Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900 - Röhl, John C. G.

John C. G. Röhl 

Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900

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Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900

Der international renommierte Historiker John Röhl legt hier die Fortsetzung seiner Biographie Wilhelms II. vor. Der neue Band schildert jene entscheidende Phase der Herrschaft, die als Aufbau der Persönlichen Monarchie bezeichnet wird. Kennzeichen dieser Regierungsphase sind Bismarck-Krise und Kanzlersturz, außenpolitische Inkompetenz und Caesarenwahn, Flottenbauprogramm und beginnende internationale Isolierung, aber auch innerfamiliäre Tyrannei und eine massiv antidemokratische Grundhaltung.

Wilhelm II. war in seiner persönlichen Machtfülle - die bislang von den Historikern verkannt wurde - für Deutschland und Europa in fataler Weise geschichtsmächtig. John Röhl beschreibt, wie Wilhelm bereits unmittelbar nach der Thronbesteigung seine von jeder Sachkenntnis ungetrübte Außenpolitik aufnahm, deren Leitlinie allein der narzißtische Charakter des jungen Herrschers war. So wird nachvollziehbar, daß der Konflikt mit dem Großmeister des feinen diplomatischen Kalküls, Otto von Bismarck, nicht ausbleiben konnte. Die Darstellung der Eskalation im Verhältnis der beiden zueinander und die Eruption in Form der Entlassung des "Eisernen Kanzlers" bilden zwei der vielen darstellerischen Höhepunkte dieses Werkes. Das Regierungskonzept Wilhelms bestand darin, die fähigen, charakterstarken Persönlichkeiten aus seinem Umfeld zu entfernen und durch schwache, möglichst ihm ganz und gar kritiklos gegenüberstehende Männer zu ersetzen - die unheilvollste Rolle sollte fortan se in Intimus Philipp Eulenburg spielen. Wilhelm aber fühlte sich als von Gott mit seinem hohen Amt belehnt und wähnte sich daher berufen, in allem allein zu herrschen und zu befehlen. John Röhl zeigt in eindrucksvoller Klarheit, wie diese maßlose, nachgerade pathologische Selbstüberschätzung vom ersten Jahr seiner Herrschaft an zu massiven Irritationen in seiner Umgebung führte und auch das Grundthema seines Wirkens auf dem besonders sensiblen Feld der Außenpolitik bildete.
Mit welch fataler Zielstrebigkeit der letzte deutsche Kaiser seinen Weg verfolgte, und wie er in Uniformbesessenheit, Flottenwahn und Militarismus Deutschland letztlich in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs steuern sollte, wird in diesem Buch wie in keinem anderen deutlich.


Produktinformation

  • Wilhelm II.
  • Verlag: Beck
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 1437 S. m. 55 Abb.
  • Seitenzahl: 1437
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 148mm x 58mm
  • Gewicht: 1606g
  • ISBN-13: 9783406482298
  • ISBN-10: 3406482295
  • Best.Nr.: 09853406
"Was der Autor alles aufgespürt hat und vor uns ausbreitet, das ist höchst beeindruckend, manchmal geradezu sensationell." (Volker Ullrich, Die Zeit)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2001

Bruchstücke einer großen Konfession
Materialschlacht im Zettelkasten: John C. G. Röhl hat den zweiten Band seiner monumentalen Biographie Wilhelms II. hinter sich gebracht
Von seinem Verleger Cotta gefragt, ob er nicht eine Biographie Friedrichs des Großen schreiben wolle, lehnte Friedrich Schiller dieses Ansinnen ab: Er könne diesen Charakter nicht lieb gewinnen. Eine solche Antwort ist plausibel, betrachtet man die Biographie als ein vorrangig literarisches Werk, das in Zeiten des Idealismus zumal nur als ein Kind der Liebe zu ihrem Gegenstand vorstellbar war. Die Biographie im Sinne einer historiographischen Untersuchung hingegen, die das Wechselspiel von Persönlichkeit und Geschichte aufzeigen will, darf eine solche Bedingung ihrer Möglichkeit nicht gelten lassen. Für sie gilt vielmehr, ganz im Sinne Jacob Burckhardts, dass „die großen Individuen ... die Koinzidenz des Allgemeinen und des Besonderen, des Verharrenden und der Bewegung in einer Persönlichkeit” seien: Sie resümierten Staaten, Religionen, Kulturen und Krisen.
Diese Definition des Basler Geschichtsphilosophen erhellt en passant, dass dem Epitheton „groß” keineswegs eine …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.10.2001

Über alle und alles in der Welt
Wilhelm - Der Tragödie zweiter Teil: Vernichtende Urteile über den autistischen Absolutisten

John C.G. Röhl: Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900. Verlag C.H. Beck, München 2001. 1437 Seiten, 55 Abbildungen, 88,- Mark (Subskriptionspreis; ab 1. Januar 2002 dann 49,90 Euro).

Manchmal läßt der Biograph Gnade walten. Dann bemerkt er freundlich über den jungen Kaiser, daß Wilhelms "Gefühl der Überlegenheit" angesichts der europäischen Höfe "objektiv gesehen nicht ganz grundlos war. Mit der möglichen Ausnahme der englischen Königsfamilie war unter den Monarchen und Thronfolgern weit und breit kein redegewandter, energievoller, vielfach interessierter Fürst zu sehen, kein charismatischer Machtmensch, der sich mit Wilhelm hätte messen können." Solche Bemerkungen sind selten. Denn John C. G. Röhl schreibt über einen Herrscher, der sich in den zwölf Jahren von 1888 bis 1900 über alle und alles habe erheben wollen. Solche Ambition habe schon der Begriff "persönliche Monarchie" beinhaltet.

Unter Wilhelm II. wurde Deutschland Großmacht und scheiterte. Das allein ist, …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nun liegt der zweite Band des englischen Historikers Röhl über Wilhelm II. vor, der, wie der Rezensent Werner van Bebber meint, eine minutiöse Studie über dessen durchaus komplizierten Charakter vorlegt. Der Autor betrachte den Werdegang des Kaisers aus allen möglichen Perspektiven und trägt dabei kein besonders positives Bild vor. Dennoch befindet Bebber, dass der Biograf manchmal gut daran getan hätte, das Gesichtsfeld dieser Studie ein wenig zu erweitern, denn schließlich handle es sich nicht immer um ein rein menschliches Versagen des Monarachen, sondern auch manchmal um das einer Institution. Bei einer mehrbändigen Biografie, deren zweiter Teil allein schon über 1400 Seiten umfasst, kann man wohl Bebber recht geben, wenn er am Ende der Besprechung fragt, ob der geneigte Leser, es denn so genau wissen will.

© Perlentaucher Medien GmbH
John C.G. Röhl, geb. 1938 in London, lehrt als Professor an der Universität Sussex Neuere europäische Geschichte. Er hat mehrfach Lehrstuhlvertretungen in der Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen und war Stipendiat des Historischen Kollegs in München sowie mehrerer führender Forschungsinstitute in Amerika. Der 1993 erschienene Band seiner großen Wilhelm-Biographie ist zu einem Standardwerk geworden. Von John C.G. Röhl ist im Verlag C.H.Beck lieferbar: Wilhelm II. Die Jugend des Kaisers (1993); Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik (41995).

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