Deutsches Militär auf kolonialen Kriegsschauplätzen - Kuß, Susanne

Susanne Kuß 

Deutsches Militär auf kolonialen Kriegsschauplätzen

Eskalation von Gewalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts

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Deutsches Militär auf kolonialen Kriegsschauplätzen

Waren die Deutschen in ihren Kolonialkriegen besonders gewalttätig? Ist bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Völkermord bewusst als militärische Mittel eingeplant worden? In ihrer großen empirischen Untersuchung zum Boxerkrieg in China 1900/01, dem Herero- und Namakrieg in Deutsch-Südwestafrika 1904 07 sowie dem Majimajikrieg 1905 08 in Deutsch-Ostafrika zeigt die Autorin, dass Form und Ausmaß der Gewalt in jenen Kriegen aus der Situation vor Ort erwachsen sind. Es entwickelte sich jeweils eine eigene, nicht vorhersehbare Dynamik. Damit liefert sie einen eigenständigen Beitrag zur Genozid-Forschung.


Produktinformation

  • Verlag: Links
  • 2010
  • 2., durchges. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 500 S. m. 3 Ktn.
  • Seitenzahl: 500
  • Studien zur Kolonialgeschichte Bd.3
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 159mm x 38mm
  • Gewicht: 830g
  • ISBN-13: 9783861536031
  • ISBN-10: 386153603X
  • Best.Nr.: 29612104
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.04.2011

Erschreckende Brutalität
Deutsche Soldaten auf kolonialen Kriegsschauplätzen: "Strafexpeditionen"

"Pardon wird nicht gegeben!" So verabschiedete Wilhelm II. nach der Ermordung des deutschen Gesandten in China das Expeditionskorps im Sommer 1900 von Bremerhaven aus nach Fernost. Diese Parole, die bald sogar fester Bestandteil eines eigens komponierten martialischen Soldatenliedes war, gilt bis heute zu Recht als Beleg dafür, dass der Kaiser nicht zuletzt wegen seiner häufig unüberlegten Reden völlig ungeeignet war, seiner Stellung als Monarch gerecht zu werden. Weitaus wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass einige Kolonialhistoriker in derartigen Äußerungen den Beweis für die spezifische Ausprägung einer "militärischen Kultur" in Deutschland gefunden zu haben glauben. Diese habe den "ultimativen Tabubruch", die Vernichtung ganzer Ethnien wie der Hereros, nicht nur zu denken gewagt, sondern ihren Vollzug auch schon vor 1914 erlaubt. Die Verbrechen des NS-Regimes und der Wehrmacht seien insofern nur die radikalste Variante einer Politik, die erstmals in den Kolonialkriegen in China, Deutsch-Südwest- und Deutsch-Ostafrika systematisch praktiziert …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Der Studie der Freiburger Historikerin Susanne Kuss entnimmt Thomas Speckmann die Erkenntnis, dass zwischen den deutschen Kolonialkriegen und dem rassischen Vernichtungskrieg der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg kein kausaler Zusammenhang besteht. Kuss zeigt ihm, welche Faktoren außer Rassismus, Nationalismus und "Militärkultur" (seltsames Wort) noch bedeutsam waren für die imperialistische militärische Gewalt in den drei großen deutschen Kolonialkriegen (Boxerkrieg, Herero- und Namakrieg, Majimajikrieg). Geografie, Klima, Kultur, Herkunft des Gegners, sein Guerillakampf und andere unwägbare Momente erkennt Kuss als entscheidend für die Kolonialkriege. Rassismus und Propaganda seien dagegen bedeutsam für die Kriege Deutschland gegen Polen und die Sowjetunion 1939 und 1941. So differenziert Kuss die Handlungsbedingungen für die Soldaten analysiert, so klar ist dem Rezensenten doch eines: Die historische Verantwortung für die deutschen Kolonialkriege bleibt bestehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.08.2011

