Mein Leben in Aspik - Uhly, Steven

Steven Uhly 

Mein Leben in Aspik

Roman

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Mein Leben in Aspik

Wer sich auf den Weg in dieses Buch macht, sei gewarnt: er wird lachen müssen, lauthals, und er muss mit dem Schrecklichsten rechnen.

Die Liebe ist schön. Die Liebe ist schrecklich. Die Suche nach den Wurzeln ihres Scheiterns führt in Abgründe. Werden sie gefunden, ist das Leben voller Möglichkeiten. Die Gegenwart ist ein helles Versprechen, die Vergangenheit ein verborgenes Labyrinth. Das meisterhaft komponierte Debüt von Steven Uhly zeigt auf eindringliche Weise, wie beide einander bedingen, und dass jede Familiengeschichte tiefer im Dunkel der verlorenen Zeit wurzelt und weiter ins Jetzt hineinragt, als es ihren Mitgliedern lieb ist. Die Forschungsreise des Helden in dieses Labyrinth der Vergangenheit wird zu einer grandiosen Lebensschilderung seiner Gegenwart. Mit naiver Neugierde ist da einer auf der Suche nach Wahrheit, findet sie und verliert sie wieder und sucht weiter - und zeichnet wie nebenbei ein seelisches Panorama unserer Gesellschaft, das im Hier und Jetzt verankert ist und sich doch immer weiter vortastet, bis tief zurück in die verschwommene Zeit zwischen den Kriegen. Es grenzt an erzählerische
Fallenstellerei, dass dies mit einer von schärfstem Humor durchtränkten Situationskomik geschieht, die alles Schwere leicht und alles Leichte verdächtig werden lässt. Wer sich auf den Weg in dieses Buch macht, sei gewarnt: er wird lachen müssen, lauthals, und er muss mit dem Schrecklichsten rechnen. Vor allem aber muss er darauf gefasst sein, dass ihm vieles vertraut erscheint. Warum nur?


Produktinformation

  • Abmessung: 210mm x 135mm x 23mm
  • Gewicht: 462g
  • ISBN-13: 9783905951004
  • ISBN-10: 3905951002
  • Best.Nr.: 30272693

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als "irrwitzigen Barock-Poetry-Slam" feiert Florian Illies dieses fulminante Romandebüt, dessen Lektüre ihn einige Stunden lang durch ein "waghalsiges Spiel aus Wahrheiten und Täuschungen" geführt hat. Selten habe es in den letzten Jahren so viel Spaß gemacht, auf einen Autor hereinzufallen. Oberflächlich betrachtet handele es sich um eine Familiengeschichte. Doch während die Handlung im Höllentempo auf verschiedene Metaebenen hochjage, eine Oma von ihrem Enkel ein Kind bekomme, der Opa hinter seiner jüdischen Identität eine Mörderbiografie verberge und anderweitiger Aberwitz den Leser gelegentlich aus der Bahn zu werfen droht, führt diese Slapstick-Komödie den begeisterten Kritiker schließlich ins "dunkle Herz der Bundesrepublik". Ein Buch, das Illies nicht nur als Kommentar zu den "gegenwärtigen psychologisches Aufarbeitungsversuchen" der Flakhelfer-Generation lesen kann, sondern dessen Qualität er vor allem in der Lust des Autors an der "nackten Wahrheit" und einer ungeheuren Komik sieht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.03.2011

Familienspiele

Wer verwickelte Familiengeschichten mag, ist mit dem Romandebüt von Steven Uhly zunächst gut bedient. Zwischen derben Stellen kann man mitunter sogar schmunzeln, wenn man nicht mehr durchblickt, wer mit wem welches Kind gezeugt hat. Der Erzähler selbst, ein Schelm auf Schürzenjagd, hat seine liebe Mühe, Halbtante von Halbschwester zu unterscheiden. Doch es stehen in diesem Buch auch Sätze, die an etwas anderes rühren als sexuelle und sittliche Tabus. Da sagt etwa die Großmutter der Hauptfigur: "Weißt du, Opa fand meinen dicken Bauch sehr anziehend, wir spielten oft Flüchtlingsfrau und Rotarmist. Es war eine schöne Zeit." Nun kann man durchaus fordern, dass Literatur das Außergewöhnliche zeigen soll. Sie kann mitunter auch zeigen, dass das Lustempfinden der Menschen sich nicht an Normen hält. Aber auf keinen Fall sollte sie, um einer anstößigen Pointe willen das Schicksal vergewaltigter Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs als etwas Schönes, womöglich Selbstgewolltes und sogar Genossenes darstellen. Auch wenn solche Sätze von womöglich unzurechnungsfähigen Figuren gesagt werden oder unter dem Vorbehalt erzählerischer Unzuverlässigkeit stehen, verfehlen sie doch ihre Wirkung nicht, die am Ende das ganze Unternehmen in ein ungutes Licht rücken. (Steven Uhly: "Mein Leben in Aspik". Roman. Secession Verlag, Zürich 2010. 264 S., geb., 22,95 [Euro].) wiel

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

"Ein fulminantes Debüt." Florian Illies, Die Zeit

»Unglaublich!«
Steven Uhly, geboren 1964, ist deutsch-bengalischer Abstammung, dabei teilverwurzelt in der spanischen Kultur. Er studierte Literatur, leitete ein Institut in Brasilien, übersetzt Lyrik und Prosa aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen. Er lebt mit seiner Familie in München. 2011 wurde Steven Uhly der "Turkan-Preis" der Stadt München verliehen.

