Schönheit und Schrecken - Englund, Peter

Peter Englund 

Schönheit und Schrecken

Eine Geschichte des Ersten Weltkriegs, erzählt in neunzehn Schicksalen

Übersetzung: Butt, Wolfgang
Gebundenes Buch
 
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Schönheit und Schrecken

"Eine grandiose, einfühlsame Darstellung. 'Schönheit und Schrecken' lässt die Tragödie des Krieges lebendig werden." - Simon Sebag Montefiore

Der Erste Weltkrieg, die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", hat die alte Welt aus den Angeln gehoben. Ein epochales Ereignis, das seit vier Generationen im kollektiven Gedächtnis haftet aber noch nie so erzählt wurde wie in diesem Buch. In "Schönheit und Schrecken" schildert Peter Englund, international renommierter Historiker und Vorsitzender der Nobelpreisjury, die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Perspektive von neunzehn meist unbekannten Menschen unter ihnen ein ungarischer Kavallerist, ein deutsches Schulmädchen, ein französischer Ingenieur, ein belgischer Kampfflieger, eine russische Krankenschwester und ein amerikanischer Feldchirurg. Sie alle erfahren den Krieg als eine Macht, die ihnen etwas Entscheidendes raubt: ihre Jugend, ihre Illusionen, ihre Hoffnung, ihre Mitmenschlichkeit ihr Leben. So wird immer mehr die existenzielle Dimension des Krieges fühlbar: als Erlebnis und Alltag, als Rausch und Albtraum, als Versprechen und Lüge, als eine alles verschlingende Kraft. Es sind erschütternde Episoden, die sich wie nebenbei zu einem Gesamtbild fügen, romanhaft erzählt und doch auf zahllosen Selbstzeugnissen basierend: Briefen, Tagebüchern, Aufzeichnungen. Ein grandioses Geschichtsepos und zugleich ein einzigartiges literarisches Zeugnis.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • 2011
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 694 S. m. 56 Bildtaf, 2 einfarb. Übers.-Ktn.
  • Seitenzahl: 694
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 154mm x 44mm
  • Gewicht: 866g
  • ISBN-13: 9783871346705
  • ISBN-10: 3871346705
  • Best.Nr.: 33374784
"Eine grandiose, einfühlsame Darstellung. Schönheit und Schrecken lässt die Tragödie des Krieges lebendig werden." (Simon Sebag Montefiore).

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Peter Englunds Geschichte des Ersten Weltkriegs in neunzehn Schicksalen bei Johannes Willms hinterlassen. Dem Journalisten und Historiker gelingt es in seinen Augen, auf Grundlage von Briefen, Tagebüchern und Erinnerungen die Perspektiven von neunzehn überwiegend jungen Menschen zu einem beeindruckenden Panorama des Ersten Weltkriegs zu montieren. Deutlich wird für Willms, wie sich im Verlauf des Kriegs die Gefühlswelt der Protagonisten verändert, wie sie am Ende alle desillusioniert, gebrochen oder tot sind. Allerdings findet Willms auch einige Punkte problematisch: zum einen hätten die neunzehn Protagonisten bei Englund einen Überblick über das Geschehen, der eigentlich nur aus dem historischen Abstand heraus möglich ist. Zum anderen sprächen alle in derselben Tonlage, da Englund ihre Äußerungen weitgehend paraphrasiere und entsprechend seiner Komposition portioniere. Für eine literarische Erzählung wäre dies nach Ansicht von Willms völlig in Ordnung, den Ansprüchen an ein historisches Erzählwerk wird dieses Verfahren aber nicht gerecht. So ist Englunds Buch für ihn letztlich das, was im Fernsehen "Doku-Fiction" genannt wird. Danach beurteilt, resümiert der Rezensent, ist Peter Englund "ein Muster dieses Genres gelungen".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.12.2011

Illusion der Schönheit, Realität des Schreckens
Sie haben alle verloren, ihnen allen hat der Krieg etwas geraubt: Aus dem Erleben von neunzehn Menschen montiert der schwedische Historiker
Peter Englund ein Panorama des Ersten Weltkriegs – ein virtuoses Stück „Anti-Geschichte“ Von Johannes Willms
Der Augenzeugenbericht als privilegierte Quelle einer Geschichtserzählung war aus guten methodischen Gründen lange Zeit passé. Erst das Fernsehen hat den vermeintlich besonderen Quellenwert des Augenzeugen für die Vermittlung dessen, „wie es eigentlich gewesen“, rehabilitiert. Dafür gaben vor allem dramaturgische Zwänge den Ausschlag, denen die fernsehgerechte Geschichtserzählung unterliegt. Dass diese Zwänge irgendwann Folgen haben, war abzusehen, nicht jedoch, dass sie zu methodischen Tugenden verklärt werden würden. Auf die schwört eine popularisierende Geschichtsschreibung, die im Urteil des breiten Publikums wie auch von Teilen der Kritik fachlichen Darstellungen einfach deshalb überlegen ist, weil sie weniger langweilige Fakten, dafür aber umso mehr Gefühl und Erlebnis bietet. Auch hat Geschichte, nacherlebt am Schicksal eines Einzelnen, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.03.2012

Die Verlorenen des Ersten Weltkriegs

Noch sind es gute zwei Jahre, bis sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährt. Die dann zu erwartende Flut von Büchern, die sich mit der "Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts" (George F. Kennan) befassen, wird enorm sein. Wer die rituelle Erinnerungsmaschine nicht benötigt, um sich mit dem Thema zu befassen, sei auf ein Buch aus dem Grenzbereich von Geschichtswissenschaft und Literatur verwiesen, einen halbfiktionalen Augenzeugenbericht.

