In seinen farbigen Porträts und Genreszenen aus Deutschland und der
Welt hat Robert Lebeck das Zeitgeschehen festgehalten. Er hatte
unverschämtes Glück: Er durchlebte eine Zeit des Wohlstands im
Westen Deutschlands, der 'Stern' schickte seinen
Fotoreporter hinaus zu den politischen Brennpunkten, an die
spannenden, herrlichen und elenden Orte, zu den Menschen und
Ereignissen. Lebeck fotografierte Zeiträume, Denkräume,
Kulturräume. Er illustrierte die Vorstellung der Deutschen von den
großen und kleinen Dingen draußen in der Welt
'Unverschämtes Glück' ist Fortsetzung und Gegenstück seines
Bandes 'Vis-a-Vis'. Nach den Schwarzweiß-Bildern sind hier,
erstmals in einem Buch versammelt, seine Farbfotografien zu sehen.
In vier Kapiteln nimmt er den Betrachter mit auf seine Reisen nach
Rußland und Bangladesh, Irland und Papua-Neuginea, China und
Brasilien, zu Salvador Dali und Joseph Beuys, Pele und Romy
Schneider, zu den Schönen und Reichen und den Ärmsten der Armen.
Der Titel lügt nicht, bestätigt Daniel Kothenschulte: Robert Lebeck liebt sein Leben als Berufsfotograf der alten Schule und "würde ganz bestimmt nicht mit einem Fotokünstler tauschen wollen". Dennoch hat den Rezensenten bei der Lektüre und Betrachtung dieses Buches vor allem interessiert, wie denn diese beiden Spezies des Berufszweiges zueinander stehen und wie man ihre Arbeiten miteinander vergleichen kann. Lebeck zuckt da nur kurz mit den Schultern: Er sei "Journalist, kein Künstler" und eine Zeitung ist schließlich keine Galerie. Aber, wendet Kothenschulte ein: Natürlich stellt man sich auch in den Bildredaktionen gestalterische Fragen, und andersherum sei ja wohl gerade die neuere Fotokunst mit ihren Realismus-Revival im Journalismus verwurzelt. Natürlich, das zeige der Blick auf Lebecks Bilder, liebe der Journalismus die Pointe. Und Lebeck, nicht erpicht auf Nachruhm, konnte sie immer liefern.
Ulrike Posche, langjährige Stern-Redakteurin und freie Autorin, studierte in Münster Germanistik, Publizistik und Politik. Im Anschluss besuchte sie die Henri-Nannen-Schule. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem Biografien und Portraits über Gerhard Schröder, Hannelore Kohl und Liz Mohn. Heute arbeitet sie außerdem als Kolumnistin für die Zeitschrift Max.§
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