Eine Frau in Berlin - Anonyma
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Anonyma 

Eine Frau in Berlin

Tagebuch-Aufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945. Nachw. v. Kurt W. Marek

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Produktbeschreibung zu Eine Frau in Berlin

Wer erfahren will, wie es wirklich war, wird sich an die Frauen halten müssen. Denn die Männer haben sich in den Ruinen als "das schwächere Geschlecht" gezeigt. So sieht es die Autorin dieses Buches, die das Ende des Krieges in Berlin erlebt hat.
Ihre Aufzeichnungen sind frei von jeder Selbstzensur. Ohne die geringste Retouche sind sie 1959 in einem kleinen Schweizer Verlag erschienen. Seitdem waren sie nicht mehr zugänglich; erst nach dem Tod der Verfasserin ist eine Neuausgabe möglich geworden. Nicht das Ungewöhnliche wird in diesem einzigartigen Dokument geschildert, sondern das, was Millionen von Frauen erlebt haben: zuerst das Überleben in den Trümmern, ohne Wasser, Gas und Strom, geprägt von Hunger, Angst und Ekel, und dann, nach der Schlacht um Berlin, die Rache der Sieger.

Von jenem Selbstmitleid, an dem die geschlagenen Deutschen litten, fehlt hier jede Spur. Illusionslose Kaltblütigkeit, unbestechliche Reflexion, schonungslose Beobachtung und makabrer Humor zeichnen das Tagebuch aus. Lakonisch stellt die Autorin fest: "Die Geschichte ist sehr lästig." Auch darin zeigt sich ihre innere Überlegenheit, daß sie sogar unter den vergewaltigenden und plündernden russischen Soldaten noch sehr genau zu differenzieren weiß.

Neben Ruth Andreas-Friedrich und Margret Boveri tritt hier eine dritte Zeugin auf, deren Bericht jahrzehntelang verschollen war. Niemand, der ihn liest, wird ihn wieder vergessen.



Produktinformation


  • Verlag: EICHBORN
  • 2003
  • 10. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 291 S.
  • Seitenzahl: 300
  • Die Andere Bibliothek
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 134mm x 28mm
  • Gewicht: 437g
  • ISBN-13: 9783821847375
  • ISBN-10: 3821847379
  • Best.Nr.: 11424506
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.09.2003

Wenn Jungen Weltgeschichte spielen, haben Mädchen stumme Rollen
Wer war die Anonyma in Berlin? Frauen, Fakten und Fiktionen – Anmerkungen zu einem großen Bucherfolg dieses Sommers
Zu den größten Bucherfolgen dieses Sommers gehört das Buch der Anonyma „Eine Frau in Berlin. Tagebuch-Aufzeichnungen vom 20. April bis zum 22. Juni 1945” (Eichborn Verlag). Zehntausende lasen den Zeugnisbericht der Unbekannten. Seit achtzehn Wochen behauptet er einen Platz auf der Bestsellerliste des Spiegel. „Eine Frau in Berlin” ist durchweg positiv, oft euphorisch besprochen worden (SZ vom 10. Juni). Das Buch ist ein gut inszeniertes Rätsel. Wir wissen nicht, wer es geschrieben hat, wird dürfen es nie erfahren und sollen doch glauben, dass es sich um ein authentisches Zeugnis handelt: den Bericht einer deutschen Frau über Luftschutzkeller, Hunger und Vergewaltigungen durch marodierende Rotarmisten.
Das Buch über den Frühling der Befreiung im russisch besetzten Berlin erschien erstmals 1954 auf englisch, wurde in den USA, in England, Italien, Dänemark, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Spanien und Japan verkauft, bevor im Jahr 1959 eine deutsche Ausgabe auf den …

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Stimme aus dem Verlag

"Das Einmalige an diesem Text ist seine Eindrücklichkeit und seine Poesie. Das ist deshalb so erstaunlich und umwerfend zugleich, weil die Tagebuchaufzeichnungen dieser anonymen Frau einerseits ein schonungslos offenes Zeitdokument darstellen. Ohne jedes Pathos dokumentieren sie den Überlebenskampf, die notwendige Prostitution der Frauen in den letzten Kriegstagen in Berlin, schildern die ungeheure Gewalt, die den Frauen physisch und psychisch mit der Besatzung der Russen zuteil wird. Andererseits öffnet dieser Text mit seiner dichten, eindrücklichen literarischen Form ein sprachliches Universum, das von unendlicher Liebe zum Leben, zu den Menschen und von einem Mut und einer Kraft zeugt, die sowohl in der heutigen als auch in der zeitgenössischen Literatur seinesgleichen sucht."
(Uta Niederstrasser, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Eichborn Verlag)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.06.2003