Der Historiker Peter Englund ist beides, Fachwissenschaftler und Schriftsteller; er sitzt seit 2009 als Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie vor, die den Literaturnobelpreisträger bestimmt. Den Ersten Weltkrieg hält er für das wichtigste historische Ereignis nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches - weil es den Zweiten Weltkrieg nach sich zog und damit auch den Kalten Krieg. Als Reporter war Englund im Jugoslawien-Krieg, im Irak und in Afghanistan. Das Panorama in seinem ungewöhnlichen Buch könnte breiter angelegt und gleichzeitig fokussierter nicht sein: Denn es richtet den Blick auf die Jugend, die verheizt wurde (Peter Englund: …

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Peter Englund lehrt Geschichte an der Universität Uppsala. Gleichzeitig ist er als Journalist unterwegs, vor allem in Krisengebieten wie jüngst im Bosnienkrieg. Sein Buch "Die Verwüstung Deutschlands" wurde 1993 von der schwedischen Verlegervereinigung als "Bestes Sachbuch des Jahres" ausgezeichnet.

Kundenbewertungen zu "Schönheit und Schrecken" von "Peter Englund"

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Bewertung von Volker Jentsch am 21.02.2012 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch hat mich in Bann gehalten, ich finde es gut, sehr gut, weil es so anders ist als all der Schund, in dem ich als Heranwachsender im Hause meines Großvaters geblättert hatte. Der Schund aus schwerem Papier und oft kunstvollem Einband enthielt hunderte heroischer Bilder und Geschichten, war gefüllt mit nationalistischen Ressentiments und sprach in dem Vokabular, mit dem später Hitler reüssierte und das auch heute noch, nicht nur bei der NPD, in Europa und sonst wo gern gehört wird. Und es ist auch anders als ernstzunehmende Darstellungen, wie z.B. das unvergessliche „Im Westen nichts Neues“ von Remarque. Peter Englund rekonstruiert das Leben von Kriegsteilnehmern aus den beteiligten Ländern, während des vierjährigen Krieges von 1914-1918, anhand der von ihnen verfassten Tagebuch-Aufzeichnungen. Das gibt Gelegenheit, Objektives und Subjektives, Berichte und Gefühle, Geschichte und individuelle Psychologie zusammenzubringen. Alle Menschen in diesem Buch sind bereit, zu Anfang des Krieges ihr Leben zu riskieren, ihrem Land zuliebe; die Ideologen, Propagandisten, Nationalisten und Kriegslüsternen, die in allen Ländern, nicht nur in Deutschland, ihr Unwesen trieben (das wird in diesem Buch sehr deutlich) hatten ganze Arbeit geleistet. Aber mit wachsender Länge des Krieges wächst bei allen auch der Abscheu, wenn auch nicht die Einstellung, sich dem mörderischen Krieg ganz und gar zu verweigern.

Zumindest bei den Historikern ist wohl inzwischen allgemein anerkannt, dass die Herrschenden in den kriegsführenden Ländern den Krieg wollten, um - vor allem - ihrem expansiven nationalen Kapital internationale Entfaltung und Macht zu garantieren. Das war der objektive Befund. Das Buch beschreibt den subjektiven Befund, und hier sehe ich seine besondere Stärke: unaufdringlich klar zu machen, daß in diesem Kriege die Willigen durch die Unwilligen missbraucht und ausgebeutet wurden: die willigen Soldaten, untere Offiziersgrade eingeschlossen, gegen den sicheren Tod aus den gegenüberliegenden Maschinengewehren immer und immer wieder anrennen zu lassen, während die Unwilligen, die höheren Militärs, die Befehlshaber, aus sicherer Entfernung und luxuriöser Umgebung zuschauten.

Egal auf welcher Seite die Helden dieses Buches stehen, es gilt für alle dasselbe, wenn sie Gefahr laufen, beschädigt, verwundet, verkrüppelt, erschossen oder von Granaten zerrissen zu werden: das eigene kostbare Leben zu retten. Warum sich folglich mit dem „Feind“ nicht verbrüdern? Aber wie kann ich das Nahe liegende auch nur aussprechen, wo doch die Kirchen die Waffen und somit den Krieg gesegnet hatten, und die Arbeiterparteien ihren Pazifismus und Internationalismus aufgegeben hatten und plötzlich zu glühenden Nationalisten wurden.

Der große englische Historiker Hobsbawn nannte das 20. Jahrhundert „the Age of Catastrophe“, in den etwa 180 Millionen Menschen ihr Leben gelassen haben, das war etwa ein Zehntel der Weltbevölkerung von 1900. Peter Englund hat den mörderischen Beginn des 20. Jahrhunderts, bei vielen vergessen, bei vielen sicher auch unbekannt, anhand von Einzelschicksalen lebendig gemacht. Schönheit und Schrecken nennt er sein Buch; der hässliche Schrecken ist allgegenwärtig, die Schönheit habe ich, auch wenn sie schrecklich sein sollte, darin nicht gefunden.

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