Der Palast der Republik, aufgrund der großen Anzahl an Leuchten und
Deckenlampen auch Erichs Lampenladen genannt, war ein besonderes
Zeugnis der DDR-Architektur. Nach der Eröffnung im April 1976 war
er nicht nur Sitz der Volkskammer, dem Parlament der DDR, und Ort
für repräsentative Veranstaltungen der SED-Parteitage, sondern
diente auch als ein offenes Kulturhaus für Veranstaltungen und
Kulturprogramme aller Art. Im großen Saal für bis zu 5 000 Besucher
fanden Konzerte nationaler und internationaler Künstler statt. Das
eigene Theater, große Ausstellungen, Restaurants und Bowlingbahnen
machten den Palast zu einem Anziehungspunkt für alle DDR-Bürger. Er
sollte Fortschritt, einen hohen Lebensstandard, wirtschaftliche
Stabilität und Volksnähe demonstrieren. Damit war der Palast der
Republik einerseits durch sein breites Kultur- und Freizeitangebot
eine volkstümliche Institution, andererseits jedoch diente er der
Repräsentation des Staates und seiner Ideologie. Im Januar 1993,
also fast drei Jahre nach der endgültigen Schließung, hat Thorsten
Klapsch den unberührten und komplett möblierten Palast als einziger
Fotograf portraitiert und mit seiner umfangreichen Arbeit einen
Teil der deutschen Geschichte für immer festgehalten.
Ausstattung/Bilder: 2010. o. Pag. Mit 65 Farbfotos.
Seitenzahl: 120
Deutsch
Abmessung: 314mm x 316mm x 25mm
Gewicht: 1586g
ISBN-13: 9783898234290
ISBN-10: 3898234290
Best.Nr.: 30214497
Besprechung von 18.09.2010
Die gespenstische Leere im Republikpalast
Am 19. September 1990 wurde der Palast der Republik in Sorge um die
Gesundheit der Mitarbeiter geschlossen. Das waren damals nicht
weniger als 1700, 500 von ihnen Techniker. Der 1976 eröffnete
Palast enthielt ein Stahlträgerskelett, das man mit 720 Tonnen
Spritzasbest gegen Verformung im Brandfall geschützt hatte. Über
die Befunde, die – kurz nach dem Beitrittsbeschluss der im Hause
tagenden Volkskammer – zur Schließung führten, wird bis heute
gestritten. Einen Abriss hatte man damals freilich für unnötig und
viel zu teuer gehalten. Im Januar 1993 besuchte und fotografierte
Thorsten Klapsch das leere, aber noch möblierte Gebäude (Palast
der Republik. Edition Panorama, Mannheim 2010. 120 Seiten mit 65
Fotografien in Farbe. 48 Euro). Seine Bilder erleichtern das
Urteil über das 180 Meter lange, 30 Meter hohe Bauwerk in
Mischnutzung. Hier hatte das „Parlament“ seinen Sitz, hier gab es
ein Theater, einen Veranstaltungssaal, eine Post, viel Kunst,
Gaststätten: eine kleine DDR, wie Honecker sie erträumte. Alles
funktional, schmuck und etwas klobig im Detail. Die angestrengt
wirkende, gleichsam schwitzende Festlichkeit prägte auch Nebenräume
wie das Bühnencasino (rechts) oder den Konferenzraum. 13 Jahre nach
diesen Aufnahmen begann man, den Palast abzureißen.
jby
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