Tanz unter Sternen - Müller, Titus

Titus Müller 

Tanz unter Sternen

Roman

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Tanz unter Sternen

Einer der spektakulärsten Stoffe des 20. Jahrhunderts - mitreißend erzählt.

Für Nele Stern wird ein Lebenstraum wahr: Als Barfußtänzerin feiert sie ihren ersten Soloauftritt im renommiertesten Varieté ihrer Zeit, dem Berliner Wintergarten. Doch sie fällt beim Publikum als zu prüde durch. Da sie auch in Paris keine Auftrittsmöglichkeiten findet, beschließt sie, nach Amerika auszuwandern: Das Geld reicht gerade noch für eine Fahrt in der 3. Klasse der Titanic. Als sie sich an Bord des Luxusliners zu einem Diebstahl hinreißen lässt, lernt sie Matheus kennen, einen ebenso liebenswürdigen wie hypochondrischen Pastor aus Berlin. Er reist mit Frau und Kind, durchlebt aber offensichtlich gerade eine Ehekrise. Ungeniert flirtet seine Frau, die aus gutem Hause kommt und deren Vater der Hofbankier des deutschen Kaisers ist, mit einem jungen Engländer, der sich höchst verdächtig benimmt. Tatsächlich ist er ein Spion der britischen Krone, und er hat sich keineswegs zufällig auf die Frau des Pastors kapriziert, sondern will über sie an geheime Dokumente des Hofbankiers herankommen. Der Zusammenstoß der Titanic mit einem Eisberg stürzt die Reisenden in einen Mahlstrom aus Wasser und Eis und setzt Liebe und Freundschaft einer weiteren Zerreißprobe aus. In diesem ebenso brillant recherchierten wie fesselnd erzählten Roman wirft Titus Müller ein neues Licht auf die Bedeutung der Titanic in der Zeit europäischer Aufrüstung und schildert einfühlsam Menschen am Scheideweg ihres Lebens.


Produktinformation

  • Verlag: Blessing
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 397 S.
  • Seitenzahl: 397
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 40mm
  • Gewicht: 635g
  • ISBN-13: 9783896674562
  • ISBN-10: 3896674560
  • Best.Nr.: 33335277
"Titus Müller macht mit seinen Romanen Historie wieder lebendig und lässt sie zu einem Erlebnis für den Leser werden. 'Tanz unter Sternen' ist ein spannendes Abenteuer, in dem die Gefühle zu einem mannigfaltigen Kaleidoskop der menschlichen Seele und des Herzens werden. Man verfällt dieser Geschichte und kann nicht mehr von der Lektüre lassen, bis man zur letzten Seite angelangt ist, um wieder von vorne anzufangen. Geschickt verwebt der deutsche Autor die Schicksale mehrerer Menschen zu einem seidenen Gewebe, in dem sich der Leser in Windeseile verfängt. Es steht außer Zweifel: Titus Müller ist einer der sprachgewaltigsten Autoren in unserem Lande und entfesselt mit seinen Büchern ein (Lese-)Abenteuer, zu dem man partout nicht Nein sagen kann. Jede einzelne Seite von Tanz unter Sternen ist ein Vergnügen, dem man sich nicht entziehen kann und deshalb ein Must-Read." (Susann Fleischer, literaturmarkt.info)

"Titus Müller versteht es brillant, die Fäden und Figuren seiner Geschichte kunstvoll zu einem atmosphärischen Porträt der Zeit zu verweben."