Wenn weiter gelebt werden muß, geht es auch in der Erstarrung
Mehr als nur eine Fußnote zum Untergang des Abendlandes: Das Tagebuch einer Unbekannten erzählt von den letzten Tagen des Krieges in Berlin

Es gibt eine Schlaflosigkeit, die einem das Gefühl gibt, sein Leben nur zu bewohnen, anstatt daran teilzuhaben. Eine Schlaflosigkeit, die tiefer sitzt als alle Wachträume. Wenn ein fremder Körper nebenan zu laut atmet, wenn jedes nächtliche Straßengeräusch einen auffahren läßt, wenn die Gedanken sich im Kreis wund gedreht haben. Wenn jede Sehne schmerzt vor Ruhelosigkeit, selbst das Haar weh tut und die Fußsohlen. Es ist eine Schlaflosigkeit, die gleichgültig wird, sobald der Morgen graut: Wieder eine Nacht überstanden.

Uhren, um die zermürbenden Stunden des Wachliegens zu zählen, gibt es im Mai 1945 in Berlin kaum noch. Der Frau, die nach Tagen der Schlaflosigkeit erleichtert einen kurzen, "brunnentiefen" Schlummer im Tagebuch notiert, ist es gleich; Hauptsache, sie weiß, welches Datum es ist. Sie beginnt ihre Chronik am Tag, "als Berlin zum ersten Mal der Schlacht ins Auge sah". Es ist Freitag, der 20. April 1945, Hitlers …

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"Das unglaubliche Sprachgefühl, der Sinn für Pointen, der unprätentiöse Gebrauch von Bildung, die genaue Beobachtungsgabe, die Dichte der Beschreibung, der intellektuelle Feinsinn, das klare Urteil - man möchte nicht aufhören, dieses Buch zu loben und für seine Lektüre zu werben."
(Hanna Leitgeb in Literaturen)

"'Eine Frau in Berlin' ist ein unglaubliches Buch. Wer das Alphabet gelernt hat, darf und muss es jetzt lesen!"
(Renée Zucker in der taz)

"Ein menschlich berührendes und literarisch gewichtiges Dokument - und eine späte, überfällige Entdeckung."
(Joachim Kronsbein in Der Spiegel)

"Ein menschlich berührendes und literarisch gewichtiges Dokument - und eine späte, überfällige Entdeckung."

Leseprobe zu "Eine Frau in Berlin" von Anonyma

In drei dicht beschriebenen Schulheften liegen die Aufzeichnungen der Verfasserin aus der Zeit vom 20. April bis zum 22. Juni 1945 vor. Ab Juli 1945 schrieb sie für einen Menschen, der ihr nahestand, diese Hefte auf der Schreibmaschine ab. Dabei wurden aus Stichworten Sätze. Angedeutetes wurde verdeutlicht, Erinnertes eingefügt. Lose Kritzelzettel fanden ihren Platz an gehöriger Stelle. Es entstanden auf grauem Kriegspapier 121 engzeilige Maschinenseiten. Jahre später kamen sie Bekannten der Schreiberin zu Gesicht, darunter dem Schriftsteller Kurt W. Marek (C. W. Ceram), welcher die Meinung vertrat, daß hier über das persönliche Erlebnis hinaus ein Zeitdokument vorliege. Er übergab den Text einem Buchverleger in New York. Dieser brachte im Herbst 1954 eine Übersetzung heraus. Im Sommer 1955 folgte die britische Ausgabe. Es erschienen seither Übersetzungen ins Schwedische, Norwegische und Holländische, ins Dänische und Italienische, ins Japanische und Spanische, ins Französische und Finnische.

