1/8 sec. / Vertraute Fremde - Rakete, Jim

Jim Rakete 

1/8 sec. / Vertraute Fremde

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1/8 sec. / Vertraute Fremde

Jim Rakete hat sich schon immer für Menschen interessiert, die etwas bewegen - ob in der Politik, auf der Bühne, in den Medien oder in der Kunstszene. Schauplatz ist im wesentlichen Berlin, und sein Spektrum reicht von der Bundeskanzlerin über Kulturschaffende jeder Couleur bis zum Boxweltmeister. Wir sehen uns lauter"vertrauten Fremden"gegenüber, deren Namen jeder kennt, die uns hier aber näher zu kommen scheinen, als ihr öffentliches Bild, ihr Image, es jemals erlauben würde. Das Geheimnis dieser ungewohnten Nähe liegt in Jim Raketes Art zu photographieren. Da es ihm um eine im doppelten Wortsinn ungeschminkte Wahrheit geht, hat er sich bei seinem jüngsten Projekt einer Technik bedient, die heute schon als exotisch gilt und bald nicht mehr praktizierbar sein wird: Die hier versammelten Portraits sind mit einer alten Plattenkamera aufgenommen, die viel Handarbeit, natürliches Licht und vom Modell vergleichsweise langes Stillhalten erfordert. Im"Glück des Verzichts"- auf das digitale Sofortbild, auf Manipulationen, Styling und Dynamik - liegt für ihn die Chance, den Augen-Blick zwischen Photograph und Modell zu verlängern, sich selbst und dem Portraitierten die Zeit zu geben, die man braucht, um die Zeit anzuhalten: eine Achtelsekunde. Die meisten der hier versammelten Aufnahmen - darunter auch Landschaften, Impressionen, verschwindende Orte - entstanden während des Jahres 2007 im Vorfeld einer Werkausstellung von Jim Rakete bei Camera Work in Berlin.


Produktinformation

  • Verlag: Schirmer/Mosel
  • 2008
  • Dieser Band begleitet die große Ausstellung von Jim Rakete’s Photoprojekt aus dem laufenden Jahr, die am 19. Januar 2008 in der Berliner Galerie Camera Work eröffnet wird. Zu sehen bis 1. März.
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 271 S. m. 191 Duotone - u. Farbfotos.
  • Seitenzahl: 271
  • Deutsch
  • Abmessung: 325mm x 255mm x 38mm
  • Gewicht: 2027g
  • ISBN-13: 9783829602969
  • ISBN-10: 3829602960
  • Best.Nr.: 23330536
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.01.2008

Halbe Ewigkeiten, in Silber gebannt
Eine Abschiedstournee: Jim Rakete bereitet sich auf das Ende der klassischen Fotografie vor
Für Normalsterbliche mag das seltsam klingen, aber in der Welt der Fotografie ist eine Achtelsekunde eine halbe Ewigkeit. Eine Kamera, deren Verschluss für diese Zeitspanne geöffnet ist, kann ein heftiges Lachen nicht mehr festhalten, ein windzerzaustes Haar verliert seine Konturen, ein vorbeifahrendes Auto verwischt sich zum Phantom. In der digitalen Ära ist die Achtelsekunde ein Anachronismus aus der Frühzeit des Mediums. Wer so fotografiert, wie Jim Rakete in seinem neuen Projekt „1/8 sec.”, das gleichzeitig als Buch bei Schirmer/Mosel und als Werkausstellung in der Berliner Galerie Camera Work präsentiert wird, muss auf der Suche nach der verlorenen Zeit sein.
Dabei war der Fotograf Rakete, Jahrgang 1951, doch immer ein Mann für die absolute Gegenwart. Jimi Hendrix, Ray Charles, David Bowie und Mick Jagger gehörten zu seinen frühen Sujets, seine Kreuzberger „Fabrik” beherrschte die Neue Deutsche Welle und prägte ihr Gesicht, dann verhalf er einer neuen Generation von deutschen Filmschauspielern zu einem Image, und …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Eindruck hat dieses gewichtige Werk auf Rezensent Tobias Kniebe gemacht, der darin blätternd, staunend noch einmal das untergehende Handwerk des Fotografen inszeniert fand. Es handelt sich, Kniebes Informationen zufolge, im Wesentlichen um Porträts, die der Berliner Fotograf von ehemaligen Weggefährten, einstigen und heutigen Promis aufgenommen hat: Und zwar mit einer riesigen Linhof-Plattenkamera, die für Kniebe selbst eine "eindrucksvolle Persönlichkeit" ist, und das Konterfei der Abgebildeten auf "großflächigen Silbernegativen" festhält, die heute kaum noch hergestellt würden. Auch die Belichtungszeit dauere entsprechend länger, mit einer Achtel Sekunde im Verhältnis zur heutigen Digitalfotografie eigentlich fast eine Ewigkeit. Doch der Rezensent kann das wertvollen Fotomaterial auf den Bildern ebenso spüren, wie das Gewicht des Geräts und die Länge der Belichtungszeit. Und auch Gewicht und Aufmerksamkeit, welche die Abgebildeten selbst dem Prozess des Abgebildetwerdens noch einmal gegeben haben, was für Kniebe im Ausdruck der Fotografierten ablesbar ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jim Rakete, Jahrgang 1951 und gebürtiger Berliner, begann als Sechzehnjähriger die nächtliche Rockszene Berlins zu fotografieren. Seine Leidenschaft für den Rock`n Roll, das Bühnenleben und das Kino sollte ihn von da an nicht mehr loslassen. Sie überlebte auch Jim Raketes höchst erfolgreiches Intermezzo als Musikmanager von Nina Hagen, Nena und vielen anderen Repräsentanten der neuen deutschen Rockszene.

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