Deutschland aus der Vogelperspektive - Vogel, Bernhard; Vogel, Hans-Jochen

Bernhard Vogel Hans-Jochen Vogel 

Deutschland aus der Vogelperspektive

Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik. Bebilderte Geschenkausgabe

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Deutschland aus der Vogelperspektive

33.000 verkaufte Exemplare der ersten Ausgabe Im vergrößerten Format und mit einem faszinierenden Bildanteil von 84 Fotos Dieses Buch "sollte Pflichtlektüre an Schulen zum Thema neuere deutsche Zeitgeschichte werden." Deutschlandradio

Hans-Jochen und Bernhard Vogel haben die Geschichte der Bundesrepublik von Anfang an erlebt. Als Betroffene und als Akteure. Den 8. Mai 1945 erlebte der eine als Kriegsgefangener in Italien, der andere als Schüler in Gießen. Politische Vorbilder wurden so gegensätzliche Persönlichkeiten wie Schumacher und Adenauer. Beider Wege führten in hohe Ämter. Die großen Daten von 60 Jahren deutscher Nachkriegsgeschichte sind verbunden mit Stationen auch ihres politischen Lebens. Adenauers Moskaureise, Mauerbau, Berlinblockade, die große Koalition und die 68er Bewegung tauchen auf, bis hin zur Wiedervereinigung. Aber auch persönliche Erinnerungen führen Zeitgeschichte im Gepäck: die erste D-Mark und das erste Auto, die Begegnungen mit Brandt und Wehner, Katastrophen wie die Entführung der "Landshut", das Blutbad von München, die Ramstein-Katastrophe oder der Mord am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Bei allen Unterschieden der Deutung - gemeinsam ist die Werthaltung, das Engagement und die leidenschaftliche Lust am Gestalten. Ein ungewöhnliches und spannend erzähltes, persönliches Geschichtsbuch.


Produktinformation

  • Verlag: Herder, Freiburg
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 356 S. m. Fotos, 32 Fototaf.
  • Seitenzahl: 356
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 164mm x 38mm
  • Gewicht: 735g
  • ISBN-13: 9783451298103
  • ISBN-10: 3451298104
  • Best.Nr.: 23155510
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.06.2007

Das Hohelied der Bundesrepublik
Die Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel erinnern sich im Wechselspiel

Eine pfiffige Idee, die beiden Vogel-Brüder, die in SPD und CDU erstaunliche Karriere machten, über Jahrzehnte nie gemeinsam auftraten, sich aber in allen politischen Kämpfen stets respektierten und freundschaftlich verbunden blieben, im Wechselspiel einen Blick zurück werfen zu lassen auf sechs Jahrzehnte deutscher Zeitgeschichte. Am Anfang steht, natürlich, das Ende des Krieges, aus dem der sechs Jahre Ältere, Hans-Jochen, mit einem Bauchschuss in Norditalien herauskommt, während der Jüngere amerikanischen Tanks am Ostermontag 1945 im heimatlichen Gießen begegnet. Dass die totale Niederlage zugleich eine Befreiung bedeutet, erschließt sich beiden erst allmählich, wobei Hans-Jochen, früh schon schulmeisterlich, Bernhards politische Bildung übernimmt, die wichtigsten Wochenereignisse abfragt, richtige Antworten mit 50 Pfennig honoriert. Dass ihm der jüngere Bruder jedoch 1950 nicht in die SPD folgen mag, stattdessen etwas später in die CDU eintritt, wird als notwendiger Emanzipationsakt mehr als erklärlich.