Die verständnisvolle Aufnahme ihres Berichtes in so vielen Ländern, dazu ihr Vertrauen in die heilende Kraft der seither verflossenen Zeit ließen die Schreiberin auch einer deutschsprachigen Ausgabe zustimmen. Aus Gründen

menschlichen Taktes wurden im Manuskript alle Eigennamen und zahlreiche Einzelheiten verändert oder vertauscht. Daß die Schreiberin anonym zu bleiben wünscht, ist wohl jedem Leser begreiflich. Ihre Person ist ohnehin belanglos, da hier kein interessanter Einzelfall geschildert wird, sondern ein graues Massenschicksal ungezählter Frauen. Ohne ihre Aussage wäre die Chronik unserer Zeit, die bisher fast ausschließlich von Männern geschrieben wurde, einseitig und unvollständig.

Chronik, begonnen an dem Tag, als Berlin zum ersten Mal der Schlacht ins Auge sah.

Freitag, 20. April 1945, 16 Uhr

Ja, der Krieg rollt auf Berlin zu. Was gestern noch fernes Murren war, ist heute Dauergetrommel. Man atmet Geschützlärm ein. Das Ohr ertaubt, es hört nur noch die Abschüsse schwerster Kaliber. Eine Richtung ist längst nicht mehr auszumachen. Wir leben in einem Ring von Rohren, der sich stündlich verengt.

Zwischendurch Stunden von unheimlicher Lautlosigkeit. Plötzlich fällt einem der Frühling ein. Durch die brandschwarzen Ruinen der Siedlung weht in Schwaden Fliederduft aus herrenlosen Gärten. Der Akazienstumpf vor dem Kino schäumt über von Grün. Irgendwann zwischen den Alarmen müssen die Schrebergärtner gebuddelt haben, denn bei den Lauben an der Berliner Straße sieht man frisch umbrochenes Land. Nur die Vögel mißtrauen diesem April; unsere Dachrinne ist spatzenleer.

Gegen drei Uhr fuhr am Kiosk der Zeitungsfahrer vor. Es lauerten ihm schon zwei Dutzend Leute auf. Im Nu verschwand er zwischen Händen und Groschen. Gerda vom Portier ergatterte eine Handvoll "Nachtausgaben" und ließ mir eine. Gar keine richtige Zeitung mehr, bloß noch eine Art Extrablatt, zweiseitig bedruckt und ganz feucht. Im Weitergehen las ich als erstes den Wehrmachtbericht. Neue

Ortsnamen: Müncheberg, Seelow, Buchholz. Klingt verdammt märkisch und nah. Ein flüchtiger Blick auf die Westfront. Was gehen uns jetzt die an? Unser Schicksal rollt von Osten heran und wird unser Klima ändern, wie es einmal die Eiszeit tat. Warum? Man quält sich mit unfruchtbaren Fragen. Ich will jetzt nur den Tag sehen, die nahen Aufgaben.

Um den Kiosk herum überall Gruppen von Menschen, käsige Gesichter, Gemurmel:

"Nein, wer hätte das gedacht."

"So'n bißken Hoffnung hat wohl jeder noch jehabt."

"Auf uns kommt's nicht an, wir sind Neese."

Und, in bezug auf Westdeutschland: "Die haben's gut. Die haben's überstanden." Das Wort "Russen" spricht keiner mehr aus. Es will nicht über die Lippen.

Wieder oben in der Dachwohnung. Mein Zuhause ist sie nicht. Ich hab keins mehr. Wohl war auch die möblierte Stube, die mir weggebombt wurde, nicht mein. Immerhin hatte ich sie im Lauf von sechs Wohnjahren mit meiner Lebensluft erfüllt. Mit meinen Büchern und Bildern und den hundert Sachen, die man um sich häuft. Mein Seestern vom letzten Friedenssommer auf Norderney. Der Kelim, den Gerd mir aus Persien mitgebracht hatte. Die verbeulte Weckeruhr. Photos, alte Briefe, die Zither, meine Münzen aus zwölf Ländern, die angefangene Strickerei - all die Andenken, Häute, Schalen, Ablagerungen, der warme Trödel gelebter Jahre.

