1979 war die Mauer für die meisten Westberliner kein Aufreger. Die
bis heute unfassbare Realität dieser innerstädtischen Grenze war
Teil der Lebenswelt geworden, so selbstverständlich wie der
Kurfürstendamm oder die Philharmonie.
Bei seiner mehr als 160 km langen Grenzbegehung hat Hans W. Mende
damals die Mauer und Grenzanlagen, vor allem aber die Entwicklung
des Stadtraumes in Grenznähe festgehalten unaufgeregt, großformatig
und mit dem für ihn typischen präzisen Blick für Zusammenhänge und
Details.
Heute ist die Mauer Vergangenheit, Thema nur noch anlässlich von
Gedenktagen aus dem Stadtbild ist sie genauso verschwunden wie aus
dem Bewusstsein. In diesem vollständig veränderten Kontext wird die
Revision von Hans W. Mendes einzigartigem Grenzarchiv zur denkbar
spannendsten Geschichtsbetrachtung.
Im Buch ist der Bildstrecke ein Essay von Ulrike Schuster
vorangestellt, der von West-Berlin als drittem Deutschlandentwurf
spricht von der Bundesrepublik genau so weit entfernt wie von der
DDR. Ein Entwurf, der nur in der Insellage West-Berlins denkbar war
und der zusammen mit der Mauer für immer verschwunden ist.
Hans W. Mende, geboren 1948, Meisterschüler der Universität der Künste zu Berlin, berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie, seit 1976 freischaffender künstlerischer Fotograf, zählt zu den bekanntesten Berliner Fotografen der Vor- und Nach-Wendezeit und ist in vielen Sammlungen und Museen präsent.
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