Und die Luft war voller Asche - Bauernebel, Herbert

Herbert Bauernebel 

Und die Luft war voller Asche

9/11 - Der Tag, der mein Leben veränderte

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Und die Luft war voller Asche

Dem Turbinengeheul folgt ein Knall, ein dumpfer Schlag, eine gewaltige Explosion laut, durchdringend, nervenzerfetzend. Die Fenster vibrieren. Mein Herz schlägt heftig. Adrenalin schießt durch den Körper. Ich springe aus dem Sessel. Instinktiv weiß Herbert Bauernebel, dass die Welt nach diesem Tag nicht mehr dieselbe sein wird. Es verstreichen einige Schrecksekunden, dann besinnt sich der Reporter auf seinen Job. Als die Türme einstürzen, ist er live vor Ort und erlebt das Grauen aus nächster Nähe. In was für eine Gefahr er sich begeben hat, wird ihm erst später bewusst. Da liegt er schon unter einem Lieferwagen, um ihn herum Trümmer und Asche. Herbert Bauernebel überlebt, doch der 11. September verändert sein Leben und das seiner Frau. Sie ist schwanger und weiß lange nicht, wie es um ihn steht.


Produktinformation

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 269 S.
  • Seitenzahl: 269
  • Lübbe Hardcover
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 29mm
  • Gewicht: 460g
  • ISBN-13: 9783785724231
  • ISBN-10: 3785724233
  • Best.Nr.: 32254919

Leseprobe zu "Und die Luft war voller Asche" von Herbert Bauernebel

"28 (S. 208-209)

In New York läuft unterdessen der Wiederaufbau – schleppend zunächst. Die Debatte, ob über das ganze Areal nicht ein generelles Bauverbot zur Ehrung der Toten verhängt werden sollte, währt nur kurz: Mitten in einem der berühmtesten Stadtteile – dem Manhattaner Finanzbezirk rund um die Wall Street – eine gewaltige Lücke als Friedhof zu hinterlassen scheint selbst angesichts des Ausmaßes der Tragödie unangebracht. Den New Yorkern sowieso. Rasch wird daher ein Ideenwettbewerb zur Neubebauung des WTC-Areals ausgeschrieben. Die Vielfalt der Entwürfe ist groß, reicht von grotesk bis genial.

Im Entwurf des Stararchitekten Norman Foster, der »Harmonie, Weisheit, Reinheit und Stärke« symbolisieren soll, küssen sich zwei Hälften eines Turmes. Doch das Bauwerk hätte gut 600 Meter in den Himmel geragt, die Skyline regelrecht erschlagen, und kommt daher für die Jury nicht infrage. Der Entwurf des Architekturbüros Meier & Partners wiederum sieht eine Art Gitterraster aus vier horizontal durch Quergänge verbundenen Türmen vor. Andere legen ihre Vision von einem vollständig begrünten Areal, einer Park-Oase vor oder träumen von Arenen der kulturellen und gesellschaftlichen Begegnung.

Das Team von United Architects zeigt ein Modell einer gigantischen, aus verwundenen Bürogebäuden geformten Gedenkstätte, die sich von den Rändern der Baugrube emporschrauben soll.90 Die erste Runde des Wettbewerbs gewinnt jedoch ein anderer: der Stararchitekt Daniel Libeskind, der einen 1776 Fuß hohen Turm präsentiert; die Höhe verweist auf das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die aufgesetzte Nadel erinnert an den gehobenen Arm der Freiheitsstatue. Drei weitere Hochhäuser umranden ein großzügig angelegtes Areal für eine Gedenkstätte, in der die beiden »Fußabdrücke« der gefallenen Zwillingstürme eine zentrale Rolle spielen sollen. New Yorks Gouverneur George Pataki unterstützt Libeskind. Ihm gefällt wohl auch die patriotische Rhetorik des Architekten, in der Elemente des Baus mit Begriffen wie »Freiheitsturm«, »Lichtkeile«, »Fundamente des Gedenkens« oder »Park der Helden« bezeichnet werden.

Widerstand kommt vonseiten des Pächters Larry Silverstein, der New Yorks neues Wahrzeichen lieber von seinem Leibarchitekten David Childs bauen lassen will. Childs hat bereits den Neubau von Building 7 entworfen: ein 52 Stockwerke hohes, elegantes Gebäude mit Glasfassade. Die Auseinandersetzung zwischen Pataki und Silverstein verzögert den Wiederaufbau von Ground Zero gut fünf Jahre, das Schauspiel wird zu einer blamablen Schmierenkomödie: Da lässt Pataki 2004 feierlich den Grundstein für Libeskinds Freiheitsturm legen.

Der Stein aber muss zwei Jahre später, diesmal ohne Mediengetöse, aus der Baugrube fortgeschafft werden, weil er an der »falschen Stelle« liegt. Obwohl ihr immer wieder detaillierte Baupläne vorgelegt wurden, fällt der New Yorker Polizei erst jetzt auf, dass das Gebäude zu nah an vorbeiführenden Straßen stünde und daher für Auto- und Lkw-Bomben anfällig sein könnte. Der wahre Grund dafür ist, dass Silverstein und Childs den unliebsamen Konkurrenten immer aggressiver aus dem Wiederaufbauprozess drängen: Behauptet wird auch, Libeskinds erster Entwurf sei statisch nicht zu verwirklichen, das Bauwerk könne die seitlich angebrachte Spitze gar nicht tragen.

So übernimmt Childs schließlich und legt einen neuen Entwurf vor. Libeskind soll sich nur mehr um den Generalplan des Komplexes kümmern. Doch auch hier wird er sukzessive entmachtet. Währenddessen spitzen sich auch Silversteins Verhandlungen mit dem Eigentümer von Ground Zero, der Hafenbehörde Port Authority (PA), zu. Silverstein verlangt, dass die Behörde den symbolträchtigen, doch als potenzielles Terrorziel schwer vermietbaren Wolkenkratzer finanziert. Seine Argumentation: New York bekäme mit dem Hochhaus seine spektakuläre Skyline zurück, zugleich demonstriere Amerika, wenn den zerstörten Zwillingstürmen ein noch höheres Gebäude nachfolge, dass seine Ambitionen nach dem Terrorschlag ungebrochen sind. Die zu erwartenden Verluste würde die Behörde schon auffangen."

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