Jetzt, wo alles weg ist und mir nur ein Handkoffer mit Kleiderkram bleibt, fühle ich mich nackt und leicht. Weil ich nichts mehr habe, gehört mir alles. Zum Beispiel diese fremde Dachwohnung. Das heißt, ganz fremd ist sie nicht. Wohnungsinhaber ist ein ehemaliger Kollege von mir. Ich war des öfteren hier zu Gast, als er noch nicht einberufen war. Wir tätigten zeitgemäße Geschäfte miteinander: seine dänischen Fleischkonserven gegen meinen französischen Kognak; meine französische Seife gegen die Strümpfe, die er über Prag bekam. Ich konnte ihm noch eben meine Ausbombung mitteilen und bekam Erlaubnis, hier einzuziehen. Zuletzt hat er sich aus Wien gemeldet, wo er bei einer Zensurstelle der Wehrmacht saß. Wo er jetzt ist -? Jedenfalls sind Dachwohnungen wenig gefragt. Außerdem regnet es durch, da die Ziegel zum Teil zertöppert sind oder weggepustet.

Ich finde keine Ruhe hier oben, trabe immerfort durch die drei Räume. Systematisch habe ich alle Schränke und Schübe nach Brauchbarem abgesucht, das heißt nach Eßbarem, Trinkbarem, Brennbarem. Leider fast nichts gefunden. Da hat die Frau Weiers, die hier saubermachte, wohl vorgearbeitet. Jetzt gehört alles allen. Man ist nur noch lose mit den Dingen verbunden, unterscheidet nicht mehr klar zwischen eigenem und fremdem Besitz.

Eingeklemmt in einer Schubladenritze fand ich einen Brief an den Wohnungsinhaber. Ich schämte mich, daß ich ihn las, und las ihn doch. Ein verliebter Liebesbrief, hab ihn im Bad weggespült. (Noch haben wir die meiste Zeit Wasser.) Herz, Schmerz, Liebe, Triebe. Was für ferne, fremde Wörter. Offenbar setzt ein verfeinertes, wählerisches Liebesleben regelmäßige, ausreichende Mahlzeiten voraus. Mein Zentrum ist, während ich dies schreibe, der Bauch. Alles Denken, Fühlen, Wünschen und Hoffen beginnt beim Essen.

Zwei Stunden später. Das Gas brennt mit sterbendem Flämmchen. Seit Stunden stehen die Kartoffeln darauf. Die armseligste Schnapskartoffel im Land, sie zerfällt zu Matsch und schmeckt nach Pappe. Eine davon hab ich halb roh geschluckt. Seit heute früh schon stopfe ich mich voll. Hab bei Bolle die hellblauen Milchmarken eingelöst, die Gerd mir zu Weihnachten geschickt hat. Es war höchste Zeit. Die Verkäuferin schöpfte schon aus schräg gehaltener Kanne und sagte, nun komme keine Milch mehr nach Berlin. Das heißt Kindertod.

Gleich auf der Straße trank ich ein paar Schluck ab. Füllte mir daheim den Magen mit Griesbrei und schickte einen Brotkanten nach. Theoretisch bin ich so satt wie lange nicht. Praktisch quält mich tierischer Hunger. Vom Essen bin ich erst richtig hungrig geworden. Bestimmt gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung. Etwa, daß Speise die Magensekretion anregt und die Säfte verdauungslustig macht. Und wenn diese dann richtig in Schwung kommen, ist der kleine Vorrat schon wegverdaut. Dann grollen die Säfte.Beim Kramen in den kümmerlichen Buchbeständen des Hausherrn (ich fand auch die leere Kladde dort, in die ich jetzt schreibe) klappte ich einen Roman auf. Englisches Adelsmilieu, darin etwa folgender Satz: "... warf einen flüchtigen Blick auf ihre unberührte Mahlzeit, erhob sich und ging..." Ich war schon zehn Zeilen weiter, als ich magnetisch angezogen zu dem obigen Satz zurückkehrte. Ich las ihn wohl ein dutzendmal und ertappte mich dabei, wie ich mit den Nägeln über die Buchstaben kratzte, als könnte ich die unberührte Mahlzeit - sie war vorher genau beschrieben worden - aus dem Schmöker herauskratzen. Verrückt sowas. Beginn eines leichten Hungerwahnsinns. Schade, daß ich darüber nicht in Hamsuns Roman Hunger nachlesen kann. Selbst wenn ich nicht verbombt wäre, besäße ich das Buch nicht mehr.

