Mit diesem Buch wird erstmalig ein in sicher geschlossener
Überblick über Theorie und Praxis der Fachschule sowie ihre
Aufgaben und Funktionen als berufliche Erwachsenen- und
Weiterbildungseinrichtung gegeben. Der Autor zeichnet die
Entwicklung der Fachschule seit der Entstehung bis heute nach,
untersucht die Rollen der Lehrkräfte bzw. Dozentinnen und Dozenten,
der Studierenden und anderer Akteure im Umfeld der Fachschule. Er
beschreibt die lernorganisatorischen Rahmenbedingungen und
erläutert die Didaktik und Methodik für das Lernen und Studieren im
Bereich der beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildung. Darüber
hinaus gibt er einen Ausblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten
dieser Schulform und macht Vorschläge, wie berufliches Lernen und
Studieren an der Fachschule der Zukunft gestaltet werden können.
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Leseprobe zu "Fachschule"
5 LERNORGANISATORISCHE RAHMENBEDINGUNGEN AN DER FACHSCHULE (S. 325-326) 5.1 Ordnungsmittel als didaktische Steuerungsinstrumente
Auf eine beruflich-schulische Erwachsenen- und Weiterbildungsstätte wie die Fachschule richten sich Betrachtungen zur Lernorganisation im weiteren Sinne vor allem auf allgemeine Organisations- und Rechtsfragen sowie auf die Curricula und die Ausstattung. Darüber hinaus finden in diesem Bereich überlegungen zur Praxis und Theorie der schulischorganisierten beruflichen Weiterbildung statt.
Die lernorganisatorischen Möglichkeiten und Grenzen an der Fachschule sind aber - unabhängig davon, ob es sich um staatliche oder private Einrichtungen handelt - durch Ordnungsmittel weitgehend abgesteckt. Insofern sind die Bildungstheorie und damit die Berufsbildungstheorie mit ihren Aussagen über die Lernorganisation auch von Regelungen und Rechtsnormen abhängig bzw. müssen diese berücksichtigen. Basis für diese Rahmensetzungen sind das Grundgesetz, die Landesverfassungen und die Landesschulgesetze.
Außerdem existieren weitere detaillierte rechtliche Vorgaben für die Lernorganisation zur Steuerung des schulischen Geschehens. Für die Fachschule haben neben Gesetzen, Rechtsverordnungen und Rahmenvereinbarungen bzw. Beschlüssen der Kultusministerkonferenz auch Gesetze des Bundes zur beruflichen Weiterbildung Bedeutung. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Landesgesetzen. Die Bundes- und Landesgesetze sowie Verordnungen werden als Ordnungsmittel bezeichnet.
Sie können für die Fachschule insgesamt als diejenigen Unterlagen mit Rechtsverbindlichkeit bezeichnet werden, die die schulische Ausbildung und damit auch die Lernorganisation regeln. Die Ordnungsmittel für die vollzeitschulische Berufsausbildung bilden die rechtliche Grundlage für die Ausbildung und garantieren den Akteuren Rechtssicherheit, Ausbildungsstandards und einen weitgehend gesicherten und abgesteckten Handlungsrahmen. Ordnungsmittel haben die Qualität von Rechtsnormen und binden die an der Fachschule wirkenden Personen an deren Vorgaben.
Außerdem wirken Gesellschaft und Staat bereits seit der Gründung der Fachschule vor einhundertzwanzig Jahren mit normierenden Einflüssen in Form von Ordnungsmitteln, um bei der Festlegung von Lerninhalten und -zielen ihre bildungspolitischen Ansprüche und Interessen berücksichtigt zu sehen. Einflussnahmen in der Bildungsverwaltung richten sich schon lange und vorzugsweise auf Curricula, Lehrpläne und Stundenverteilungspläne. Diese sind für die Fachschulen schon bei ihrer Gründung am Ende des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben worden. (Schütte 2003b, S. 50 ff.) Auch wenn die Fachschule einen Teil der beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildung abdeckt, zählen als für die Lernorganisation vor allem bedeutsame berufliche Ordnungsmittel u. a. Curricula, Rahmenlehrpläne der ständigen Kultusministerkonferenz für die verschiedenen beruflichen Bildungsgänge und die zugehörigen spezifischen Lehrpläne sowie Stoffpläne und Stundentafeln der einzelnen Bundesländer und Schulen.
Didaktische Entscheidungen erfolgen in einem Gesamtkontext der Ordnungsmittel. Einerseits werden auf der Grundlage der Ordnungsmittel mit den vorhandenen didaktischen Instrumenten Entscheidungen getroffen, zu denen insbesondere die Formulierung der Kompetenzen sowie der Lernziele und die Auswahl der Lerninhalte gehören. Andererseits hängen didaktische Fragen und Probleme im Bereich der Kompetenzen, Ziele und Inhalte sowie der Methoden und Medien der beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung - auch wenn nicht immer sofort sichtbar - eng mit den bestehenden Rechtsverordnungen und Ordnungsmitteln zusammen.