Währungsreform, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.07.2007

Ziemlich ungleich
Zeitgeschichte, erzählt von Bernhard und Hans-Jochen Vogel
Jeden Samstagabend war der kleine Bernhard gefordert. Da musste er seinem großen Bruder Hans-Jochen Rede und Antwort stehen. Wenn er „einigermaßen fehlerfrei und vollständig berichten konnte, was sich in der zurückliegenden Woche politisch ereignet hatte” bekam er vom Älteren 50 Pfennig, bei Fehlern gab es weniger. So berichtet es ganz uneitel und ehrlich Bernhard Vogel selber in dem Gemeinschaftswerk, das er zusammen mit Hans-Jochen Vogel verfasst hat. Wie sehr und ob überhaupt dieses Lehrer-Schüler-Verhältnis auch die folgenden Jahrzehnte der Brüder geprägt hat, kann nur vermutet werden. In ihrer „kleinen Geschichte der Bundesrepublik” haben sie jedenfalls ihre Gefühle füreinander außen vor gelassen.
In Sachen Karriere muss eh keiner hinter dem anderen zurückstecken. Die Vogels dürften die erfolgreichsten Politiker-Brüder der deutschen Geschichte sein. Hans-Jochen Vogel wurde schon mit 34 Jahren Oberbürgermeister von München. Er war Regierender Bürgermeister von Berlin, Städtebau- und Justizminister in Bonn, SPD-Chef und Kanzlerkandidat. Bernhard Vogel war …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Mit Gewinn hat Ralf Husemann diese "kleine Geschichte der Bundesrepublik" der Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel gelesen. Er erinnert an die höchst erfolgreichen politischen Karrieren der Brüder in SPD beziehungsweise CDU, die während ihrer aktiven politischen Laufbahn jeden gemeinsamen Auftritt vermieden haben. Schon darum scheint Husemann vorliegendes Buch "bemerkenswert". Wer nun allerdings erwartet, Vogel und Vogel würden hier die Klingen kreuzen, dürfte nach seiner Einschätzung enttäuscht sein. Statt den Dissens zu suchen, rät Husemann einfach, sich auf die jeweilige Perspektive einzulassen. Dabei werde man Unterschiede finden, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Schließlich leiteten beide ihre Grundwerte aus "christlichen Wurzeln" her und betrachteten die Geschichte der BRD "eine beispiellose Erfolgsgeschichte". "Spektakuläre neue Erkenntnisse" findet Husemann in dem Buch zwar nicht, wegen der zahlreichen interessanten Details lohne sich die Lektüre aber dennoch.

© Perlentaucher Medien GmbH
Dr. phil. Bernhard Vogel, 1932 in Göttingen geboren, war nach dem Abitur in München und dem Studium dort und in Heidelberg von 1961 bis 1967 Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg, 1965 bis 1967 Bundestagsabgeordneter, von 1967 bis 1976 Kultusminister und von 1976 bis 1988 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Seit 1985 ist er Vizepräsident der Europäischen Demokratischen Union. 1989 wurde er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, 1992 Ministerpräsident von Thüringen. Seit 1993 ist er auch Landesvorsitzender der CDU in Thüringen.

Leseprobe zu "Deutschland aus der Vogelperspektive"

18. Mai 1945 – Als der Krieg zu Ende ging (S. 14-15)

Kriegsgefangener in Italien
Hans-Jochen Vogel

Das Kriegsende habe ich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in einem Lager bei Coltano in der Nähe von Pisa erlebt. Soldat war ich seit Ende Juli 1943. Ich hatte mich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, weil mein Jahrgang besonders nachdrücklich von der Waffen-SS „umworben“, das heißt zum Eintritt in die Waffen-SS gedrängt wurde. Erst der Annahmeschein der Wehrmacht schützte einen vor weiteren Behelligungen. Ich war damals 17 ½ Jahre alt. Auch ohne freiwillige Meldung wäre ich wenig später einberufen worden.

Nach Ausbildungszeiten in Frankreich und Mitteldeutschland und einem Fronteinsatz in Italien, der wegen einer komplizierten Verletzung vorzeitig endete, kehrte ich nach längerem Lazarettaufenthalt im Januar 1945 als Unteroffizier zu meiner Einheit nach Italien zurück. Anfang März 1945 wurde ich bei dem Versuch, eine verloren gegangene Berghöhe südlich von Bologna wieder in Besitz zu nehmen, durch einen Bauchschuss verwundet. Unser Gegner war dort eine brasilianische Einheit.