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Kundenbewertungen zu "Eine Frau in Berlin" von "Anonyma"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4.8 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen ***** ausgezeichnet
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Bewertung von Lena W. aus Bad Schönborn am 15.07.2011 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch ist ein ausergewöhnliches Zeitzeugendokument über die Zeit nach Ende des zweiten Weltkrieges in Berlin. Es sind Tagebuchaufzeichnungen einer Frau, die die Schrecken nach dem Einzug der Roten Armee in das besetzte Berlin erzählen. Schonungslos und offen berichtet die Frau über die Zustände die dort vorherschten. Dass die Schreiberin dabei anonym bleiben will, ist nur verständlich. Es tut auch nichts zur Sache, da diese Ereignisse in unzähliger Weise vorgekommen sind. Die Aufzeichnungen betreffen den Zeitrahmen vom 20.April bis 22 Juni 1945. In dieser Erzähung wird über die Vergewaltigungen genauso geschrieben, wie über das Überleben allgemein nach dem Krieg. Die Frau findet unter den russischen Besatzern einen "Beschützer" so dass vieles für sie erträglicher zu sein scheint. Diese Berichte berühren den Leser in sehr menschlicher Art und Weise und machen so die Schrecken des Krieges deutlich.
Dieses Buch ist für alle, die geschichtlich interessiert sind. Für alle die nie vergessen sollen, was damals geschah und nie mehr geschehen darf. Es ist ein wichtiges Dokument des nicht vergessens. Für alle nachfolgenden Generationen.

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Bewertung von mama aus Bad Berka am 08.10.2010 ***** ausgezeichnet
Anonym will man bleiben, wenn man sich versteckt. Aber anonym musste eine Frau bleiben, weil sie eine Geschichte zu erzählen hatte, die für Aufregung und Entsetzen sorgte und deren Wahrheitsgehalt angezweifelt wurde.
Diese Geschichte trug sich in Berlin am Ende des 2. Weltkrieges zu. Deutschland steht kurz vor der Kapitulation, die Männer sind im Krieg oder in Gefangenschaft. Die Frauen Berlins kämpfen ums Überleben, jeden Tag, in zerstörten Häusern, Bombenkellern oder auf der Suche nach Lebensmitteln. Dann rückt die Rote Armee ein und das Grauen bekommt noch ein anderes Gesicht. Plünderungen und Vergewaltigungen stehen ab sofort auf der Tagesordnung. Die Frauen müssen sich arrangieren, selbst wenn sie dafür prostituieren ...
Nüchtern, gefühllos und ohne Übertreibung erzählt die anonyma Verfasserin vom Leben der Frauen 1945. Sie will kein Mitleid, sie will aufklären, zeigen, was Hunderttausende von Frauen erdulden mussten. Anonymas Bericht lässt die Leserin sprach- und fassungslos zurück. Wie viel Leid, Angst und Gewalt das Leben der Frauen prägte, wie stark sie jeden Tag sein mussten - das darf niemals vergessen werden!