Inhalte der Ordnungsmittel sind dabei die berufsrelevanten sowie allgemein bildenden Wissensbestände, Gegenstände und Prozesse, die in der Fachschule vermittelt werden sollen. Dabei können keineswegs alle denkbaren, möglichen oder verfügbaren berufsbedeutsamen Lerninhalte aufgegriffen werden. Deshalb wird versucht, für die Ordnungsmittel eine didaktisch begründete Auswahl der Inhalte zu treffen, die dann in den Curricula und in der Folge in den Arbeitsplänen, den Unterrichtsplänen sowie letztlich im Unterricht Eingang finden müssen. Herkömmliche Lehrpläne und neuere Curricula 260 bzw. Bildungspläne unterscheiden sich hinsichtlich ihrer pädagogischen und didaktischen Ausformung sowie ihrer lernorganisatorischen Bedeutung zum Teil erheblich. So besteht heute ein weitgehender Konsens darüber, dass ein Curriculum gegenüber einem Lehrplan einen höheren pädagogischen und didaktischen Elaborierungsgrad hat, denn in ersterem werden auch Hinweise zur Lernorganisation, zu Methoden und Medien, zur Lernkontrolle, Revision und Evaluation gegeben."
Inhaltsangabe
1 Fachschulen in der heutigen Zeit 1.1 Fachschule Ansehen in der Öffentlichkeit und Diskussionsbedarf für die Akteure in Praxis und Theorie 1.2 Praxis- und Theorieanforderungen als Bezugspunkte für die Entwicklung der Fachschule 1.3 Gegenwärtige Aufgaben und Funktionen der Fachschule im Weiterbildungsbereich 1.4 Fachschulen im Wandel 2 Fachschule in den Epochen seit der Entstehung 2.1 Wurzeln der Fachschule 2.2 Gründung und Entwicklung der Fachschule im Kaiserreich 2.3 Fachschule in der Weimarer Republik 2.4 Fachschulen während der Zeit des Nationalsozialismus 2.5 Fachschulen in den Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg 2.6 Ausgestaltung der Fachschulen in den zwei deutschen Staaten bis Ende der 1960er Jahre 2.7 Entwicklung der Fachschulen in den zwei deutschen Staaten von den 1960er Jahren bis zur Wiedervereinigung 2.8 Fachschulen nach der Wiedervereinigung 2.9 Fachschule in der Gegenwart 3 Organisatorisch-rechtliche Bedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten der Fachschule 3.1 Fachschulen im gesellschaftlichen Bedingungsgefüge 3.2 Rechtliche Vorgaben für die Fachschule 3.3 Administration der Fachschule 3.4 Organisationsstruktur der Fachschulen 3.5 Schulentwicklung 4 Akteure im Bereich der Fachschule 4.1 Akteure im sozialen System Fachschule 4.2 Studierende an der Fachschule 4.3 Lehrkräfte an der Fachschule 4.4 Akteure aus dem Umfeld der Fachschule 4.5 Fachschulen im Wirkungsfeld von Akteuren und Interessengruppen .. 5 Lernorganisatorische Rahmenbedingungen an der Fachschule 5.1 Ordnungsmittel und materielle Gegebenheiten 5.2 Lehrpläne und Curricula 5.3 Organisationsprinzipien und curriculare Vorgaben für berufliche Schulen 5.4 Curricularer Wandel 5.5 Ausformulierung und Konkretisierung der Curricula für die Fachschule 5.6 Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für die Lernorganisation durch die schulischen Akteure und die Umgebung 5.7 Lernorganisation der Fachschule zwischen Restriktionen und Freiräumen 5.8 Lernorganisation der Fachschule im Spannungsfeld von Theorieansprüchen und Praxiszwängen 6 Didaktisch-methodische Praxis und Theorie der Fachschule 6.1 Bildungskonzepte im Vorfeld didaktisch-methodischer Praxis und Theorie der Fachschule 6.2 Bildungskonzepte als Ausgangsbasis für didaktische Ansätze der Fachschule 6.3 Grundbausteine einer Didaktik der beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildung an der Fachschule 6.4 Didaktische Ansätze beruflichen Lernens in der Fachschule 6.6.5 Methodik und Methoden beruflichen Lernens 6.6 Medien für berufliches Lernen an der Fachschule 6.7 Spezifische Aufgaben in den Entscheidungsfeldern der Didaktik beruflicher Erwachsenen- und Weiterbildung 6.8 Didaktisch-methodisch reflektierende Unterrichtsgestaltung an der Fachschule 6.9 Zum Gesamtzusammenhang von Didaktik und Methodik für die Praxis und Theorie der Berufsfachschule 7 Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven der Fachschule 7.1 Gegenwärtige und zukünftige Entwicklung von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft 7.2 Reformierungsmöglichkeiten und -grenzen für die Fachschule 7.3 Berufliche Erwachsenen- und Weiterbildung - Entwicklungs- und Gestaltungsperspektiven 7.4 Langzeitperspektiven der Fachschule im beruflichen Schul- sowie im Erwachsenen- und Weiterbildungssystem 7.5 Zukünftige Aufgaben der Praxis- und Theorieentwicklung der Beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildungsstätte 7.6 Von der Fachschule zur beruflichen Weiterbildungsschule - Schlussbemerkungen
Ein Marktplatz-Angebot für "Fachschule" für EUR 38,63
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