Heute wissen nur noch wenige, dass sich an dem von Hitler begonnenen Krieg an der Seite der drei Hauptalliierten USA, Sowjetunion und Großbritannien am Ende 44 weitere Staaten beteiligt haben – darunter neben acht anderen südamerikanischen Staaten eben auch Brasilien, das als einziges Land auch Truppen in Stärke einer Division nach Europa entsandte. Eben diese kam dann um die Jahreswende 1944/45 in Norditalien zum Einsatz. US-Verbindungsoffizier bei dieser Division war übrigens ein Major namens Vernon Walters. Ich habe ihn später in Bonn während meiner Zeit als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion als Botschafter der Vereinigten Staaten persönlich kennengelernt und mit ihm die Befriedigung darüber geteilt, dass aus Feinden, die sich 40 Jahre zuvor an der Front gegenübergestanden hatten, Bundesgenossen geworden waren. Bundesgenossen, die ungeachtet einiger Meinungsverschiedenheiten – etwa in der Nachrüstungsfrage – in den Grundpositionen übereinstimmten.

Nach erneutem Lazarettaufenthalt fand ich mich im April wieder bei meinem Bataillon ein. Das Bataillon – in Friedenszeiten 600 bis 1000 Mann, jetzt aber höchstens noch 80 Mann stark – befand sich südlich des Po auf dem Rückzug. Ein Hauptfeldwebel, der es gut mit mir meinte, schickte mich mit den Handwerkern der Einheit (das waren etwa zehn Mann) und 15 Kühen (das war die letzte Verpflegungsreserve von Belang) nach Norden auf den Marsch. Ich sollte die Männer und die Kühe über den Po in Sicherheit bringen und dann irgendwo zwischen Po und Etsch oder auch nördlich der Etsch wieder mit dem Bataillon zusammentreffen. Wahrscheinlich wollte der Hauptfeldwebel so dem jüngsten Unteroffizier seiner Einheit eine Chance geben, zu überleben und früher als andere nach Hause zu kommen.

Am Abend vor dem Abmarsch – es war der 19. April 1945 – hörte ich zusammen mit einer Handvoll Kameraden in einem halb zerstörten Bauernhaus Joseph Goebbels' Rede zu Hitlers 56. Geburtstag. Obwohl wir wussten, dass die westlichen Alliierten und auch die sowjetischen Truppen schon tief nach Deutschland vorgestoßen und die Heimatorte der meisten von uns bereits besetzt waren, und obwohl auch in unserem Frontabschnitt der endgültige Zusammenbruch schon begonnen hatte, gelang es diesem teuflischen Verführer noch einmal, uns für einen Augenblick in seinen Bann zu ziehen. Ob nicht doch im letzten Moment noch die Wunderwaffen eine Wende brächten? Und ob nicht doch vielleicht der Tod des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, den er wohl mit dem Tode der russischen Zarin Elisabeth während des Siebenjährigen Krieges verglich, zum Auseinanderfallen des Bündnisses der Westmächte mit der Sowjetunion führen würde, so wie der Tod der Zarin das Ausscheiden Russlands aus der Allianz gegen Friedrich den Großen zur Folge hatte? So fragten wir uns. Aber die Wirkung dieses letzten Versuchs einer Massensuggestion verflog binnen weniger Minuten. Einschläge in nächster Nähe und der Anblick einzelner oder auch in Gruppen zurückflutender Soldaten brachten uns rasch auf den Boden der Realität zurück.