"Titus Müller versteht es brillant, die Fäden und Figuren seiner Geschichte kunstvoll zu einem atmosphärischen Porträt der Zeit zu verweben."
Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 begründete er die Literaturzeitschrift "Federwelt". 2002 war er Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman "Quo vadis". Im gleichen Jahr veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten Roman. Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis- Preis und den Sir Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Tanz unter Sternen" von Titus Müller

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Leseprobe zu "Tanz unter Sternen" von Titus Müller

34 (S. 288-289)

Als sich nach einem Herbst und einem Winter der Jahrestag des Untergangs näherte, schlug Matheus vor, einhundert Dinge zu tun, die sie daran erinnern sollten, dass sie am Leben waren. »Etwas Schönes darf man nicht unter Druck tun«, sagte Nele, »wir fangen einfach an und sehen, was der Tag bringt.« So machten sie es. Sie ließen den Wecker vor Sonnenaufgang klingeln. Während sie sich anzogen, flüsterten sie wie Kinder, die ihre Eltern nicht wecken dürfen. Sie packten Kekse ein und Äpfel, gingen nach draußen und spazierten zum Schlosspark. In den Zweigen sangen die Vögel.

Allmählich erwachte die Stadt. Nele lächelte fremde Menschen an. Sie forderte Matheus auf, es auch auszuprobieren. Anfangs kostete es ihn Überwindung. Bald aber merkte er, dass sich die meisten freuten, und fand Spaß daran. Er grüßte die Leute sogar, lüpfte seinen Hut. Manche runzelten die Stirn und fragten verwirrt: »Kennen wir uns?« Sie kauften Kuchen und schenkten ihn einer alten Frau. Jedes Mal, wenn sie einen Polizisten sahen, küssten sie sich. Matheus hob Nele auf eine kleine Mauer und bat sie, darauf zu tanzen. Sie lachte und tat es. Die Vorbeikommenden blieben stehen.

Am Ende sprang Nele in Matheus’ Arme. Nachmittags kauften sie Kreide und bemalten den Fußweg vor ihrem Haus. Einige Nachbarn schüttelten die Köpfe hinter ihren Fenstern. Davon ließen sie sich nicht beirren. Bald hatte sich eine Kinderschar gesammelt, und Nele lud die Kinder ein, mitzumachen. Sie malten gemeinsam, dann verschenkten Nele und Matheus die Kreide und zogen weiter. Sie suchten sich das Ausgangsloch eines Ameisennests am Straßenrand, weichten in einer Pfütze Kekse ein und fütterten die Ameisen damit. Sie gingen auf den Friedhof zu Samuels und Cäcilies Grab. Der Friedhof erinnerte sie daran, dass jeder Tag des Lebens ein Geschenk war. »Heute ist Samuels Todestag«, sagte Matheus.

Er stand an den zwei Grabsteinen und dachte an die Nacht vor dreizehn Jahren zurück, in der die mächtige Titanic versunken war. Er dachte an die Schreie der Erfrierenden. An Samuel auf Cäcilies Schoß. Nele und er hatten stundenlang im kalten Wasser gestanden, während ihr Boot unterging. Damals hatten sie kaum geglaubt, noch einen Morgen zu erleben. Matheus berührte Cäcilies und Samuels Grabstein. Er sagte: »Wir sehen euch wieder, alle beide.« »Das wäre schön«, sagte Nele. Eine Frau kam über den Kiesweg auf sie zugehumpelt, gebeugt vom Alter. Sie stützte sich auf einen Stock. Einzelne weiße Haarsträhnen wehten ihr über den grünen Mantel, der Wind holte immer mehr davon unter dem Hut hervor. Sie wischte sie sich aus der Stirn.

Sie fragte: »Are you Matheus Singvogel?« »Und wer sind Sie?«, fragte er in englischer Sprache. »Ich dachte mir, dass ich Sie hier finde. Es ist der Jahrestag.« Sie sah zu den Gräbern. Dann blickte sie Nele und ihn an. Ihre blauen Äuglein funkelten wie Perlen im runzeligen Gesicht. »Ich bin Adams Mutter. Man hat mir gesagt, dass er vor dem Untergang mit Ihnen gesehen wurde.« Matheus nickte. »Ich habe ihn getroffen, kurz bevor das Schiff versunken ist, das ist richtig.«

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