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Bewertung von Anita Kress aus Bochum am 19.11.2008 ***** ausgezeichnet
Liebe Leserinnen und Leser,
natürlich war mir schon vor dem Kauf bewusst, dass dieses Buch nicht zum Schmunzeln oder Schmökern ohne viel nachzudenken sein wird. Aber dies war von mir auch so ausgesucht und angedacht. Denn zwischendurch soll man sich ja auch mal mit einer Lektüre beschäftigen, welche zum Nachdenken anregt, so auch dieses Buch.
Erst dachte ich, dass es sich hier um eine Art Tag für Tag Vorstellung handelt, da es sich ja um eine Art Tagebuch handeln sollte. Aber der Text ist flüssig zu lesen und kommt auch nicht ins stocken, da die Tagebuchaufzeichnungen alle miteinander verbunden sind und somit eine Art fortlaufende Geschichte erzählen. So erzählt uns die Romanautorin / Tagebuchschreiberin sehr ehrlich und offen über die Geschehnisse in diesen Wochen und Monaten zum Ende des Krieges hin. Sie berichtet über den Hunger und seine Auswirkungen, wie zum Beispiel, dass kleine Babys sterben, da es keine Milch mehr gibt und die Mütter unter diesen Stressbedingungen auch keine eigene Milch erzeugen können. Sie erzählt auch über die schlaflosen Nächte, weil man aufgrund der Bombenangriffe die langen Nachtstunden in den Kellern zur eigenen Sicherheit verbringt. Aber auch ebenso, dass jeder Keller mit seinen dort weilenden Menschen eine eigene Geschichte hat. So halten sich in einem Keller die Hausbewohner bei jedem Bombenangriff Tücher vor den Mund. In einem anderen Keller beugen sich alle nach vorne, um anders zu atmen, etc. Aber es wird auch über Hass und Gewalt der Soldaten untereinander und gegenüber den örtlichen Bewohnern erzählt.
Natürlich habe ich schon viele Filme gesehen, Berichte gehört und / oder gelesen etc. Trotzdem hat mich dieses Buch sehr berührt und gleichsam gefesselt. Denn trotz der allgegenwärtigen Gewalt, des Hungers und der Angst, gibt die Erzählerin nicht auf. Es ist für mich bewundernswert, wie sie eingangs der Notizen erwähnt, dass sie sicher ist, nicht zu sterben. Denn sie hätte im Leben schon viel Schlimmes mit gemacht und erlebt - und würde somit auch den Krieg überleben. Die Frage für sie wäre halt nur: wie schlimm oder weniger schlimm das Überleben werden würde.

Auch empfinde ich ihre Aufzeichnungen als sehr ehrlich. So schreibt sie an einer anderen Stelle, dass sie keine Lust hat, sich in die Menschenschlange einzuordnen, nur um auf Fleisch zu warten, welches hier vergeben wird, da man Fleisch nicht aufbewahren kann, sondern sofort essen müsste und sich dafür das lange Warten nicht lohnen würde. Gleichsam räumt sie ein, dass sie vielleicht noch nicht richtig hat Hunger leiden müssen - um solche Gedanken zu haben.
So kann ich viele Situationen nachempfinden, da auch bei der Autorin immer mal wieder Vorteil und Nachteil einer jeweiligen Situation abgewogen werden und zu den jeweiligen Entscheidungen führen, welche man vielleicht auch hinterher mal bereut.
Was mich auch bewegt hat, ist die Art dieser Niederschrift. Denn während in Filmen und anderen Büchern die einzelnen Situationen gerne mal dramatisiert werden, merkt man hier wirklich, dass es sich um eine Person handelt, welche dem Krieg nun schon seit Jahren ins Auge sieht. So sonnt sie sich auch mal zwischen Glassplittern und ausgebombten Häusern und wundert sich selbst, wie selbstverständlich sie dabei das Kanonenfeuer im Hintergrund hinnimmt, ohne mehr Angst davor zu haben, während sie vor langer Zeit bei jedem Explosions-Geräusch am liebsten zum Schutz in den Keller gerannt wäre.

Gleichzeitig überraschte mich auch die Art, wie sie über die "Feinde" spricht, oder besser gesagt, schreibt. Denn während ich wohl in ihrer Situation nur böse Wörter hierfür hätte, erzählt sie fast sachlich über die Kriegszustände, Einmärsche, Angriffe etc.
So ist dies mal eine ganz andere Art von Erzählung aus einer sehr schwierigen Zeit der Vergangenheit und kann von mir zum Lesen absolut empfohlen werden!

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19 von 19 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Schmid Susanne aus Dachau am 28.10.2008 ***** sehr gut
Hier schreibt eine Frau aus dem Volk ein erschütterndes Tagebuch - über das Vorrücken der Russen von Straße zu Straße, während die Nazis immer noch Deserteure ihrer dem Untergang geweihten Armee öffentlich hinrichten, über den Kriegsalltag mit Kellernächten, Bomben und dem Mangel an Alltäglichem wie Wasser- und Gasversorgung, die Plünderungen und zahllosen Vergewaltigungen durch die Rote Armee.Ich konnte dieses zugleich entsetzliche und anrührende Buch nicht aus der Hand legen, bis ich es ausgelesen hatte, und kann es jedem nur empfehlen.

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