Mit fremden Augen - Schami, Rafik

Rafik Schami 

Mit fremden Augen

Tagebuch über den 11. September, den Palästinakonflikt und die arabische Welt

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Mit fremden Augen

"Ein sehr lesenswertes und ausgesprochen schönes Buch." Rhein-Neckar-Zeitung

"Der Palästinakonflikt ist nicht irgendein Konflikt. Er ist die Wunde, die mein Leben schmerzhaft begleitet und prägt. Und so, wie jeder Araber ein Stück Wüste mit sich trägt, tragen viele Araber und Juden diese Wunde mit sich. Auch wenn ich seit über dreißig Jahren in Deutschland in Sicherheit und Frieden lebe, meldet sich dieser Konflikt Woche für Woche mit Hartnäckigkeit zurück."

Rafik Schamis sehr persönlich und poetisch geschriebene Tagebuchnotizen umfassen den Zeitraum von Oktober 2001 bis Mai 2002. Sehr direkt und kritisch beleuchtet er wichtige Aspekte der Terroranschläge vom 11. September, des Palästinakonflikts und der arabischen Welt und entwirft dabei ein buntes Kaleidoskop nachdenklicher, aber auch humorvoller und ironischer Impressionen - getragen vom Wunsch nach einer friedlichen Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern.

Rafik Schamis Reflexionen über den Jahrhundertkonflikt in Palästina wurden nicht durch den 11. September ausgelöst. Der Autor ist vielmehr mitten in diesem Konflikt geboren, in Damaskus, einer Stadt, deren Geschichte durch den arabisch-israelischen Konflikt mitbestimmt wurde. Der 11. September bewirkte jedoch eine starke Beschleunigung der Gewaltspirale, und die Vernunft hinkt seither machtlos mit Erklärungen und Mahnungen hinterher.
Rafik Schami stellt in seinem Tagebuch- welches den Zeitraum von Oktober 2001-Mai 2002 umfaßt- wichtige Fragen: Wie empfindet ein arabischer Autor den Konflikt, die Darstellung in den Medien, die Reaktion der Intellektuellen in der westlichen Welt? Wie schätzt er die aktuelle Entwicklung ein? Gibt es eine andere Perspektive außer der in der westlichen Welt weitverbreiteten? Ist es möglich, auf Dauer eine dritte Position zu vertreten, eine Position, die weder gegen die Palästinenser noch gegen die Israelis, sondern entschieden für beide Völker ein tritt? Eine Position weder für George W. Bush und Tony Blair noch für Osama Bin Laden und Saddam Hussein, sondern eine Haltung, die entschieden gegen die tausendfache Zerstörung von Leben Stellung bezieht? Ist solch eine Posititon noch politisch, oder nur moralisch? Wie empfindet ein Exilautor, der vor den Fundamentalisten und Nationalisten geflohen ist, die antiislamische und antiarabische Welle, die in Deutschland als vorübergehender Ersatz für den verbotenen Antisemitismus sorgfältig gezüchtet und gepflegt wird? Was bewegt ihn? Was macht ihm Angst oder Hoffnung? Auf all diese Fragen versucht Rafik Schami eine Antwort zu geben. Seit Mitte der siebziger Jahre bemüht er sich um den Dialog zwischen Israelis und Arabern und seine Interviews und Essays haben immer die Versöhnung zum Thema. Schami ist überzeugt, daß alle anderen verführerischen Wege, welche die eigenen Ziele heiligen und den anderen nur als ein Hindernis wahrnehmen, den man mit Kriegbeseitigen kann, in die Sackgasse führe n; nur der zähe und langwierige Weg des Miteinander berechtigt zur Hoffnung. Viele von Schamis Tagebuchaufzeichnungen haben ihren Ursprung in einer Notiz, einer Reflexion, die der Autor auf einem Parkplatz, im Zug, in seinem Arbeitszimmer oder im Hotel festhielt.In diesem Buch vermittelt Schami seinen Leserinnen und Lesern einen Einblick in seine Notate. Es sind aber Überlegungen und Konzentrate, die -wie sollte es bei Schami anders sein- mit Poesie, Humor und Ironie aufgezeichnet sind. Die Ereignisse des Zeitraums, für den Schami Einblick in sein Arbeitsjournal gewährt, sind schockierend. Man kommt jedoch durch die kurzen kulturellen, literarischen und philosophischen Ausflüge auf Nebenpfaden wieder zur Ruhe. Darin liegt die Stärke dieses Buches.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 156 S.
  • Seitenzahl: 160
  • dtv Taschenbücher Bd.13241
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 119mm x 15mm
  • Gewicht: 174g
  • ISBN-13: 9783423132411
  • ISBN-10: 3423132418
  • Best.Nr.: 12429357
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.05.2003

Unwissenheit gebiert Terror
Israelis und Palästinenser kennen sich viel zu wenig
RAFIK SCHAMI: Mit fremden Augen. Tagebuch über den 11. September, den Palästinakonflikt und die arabische Welt. Palmyra Verlag, Heidelberg 2002. 148 Seiten, 19,90 Euro.
Der Erzähler Rafik Schami berichtet, er bekomme des öfteren Ärger mit seinen erdichteten Figuren. Dies um so gewisser, je länger sie auf ihren nächsten Auftritt in seinen blumigen Geschichten warten müssen. Schami ist als erfolgreicher Autor sehr gefragt. Lesungen, Interviews und Fernsehauftritte halten ihn oft vom Schreiben ab. Kein Wunder, dass das Personal seines „seit über zwanzig Jahren in Arbeit befindlichen Liebesromans einen rüden Ton” anschlägt.Trotz dieser Misshelligkeit hat er sich nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001 von seinem Verleger dazu überreden lassen, ein politisches Tagebuch zu führen, das vom Oktober 2001 bis Mai 2002 reicht.
Als politischer Mensch habe er sich einem solchen Wunsch nicht verschließen können – zumal als einer, der für beide Seiten im gegenwärtigen Nahostkonflikt Verständnis hat, bekennt Schami. 1946 in Damaskus geboren und in Syrien …

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"Rafik Schami hat ein erfreulich unkonventionelles Buch geschrieben, das mit um so größerem Interesse und Gewinn zu lesen ist, als er nicht mit der Attitüde des besserwisserischen Islam- oder Nahost-Experten daherkommt, den wir aus den Medien kennen. Er konfrontiert uns vielmehr nachdenklich, mitunter auch ironisch und humorvoll, mit seinen Erkenntnissen und Erfahrungen." Frank Niess in der 'Süddeutschen Zeitung'<br/><br/>"Die Widmung dieses Buches - für die israelischen und palästinensischen Kinder - hat mich sehr beeindruckt. Gerade in diesen Zeiten dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren, daß Schamis Vision doch noch eines Tages Wirklichkeit wird." Alfred Biolek in der Sendung 'Boulevard Bio'<br/><br/>"Ein sehr lesenswertes und ausgesprochen schönes Buch." Rhein-Neckar-Zeitung
Rafik Schami, geboren 1946 in Damaskus, kam 1971 nach Deutschland, studierte Chemie und legte 1979 seine Promotion ab. Heute lebt er in München. Er ist Mitbegründer der Literaturgruppe 'Südwind' und zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk wurde unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Hermann-Hesse-Preis, dem Prix de Lecture und mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt Rafik Schami den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund und 2011 wurde er mit dem Menschenrechtspreis "Gegen Vergessen - Für Demokratie" ausgezeichnet.

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