Erinnerungsgespräche mit Opfern, Tätern und Mitläufern des Nationalsozialismus. Mit Beitr. v. Nicoletta Bertagnoli, Gerhard Botz, Patrick Frieden u. a.
Nationalsozialismus und Holocaust sind Familiengeschichte sei es
als Opfer, oder sei es in einem noch viel größeren Umfang als
(Mit-)TäterInnen. Die Erinnerung an die NS-Terrorherrschaft sind
als"Nachbild"auch in den öffentlichen und (halb) privaten
Familiengedächtnissen in einer vielfältigen Weise präsent. Davon
handelt dieses Buch. Die hier vereinten 14 Essays und Berichte
stammen überwiegend von jungen HistorikerInnen sowie vom
Herausgeber, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Wien.
Sie erzählen, wie eine junge Französin oder drei Polinnen die
Konzentrationslager des Nationalsozialismus überlebt haben und noch
heute schwer darunter leiden, wie ein damals jugendlicher
Wehrmachtssoldat seine Grausamkeit als "Partisanenjäger"
offen zu erkennen gibt, wie ein Überlebender des
"Sonderkommandos" in Birkenau heute in Los Angeles nur
gebrochen davon berichten kann. Ein schwejk'scher
Widerstandskämpfer aus Luxemburg und seine "drei Mütter"
kommen vor, eine Gefolterte, die bei
der Gestapo eher ihr Kind als die Namen ihrer Wiener Kameraden
preisgab, ein Mühlviertler Opa aus der SS-Wachmannschaft
Mauthausens und ein von der Verfolgungsmaschinerie eingeholter
Emigrant, der mit den Regeln des Fußballs in Auschwitz
durchgekommen zu sein meint. Auch über ein Mädchen aus Krakau, das
in der Schreibstube von Birkenau die Todeskartei führte, später
Musikkritiken schreibt, und über eine kommunistische
Widerstandskämpferin, deren Erinnerungen an das erfahrene Grauen
heute zu schwinden beginnen, wird berichtet. Großmütter, Großväter
und Großonkel, damals jung, mehr oder weniger in den
Nationalsozialismus involviert, erzählen - gefragt von ihren
Enkelinnen und Enkeln - mit einer betroffen machenden Naivität oder
Uneinsichtigkeit. Gerhard Botz verfasste auch einen Bericht über
seinen Vater als Nazi und Wehrmachtssoldat.
GERHARD BOTZ, geboren 1941 in Oberösterreich; Studium von Geographie, Biologie und Geschichte an der Universität Wien, Dr. phil. 1967; 1965-68 Dokumentar an der Arbeiterkammer Wien; 1968-79 Assistent und 1979/80 Dozent an der Universität Linz; 1980-97 o. Professor für österreichische Geschichte an der Universität Salzburg; Gastprofessuren an der University of Minnesota, Minneapolis, an der Stanford University und an der École des Hautes Études, Paris; seit 1982 Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaft, Salzburg-Wien; seit 1997 o. Professor für Zeitgeschichte an der Universität Wien.
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