Berlin . . . Endstation - Hilsenrath, Edgar

Edgar Hilsenrath 

Berlin . . . Endstation

Roman

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Berlin . . . Endstation

Hilsenraths autobiographischer Roman verbindet das Leben des Autors aufs Spannendste mit seinem Werkkosmos.

Westberlin 1975. Der erfolglose jüdische Autor Joseph Leschinsky kehrt aus den USA zurück ins Land der Täter und in die Sprache, die er noch immer liebt. Er bezieht ein Zimmer bei einer alten Dame, die den Davidstern an einer Kette um den Hals trägt. Doch hinter der bürgerlichen Fassade lauert das Ressentiment: Seine Wirtin verehrte den Führer, erst nach dem Krieg tauschte sie bei ihrer Heirat das Hakenkreuz gegen den Davidstern.
Nach und nach gewinnt »Lesche« Boden und trifft die Literaturszene im »Zwiebelfi sch«. Als sein Roman von einem Verleger angenommen und als Spitzentitel verkauft wird, erntet er späte Lorbeeren. Doch die Vergangenheit ist nicht vorbei ...


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 242 S.
  • Seitenzahl: 256
  • dtv Taschenbücher Bd.13783
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 17mm
  • Gewicht: 213g
  • ISBN-13: 9783423137836
  • ISBN-10: 3423137835
  • Best.Nr.: 25580513
"Eine zotige Liebeserklärung an die deutsche Sprache."<br />suite101.de Mai 2010 <br />

»Eine zotige Liebeserklärung an die deutsche Sprache.« suite101.de Mai 2010

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Edgar Hilsenraths Roman ist für Rezensent Dieter Hildebrandt Teil seines "Versteckspiels". Das Buch erzähle zwar auf den ersten Blick "einigermaßen lebensecht" Hilsenraths Heimkehr nach Deutschland im Jahr 1975 und seine "harte Landung" im Westen Berlins. Der Roman beschreibt, wie ein Schriftsteller sich erfolgreich hocharbeitet bis er ins Visier von Neonazis gerät. Schon vor einem Jahr sei die Skizze zum Buch bei einer Ausstellung in der Berliner Akademie vorgestellt worden, doch bei der Lektüre des jetzt erschienenen Romans stellt der Rezensent nicht nur fest, dass sich Titel und Name des Protagonisten verändert haben, sondern dass Hilsenrath wieder einmal den Eindruck vermittle, "er wolle lieber auf dem falschen Fuß als auf dem richtigen Ich ertappt werden". Der Rezensent wird das Gefühl nicht los, dass der Autor sich hinter "traumatischen Tarnungen" versteckt. So hat er zumindest nach der Lektüre noch viele Fragen, die auch das Nachwort Helmut Brauns nicht auflösen kann. Immerhin gebe der in einem Punkt Entwarnung: Hilsenrath sei nie von Neonazis bedroht worden.

© Perlentaucher Medien GmbH
Edgar Hilsenrath, geboren 1926 in Leizig, flüchtete 1938 mit der Mutter und dem jüngeren Bruder nach Rumänien. 1941 kam die Familie in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine. Hilsenrath überlebte und wanderte 1945 nach Palästina, 1951 in die USA aus. Heute lebt er in Berlin. 1989 erhielt Edgar Hilsenrath den Alfred-Döblin-Preis, 1992 den Heinz-Galinski-Preis, 1994 den Hans-Erich Nossack-Preis, 1996 den Jacob-Wassermann-Preis, 1999 den Hans Sahl-Preis und 2004 den Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste Berlin.

Leseprobe zu "Berlin . . . Endstation" von Edgar Hilsenrath

Eigentlich heiße ich Joseph Leschinsky, aber da manche Leute Leschinsky zu lang fanden, nannten sie mich Lesche. An Lesche habe ich mich gewöhnt, und dieser Name ist mir geblieben und ersetzt sogar meinen Vornamen, einfach so: Lesche.»Und Sie wollen in Deutschland bleiben?«»Ich habe die Schnauze voll von Amerika.«Singer spielte mit seinen Kreuzworträtseln, und seine Finger fuhren fast zärtlich über das Papier.»Sie werden als Jude nicht lange in Deutschland leben können«, sagte er dann.»Ich habe mir die Sache gründlich überlegt«, sagte Lesche.»Ich bin deutscher Schriftsteller und brauche die deutsche Sprache. Ich muß sie hören, immer und überall. Außerdem ist Deutschland heute ein demokratisches Land. Der Hitlerspuk ist längst vorüber, und inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen.«»Der Holocaust wird Sie überall in Deutschland verfolgen. Jedes Haus, jede Straße wird Sie daran erinnern. Und die alten Leute. Es gibt kein Entrinnen. Glauben Sies mir.«»Man muß es auf einen Versuch ankommen lassen.«Lesche schlürfte den wäßrigen Kaffee. »Ich habe unlängst in einer jüdischen Zeitung gelesen«, sagte er dann, »daß die Deutschen in der Hauptstadt ein Holocaustmahnmal errichten wollen. Was halten Sie davon?«»Das ist ein schlechter Witz«, sagte Singer. »Wozu brauchen die Deutschen ein Mahnmal? Ganz Deutschland ist ein Holocaustmahnmal.«»Ganz Deutschland?«»Ja. Ganz Deutschland.«

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