Frank Gaudlitz (*1958 in Vetschau) wurde mit seinem Fotoprojekt
Warten auf Europa bekannt, bei dem er auf einer Reise entlang der
Donau - vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer - Menschen
porträtierte, denen er zufällig begegnet war. Im bewussten
Gegensatz dazu bat Gaudlitz für seine neue Serie Casa mare Menschen
im südlichen und mittleren Osteuropa vor die Kamera, um sie in
ihren Wohnzimmern und in Festtagskleidung zu fotografieren. Meist
wurde für diese Inszenierungen eigens für ihn die "gute
Stube" geöffnet, der Feierlichkeiten vorbehaltene Raum mit
seiner oftmals reichen Ornamentik aus Teppichen, Heiligenbildchen,
Vorhängen und Familienfotos. Die Kleidung der Porträtierten verrät
etwas von deren unterschiedlichen Schönheitsidealen, aber auch von
ihrem sozialen Status. Mit seiner Serie macht Gaudlitz verschiedene
kulturelle Traditionen sichtbar, die mit der EU-Osterweiterung zu
verschwinden drohen. Ziele von Gaudlitz' fotografischer
Spurensuche, die in der vorliegenden Publikation mit Essays von
Matthias Flügge und Karl-Markus Gauß nachgezeichnet wird, waren
etwa die Schwäbische Türkei in Südwestungarn, die Vojvodina in
Serbien, Siebenbürgen und die Dobrudscha - beide in Rumänien -
sowie Bessarabien in der Republik Moldau.
Ausstellungen: Galerie Haus 23, Cottbus, 6.11.-5.12.2009 Guardini
Galerie, Berlin 8.4.-13.6.2010
Karl-Markus Gauß, geboren 1954, schreibt für große Zeitungen wie die "ZEIT", die "FAZ", die "NZZ" und "Die Presse". Er ist Autor und Herausgeber der Zeitschrift "Literatur und Kritik" und lebt heute in Salzburg. Der Essayist erhielt 2006 für sein Gesamtwerk den "Georg-Dehio-Buchpreis" des Deutschen Kulturforums östliches Europa sowie den "Manès-Sperber-Preis", 2007 den "Mitteleuropa-Preis" und 2009 den "Donauland-Sachbuchpreis". Im Jahr 2010 wird ihm der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay verliehen.
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