Ein Stück Malheur - Gronius, Jörg W.

Jörg W. Gronius 

Ein Stück Malheur

Roman

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Produktinformation

  • Verlag: Weidle Verlag
  • 2001
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 175 S.
  • Seitenzahl: 175
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 139mm x 22mm
  • Gewicht: 327g
  • ISBN-13: 9783931135485
  • ISBN-10: 3931135489
  • Best.Nr.: 08991126
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.02.2001

Der Reiz des Hustenanfalls
Jörg W. Gronius überlebt eine Kindheit

Vielleicht hat der Junge auch einen Namen. Genannt wird er jedenfalls nur "Bengel", "Nichtsnutz" oder "Biest", einzig bei Spaziergängen im Park, wenn Fremde in der Nähe sind, sagt die Großmutter "mein Junge" zu ihm. Zu Hause, in der Kreuzberger Einraumwohnung, ist es mit der Freundlichkeit wieder vorbei: "Immer wurde mir gedroht. Meist wurde die Drohung wahr gemacht. Prügel oder Einsperren oder beides. Der Grundkonsens war meine Demütigung. Der Grundkonsens der zwei Frauen, denen ich ausgeliefert war: meiner Mutter und meiner Großmutter mütterlicherseits."

Der Dramaturg Jörg W. Gronius ist bislang als Autor von grotesken Kurzstücken in Erscheinung getreten, die er gemeinsam mit Bernd Rauschenbach verfaßt und inspiriert vorgetragen hat. Sein erster Roman schildert eine Berliner Kindheit in den Fünfzigern mit der Parteilichkeit des Opfers, das seinen Peinigern längst entwachsen ist, sich aber nur zu gut an die Hoffnungslosigkeit erinnert, die in der Perspektive des Kindes über Jahre vorherrschend gewesen ist. Daß es Gronius gelingt, sein Buch dennoch frei von …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

In dem autobiografischen Kindheitsroman von Jörg W. Gronius findet Werner Irro die ganze Lustfeindlichkeit der Gesellschaft der fünfziger Jahre auf beklemmende Weise präsent. Gronius schreibt aus der Perspektive eines Jungen ohne Namen, der sich unter der autoritären und wenig liebevollen Erziehung durch Vater, Mutter und Großmutter wie der Waisenjunge Harry Potter am liebsten freiwillig in seine Besenkammer verzieht. In neun Kapiteln umreißt Gronius die verschiedenen Lebensbereiche des Kindes. Irro nennt das `ein Ganzes, das einem die Luft nimmt`. Selten wechselt der Autor auf eine intellektuelle Ebene, schreibt Irro, die aber verzichtbar ist, da der `assoziative Stil` `ganz der Erregung der Fantasie des Jungen durch ein Wort oder ein Bild` folgt. Gronius porträtiere damit eine Zeit, deren Ziel es war, mit allen Mitteln eine äußerliche Ordnung herzustellen. Das `Protokoll einer verweigerten Kindheit` vergleicht der Rezensent sogar mit der Selbsterlebensprosa eines Thomas Bernhard.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jörg W. Gronius, 1952 in Berlin geboren. Er studierte Theaterwissenschaften und arbeitete als Dramaturg und Regisseur. Gronius schreibt Texte über und für das Theater, vor allem Dramen und Libretti.

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