieren. Die Ergebnisse des Workshops werden im vorliegenden Band publiziert. Die Spannweite der Beiträge reicht von der Beschreibung aktueller Katalogisierungsprojekte in Koblenz, Luxemburg und Trier über die Frage nach der Bedeutung mittelalterlicher Bibliothekskataloge bis hin zu Problemen der Digitalisierung und virtuellen Rekonstruktion dislozierter Bibliotheken. Ein besonderes Augenmerk ist dem Komplex der Förderung aktueller Digitalisierungsprojekte durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gewidmet.


Produktinformation

  • Verlag: Akademie-Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. X, 186 S. m. z. Tl. farb. Abb.
  • Seitenzahl: 186
  • Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften Bd. 1
  • Deutsch
  • Abmessung: 247mm x 178mm x 16mm
  • Gewicht: 560g
  • ISBN-13: 9783050043203
  • ISBN-10: 3050043202
  • Best.Nr.: 20940926

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Michael Borgolte begrüßt diesen von Andrea Rapp und Michael Embach herausgegebenen Sammelband über "neue Formen der Handschriftenpräsentation". Die Beiträge führen für ihn überzeugend vor Augen, wie nützlich und bedeutend die digitale Aufbereitung von Handschriften sein kann, auch wenn ihm alle Projekte, die dokumentiert werden, wirklich "neu" oder "innovativ" erscheinen. Neben der Studie von Andrea Rapp und Michael Embach über Volltext-Digitalisierung in der Bibliothek der mittelalterlichen Abtei St. Matthias in Trier hebt er Bärbel Kramers Beitrag über die "Digitalisierung der Trierer Papyri" lobend hervor.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.06.2008

Kennen Sie die Erotik der verlorenen Bücher?
Digitalisierte Bibliothek: Ein gründlicher Sammelband stellt neue Formen der Analyse und Aufbereitung von Handschriften vor

Als der französische Historiker Marc Bloch 1908/09 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität studierte, machte er die Bekanntschaft mit dem Juristen Heinrich Brunner, der in seinen Arbeiten manches von der erst durch Bloch begründeten Mentalitätsgeschichte vorweggenommen hat. Da Bloch schon nach einem Semester nach Leipzig weiterzog, hatte er zu wenig Zeit für umfassende Mit- oder Abschriften. Zehn Jahre darauf an die Universität Straßburg berufen, suchte er zu seinem Ärger dort vergeblich nach einer wegweisenden Abhandlung Brunners; es musste noch einmal so viel Zeit vergehen, bis er den rechtshistorischen Aufsatz zu Gesicht bekam. Die Reise zum Internationalen Historikertag in Oslo 1928 nahm Bloch zum Anlass, um auf der Rückfahrt in Berlin Station zu machen und die Studie in der Preußischen Staatsbibliothek Unter den Linden einzusehen.

Forschendes Lesen konstituierte von jeher bis in unsere Tage nicht nur einen individuellen Kosmos aus Büchern und …

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"Ein gründlicher Sammelband stellt neue Formen der Analyse und Aufbereitung von Handschriften vor." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2008)

"Ein gründlicher Sammelband stellt neue Formen der Analyse und Aufbereitung von Handschriften vor." Michael Borgolte in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2008 "Im ganzen ist diese Publikation [...] erfreulich und erwünscht, vermag sie doch mit gut präsentierten Forschungsresultaten die Politiker zu überzeugen, dass es sich bei ihrem Gegenstand nicht um 'Haufen altes Papier, das man liest' handelt, [...] sondern um Dokumente unserer Geschichte, die nur in ihren Zusammenhängen verstanden werden können [...]." Martin Germann in: il Bibliotecario, 3/ 2008

Leseprobe zu "Rekonstruktion und Erschließung..."