Leseprobe zu "Mein Leben in Aspik" von Steven Uhly

"Meine Oma hat nie einen Hehl aus ihren Gefühlen gemacht. Zumindest nicht vor mir. Dass sie ihrem Mann, meinem Opa, grollte, weiß ich, seit ich denken kann. Aber sie respektierte meine Auffassungsgabe. Erst als ich neun Jahre alt wurde, begann sie, mir von ihren Mordplänen zu erzählen. Ich hatte nichts dagegen, sie waren wie spannende Gutenachtgeschichten. Mein Lieblingsmordplan ging so: 'Eines Tages, Jungchen, wird er nicht mehr so stark sein, weißt du, denn er ist sehr stark, dein Opa.' 'Wie stark?' 'Er ist stärker als alle Omas zusammengenommen.' 'Wie viele Omas gibt es denn?' 'Oh, es gibt eine Menge, aber sie alle müssen warten, bis die Opas schwächer werden. Und das passiert immer.' 'Warum denn, Oma?' 'Das weiß Gott allein. Vielleicht hat er sie stärker und dann schwächer gemacht, damit sie zuerst über die Omas herrschen, aber nicht zu lange, denn sonst könnten die Omas sie nicht mehr ermorden und müssten immer unglücklich bleiben.' 'Warum willst du Opa denn ermorden?' 'Weil er immer ganz gemein zu mir ist, Jungchen. Und gemeine Menschen müssen von Zeit zu Zeit ermordet werden.' 'Und wie willst du es machen?' 'Also, gib gut acht, denn es ist ein teuflisch guter Plan: Zuerst werde ich ihm immer weniger zu essen geben, dadurch geht das Schwächerwerden noch etwas schneller.' 'Aber er wird doch Hunger haben!', rief ich aus. Opa war wirklich ein großer und sehr starker Mann und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er aufs Essen verzichten würde. Meine Oma aber lächelte nur hintergründig und sagte: 'Findest du nicht auch, dass er in letzter Zeit ein wenig dicker um die Hüften geworden ist?' Das war mir noch nicht aufgefallen. 'Siehst du', sagte sie triumphierend. 'Ich werde ihm einreden, dass er immer dicker werden wird, wenn er so weiter frisst. Und dann wirst du nicht mehr groß und stark sein, werde ich sagen, sondern nur noch groß und dick, wie eine Wurst. Und weißt du, was er sagen wird?' 'Nein, was denn, Oma?' Ich hing wie gebannt an ihren Lippen und sie genoss es und ich genoss, dass sie es genoss. 'Er wird sagen', sagte sie und drückte ihr Kinn fest auf den Hals, bis sich die Haut in Falten vorwölbte, dann wackelte sie wie ein Orang-Utan mit abgewinkelten Armen hin und her und sagte mir ihrer dunkelsten Stimme: 'Er wird sagen: Was redest du da wieder für einen Unsinn, Fötzchen, hohoho! Aber dann', jetzt wurde sie wieder vom Opa zur Oma, 'dann wird er trotzdem zum Spiegel gehen und sich ganz unsicher darin betrachten und er wird denken, dass er wirklich dabei ist, groß und dick zu werden, und zack!', machte sie so laut, dass ich erschrak, 'habe ich ihn da, wo ich ihn haben will!' 'Aber vom weniger Essen stirbt man doch nicht, Oma.' 'Natürlich nicht, Jungchen, denkst du, ich will, dass er einfach nur stirbt? Oh, nein, dass hat er nicht verdient! ..."

Kundenbewertungen zu "Mein Leben in Aspik" von "Steven Uhly"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Quilates aus Berlin am 18.03.2011 ***** ausgezeichnet
Ein junger Mann versucht, mehr über die Vergangenheit seiner Familie herauszufinden und verstrickt sich nach und nach in einem dichten Netz aus Lügen und Halbwahrheiten. Dabei ist die Oma, die ihm schon als Kind seltsame Gutenachtgeschichten erzählte, Dreh- und Angelpunkt einer aberwitzigen Handlung, die aus Volten und Volten der Volten besteht und deren einziges Ziel zu sein scheint, alles durcheinander zu bringen, was in Ordnung war. 'Mein Leben in Aspik' ist so komisch, so schrecklich, so pervers und zu allem Überfluss auch noch so tragisch, dass man am Ende nicht mehr weiß, was man denken soll. Aber genau darum scheint es dem Autor zu gehen, denn wenn sich der Wahnsinn dieses Buches erst einmal gesetzt hat, tauchen einfache Fragen auf: Meint Uhly etwa, dass unsere Sexualität und unser Liebeserleben immer noch vom Holocaust beeinflusst sind? Leben wir nach wie vor im Ereignishorizont des 3. Reichs, obwohl doch seit der Wiedervereinigung eine neue Ära begann? Und welche Lügen gibt es in meiner Familie, die mein Leben prägen, ohne dass es mir bewusst ist? Das alles kommt so nonchalant daher, so beiläufig und geradezu heiter, dass man gar nicht weiß, in welche Schublade man dieses Buch stecken soll. Sehr empfehlenswert!

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