Nicht
typisch deutsch
Vorbereitung der NS-Vernichtungskriege? Susanne Kuß’
erhellende Studie der Kolonialkriege im Kaiserreich
Waren die Kolonialkriege des deutschen Kaiserreichs ein Vorbild für die Vernichtungskriege des Dritten Reichs? Immer wieder ist auf die Kontinuitäten in der Kriegführung hingewiesen worden. Susanne Kuß gelangt zu einem anderen Urteil. Ihre grundlegende Untersuchung des Boxerkrieges 1900/01, des Herero- und Namakrieges 1904 – 1907 und des Majimajikrieges 1905 – 1908 zeigt, dass diese drei großen Kolonialkriege weder Experimentierfelder noch Voraussetzung für den von den Nationalsozialisten knapp vierzig Jahre später geführten rassischen Vernichtungskrieg waren.
Für das Ausmaß der militärischen Gewalt im Zeitalter des Imperialismus macht die Freiburger Historikerin neben Rassismus, Nationalismus und Militärkultur weitere wesentliche Faktoren verantwortlich: die Herkunft der Soldaten und ihr fehlendes Wissen um die Guerillakriegführung; die Konfrontation mit einem fremden Gegner und dessen Kultur; die unbekannten klimatischen und geographischen Bedingungen, die zu Krankheit und Tod führten; sowie die Akzeptanz …

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Im Gesamten ist das Buch von Susanne Kuß eine hervorragend recherchierte und gut in den wissenschaftlichen Diskurs eingebettete Untersuchung zur Gewalt in der deutschen Kolonialgeschichte. Eine umfassende vergleichende Studie zu den kolonialen Kriegen war besonders angesichts der hitzig geführten Debatte um Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus sicherlich wünschenswert. Susanne Kuß nimmt diese Debatte auf und gibt mit ihrem Konzept des Kriegsschauplatzes wichtige Denkanstöße. Durch ihre reichhaltige Quellenarbeit eröffnet ihr Werk den Zugang zu wichtigen Einflussfaktoren der Kriegsführung. Gerade im Bezug auf die aktuellen Mandate der Bundeswehr gibt Susanne Kuß ihren Thesen eine Aktualität, die für mögliche Gewalteskalationen in "out-of-area"-Einsätzen bedacht werden sollten. Arne Elias, H-Soz-u-Kult Nicht im Mindesten werden in der Studie extreme Gewalt, Massaker und Vernichtungspolitik relativiert. Nur wird die Komplexität der vielen deutschen und europäischen Kolonialgeschichten eindrucksvoll vor Augen geführt. An den Anregungen dieses Buches sollte die Debatte über den deutschen Kolonialismus nicht vorbeigehen. Winfried Speitkamp, Historische Zeitschrift

Im Gesamten ist das Buch von Susanne Kuß eine hervorragend recherchierte und gut in den wissenschaftlichen Diskurs eingebettete Untersuchung zur Gewalt in der deutschen Kolonialgeschichte. Eine umfassende vergleichende Studie zu den kolonialen Kriegen war besonders angesichts der hitzig geführten Debatte um Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus sicherlich wünschenswert. Susanne Kuß nimmt diese Debatte auf und gibt mit ihrem Konzept des Kriegsschauplatzes wichtige Denkanstöße. Durch ihre reichhaltige Quellenarbeit eröffnet ihr Werk den Zugang zu wichtigen Einflussfaktoren der Kriegsführung. Gerade im Bezug auf die aktuellen Mandate der Bundeswehr gibt Susanne Kuß ihren Thesen eine Aktualität, die für mögliche Gewalteskalationen in »out-of-area«-Einsätzen bedacht werden sollten. Arne Elias, H-Soz-u-Kult Nicht im Mindesten werden in der Studie extreme Gewalt, Massaker und Vernichtungspolitik relativiert. Nur wird die Komplexität der vielen deutschen und europäischen Kolonialgeschichten eindrucksvoll vor Augen geführt. An den Anregungen dieses Buches sollte die Debatte über den deutschen Kolonialismus nicht vorbeigehen. Winfried Speitkamp, Historische Zeitschrift
Susanne Kuß: Jahrgang 1965; 1984-91 Studium der Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Freiburg und Berlin; 1992-94 Mitarbeiterin am Ostasiatischen Seminar der Freien Universität Berlin; 1994-2008 in verschiedenen Positionen am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg tätig; 1998 Promotion. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kolonialgeschichte und zur deutsch-chinesischen Geschichte.

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