 | Besprechung von 25.02.2011 |
Stolpern in MoonbootsNetzshirts, Zauberwürfel und Esspapier ergeben noch keinen stimmigen Roman: Tanja Dückers verirrt sich mit "Hausers Zimmer" in den achtziger Jahren.
Nicht nur in der Mode, auch in der Literatur sind die achtziger Jahre seit einiger Zeit wieder präsent. Wie etwa Michael Kleebergs "Karlmann" oder Jochen Schimmangs "Das Beste, was wir hatten" unternimmt auch "Hausers Zimmer", der vierte Roman von Tanja Dückers, eine Reise in dieses Jahrzehnt.
Man schreibt das Jahr 1982. Die alternativ orientierten Eltern; Wiebke, eine Kinderbuchübersetzerin; Klaus, ein Kunstkritiker und Kurator; und der ältere Bruder Falk, der kiffend bei düsterer Musik in seinem Zimmer sitzt: mit ihnen lebt die (wie die Autorin im Oktober 1968 geborene) 13-jährige Julika Zürn in einer labyrinthischen West-Berliner Altbauwohnung. Von ihrem Zimmerfenster aus beobachtet sie den von allen verachteten Nachbarn Hauser, notiert die Beobachtungen in einem Heft und sehnt sich nach seinem "Kartoffelchips statt Graubrot"-Lebensstil, zu dem Musik von AC/DC und wechselnde Frauen gehören, keinesfalls aber jene linksintellektuellen Grundsätze, die den Zürnschen …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Im Westberlin der frühen achtziger Jahre ist die Handlung dieses Romans angesiedelt, wie Rezensent Ulrich Baron mitteilt. Die Zürns, eine vierköpfige Familie, bewohnen eine riesige, mit Kunstwerken vollgestopfte Mietwohnung, schreibt der Rezensent. Die Eltern seien typische 68er, die sich von ihren Kindern beim Vornamen nennen lassen. Der Provinzialität zwar entkommen, hätten sie sich nun "in den Labyrinthen des alternativen Milieus verloren". Im Zentrum aber stehen laut Baron die Lebenserfahrungen der Kinder, deren Alltag vor allem von Bifi, Ahoi-Brause und Toffifee geprägt werde. Das Markenbewusstsein der nachwachsenden Generation kontrastiere mit der Kunstleidenschaft der Eltern, und es ist vor allem dieses Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Konsum, das den Roman für Baron zu einem bemerkenswerten Epochenbild macht.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung von 15.09.2011 |
Das gelbe Quadrat der Scheibletten
Zwei Romane, zwei Kinder von Mars und Coca-Cola: Colson Whiteheads
„Der letzte Sommer auf Long Island“ und Tanja Dückers’ „Hausers
Zimmer“
Die vierzehnjährige Julika Zürn lebt 1982 als Tochter eines
Kunsthistorikers und einer Übersetzerin in einer Westberliner
Stadtwohnung. Der fünfzehnjährige New Yorker Benji erlebt 1985 als
Sohn eines Arztes und einer Juristin seine letzte Saison im
elterlichen Sommerhaus auf Long Island. Er ist ein Kind jenes
aufstrebenden afroamerikanischen Mittelstands, der sich in Sag
Harbor eine schwarze Exklave geschaffen hat. In diesen
unterschiedlichen Lebenswelten schließen sich die 1968 geborene
Tanja Dückers und der ein Jahr jüngere Colson Whitehead der Reihe
schreibender Kinder der 68er-Generation an, die sich in mehr oder
weniger literarisierter Form ihrer Kindheit zuwenden.
In Dückers’ amüsantem Roman „Hausers Zimmer“ ist das Berlin der
frühen 1980er Jahre eine Exklave für Menschen, die es geschafft
haben, aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. Nur haben sie sich
dabei in den Labyrinthen des alternativen Milieus verloren.
Sinnbildlich dafür steht die riesige …
"Hier ist DER 80er-Jahre-Westberlin-Roman: Eine leichthändige Geschichte aus grauer Mauerzeit, wunderbar farbenprächtig durch zeitgeschichtliches Kolorit, stimmungsvoll unterlegt mit authentischen Pubertätswehen. Tanja Dückers legt mit HAUSERS ZIMMER ein wunderbar unterhaltsames Generationenporträt vor und zugleich eine treffende Gesellschaftsstudie der frühen 80er Jahre." Anke Breitmaier, Dapd "Dückers erinnert an die Phänomene im Jahr 1982 - Peep-Show, Ratten, Popper, Lorettas Garten, Wit-Boy -, als die Stadt noch etwas schmuddliger, die politische Lage düsterer, die Stimmung rauhbeiniger war." Matthias Wulff, Berliner Morgenpost "Tanja Dückers hat in diesem Bücherfrühjahr mit HAUSERS ZIMMER einen ultimativen Berlin-Roman vorgelegt und erzählt darin charmant, locker und nachdenklich vom West-Berlin des Jahres 1982." Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel "HAUSERS ZIMMER ist ein Berlin-Roman, ein Familienporträt, ein Zeitstück, das liebevoll die Absonderlichkeiten der 80er Jahre ins Gedächtnis ruft." Gabi Eisenack, Nürnberger Zeitung "Eine treffende und amüsant zu lesende Schilderung jener Zeit in der Inselstadt West-Berlin." Britta Helmbold, Ruhr Nachrichten "Journalistisch beschreibend, humoristisch frech erzählend, stets interessant." Rainer Hartmann, Kölner Stadt Anzeiger "Wie schön, dass diese Prosa in keine der üblichen Schubladen passen will. Und sich in einem Fluss lesen lässt, ohne dass man jemals entmutigt oder gar ermüdet von der Lektüre wäre. (...) Scharfsichtig, doch liebevoll breitet Tanja Dückers ihr Tableau aus, das im Quartier um den Bahnhof Zoo, die Ruine der Gedächtniskirche und den Kurfürstendamm sein Zentrum hat. (...) In Sven Regeners HERR LEHMANN hat das Mädchen freilich noch einen Bruder im Geiste, die Szene aber wirkt bei Dückers, die mit den Augen eines Teenagers darauf sieht, noch differenzierter und subtiler. (...) Leichtfüßig und mit feiner Ironie erzählt Dückers die Geschichte Julikas. Es könnte ihre eigene sein." Andreas Montag, Frankfurter Rundschau "Das Buch ist mit viel Humor geschrieben und brillant beobachtet. Auch verfügt Tanja Dückers offensichtlich über ein phänomenales Gedächtnis, und das beschert dem Leser immer neue Einzelheiten über die immer gleichen Schauplätze. Und schließlich ist es die Hartnäckigkeit selbst, mit der Tanja Dückers unerschütterlich immer weiter erzählt über Mutter-Vater-Bruder, Haus und Hof und Hausers Fenster, heute, morgen, übermorgen. Sehr nüchtern, sehr komisch, sehr genau (...) Solch einen Blick auf West-Berlin kenne ich aus der Literatur noch nicht." Irina Liebmann, Literarische Welt "Peter Hauser ist eine Metapher für Westberlin und Julika Zürn die Chronistin, die mit großer Fabulierlust und mithilfe der angesagten Lieder aller Genres, die sich im Hof vermischen, das Westberlin des Jahres 1982 lebendig macht." Annett Gröschner, Literaturen "Tanja Dückers schreibt witzig und temperamentvoll über den Blues in der Mauerstadt anno 1982. (...) Spannend, heutig und intelligent." Welt Kompakt "Ein Stadt- und Entwicklungsroman." Peter Mohr, Neue Westfälische "Erinnern Sie sich noch an das West-Berlin der frühen 80er-Jahre? (...) Ich habe DIE WICHERTS VON NEBENAN und ICH HEIRATE EINE FAMILIE gesehen: Punks und Kreuzberger Kiez, Kalter Krieg und Inseldasein. Bürgerliche Welten und anarchisches Potenzial. Alles drin. Tanja Dückers hat einen Roman über diese Zeit geschrieben, der deren Atmosphäre perfekt einfängt." Christoph Schröder, Journal Frankfurt "Unprätentiös und unterhaltsam." Saarbrücker Zeitung "Fabelhafte Lektüre." Esslinger Zeitung "Die versunkenen Schätze des alten West-Berlin legt Dückers mit geradezu archäologischer Präzision frei. Daneben zeichnet die Autorin aber auch ein sehr prägnantes Gesellschaftsbild; das West-Berlin jener Jahre ist ein buntes soziales Biotop in dem sich Lebenskünstler, Aussteiger, Wehrdienstverweigerer, Obdachlose, linke Akademiker und sonstige experimentierfreudige Angehörige der 68er Generation tummeln." Brigitte Preissler, Börsenblatt "Dückers' neuer Roman macht rüber in den Westen." BZ Berlin "Ich finde den Roman da sehr, sehr stark, wo er eine Alltagsethnologie betreibt und dieses Milieu, dieses Berlin, diese Zeit nahebringt. (...) Alles, was der Roman da aufbietet an Attributen, an Redewendungen - ich habe das beim Lesen buchstäblich eingeatmet und mich an alles erinnert." Ursula März, SWR "Die Berliner Schriftstellerin und Journalistin Tanja Dückers hat einen Großstadtroman komponiert. In ihrem Roman HAUSERS ZIMMER schildert sie die Enttäuschungen und Träume, die das urbane Leben bei Julika Zürn produziert. Sie zeigt, welche Spuren das West-Berlin der frühen 1980er Jahre bei der Erzählerin und in der deutschen Geschichte hinterlässt." Michael Hametner, MDR "Alltag vor der Wende. (...) Leben mit Poppern und Punks, Bürgerstein und Anarchie, mondän und provinziell - geschildert aus heutiger Sicht." RBB, Radio Eins "HAUSERS ZIMMER erzählt schillernd und kraftvoll vom Erwachsenwerden. Tanja Dückers beschreibt dabei subtil das alte untergehende West Berlin Anfang der 80er-Jahre so genau, dass Ihr es riechen, fühlen und sehen könnt. Dufte!" RBB, Radio Fritz "Es ist ein Leben zwischen Römertopf, hochpolitischen Diskussionen am Frühstückstisch, Joseph Beuys' Lied SONNE STATT REAGAN und Nachmittagen, an denen gemeinsam Care-Pakete für Polen-Kinder gepackt werden." WDR EinsLive "Tanja Dückers holt einen in eine Welt zurück, die man fast vergessen hatte. Wer in den 80ern jung war, wird vieles wiederentdecken." Myself
Tanja Dückers wurde 1968 in Westberlin geboren. Sie studierte Nordamerikanistik, Germanistik und Kunstgeschichte. Neben Prosa und Lyrik schreibt sie Essays, Hörspiele und Theaterstücke. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, die sie u. a. nach Kalifornien, Pennsylvania, Gotland, Barcelona, Prag und Krakau führten. Sie lebt in Berlin.
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