Die Handschriftenbeschreibung im Dienste der Bibliotheksgeschichte (S. 105)
In diesem Kapitel stehen Schicksal, Benutzung und Wirkung von mittelalterlichen Handschriften im Mittelpunkt, nachdem sie die Schreiberwerkstatt verlassen haben. Zwei Quellen sind es, die uns zur Verfügung stehen: die alten Bibliothekskataloge und die erhaltenen Bücher. Wie bekannt, sind mittelalterliche und frühneuzeitliche Kataloge und Inventare recht unterschiedlich geartet, zudem sehr ungleichmäßig erhalten und schwer zu deuten. Auch die Editionen dieser wichtigen Nachschlagewerke präsentieren sich uneinheitlich. Es gibt nur wenige Länder, die zusammenhängende Reihen begründet haben, in denen sie erscheinen konnten. Es sind dies: Deutschland, die Schweiz, Österreich, England und Belgien.

Was die erhaltenen Handschriften, die uns an dieser Stelle besonders interessieren, angeht, so lassen sich für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedene nationale Repertorien nachweisen. So ist Neil Kers Publikation Medieval Libraries of Great Britain, in erster Auflage 1941 erschienen, alphabetisch nach den Ortsnamen der besitzenden Bibliotheken geordnet. Sie enthält für jede wichtige mittelalterliche Bibliothek eine kurze Einführung, der eine Auflistung der erhaltenen Handschriften nach den heutigen Aufbewahrungsorten folgt. Ansonsten ist Kers Werk mit äußerst knapp gehaltenen Inhaltsangaben und Datierungshinweisen ausgestattet. Es gibt Kriterien an die Hand, auf welchen Merkmalen die Festlegung der Provenienz einer Handschrift beruht (Besitzvermerk, Schenkungseintrag, Liturgie, Einband etc.). Auch Inkunabeln sind aufgenommen. Am Ende des Buches erscheint ein Verzeichnis der Schenker, Kopisten und sonstigen an der Herstellung der Werke beteiligten Personen. Als Sigrid Krämer ihr Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters in Angriff nahm, sah sie sich mit einer ungleich größeren Zahl von Handschriften konfrontiert als ihr englisches Vorbild. Aus diesem Grunde umfasst ihre Arbeit zwei stattliche Bände mit einem Registerband. Außerdem musste die Autorin sich bisweilen mit einer Art ‚Kurzverfahren‘ begnügen, etwa wenn ein kompletter Fonds mittelalterlicher Handschriften mit derselben Provenienz in einer modernen Bibliothek aufbewahrt wird. Diese Entscheidung war zweifellos unvermeidlich, doch ist sie für die Nutzung des Werkes von Nachteil. Auch hat Krämer im Gegensatz zu Ker auf Informationen darüber verzichtet, auf welchen Kriterien die Bestimmung der Provenienzen basiert. Im Übrigen verfolgt sie denselben Ablauf wie Ker: sehr knappe Beschreibung des Inhalts, Angaben zur Datierung, dem oder den Kopisten und den eventuellen Vorbesitzern.

Weder Italien noch Spanien – Länder mit riesigen Beständen mittelalterlicher Handschriften – haben vergleichbare Unternehmen angestoßen. In Frankreich, wo ähnlich schwierige Bedingungen herrschen, ist es wenigstens zu Teilunternehmungen gekommen. In Belgien hatten bereits 1972 Emile van Balberghe und Guy Zélis das Vorbild Großbritanniens nachgeahmt und in der Zeitschrift Scriptorium eine gleichartige Reihe von Beschreibungen gestartet. Sie stand unter dem Titel Medieval Libraries of Belgium. Nach einem einführenden Aufsatz und zwei Lieferungen wurde die Reihe aber leider wieder eingestellt. In den erschienenen Teilen verfolgten die Bearbeiter den guten Gedanken, eine erweiterte Kodifizierung der von Ker gebrauchten Provenienzkriterien einzuführen, wobei sie einen Unterschied machten zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichen Provenienzvermerken. Vor nicht allzu langer Zeit wurde dieses Projekt im Rahmen des Corpus Catalogorum Belgii wieder aufgenommen. , Es ist beabsichtigt, den ursprünglichen Plan von Balberghe und Zélis mit Band 7 der Reihe wieder aufzunehmen, wenn auch in Buchform und ausgestattet mit einigen Neuerungen. Dieser Band steht unter dem Titel The Surviving Manuscripts and Incunables from Medieval Belgian Libraries. Er berücksichtigt nunmehr nicht nur Handschriften, sondern auch Inkunabeln. Außerdem sind die Beschreibungen der einzelnen Titel ausführlicher gestaltet.

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