Meine kleine Gruppe erreichte in den folgenden Tagen mit einiger Mühe den Po. Tiefflieger und Partisanen machten jede Bewegung am Tage und auch in der Nacht überaus riskant. Am Po gab es keine intakten Brücken mehr, sondern lediglich noch Fähren, die wegen der ständigen Luftangriffe nur während der Dunkelheit übersetzen konnten. Als wir versuchten, auch unsere Kühe auf eine solche Fähre zu bringen, erklärte mich der Fährenkommandant für verrückt und drohte, uns insgesamt vom Transport auszuschließen. So ließen wir die Kühe zurück und waren froh, dass wir selber über den Fluss kamen. Von dort marschierten wir zwischen Versprengten anderer Einheiten in Richtung Vicenza. Plötzlich umringten uns an einem Ortseingang bewaffnete Zivilisten in großer Zahl. Wir hielten Widerstand für sinnlos und nahmen die Hände hoch. Einige Minuten war die Situation angespannt. Die Partisanen – um solche handelte es sich – schienen unschlüssig, was sie mit uns anfangen sollten. Dann erschien ein katholischer Priester, der begütigend auf sie einredete und uns – inzwischen war die Zahl der Gefangenen auf über 50 angewachsen –, von den Partisanen bewacht, auf den Dorffriedhof führte. Dort saßen wir acht Stunden zwischen den Grabsteinen, bis eine amerikanische Einheit eintraf und uns zu einer Gefangenensammelstelle auf einer großen Wiese brachte.

Binnen Kurzem versammelten sich auf dieser Wiese etwa 5000 Gefangene, und zwar nicht nur Deutsche, sondern auch Dienstverpflichtete, Freiwillige und sogenannte Hilfswillige aus vieler Herren Länder, die meisten in einem ziemlich kläglichen Zustand. Auf der anderen Seite der Wiese zogen in einer nicht abreißenden Kolonne amerikanische Einheiten mit Panzern, Lastwagen und Jeeps vorbei. Im Vergleich zu unseren armseligen Resten eine schier erdrückende Fülle an Menschen und Material, die uns den ganzen Wahnsinn der Hitler'schen Kriegsverlängerung aufs Drastischste vor Augen führte. Von Vicenza wurden wir nach einem kurzen Aufenthalt in einem Zwischenlager mit Lastwagen über den Futa-Pass nach Pisa transportiert. Die Ladeflächen waren mit 40 bis 50 Männern pro Fahrzeug dicht besetzt. In den Passkurven schwankten die Fahrzeuge bedenklich. Durch Pisa marschierten wir am frühen Morgen am Schiefen Turm vorbei in ein ausgedehnteres Gefangenenlager, in dem etwa 25.000 Mann untergebracht waren. Die Lebensbedingungen waren einigermaßen erträglich. Da ich von der Schule her etwas Englisch konnte, wurde ich als Dolmetscher eingesetzt.

Kundenbewertungen zu "Deutschland aus der Vogelperspektive"

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Bewertung von K. Wiedmer am 30.12.2008 ***** sehr gut
Deutschland aus der Vogelperspektive ist zunächst ein gut zu lesendes Geschichtsbuch. Angefangen von den Kriegsjahren bis hin zu Fussball-WM 2006 beschreiben die Brüder ihre Erlebnisse aus sieben Jahrzehnten. Bernhard und Hans-Jochen Vogel bleiben sich dabei treu: Auch wenn sie eigentlich spannende Sachverhalte schildern, bleiben sie merkwürdig distanziert und unterkühlt. Es fehlt wie gewohnt an jeder Emotion. Auch bleibt die Hoffnung des Lesers auf Aufschlüsse über das Verhältnis der Brüder zueinander enttäuscht. Zwar wird berichtet, wie Bernhard an jedem Wochenende zu Ereignissen des aktuellen politischen Geschehens befragt wurde - und für richtige Antworten einige Groschen bekam - es fehlt jedoch an jedem weiteren Hinweis zu einem irgendwie gearteten Verhältnis der Brüder zueinander. Auch wenn in den hinteren Kapiteln einige Abschnitte von beiden gemeinsam gezeichnet sind, so bleibt dennoch der Eindruck, dass die beiden Deutschland aus der Vogelperspektive nicht gemeinsam, sondern aneinander vorbei verfasst haben.

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